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Archive for September 2011

Geboren am 5.9.1870 in Berlin, gestorben am 28.6.1928 in Garmisch-Partenkirchen. Auburtin entstammte einer französischen Emigrantenfamilie. Nach dem Studium der Germanistik, Kunst- und Literaturgeschichte arbeitete er für die »Berliner Börsenzeitung«, die Zeitschriften »Jugend« und »Simplicissimus« und das »Berliner Tageblatt«, für das er von 1911 bis 1914 als Auslandskorrespondent in Paris tätig war. Seit 1917 führten ihn Reisen in mehrere europäische Länder.

Seine Kurzgeschichten sind nicht nur schön zu lesen, sondern haben auch (fast) immer ein ungewöhnliches Ende. Wer Lust auf schöne Kurzgeschichten hat, ist mit Victor Auburtin gut beraten. Hier ein Auszug aus Pfauenfedern:

Einleitung

Vor mir auf dem Tisch liegen drei Bogen Papier, liniiert, etwas gelblich. Daneben ein gut angespitzter Tintenstift. Ich untersuche diesen Tintenstift und bemerke, dass sein Name ist: Dessin Wilson 416 B.

Und mehr Werkzeug brauche ich nicht beisammen zu haben, um der berühmteste Mensch der Welt zu werden.

Auch sonst sind die Umstände dem großen Vorhaben recht günstig.

Es ist Februarabend. Die weißen Vorhänge sind heruntergelassen, die Tischlampe brennt, und die Tabakpfeife ist in richtigem Gang; sammetweich, ohne Nebengeräusche zieht der Rauch durch das Rohr.

Aber drüben auf dem Wandbrett schimmern im Halblicht die Raritäten und die Zierrate: die bronzenen Schalen mit den Löwenköpfen, die gefleckten Schnecken, die Millefiorigläser vom Rialto in Venedig und die stillen Gläser mit den Pfauenfedern.

Also beispielsweise so: an diesem Februarabend könnte ich mit diesem Tintenstift auf dieses gelbe Papier einen Gesang in Terzinen schreiben, gegen den die Divina Commedia erblasste wie eine Gaslaterne am Mittag. Es liegt das alles nur bei mir, alles ist zur Hand. Einen Sonnengesang mit Feuerrädern und tausend flammenden Fenstern.

Oder was hinderte mich, eine Entdeckung naturwissenschaftlicher Art jetzt einfach auf dieses Papier hinzuschreiben? Bunsens Abhandlung über die Spektralanalyse war anderthalb Druckseiten lang und hat die wissenschaftliche Welt umgeworfen. Und was wäre Bunsens Abhandlung über die Spektralanalyse gegen die Entdeckung, die ich jetzt hier aufzuzeichnen die beste Gelegenheit habe?

Überhaupt fällt mir ein, dass das wahre Wort der Welt noch gar nicht gesprochen worden ist, das Wort, auf das sie alle warten. Sehen wir die Werke der Großen durch: sie hauen alle immer irgendwie daneben. Sie sind in der Enge ihrer Zustände befangen, wie jener Dante, oder sie sind, wie Goethe, so stolz, dass sie niemals mit der rechten Sprache herausrücken.

Ich könnte es schreiben, das Weltwort, das die Geschlechter  der Menschen hinrisse, auf dieses Papier schrieb ich es hin mit dem Tintenstift Dessin Wilson 416 B.

Gott könnte ich werden. Bisher hat noch kein Gott geschrieben. Buddha träumte unter Feigenbäumen, Phöbus Apollon leuchtete, Jesus ließ sich ans Kreuz schlagen, alles ganz schön, aber nicht verständlich genug. Also auf; ich wäre der erste Gott mit einem Tintenstift, und feurige Apostel trügen meine Flugschriften in die Welt und lehrten alle Völker.

Oder soll man einen Operntext entwerfen? 20000 Mark ließen sich in einem Schmiss verdienen.

Das Zimmer ist voll Rauch, gewaltige Schwaden umgeben mein Haupt, und die Strahlen des Geistes zucken in ihnen. Die drei Bogen sind vollgeschrieben.

Nun, ich glaube nicht, dass man mich darum zum Gott ausrufen wird, und noch weniger wird mir einer 20000 Mark dafür geben. Aber es ist mein Werk, in seinem Gewebe, mit seinen Fäden, und Stufen und Lichtern.

