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Archive for September 2011

Warum kann Literatur nicht einfach sein, was sie ist? Vergnügen für den Leser.

Warum dürfen knochentrockene, angestaubte Journalisten und Kritiker im Fernsehen sitzen und dem interessierten Bücherfreund die Nerven und die Lust rauben? Jeder hat seine Meinung, die er möglichst exklusiv für sich beansprucht und wehe, wenn jemand anderer Meinung ist, dann werden sofort die Messer gezückt und möglichst tief gestochen.

Die Hofschranzen der Verlage und der Bestsellerautoren, die jedes Buch zerpflücken, die Worte auf Goldwaagen wiegen und die Zeilen messen, um ihren möglichen Wert zu ermitteln. Denn es geht in den meisten Fällen um den Wert und nicht um gute Unterhaltung. Buchhaltertypen, die sich herausnehmen zu bestimmen was gute und was schlechte Literatur ist.

Selbsternannte Richter der Literaten, die ihr Herzblut für ihre Kunst vergießen, denen sie die Köpfe auf der Medienguilliotine abschlagen. Die zum Teil hohlköpfige Prominente hofieren, die irgendwelche unappetitlichen Bücher veröffentlichen. Sie werden dem armen Konsumenten als neuste Kreation angedreht, von der ihm schneller schlecht wird, als er das Buch zuschlagen kann.

Unbekannte Autoren werden häufig von Verlagen vertröstet, abgewimmelt, wenn nicht gar richtig abgezockt. Warum darf Literatur nicht sein, was sie ist? Spaß und Vergnügen für den Leser!

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….sagt man. Zumindest die Dichter der Romantik. Ob die damals noch zaubern konnten? Gut, ich gebe zu, allem Anfang wohnt ein Zauber oder eine Faszination inne, wie man heute in den modernen Zeiten sagen würde. Oder kennen sie einen Wissenschaftler, der zugeben würde, das Verliebtheit etwas mit übernatürlichen Kräften zu tun hätte? Ich nicht. Und irgendwie drängt sich mir auch der Verdacht auf, dass die Halbgötter in Weiß noch nicht einmal das Wort Faszination gelten lassen wollen, obwohl sich das doch sehr schön professionell anhört.

Nichts ahnend sitze ich vor dem Fernseher, zappte mich durch das Land und findet mich plötzlich in einer Doku über die chemischen Gegebenheiten des Verliebens wieder. Besonders anregend, wenn man gerade selbst wild verliebt ist und denkt, das ist Mister Right!

Endlich wurde mein Warten belohnt, da erklärt der nette Herr TV – Doktor welche bezaubernden chemischen Botenstoffe unser Hirn und unser Körper ausschüttet, warum wir uns deswegen verlieben und warum das meistens nicht der/die Richtige ist, sondern eine Laune der Evolution.(Ein Mann, der Potent ist zum Kinder zeugen. Passiert meistens zur Zeit des Eisprungs. Dann der Mann zum Heiraten. Passiert meistens, wenn das Dilemma (Kuckucks-Kinder Syndrom) schon passiert ist). Alles nur eine Frage der richtigen Säfte? (Nein, bitte nicht!!! Warum beraubt ihr mich dieser Illusionen?)

Dann ein anderer Kanal: Arte. Ähnliches Thema: Arrangierte Ehen in Indien. Am liebsten würde ich sofort weiter schalten, aber die bunten exotischen Bilder halten mich fest und ich denke, nur mal schauen(Denkt man das nicht immer? Es ist zu schrecklich um hinzusehen, aber wir können unsere Blicke nicht abwenden).

Die Erklärung, dass die Eltern die Kinder am besten kennen und deswegen auch, was die Partnerwahl betrifft, den besten Durchblick haben, lässt mich auflachen (zugegebenermaßen bitter, aber immerhin lache ich heute darüber, es gab Zeiten da habe ich deswegen geweint. Ist doch schon mal ein Fortschritt!). Ob das so sicher ist? Mit Blick auf meine eigenen Eltern, die sich schon mehrmals erfolglos in der Partnerwahl versucht haben und in ziemlich verkorksten Beziehungen fest hängen, kann ich da nur sagen: good luck!(Und da ich auch schon ein paar Mal (ja leider paar kleingeschrieben und nicht Paar großgeschrieben) daneben gegriffen habe, werde ich mich tunlichst hüten meinen Kindern zu sagen, welcher Partner der oder die Richtige ist!!! Versprochen!)

Etwas später, anderer Sender: Öffentlich Rechtliche: One Night Stand oder nicht. Dabei eine flotte Nonne, die offensiv die anwesenden Talkmänner anflirtet. Sie behauptet, sie würde sich zurück ziehen, wenn sie merkt, dass ein Mann mehr von ihr will. Aber so wie ich das sehe, ist sie in dem Ausdruck ihrer Weiblichkeit nicht sehr zurückhaltend. Erst scharf machen und dann zieren? Nicht gerade die feine römische Art, oder? (Andererseits wurde in den letzten 2000 Jahren nirgendwo so begeistert das Gebot der Keuschheit übertreten, wie in der römisch katholischen Kirche. Bei den Indern ging’s auch heiß her, aber die haben das wenigstens genossen und nicht unter dem Deckmantel der Heimlichkeit getan.)

Ich seufze so tief, dass bei meinen Nachbarn die Kronleuchter wackeln müssten. Wo bitte, bleibt da der Zauber? Frühling, Mai, Küsse, Liebesschwüre, stundenlange zärtliche Telefongespräche, Gedichte, Liebesbriefe, Blumen usw. Ich mache noch einen Versuch: Privatsender. Nackte Busen, obszöne Tanzerei, abstoßende Worte, g*** Männer, die zuviel Alkohol intus haben und die Frauen gierig mit den Augen ausziehen.