Und vorsichtig fasse ich es an, und setzte das Schimmerwesen auf das Wandbrett zwischen die Raritäten und Zierrate.

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Auszug aus Natalie Goldbergs Buch: Wild Mind

„Als ich den Stift weglegte, fing mein menschliches Ich an zu wimmern. „Oh, nein, Nat, das können wir unmöglich veröffentlichen.“

Mein schreibendes Ich wandte sich ihm ungläubig zu „Und ob – was denkst denn du? Und was hast du überhaupt für Probleme? Es ist uns eingefallen, also sagen wir es auch.“

Ich wusste es! Anderen geht es auch so. Sie machen sich Gedanken über ihre Sicht die Welt zu sehen, über die Wahrheiten, die sie für sich erkennen und fürchten sich davor sie preiszugeben.

Während wir schreiben kommt Licht an die dunkelsten Geheimnisse unserer Seelen. Wir gelangen an Orte, von denen wir nicht wussten, dass sie in uns existieren und wir schreiben davon. Solange ist alles gut. Das Problem beginnt in dem Moment, in dem wir es öffentlich machen und ich meine damit noch keine offizielle Öffentlichkeit, sondern Freunde und Familie.

Was werden sie sagen? Was denken sie über uns?  Halten sie uns für unmoralisch, verrückt und unnormal. (Was ist normal? Moralisch ?)

Als ich meinen erotischen Roman veröffentlichte, ahnte ich was auf mich zu kommt. Bei Fremden ist das kein Problem. Sie kaufen das Buch und haben Spaß, aber wenn ich jemandem davon erzähle der mich kennt? Ein Kollege las meine Leseprobe und sagte später: …das hätte er nicht von mir gedacht, er sähe mich mit anderen Augen. Ich lachte und dachte, es ist doch interessant, was so ein Text ausmacht und wie aus meiner unauffälligen Erscheinung plötzlich eine spannende Person wird.

Es macht mir nichts aus zu sagen, dass ich einen erotischen Roman veröffentlicht habe. Ich mag meine Geschichte und ich freue mich sehr, dass es einen Verlag gab, der es gedruckt hat, aber es nervt wenn die Leute zu wissen meinen, was von meinen Texten Fiktion und Realität ist (die wir manchmal selbst nicht ganz erkennen)und dann auch noch bohren: Na, was ist denn echt davon? Hast du das schon getan, erlebt…?

Ich muss für meine Texte keine Abbitte leisten oder offenlegen was echt und was ausgedacht ist. Ich bin Schriftstellerin und darf über das schreiben was ich will. Ich will mir keine Tabus zu legen, oder mich zügeln wenn ich schreibe.

„Fantasie muss grenzenlos sein. Denn gezähmt wäre sie keine Fantasie.“  A.Everding

Natalie Goldberg schreibt:

„In unserer Gesellschaft Schriftsteller zu sein, bedeutet auch, eine Entscheidung für ein Leben außerhalb der Norm zu treffen.

Die Schreibpraxis führt uns zurück zur Einzigartigkeit unseres Geistes. Wir alle haben wilde Träume, Fantasien und ganz gewöhnliche Alltagsgedanken. Spüren sie ihre Beschaffenheit und fürchten Sie sich nicht davor. Schreiben ist immer noch die aufwühlendste Erfahrung, die ich kenne.

Ich kann verstehen, warum viele Schriftsteller trinken und Drogen nehmen. Wenn man schreibt, dringt man ins Herz der eigenen Wildheit vor, muss sie akzeptieren und leben lassen und darf sie nicht zerstören.

…Schreiben ist eine fantastische Reise, ein Weg, der uns in die Freiheit führen kann. Und das besondere an diesem Weg ist, dass sie ihn beschreiten können, während sie gemütlich am Tisch sitzen, die Hand über die Seite führen und auf Ihre Mitmenschen ganz normal, vielleicht sogar ein bisschen langweilig wirken. Diese Menschen haben ja keine Ahnung, was sich in Ihrem Inneren abspielt.“

Und das ist es, was mir am Schreiben gefällt und mich unheimlich reizt: niemand hat eine Ahnung davon, was sich in meinem Inneren abspielt… es sei denn, ich erzähle es.

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Musen(küsse)

Braucht ein Dichter (Künstler) eine Muse? Braucht er nicht unbedingt. Es gibt viele Texte, die mir ohne Muse einfallen, wenn man die Bedeutung des Wortes Muse nur auf Menschen bezieht. Schreiben entsteht aus dem Erleben, der Erfahrung, Erinnerung und den Kleinigkeiten, die unsere Umgebung hergibt.

Allerdings gibt es Zeiten, in denen ich ganz stark von einer Muse beeinflusst schreibe. (Namen werden nicht genannt, denn im Geheimins liegt die Würze. Die Musen ahnen oft selbst nicht, dass sie gerade eine sind.)Dadurch bekommt der Text eine andere Dimension. Er wird körperlicher, aufregender und intensiver. Die Muse beeinflusst das Denken und Sein. Ich möchte dazu ein Zitat von Dali anführen:

„Ein Kuss besiegelte meine neue Zukunft! Gala wurde das Salz meines Lebens, das Härtebad meiner Persönlichkeit, mein Leuchtfeuer, meine Doppelgängerin – ICH.“

Ich persönlich gehe nicht soweit zu sagen, dass ich mich in meiner Muse auflöse, aber ich gebe zu, es ist ein aufregendes Gefühl. Man wird in eine Art Verliebtheit versetzt, in der man leidet, da man das Objekt seiner Liebe nicht erreichen kann, und gleichzeitig in einem euphorischen Zustand schwebt, der das Leben in den buntesten Farben erscheinen lässt.

Die Palette reicht von dem Gefühl, dass einem das Herz bricht, bis zu der Illusion, alles ist möglich. Ich habe dann das Empfinden, ich wäre ich in einem verbesserten Zustand. Jünger, glücklicher, kreativer. Das drückt sich auf dem Papier aus. Auf der anderen Seite, erkenne ich die Aussichtslosigkeit meines Rausches und leide, auch das schlägt sich in meinen Texten nieder. Himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt.

Dann kommt irgendwann der Punkt und ich tauche wieder aus diesem ekstatischen Zustand auf und bin erstaunt, was ich alles zu Papier gebracht habe.

Das geht mir auch dann so, wenn ich es schaffe beim Schreiben völlig in meine Texte einzutauchen und mein Denken außen vor zu lassen. Es ist mein anders ICH. Die dunkle Seite des Mondes, die ich sonst keinem zeige. Sie ist immer existent, aber verborgen in mir.

Wenn mich die Musen küssen, schubse ich meinen inneren Kritiker in die Besenkammer, sperre ihn ein, und tanze die ganze Nacht. Wie die Prinzessinnen in dem Märchen: die zertanzten Schuhe. Sie machen ihren Aufpasser betrunken, sodass er fest schläft und nicht bemerkt, dass sie verschwinden und zum Tanz ausgehen. Am nächsten Morgen sind dann alle Schuhe vom Tanzen kaputt.

Ich brauche von Zeit zu Zeit eine Muse, um meinen Bewacher einzuschläfern, weil ich diesen rauschhaften Zustand der Zügellosigkeit herrlich verwegen finde und jede Minute davon genieße und auskoste.

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Nichts ist so schlimm, wie Liebe, ohne Hoffnung auf Erfüllung. Es ist als würde einem die Haut bei lebendigem Leib abgezogen, dass Herz in der Faust zerquetschen oder ein Messer hineingebohrt und umgedreht.

Nichts geht mehr. Nicht vor, nicht zurück. Alles wird davon beherrscht. Jedes Gefühl, jeder Gedanke ist nur auf diese Liebe gerichtet und doch weiß man ganz genau, sie darf nicht sein. Innerlich ist man zerrissen, die Nerven gespannt bis zum Anschlag.

Man möchte niemand verletzen und doch ist klar, dass jemand verletzt wird. Entweder muss man selbst verzichten oder der andere verlässt seinen Partner und auch dann wird es eine böse Verletzung geben. Den Gedanken zu ertragen, dass der Mensch, den man so sehr liebt, mit einer anderen Person zusammen ist, von dieser berührt wird, tut so weh, dass es einen in den Abgrund stürzt.