Reporter: „Warum kommen sie hier her?“

Typ: „Weil`s geil ist.“

Es fehlte nur noch, der greift sich in den Schritt. Kurz und schmerzlos, aber bei dem Alkoholpegel ist nicht mehr drin. Sein Blut hat die Hirnregionen schon verlassen.

Reporter: „Warum tanzen sie Strip?“

Frau: „Weil es Spaß macht(kicher, kicher).“

Ob die einen sinnvollen Satz raus bekommt, oder ob sie bei der Verteilung der Synapsen gerade nicht anwesend war? (Sorry, Mädels, ich war jung und brauchte das Geld)

Reporter: „Gehen sie auch mit einem Mann ins Bett, wenn er ihnen genug Geld bietet?“

Frau: „Nein, nur gucken, nicht anfassen (kicher, kicher).“

Wer`s glaubt wird selig, wer nicht, kommt auch in den Himmel (und ich zuerst, kicher, kicher). Enttäuscht und entnervt will ich aufgeben.

Meine Tochter ruft von neben an: „Ma, schalt mal bei Kabel ein!“

Ma: „Wieso?“

Tochter: „Da läuft ein schöner Film (sie lacht).“

Ma: „Welcher?“

Tochter: „Unser Lieblingsfilm. „Während du schliefst“!“ Ich drücke den kleinen Knopf. Jack und Lucy sehen sich in die Augen. Alles um sie herum versinkt, es gibt nur noch die Zwei. Ich versinke auch, schmelze dahin, in Hollywoods Hochglanz Bildern. Denke an den Mann, den ich liebe, bekomme Herzklopfen und sehne mich nach seiner Nähe. Allem Anfang wohnt ein Zauber inne. Hollywood sei Dank!

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„Du bist Schuld“, tönt eine anklagende Stimme hinter mir. Ich drehe mich um und versuche möglichst unschuldig auszusehen.

„Woran?“ Frage ich leicht verwirrt zurück.

Der Mann im Trainingsanzug deutet mit seinem Schirm nach oben, „daran.“

„Das kann nicht stimmen“, sage ich mutig, „ich habe Sonnenschein bestellt, aber auf mich hört ja keiner!“

„So, hast du deinen Teller also leer gegessen?“ Meint er. Was für eine Frage, denke ich und sage, „na klar, was denken sie denn.“ Wie Kate Moss sehe ich schließlich nicht aus.

„Bei dem Wetter verfalle ich in Depressionen“, stellt der „nette“ Herr im blauen Trainingsanzug fest und drückt mir seine Schlechtwetterlaune aufs Auge, „seit zweieinhalb Tage Regen“, führt er aus.

Ach nee, als ob ich das nicht gemerkt hätte, denke ich.

„Ich weiß gar nicht wohin ich gehen soll, und in der Klinik erzählt jeder von seinen Krankheiten, ich kann es nicht mehr hören“, outet sich der Sportanzug als Kurgast.

Ich auch nicht, als ob ich nicht den Blues hätte, ich bin genervt, behalte meine geschätzte Meinung aber für mich. „Der eine sagt, hör mal was ich für eine schlimme Sache habe. Da sagt der nächste, das ist ja noch gar nichts, meine Krankheit ist viel schlimmer… .“

Sein Redebedarf ist ziemlich groß. Muss schlimm sein, mit so vielen Kranken eingesperrt zu sein, überlege ich.

„Schönen Tag noch“, sagt er und biegt nach rechts Richtung Kurklinik ab und lässt mich im Regen stehen.

Na toll, Regendepressionen! Die erlaube ich mir schon gar nicht mehr. Mein persönliches schwarzes Loch habe ich schon lange. Dazu muss es nicht erst regnen. Ich bin mir nicht sicher, ob es sich bei mir noch um eine Depression handelt, oder ob sich mein Zustand gerade in die Resignation verabschiedet.

Vor ein paar Tagen ruft mich meine Tochter an. Gerade Abi in der Tasche, glückliche Auszubildende bei einem Fotografen (dachte ich) und erzählt mir so ganz nebenbei, dass ihre Ausbildung gerade mal einen Tag gedauert hat. Mir fällt fast der Hörer aus der Hand.

„Warum?“ ich bin total empört.

„Weil ich keinen Führerschein habe. Mein Chef hat gesagt, ich sollte dahin gehen, wo ich auch ohne Führerschein glücklich werde.“

Ich kriege vor Wut kaum Luft. Was hat der Führerschein mit ihrer Leistung zutun? Sie hat als Beste von den ganzen Bewerbern abgeschnitten, war bei der Auswahl erste Wahl! Und dass sie keinen Führerschein hat, der heute so horrend teuer ist, dass sich der Normalbürger „den Lappen“ erst mal ersparen muss, es sei denn er hätte Sponsoren, dass soll Grund genug sein, sie rauszuschmeißen? Ich fasse es nicht!

Aber das ist ja nur die Spitze des Eisberges. Wenn ich aufschreiben würde, was ich mit den diversen Ämtern in den letzten drei Jahren so erlebt habe, dann würde das viele, viele Seiten füllen. „Die Amtsschimmel Enzyklopädie“. Das wäre doch mal ein Buchtitel!