Ich habe mich immer gefragt, warum? Was macht es möglich, dass da plötzlich diese Gefühle sind, die man nicht zurückschrauben kann? Und wenn man sich noch so mit Arbeit, Hobby oder anderen Drogen voll pumpt, sobald man eine Sekunde Zeit hat kommt es wieder und es gibt nichts, dass man dagegen tun kann.

Ich habe mal den „guten“ Rat bekommen: reiß es dir aus dem Herzen. Aber wie geht das? Sich etwas aus dem Herzen reißen? Ich fürchte, in diesem Fall muss man das Herz mit ausreißen. Nur ohne Herz kann man nicht leben.

Welche Möglichkeit kann es geben, wenn das Herz dem Verstand nicht mehr gehorcht. Es ist wie ein Verrat und doch: „Liebe und Tod kommen immer als ungeladene Gäste, kein Mensch kann sie beherrschen.“ Kein Mensch kann sein eigenes Herz beherrschen, es verrät dich und du kannst nichts dagegen tun.

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Korrekturen

Anna riss den Schlüssel vom Schlüsselboard und warf wutentbrannt die Haustür hinter sich zu. Sie rannte aus der Einfahrt, um die Ecke, die Herrmannstraße hinunter,am Bach entlang bis in den Park.

„Was bildet die sich ein, wie kann sie nur so uneinsichtig und ignorant sein?“

Anna ballte die Fäuste, trat einen Stein weg, der mit einem Krachen gegen einen Baumstamm knallte.

„Das kann alles nicht wahr sein! Und dann diese gemeinen Sprüche…Heftroman, Klischee und pathetisch.“

In Annas Bauch zog sich der Zorn zu einem dicken roten Knäuel zusammen.

„Wenn ich nur was zum draufschlagen hätte. Selber schuld. Nach der zweiten Korrektur hätte ich es schon ahnen müssen, aber ich dachte, ich sollte dankbar für die Chance sein.“

Anna setzte sich auf eine Bank und sah für einen Moment auf den See, aber das Gefühl der Unruhe und das rote Knäuel ließen sie weiter laufen.

„Ich platze gleich…dann breche ich auseinander und zerspringe in tausend Teile…was für eine Sauerei!“

Anna war übel.

„Ich darf meine Selbstachtung nicht verlieren. Anthologie hin oder her…ich schmeiße den Mist, sonst werde ich mir nicht mehr in die Augen sehen können. Korrektur ja, verbiegen nein!“

Sie hielt inne. Vor ihr lag der See. Ein sanfter Wind strich über das Wasser und kräuselte die Oberfläche in zarten Wellen.

„Patientenfahrerin oder Autorin. Was spielt das für eine Rolle…keine! Ich schreibe weil es mir Spaß macht und dazu brauche ich keine Anerkennung von so einer besserwisserischen Kuh!“

Anna atmete tief durch, ging nach Hause. Sie wusste was sie zu tun hatte!

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Birnen

Das Zittern begann in den Knien, zog sich den Bauch hoch, über Brust und Arme, bis in den Kopf.

Ich muss etwas essen. Sofort! Schokolade, Brötchen. Irgendwas!

Die Brotdose war leer, die Supermärkte zu weit weg. Ihr Blick fiel auf eine Schüssel Birnen. Lang, grünbäuchig, rauhäutig.

Ich will Birnen. Ob ich eine haben kann?

„Hallo“, rief sie der Servicekraft zu, „ich wollte fragen, ob ich mir eine Birne nehmen darf. Ich bin total klapprig, irgendwie unterzuckert.“

„Klar! Nehmen sie sich ruhig noch eine.“

Die Frau lächelt vertraulich und steckt ihr eine zweite Birne in die Tasche.

„Danke! Einen schönen Tag noch.“

Sie lächelte der Frau zu und rannte los.

Bloß raus hier. Endlich essen!

Die Birnen wogen schwer und fleischig in ihrer Tasche. Draußen öffnete sie hastig ihr Fahrradschloss und schob es über die Straße. Sie konnte sich nicht mehr zurück halten. Griff sich eine Birne und biss hinein. Fest, aber nicht hart. Süße Bissen, saftig aber nicht matschig. Ihre Zunge tastete das Aroma, aber ihre Zähne rissen gierig weitere Stück aus der Frucht. Sie konnte nicht innehalten, verschlang die ganze Frucht, nur die winzig kleine Blüte blieb zurück. Achtlos flog sie in das nächste Gebüsch. Die zweite Birne verlor ihr Dasein auf die gleiche barbarische Weise. Zerfetzt von weißen Zähnen, wollüstig verzehrt.