Ich kann mir äußerst lebhaft vorstellen, dass damit schon der größte Teil der Bundesbürger zutun hatte. Einzig die, die diesen Mist verzapfen merken nicht was wirklich los ist. Wie sollten sie auch! Wenn man ganz oben an der Tafel sitzt, Gehälter von 10 bis 15000 Euro im Monat hat, von Nebeneinnahmen ganz zu schweigen, dann ist es einfach dem Volk die Daumenschrauben anzulegen. Erhöhung der Milchpreise, Erhöhung der Mehrwertsteuer, Erhöhungen der Benzinpreise, um nur ein paar Aufschläge zu nennen.

Das Problem ist: im Gegenzug gibt es keine Gehaltserhöhungen, in vielen zumeist kleineren Betrieben, kein Weihnachtsgeld und auch kein Urlaubsgeld mehr. „Es müssen Opfer gebracht werden.“ Aber von wem? Von dem „kleinen Mann“. Wenn den Großverdienern im Jahr ein Tausender in der Börse fehlt, dann ist das Kleingeld. Aber wenn dem Arbeiter oder Angestellten ein Tausender fehlt, dann kann das schon mal zu der ein oder anderen finanziellen Krise führen.

Dazu gibt es Zweiklassenschulsystem, Zweiklassenmedizin, Zweiklassenbehandlung. Ich weiß, dass ich keinen akademischen Abschluss habe, der mich berechtigt Arzt oder Rechtsanwalt zu sein. Ich gönne ihnen ihr Amt und ihr Gehalt, aber auch eine Verkäuferin muss es geben, oder eine Putzfrau. Warum wird es uns, den „einfachen“ Leuten,  so schwer gemacht?

Ich habe vier Kinder. Wir haben keine Hilfe vom Sozialamt beansprucht und unsere Kinder so gut wie möglich allein durchgebracht. Was nützt uns das? Wir konnten es uns nicht erlauben unseren beiden ältesten Kindern einen Führerschein zu finanzieren. Ich bin schon heilfroh, dass sie beide ihr Abitur gemacht haben. Und jetzt keine Ausbildung wegen eines fehlenden Führerscheins und Studium? Ich sage nur: Studiengebühren. Da beißt sich die Katze in den Schwanz.

So könnte man das am laufenden Band weiter führen. Wenn man es richtig betrachtet, also nicht nur ein schwarzes Loch, sondern ein ganze Minenfeld aus schwarzen Löchern. Mir ist sehr wohl bewusst, dass es uns besser geht, als den Menschen in den dritte Welt- oder in den Ostblockländern. Aber wenn ich Angst davor habe, dass ich meinen Kindern nächste Woche kein Brot mehr kaufen kann, dann frage ich mich: „was da faul ist, im Staate.“

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Wir sind es! Die neue Frauengeneration. Zwischen 30 und 40. Alleinerziehend, mit Kindern, Haushalt, Beruf. Taff vom gestylten Haar, bis zum lackierten Zeh (wenn wir nicht gerade unser Bad putzen). Stark und selbstständig. Wir kriegen alles auf die Reihe und nur kein Neid, wir fühlen uns auch noch wohl dabei.

Obwohl, da war doch noch, was. Ach ja, jetzt erinnere ich mich! Die interessante Spezies Mann. Aber wer braucht schon Männer? Wo wir doch selbst so leistungsfähig und widerstandsfähig sind. Wir erziehen unsere Töchter zu selbstbewussten Frauen, die sich von keinem Typen die Butter vom Brot nehmen lassen! Das dachte ich jedenfalls. Aber nun hat meine Älteste schon seit einem Jahr einen festen Freund und sobald er einen Fuß über unsere Schwelle setzt, wird aus der taffen Gymnasiastin ( „Wenn er nicht erkennt, wie toll du bist, mach Schluss und quäl dich nicht rum.“ Ihr O-Ton, als ich einem Mann hinterher heulte.) eine Hausfrau. Habe ich das beabsichtigt? Nein, niemals!

Wie war das nochmal mit der allseits herauf beschworenen Vorbildfunktion? Tja; Mutter, fass dich an deine eigene Nase! Da findet mich (und nur fürs Protokoll: ER findet mich, ohne dass ich ihn suchte. Immens wichtiges Detail, da wir doch angeblich immer so krampfhaft nach Mister Right suchen.) endlich der Mann meines Lebens. Alles passte. Ich  blühte auf, erlebte den Frühling im Winter, glaubte wieder an „immer und ewig“ und da passiert es. Einfach so, aus und vorbei! Kein Streit, keine Meinungsverschiedenheiten, keine warnenden Vorzeichen, die es an angekündigt hätten.

Und ich? Statt cool zu sein: neuer Anfang – neuer Mann, folgte der Sturz ins Bodenlose. Wo sind denn nun Netz und doppelter Boden? Hatte ich mir nicht geschworen: „Beim nächsten Mann wird alles anders?“ Aber als ER auftauchte gab es kein Halten mehr, nur noch dieses unglaubliche Glücksgefühl. Das war alles. An ein Danach verschwendete ich keinen Gedanken. Wieso auch? Liebe war es was ich wollte und als sie endlich bekam, war doch alles klar!?

Da saß ich nun zu Hause, mit einer Flasche Bier (ganz cool, Mutter betäubt sich) und heulte Rotz und Wasser. Es fühlte sich genauso schrecklich an, wie damals, als die erste große Liebe vorüber war und ich ein halbes Jahr kaum etwas essen konnte, danach hatte ich endlich mein Idealgewicht. Und es tat genauso weh, wie vor 1 1/2 Jahren, als es für meine Ehe keine Basis mehr gab (wiedermal Idealgewicht erreicht). So habe ich allen guten Vorsätzen zum Trotz mein ganzes Herz gegeben, das ich jetzt Stück für Stück wieder zusammensetzen muss, aus Tausend kleinen Teilen.