Langsam ließ das Zittern nach und sie beruhigte sich wieder.

 

 

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Es war ein sehr warmer Augusttag und die Menschen hatten das Wetter in den Straßencafes genossen. Die Sonne war hinter den Häusern untergegangen und ich hatte endlich die Aufgaben aus Julias Buch abgeschrieben. Als Fee aus der Stadt zurück kam, erinnerte ich mich daran, dass ich noch das Fahrradschloss von Kaufland besorgen musste. Ich hätte sonst bis zum anderen Morgen gewartet, aber ohne Schloss… zwei Räder sind schon mit Schloss abhanden gekommen, also blieb mir nichts anderes übrig. So konnte ich wenigstens noch zu meiner Bionade kommen. Immer nur Wasser ohne Geschmack ist auch nicht das Wahre.

Ich bummelte durch Kaufland. Es waren nur wenige Leute unterwegs. Wie immer, wenn man nur mal drei Sachen holen will, hatte ich bald mehr im Einkaufswagen, als auf meinem Zettel stand. Ich kam an der Wursttheke vorbei und bekam Appetit auf Würstchen. Aber nirgendwo eine Verkäuferin. Dabei wollte ich nur ein Würstchen, zum Sofortessen. Also nahm ich gleich ein ganzes Packet mit, weil Isa ja auch gerne Würstchen isst.

An der Kasse stand ein merkwürdiger Typ vor mir. Er fiel mir auf, weil seine langen Haare nass waren, als hätte ihm jemand einen Eimer Wasser über den Kopf gegossen, ohne das Shampoo heraus zu waschen. Es ließ sich nicht erkennen, ob die Feuchtigkeit von Wasser oder einer anderen Flüssigkeit herrührte. Der Mann hatte einen drei, wenn nicht sogar vier Tagebart und eine merkwürdige Mimik, wie jemand der Ticks hat oder als hätte er zu viel getrunken und müsste sich beherrschen, damit es nicht auffällt.

Ich war mir nicht sicher, ob ich ihn für hässlich halten sollte, aber gutaussehend war er nicht, nicht mal markant, dazu waren seine Züge zu rund und schwammig. Er hatte ein rosa Oberhemd an, das er über schwarzen Anzughosen trug und schwarze Schuhe, die im Gegensatz zu der sauberen Oberbekleidung abgetragen und stumpf aussahen.

Er kaufte einen Kasten Wasser, Milch und noch zwei Kleinigkeiten. Misstrauischer Weise hatte ich Alkohol bei ihm erwartet, aber das war nicht der Fall. Für seinen Minieinkauf brauchte er eine Plastiktüte, was ich bei so ein paar Sachen echt überflüssig finde. Der Mann bewegte sich so ungelenk, wie seine Gesichtsmuskulatur. Alles an ihm war ungleichmäßig. Sein Gesicht, der Körper und die Kleidung. Er hielt Geld und Zettel zusammen geknüllt in der Hand. Als er bezahlte, sah ich, dass es große Scheine waren. Mindestens ein Hunderter war dabei, außer Zwanzigern und Fünfzigern. Den grünen Hunderter erkenne ich schneller, weil ich so selten eine sehe.

Dann kam ich durch die Kasse. Es ging alles recht flott und ich war schnell draußen. Ich ging gerade zum Auto, als der Mann mit einem älteren silberfarbenen Mercedescombi an mir vorbei fuhr. Man könnte das Auto auch als Rostlaube bezeichnen. Ich wunderte mich nicht, dass auch seine Fahrweise ungleichmäßig war.

Ich packte ein Würstchen aus und biss hinein. Lecker! Dann stieg ich ins Auto und startete den Motor. Ab nach Hause.

Ich wundere mich immer wieder, was es für groteske, kauzige, merkwürdige, denkwürdige, interessante, schrullige, kuriose Leute gibt. Ich muss nur mit offenen Augen durch die Welt gehen, da laufen sie mir zu, die Figuren für meine Geschichten. Solange wird es auch immer etwas zu erzählen geben.

 

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