Lieben geht eben nicht halb. Ganz oder gar nicht, das ist die Devise. So sind wir nun mal, die starken coolen Frauen. Was wir tun, tun wir richtig. Mit ganzem Herzen und ganzer Seele. Das ist es auch, was uns so Besonders und Einzigartig macht, dass wir bei all dem Cool- sein lieben können. Glaubt mir, Schwestern, wir haben es uns verdient, die Liebe zu finden und zwar die ganz Große, ohne wenn und aber! Und ob wir suchen oder gefunden werden, aufgeben gilt nicht! Denn dazu sind wir viel zu cool!!!

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Das Dilemma meines Lebens. Besonders, da sich diese beiden Dinge in geradezu teuflischer Kombination perfekt ergänzen.

Gerade bin ich wieder an diesem Punkt des Teufelskreises, der das Karussell auf unheimliche Weise in Gang setzt. Man sieht es nicht kommen, wenn man nicht darauf achtet. Plötzlich ist es da und schwingt sich zu immer größeren Kreisen auf.

Es beginnt mit einer stillen Frustration, oder einer müden Lustlosigkeit. Der Kopf ist voller Gedanken an die Dinge, die man tun möchte, die Ideen häufen sich von Hügeln zu Bergen und je höher sie werden, desto kleiner und antriebsloser wird man selbst.

Ich sitze da, starre auf meine PC oder mein Blatt. Ideenfluten mein Hirn, aber statt einfach anzufangen, bleibt kein Gedanke greifbar. Wie durch eine Windböe am Meer, die Wolken vertreibt, sind sie fort, ehe ich eines Wortes habhaft werden konnte.

Ich möchte schreiben, aber was wenn die Idee schlecht, schon geschrieben, zu schwierig, zu langwierig oder sonst wie unerreichbar ist? Und außerdem bin ich doch sowieso nicht gut genug? 600 Seiten auf Papier, und was wenn sie niemand haben will? Du musst es aber erst mal versuchen, bevor du wissen kannst, ob es einer will oder nicht!

Wozu die Arbeit? Die Verlagsuche, die Absagen…alles ist so ermüdend.

Die Spatzen hüfen draußen herum und suchen sich einen Partner zum Nestbau. Interessant den Vögeln zu zusehen. Grünfinken, Meisen, Spatzen, Rotkelchen. Katze Finchen schaut ihnen auch zu, aber unter anderen Gesichtspunkten. Sie würde die laute, aufdringliche Bagage lieber fangen und fressen.

„Ich bin müde, kann mich kaum auf den Beinen halten. Habe Ideen die ich aufschreiben will, aber ich traue mich nicht!“ –  „Was soll das denn heißen? Du hast einen erotischen Roman veröffentlicht, du kannst das und bist gut darin. Warum traust du dich nicht? Du darfst alles schreiben, alles. Du musst es ja niemandem zeigen, wenn du nicht willst, immerhin ist es dein Geschreibsel.“ – „Mir kommt alles so hohl und nichtssagend vor.“

Ich kann nichts dafür. Der Gedanke hat sich in mein Hirn gebohrt, wie ein Wurm, der erst nur ein Würmchen, sich von meinen Zweifeln nährt und langsam immer dicker und fetter wird, und immer mehr Platz in meinen Gedanken einnimmt. Der droht mich zu ersticken und irgendwann aufzufressen.

Die Erschöpfung ist überdeutlich spürbar. In meinem Kopf ist ein schwarzes Loch, das alle Ideen und Worte schluckt, sprengt und als Puzzle wieder ausspuckt. Mein Mann würde sagen, das ist nur eine Schaffenspause, aber ich fühle mich so ausgezehrt, dass ich am liebsten nur noch schlafen und meinen Tagträumen nach hängen möchte.

Davon abgesehen, dass ich mich zur Kompensierung dieses Zustandes, mit Essen aller Art tröste und mich selbst wie eine Raupe fühle. Vielleicht kommt ja irgendwann ein riesiger Vogel vorbei und pickt mich auf.

Die Spatzen, oder sollte ich Sperlinge sagen, sammeln kleine Ästchen und Kleinkram für ihre Nester. Und ich hole mir jetzt einen ordentlichen Kaffee und einen Keks.

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Mitfühlen, 29.12.2008

Ich möchte mit mir fühlen. Mit meinen Gefühlen im Einklang sein.

Mit meinem Körper fühlen, seine Last erleichtern.

Ich möchte mit meinem Selbst fühlen. Es zu lassen, es sein lassen.

Mitfühlen mit meinen vermeintlichen Fehlern. Es erlauben sie zu haben.

Mitfühlen im Fluss, nicht vorauseilen, nicht hängen bleiben.

Mitfühlen mit anderen, mich hinein versetzen. Das Leid fühlen und aushalten.

Trost fühlen und geben.

Ein Stück meines Fühlens geben.

Weich sein und stark.

Keinen Panzer haben, aber eine Form.

Stark genug den Sturz zu fühlen, aber nicht umgeworfen werden.

Rondell

  1. Offen Dinge spüren
  2. Verstehen
  3. mich und andere
  4. Offen Dinge spüre
  5. Leid fühlen und aushalten
  6. Trost fühlen und geben
  7. Offen Dinge spüren
  8. Verstehen

Es ist über zwei Jahre her, dass ich diesen Text geschrieben habe und in mir ist ein Gefühl, dass ich kaum beschreiben kann. Es erstaunt mich, dass ich diese Worte geschrieben habe. Es kommt mir vor, als würde ich sie heute das erste Mal lesen. Sie bewusst sehen.

Natürlich habe ich sie geschrieben, aber vielleicht war damals nicht die Zeit, sie zu verstehen. Gerade heute, wo ich nach fast drei Monaten Stillstand wieder das Gefühl habe, mein inneres schwarzes Loch weicht dem Licht, fällt mir dieser Text in die Hände.

Ich bin mir nicht sicher, wie oft ich diesen Zustand in meinem Leben noch erreichen und aushalten muss, aber mir ist klar, dass ich jedes Mal stärker werde. Merkwürdig, oder? Dabei werde ich älter und mein Körper zeigt mir ganz klar, dass es immer mehr Grenzen gibt, aber mein Verstand kommt langsam auf Touren, also nicht nur der Verstand an sich, sondern das Verstehen.

Ich habe heute einen Teil der Biografie von Paul Auster zu ende gelesen. Was für ein Weg! Ich kann gut verstehen, was er damit meint und sich da auferlegt hat: für das Schreiben auf das Geld zu verzichten. Das tue ich auch. Ich bin heilfroh, dass mein Mann mir nicht die Last der Vollzeitarbeit auflädt, sondern mich schreiben lässt. Das hilft mir und doch fühle ich so etwas wie eine Verpflichtung mit meinem Schreiben Geld zu verdienen, um meinen Zeiteinsatz zu rechtfertigen. (Ist ziemlich verquer der Gedanke. Aber wer sagt, dass Schriftsteller nicht verquer sind.) Um ehrlich zu sein, sind sie es genauso wie alle anderen Künstler auch. Vielleicht sogar noch mehr.

Viele Maler waren, oder sind sehr extrovertiert veranlagt. Ein Schriftsteller sitzt in seinem stillen Kämmerlein, oder so wie ich an meinem PC mit Ohrstöpseln im Ohr und lauter Musik, um mich von der Umwelt zu trennen (Hartz IV – TV) und ringt mit den richtigen Worten. Auf der Suche nach dem richtigen Satz, der ultimativen Idee.

Ich musste lachen, als ich von Paul Auster las, dass er plötzlich nachts (die kreativste Zeit eines Schriftstellers) die Idee hatte, einen Krimi zuschreiben in dem der Mord des Kandidaten nicht als Selbstmord getarnt ist, sondern einen Krimi zu schreiben, in dem der Ermittler denkt, das Opfer wurde ermordet, obwohl es Selbstmord war. (Also wenn es so einen Krimi gibt, dann sollte dieser Selbstmord wenigstens den Grund haben einen anderen zu belasten, an dem sich der Delinquent rächen will. Selbstmord aus Rache oä.) Paul Auster kam auf die Idee, weil er in dem Sommer so viele Krimis gelesen hatte und dachte, „irgendjemand muss die doch kaufen, also schreibe ich auch einen und verdiene mir dadurch das Geld für meine seriöse Schreiberei“, lapidar gesagt (aber durchaus nachvollziehbar), aber wie das so ist im Leben…leider waren die Lektoren damals der Ansicht, die Krimiphase wäre zu Ende.

(Zumindest lässt einen diese Einsamkeit und die völlige Hingabe an die Sprache/Idee von der Realität wegrücken) Ich spiele mit dem Gedanken morgen zu Hause zu beleiben und meinen Handlungsverlauf auszuarbeiten (Plot ist ein blödes Wort, wer hat das erfunden? Bestimmt die alten Griechen, oder waren es die Lateiner), aber leider muss ich raus und mich dem profanen Geldverdienen widmen. Das blöde Sprichwort: Geld regiert die Welt, stimmt. Ohne Geld kein Papier, kein Strom für den PC und kein warmes Plätzchen zum Schreiben und dann wäre da noch der Kaffee, meine Bücher und meine neue Tasche(!!!), oder die süße kleine Festplatte. Ich schränke das ein, nur für ein gutes Gefühl nicht völlig im Kommerz aufzugehen: Geld macht nicht glücklich, aber es beruhigt, besonders wenn man Familie hat.

So wie Paul Auster erzählte: als sein Sohn geboren wurde hatte er die Mauer zum Erwachsenwerden überschritten. Ich habe das schon vor 26 Jahren getan. Ich bereue es nicht, denn ich liebe meine Kinder und ich würde sie niemals eintauschen. Der Punkt ist, dass ich nicht nur ans Schreiben denken kann, auch wenn es einen großen Teil meiner Gedanken beschäftigt, sondern dass ich mich damit herum schlagen muss, den Kühlschrank zu füllen und, und, und.

Jedenfalls ist der gordische Knoten geplatzt, oder sollte ich sagen zerschlagen. Das trifft es nicht ganz. Meine selbstverordnete Kladdensäuberung (alte Notizbücher lesen und die Texte, die man verwenden will/kann heraus schreiben) hat wohl den Ausschlag geben und die Verknotung gesprengt. Ich sollte solche Aktionen öfter starten. Wenn es hilft?!

Also werde ich heute noch die angefangenen Ideen für den neuen Romanstoff ausdrucken und mir in den nächsten Tagen einen „Plan“ aufstellen. Wie gruselig. Dieses Wort sollte aus dem Schriftstellerwortschatz gestrichen werden. Leider kommt es in jedem Schreibratgeber vor. Aber ehrlich, (auch wenn ich einen Plan mache) ich mag das Planen überhaupt nicht, ich liebe das Drauflosschreiben. Wild und ungebunden. Spaß haben. Einfach so. Aber leider geht das nicht, wenn man eine bestimmte Seitenzahl überschritten hat.

So werde ich mit meinen inneren Dämonen kämpfen und versuchen meinen kleinen Schriftsteller aus den schwarzen Löchern zu ziehen, in die er so gerne fällt. Es wird nicht einfach sein. Aber wie ich aus Erfahrung weiß, läuft dieser Prozess in Kreisen ab und am Ende dieser Kreise geht es wieder aus dem Labyrinth heraus. Fantasie ist unendlich, man muss sie nur gewähren lassen.

Ich denke einen Punkt gibt es da noch, der heißt seinen eigenen Weg in dem Labyrinth zu finden und nicht dem Druck der anderen folgen, die alle so gute Tipps und Ratschläge haben. Jeder Schriftsteller muss seinen Weg finden. So wie Paul Auster, wirklich beeindruckend. Nun, vielleicht gibt es eines Tages auch mal so eine Biografie von mir, wer weiß? Man soll ja immer Träume haben….

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Hände

Meine Hände gleiten über die Tasten des Notebooks und ich erfreue mich an dem Klick(oder Klack)geräusch, wenn ich sie herunter drücke. Ist schon ein Übel, wenn man als Schriftsteller kein vernünftiges Werkzeug besitzt. Nicht dass ich Papier verdamme, im Gegenteil! Ich schreibe auch gerne mit der Hand, und oft hilft mir das, wenn ich gerade festhänge. Leider ist meine Schrift in den Jahren zu Hieroglyphen verschwommen, um nicht verkommen zu sagen.
Meine Gedanken sind einfach schneller, als meine Finger. Wenn ich am PC schreibe, dann geht es ganz gut, die Parallelität des Schreibens und Denkens. Ich überlege gerade, ob das Denken vor dem Schreiben stehen sollte, aber das stimmt nicht immer. Heute Morgen zum Beispiel: ich sitze vor dem nagelneuen Notebook und denke: was jetzt? Was willst du schreiben? Es sollte etwas ganz Wichtiges sein.
Fallen ihnen die wichtigen Sachen immer dann ein, wenn sie sollten? Also mir nicht. So auch heute, klar. OK, ich habe die Kursbeschreibungen für das Jugendbüro fertig gestellt, und hoffe, dass ich in etwa das getroffen habe, was ich ausdrücken will. Das Sagen und das Ausdrücken sind immer noch zwei Paar Schuhe.
Doch ich wollte keine offizielle Wichtigkeit aufschreiben, sondern eine meiner eigenen Wichtigkeiten. Lilith? Genau, dass sollte es sein. Neues Gerät, neues Glück oder wiederbelebte Motivation? Und das ist es. Hallo!!! Motivation!!! Wo bist du? Sie ist irgendwo in meinem Inneren versteckt. Eigentlich noch nicht einmal versteckt. Ich würde sagen, sie befindet sich in Gefangenschaft. Da ist dieser gemeine fiese Kritiker, der sich wie ein Trojaner in den Tiefen meiner Synapsen festgekrallt hat und als Guerillakämpfer durch die Gegend zieht. Raubt, mordet und brandschatzt. Verdammt, wenn ich den erwische, der kann was erleben! Wenn ich mit dem Aas fertig bin, wünschte er sich, er wäre schon vor langer Zeit ausgewandert.
Ich weiß, dass mir das Buch gut gelungen ist, aber da in der ganzen Sache auch Herzblut stecht, also nicht nur so ein bisschen Geschreibsel über Engel und so, fällt mir das Ganze nicht so leicht. Überarbeiten ein Klacks, dachte ich so blauäugig, wie ich  manchmal bin, und jetzt? Schreibe ich so lustig vor mich hin, kann mich für nichts richtig entscheiden und Lilith liegt da und wartet. Merde! Merde bombastique! Mein Französisch ist lange her, aber das Wort kann ich noch, oder auf Englisch: big shit!
Nun, was soll`s. Heute kommen Katja und Lisa zum Schreiben, und wenn ich auch zaudere und meinen inneren Kritiker am jagen bin, immer schön auf die Tasten hauen und fließen lassen. Und so schreibe ich an den Worten der Woche: heute: Hände (siehe oben) und versuche den kleinen Mistkerl heraus zu locken. Wenn der den Köder schluckt und aus dem Dickicht kriecht, dann warte ich mit der großen Keule und haue ihm eins über den Schädel, oder besser zwei, drei. Was für ein Spaß! Keine Knade für Kritiker! Hallöchen, wo bist du, du kleines Kritikerschwein? Komm, ich hab da was Schönes für dich! Achtung, ich hör was, ich glaube da kommt er. Pssst! Ganz still! Keule heben und… Ende!

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Wie ist das möglich? Eine begeisterte Schreiberin begibt sich zu einem Seminar und kommt völlig verstört zurück, will nie wieder schreiben (oder zumindest: auf unbestimmte Zeit). Den ganzen Morgen habe ich daran herum gegrübelt.

Ist ja nicht das erste Mal, dass ich so was erlebe. Damals in Hildesheim, B., der ging es auch so.  Sie hatte ein Seminar besucht, in dem es um Romanschreiben ging. Der Dozent hielt sich wahrscheinlich für den großen Zampano und zerriss ihren Text in 1000 Stücke. Ihre Schreibblockade hat über ein Jahr gedauert, wenn sie nicht für immer Schaden erlitten hat. Denn obwohl ihr der VHS Kurs Spaß machte ( und ihre Text sehr gut waren), hat sie keinen weiteren belegt und das hatte mit dem Schreiben zu tun. (Noch ein Wort zu Dozenten: zum Glück gibt es mehr gute Schreibkursleiter, als schlechte. Wobei es leider auch den ein oder anderen Schriftsteller gibt, der seinen Mitschriftstellern das Leben schwer macht. Wissen kann man teilen! Tipps sind für alle da, die sie brauchen. Und Kritik soll helfen und nicht runterziehen!)

Sind die Dozenten in diesen „Akademien“ wirklich so verblendet, dass sie nicht erkennen, dass sie mit den Gefühlen der Teilnehmer Schindluder treiben? Ein guter Lehrer achtet auf seine Schreiber und motiviert sie. Außerdem muss Literatur doch nicht immer „schwer“ sein…was ist gegen fröhliche Texte zu sagen?

Wie Renoir sagte: es gibt so viel Schreckliches auf der Welt, darum male ich lieber das Schöne. Und da sich daran nichts geändert hat, ist es doch legitim, dass man auch Unterhaltungsliteratur schreibt. Da kommt dieses hübsche Wort trivial zum Vorschein (man möge den Sarkasmus in meiner Stimme hören!). Was ist trivial? Ich bin der Meinung, auch wenn mich keiner fragt, dass Literatur unterhalten soll. Jeder fühlt sich von etwas anderem unterhalten. Ist nur recht und billig.

Kein Wunder das den Leuten das Herz in die Hosen rutscht, wenn sie Schreibkurs hören. Vielleicht möchten sie schreiben, aber der Gedanke druckreife Texte von sich zu geben, jagt ihnen solche Angst ein, dass sie es erst gar nicht versuchen.

Und ich soll nächste Woche eine Lesung veranstalten. Mir ist jetzt schon übel. Eine Kursteilnehmerin fällt schon mal aus (siehe oben). Ich möchte die Leute bewegen sich zu bewegen, ihre Schreibader zu entdecken und das obwohl mir die Worte fehlen, ob der Unfähigkeit dieser Dozenten, die ihr jeden Mut geraubt haben. Was glauben die eigentlich wer sie sind? (Mit meinem Dozenten in Frankfurt habe ich wirklich super Glück gehabt) Das ändert aber auch nichts an meinem Problem.

Eines zeien diese Erlebnisse ganz klar: wir sollten uns von keinem den Spaß verderben lassen! Lass doch die anderen reden (die haben doch eh nichts besseres zu tun (die Ärzte). Im Übrigen schreiben wir, weil es Spaß macht. Wenn es dann noch einer liest und sich darüber freut, ist das Ziel erreicht.

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Auszug aus dem Buch: Schreiben in Cafés von Natalie Goldberg

„Schreiben ist wie Atmen. Sie hören nicht damit auf, auch wenn sie im Garten Blumenzwiebeln setzen, vor einer Klasse stehen oder mit der U-Bahn fahren, sie atmen trotzdem ein und aus. Genauso ist es mit dem Schreiben. Dazu etwas aus meinem Notizbuch vom 27.Juli 1984:

„Ich weiß, dass die Arbeit in meinem müden, widerwilligen Geist mir mehr bedeutet als alles andere auf dieser Erde. Nicht die Freude oder die Ekstase, die ich manchmal empfinde, nicht die kurzen Momente der Erhellung, sondern das Gefühl in mir für die banalen Dinge meines Alltags, in dem ich lebe und immer weiter schreibe, ist es, was eine tiefe Zärtlichkeit und Sanftheit in mir weckt und zu einem glühenden Mitgefühl für alles, was um mich herum existiert, wird. Ein Mitgefühl nicht nur für den Tisch und die Cola vor mir, den Strohhalm, die Klimaanlage, die Männer, die an diesem Julitag in Norfolk, Nebraska, die Straße überqueren, während die Digitaluhr der Bank 16:03 anzeigt, für meine Freundin, die mit gegenüber schreibt, sondern auch für die verworrenen Erinnerungen und tiefe Sehnsüchte unseres Geistes, für das Leiden, durch das wir uns täglich kämpfen. Und das geschieht ganz von allein, während ich meinen Stift über die Seite führe und die harte, feste Schale meiner Gedanken und meiner selbst auferlegten Beschränkungen durchbreche.“

Schreiben und Schriftsteller zu sein ist etwas, das tiefergehende Empfindungen mit sich bringt. Tiefer als alles, was ich kenne. Und ich glaube, es wird meine Bestimmung in dieser Welt sein, – bis zu meinem Lebensende. Daran muss ich mich immer und immer wieder erinnern.“

Neulich gab es eine Diskussion: schreibe ich um zu leben, oder lebe ich um zu schreiben.

Da ich vom Schreiben (noch) nicht leben kann, fällt der erste Fall, im wörtlichen Sinn der Bedeutung, aus. Im Übertragenen Sinn ist es das, was mich am Leben hält. Schreiben ist wie Atmen und ohne Atmen kann man nicht leben.

Ich bin keine Maschine, die einen Stift in die Hand nimmt und aus der druckreife Sätze, oder höhere Literatur heraus strömt, aber ein Tag an dem ich nicht geschrieben habe, ist kein vollständiger Tag. Dabei spielt es keine Rolle ob ich ein paar Sätze, oder ein paar Seiten schreibe. Es kann auf Papier, PC oder Notizzetteln sein. Ich lebe um zu schreiben. Denn das ist es, was mich mit meinem Leben und dem Leben um mich herum verbindet. Das Schreiben führt mich zu mir und dem was in mir ist. Es hilft mir mich mit den Dingen um mich herum zu beschäftigen und erweitert meinen Horizont. Denn um zu schreiben, muss man ein interessierter Leser und Beobachter werden. Man muss seine Sinne schärfen und den Dingen auf den Grund gehen. Ja, ich schreibe und atme. Und lebe.

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Sonne und Musik vereinigen sich zu einer harmonischen Einheit. Ich weiß zwar nicht was ich schreiben will, aber ich höre James Morrisons zauberhafte, fröhliche Frühlingsmusik und meinem Herzen ist nach tanzen zumute.

Schade, dass ich allein bin und alleine tanzen muss. Ich liebe Musik, Tanz, fließende Bewegungen. Fließen. Auf den Tönen der Musik.

Soundtrack meines Lebens. Wenn ich mir einen basteln würde, dann wäre es genau der. James Morrison, Rumer, Caro Emerald, Frank Sinatra, Tina Arena, Henri Salvador, ein paar Lieder hier und ein paar da. Vornehmlich Jazz, Soul, etwas Funk, ein bisschen Ballade und ganz viel Tanzmusik. Eine die vom Ohr aus direkt den Weg durchs Herz in die Füße nimmt.

Alles andere hat plötzlich sowenig Bedeutung. Sonne, Frühling, Tanz. Wie die Hummeln über den Blüten schweben, nach links, rechts und wieder zurück. Egal ob eine Hummel rein theoretisch fliegen kann oder nicht, praktisch fliegt sie.

Mir ist das auch egal ob andere denken, dass ich tanzen sollte oder nicht. Ich tanze einfach. Es  muss ja niemand hinsehen, wenn es ihm nicht gefällt. Ich glaube so ein Tanzkurs wäre nicht das Schlechteste für mich. Haltung bewahren, Spaß an der Bewegung und mehr Beweglichkeit erreichen.

Was hält mich zurück? Die Tatsache, dass ich alleine ran muss. Niemand wird mich nicht begleiten, aber ein Tanzkurs ist kein Museumsbesuch. Ins Museum kann man allein gehen, aber tanzen tut man zu zweit. Ich sollte in die Romanfabrik zu dieser Salsaschnupperstunde gehen.

Die Musik steigt mir in den Kopf wie eine Droge. Schreiben nach Musik fällt mir nicht schwer, wenn ich sie wenigstens ein bisschen mag. Bilder, Stichworte, draußen sitzen, Menschen, oder Häuser ansehen.

Sehen gefällt mir, wie ein Maler sehen, die Details, alles sezieren. Gesichtsausdrücke, Gesten, Haltungen, Gesprächsfetzen, Ecken und Kanten, winzige Unebenheiten, raue und glatte Texturen, bunt und schwarzweiß, Grauschattierungen.

Ich wünschte oft, meine malerischen Fähigkeiten wären besser und ich könnte auf Papier festhalten was ich sehe, aber meine Worte sind inzwischen geschickter als mein Pinselstrich. Das eine ist zugunsten des anderen zurück geblieben. Aber ich bereue es nicht.

Ein Vogel müsste man sein. Hoch oben über der Welt schweben und nichts ist wichtiger, als ein Futterkorn oder ein Insekt zu finden, dass man fressen kann. Alles hat seine Bedeutung verloren. Unten ist alles klein und unwichtig und selbst, wenn ich wieder hinunter flöge, wäre es so, denn ich müsste nicht in einem Haus wohnen, nicht heizen, nicht schreiben, arbeiten, denken. Ich müsste nur wieder fliegen und mein Futter suchen.

„Ach, der Mensch“, würde ich denken, „das arme Würstchen. Da hetzt er sich ab, rast und rennt und für was? Ein bisschen Kohle auf der Bank, eine Urlaubsreise, ein Auto. Wozu? Alles für die Katz, wenn er umfällt und stirbt.“

Dann würde ich mich aufschwingen in die höchste Höhe, auf dem Wind reiten, zwischen den Wolken dahin gleiten zum Meer. Den Wellen zu rufen und mich freuen, wie sich ein Vogel eben freut. Ich würde singen und zwitschern, bis mir das Herz aus der Brust springt.

Der Himmel ist blau, wie nur ein Frühlingshimmel sein kann. Hellblau, frisch gewischt und gut duftend. Die Sonne ist sanft und noch nicht so brennend und stechend wie im Sommer.

Ich erinnere mich an die Sonne in Spanien, die Gerüche, das Gefühl durch die alten Straßen in Barcelona und in Pals zu gehen. Die Ruinen von Empuries, Gerona, Figueras, und all die anderen herrlichen Orte, die ich gesehen habe und die ich so gerne noch einmal sehen würde.

Am liebsten zusammen mit Hanni. Die Wege gehen, die wir damals zusammen gegangen sind, allerdings war Hanni da noch klein, aber diesmal könnten wir uns noch mal alles ansehen, mit den Augen die wir heute haben, die auf andere Gedanken treffen und die anders wahrnehmen. Noch mal den Park Güell sehen, das Hinterland, die kleinen Dörfer, die Buchten, Cadaques.

Himmelblau, ich werde sentimental und melancholisch, ich fange gleich an zu weinen, so sehr schreibe ich mich in meine Sehnsucht. Einen Koffer packen, etwas zum Schreiben und Geld, dann losfahren bis zum Horizont und noch viel weiter…der Soundtrack meines Lebens ist Sehnsucht, Traum, Illusion.

Ich schreibe mir das Leben schön, aber ich muss es auch leben, allerdings schreibt man weniger, wenn man mehr lebt. Ich sollte zusehen, dass ich da einen Mittelweg finde.

Warum muss ich bloß immer so verdammt vernünftig sein? Mittelweg, Mittelmaß? Das nervt mich! Darüber könnte ich mich total aufregen. Mach ich es, oder nicht? Ich glaube, ich verwende meine Energie lieber aufs Leben, statt fürs Aufregen. Ist auch besser fürs Herz.

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