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Archive for Oktober 2011

Der Herbst ist für mich eine melancholische Jahreszeit. Normalerweise suhle ich mich in Erinnerungen an den letzten Sommer, aber dieses Jahr, in Ermangelung eines Sommers kann ich mich nicht suhlen.

Also was tun?

Ich habe mich fürs Schnulzenfilm anschauen entschieden. BBC: Jane Eyre, Emma, Stolz und Vorurteil, usw. Auch sehr melancholisch. Herz, Schmerz, Leid und Lust im viktorianischen England, das volle Programm.

Das ganze Schmachten hatte tatsächlich eine positive Nebenwirkung: Bilder regen die Assoziationen an…klar, weiß man, wenn man schreibt, aber… es hat gefunkt. Nicht nur so ein bisschen Knistern in der Glut, sondern so richtig Blitzeinschlag.

So habe ich es tatsächlich geschafft, nach fast 9 Monaten, wieder einen längeren Text zu Ende zu schreiben. Die Betonung liegt auf ENDE. Nun ist ein Ende ja per se nicht immer positiv besetzt, aber in diesem Fall 100%. Erste Zeile, Absatz, Absatz…die restlichen erspar ich euch, ENDE!

Und dann passierte es: eine Schreibstunde mit einer Freundin, eine Aufgabe und 8 Seiten später war da die Idee für eine Geschichte. Eigentlich sollte es der Anfang für den NaNo sein. (National Novel Writing Month. Er beginnt am 1. November und dauert bis zum 30.11. Das Ziel ist 50.000 Wörter zu schreiben. Also ein Buch in einem Monat.)Aber ich konnte nicht aufhören. Ich musste weiter schreiben. So habe ich dieses Jahr meine eignen NaNo Regeln aufgestellt. Mein NaNo fing dieses Jahr am 21.10. an.

Und so tue ich das, was ich am liebsten tue: auf meinem Lieblingsplatz sitzen, mit Blick auf die herbstliche Natur, den Himmel, mal blau, mal Wolkenverhangen, regentropfennass, trinke Unmengen Kaffee und Tee und lasse ES raus. Gar nicht so melancholisch wie sonst. Kein Wunder, ich habe keine Zeit traurigen Gedanken nachzuhängen. Mir gefällt diese Lösung raue Herbsttage zu überstehen, sich in eine aufregende Fantasiewelt zu begeben und sie schreiben zu erobern.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Haut

Ich liege auf meinem Bett. Zusammen gerollt wie eine Schnecke. Versuche mich selbst zu umfassen. Die Decke eng um mich herum gezogen. Ich habe Wein getrunken, weil ich, wie schon so viele Nächte, nicht schlafen kann. Trotzdem finde ich keine Ruhe. Meine Haut brennt wie Feuer. Am Hals und an den Schultern habe ich das Gefühl mir würde die Haut vom Fleisch gezogen. Ich presse die Lippen und mein Herz zusammen, um nicht zu schreien oder zu weinen. Mein Gott, wie sehr ich doch die Nähe eines anderen Menschen vermisse. Haut auf Haut, einen Herzschlag der mir das Atmen erleichtert, weiche Lippen, die mir neues Leben einhauchen, Hände die mich entdecken, mich halten. Ich liege allein in diesen dunklen Nächten und muss aushalten, durchhalten. Den Schmerz meines hungrigen Körpers und meiner sehnsuchtsvollen Seele ertragen.

 

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Miss Odilia Cecilia Rosegarden trank wie jeden Morgen ihren schwarzen Tee mit zwei Stück Zucker. Nur am Sonntag nahm sie ein Stückchen Zucker mehr. Es hatte keinen besonderen Grund. Einfach weil Sonntag war, da konnte man sich auch mal etwas Gutes tun. Aber heute war ein ganz gewöhnlicher Dienstag und Miss Odilia Cecilia Rosegarden nahm nur zwei Stück Zucker.

Nebenbei streichelte sie eine ihrer zahlreichen Katzen, die die kleine urige, mit allerlei Tand voll gestopfte, Dachwohnung mit ihr teilten. Ihr Liebling war Artus, der silbergraue Kater mit den blauen Augen. Artus war sich seines königlichen Namens wohl bewusst und verhielt sich auch so. Majestätisch schritt er durch sein Katzenreich und gewährte Miss Odilia ab und zu die Gunst sich von ihr streicheln zu lassen.

Miss Odilia lebte schon viele Jahre hier oben über den Dächern von London. Von ihrer Dachterrasse aus, konnte sie ihre Blicke in jede Richtung schweifen lassen und bei klarer Sicht konnte sie die Themse wie ein silbern schimmerndes Band unter sich liegen sehen. Außerdem liebte sie es, hier mitten in der hektischen Stadt, des Nachts den Mond am Himmel zu sehen und wenn sie Glück hatte auch ein paar Sterne.

In den vielen Blumenkästen und Töpfen, die den kleinen Dachgarten bevölkerten, wuchsen allerlei verschieden Blumen und Kräuter, die Miss Odilia Cecilia für ihre Tränke brauchte. Sie standen sauber aufgereiht in einem großen Regal in der Küche und warteten auf ihren Einsatz. Miss Odilias ganzer Stolz waren zwei Rosenstöcke, der eine Weiß und der andere Rot. Die hatte sie einmal, vor vielen Jahren von zwei reizenden Schwestern, denen sie geholfen hatte, geschenkt bekommen und pflegte sie mit Hingabe.

Miss Odilia Cecilia Rosegarden trank also ihren Tee und knabberte an einem Zwieback. Sie überlegte angestrengt, welches ihrer Kleider zu einem leicht wolkenverhangenen Frühlingsdienstag passen könnte und entschied sich für das lindgrüne Tüllkleid mit den Löwenzahnblüten darauf.

Als Miss Odilia mit ihrem Morgentee fertig war, wusch sie sich, kämmte ihre goldenen Locken, zog das lindgrüne Tüllkleid an, setzte den passenden Spitzenhut dazu auf und wollte gerade aus der Tür, als sie bemerkte, dass sie noch ihre pinkfarbenen Puschelschläppchen an hatte. Sie eilte in ihr Schlafzimmer zurück und holte aus ihrem Schuhschrank ein Paar silberglitzernde Ballerinaschuhe.

Miss Odilia Cecilia Rosegarden war der Meinung, dass eine so wichtige Tätigkeit, wie das Verzaubern, mit genügend Glitter und Glamour verrichtet werden sollte, damit die Menschen, denen die Ehre ihrer Hilfe zu teil wurde, auch genau wussten, mit wem sie es zutun hatten.

So steckte Miss Odilia ihre Füßchen also in die glitzernden Schühchen und als sie wieder zur Haustür ging und an ihrer Kommode vorbei kam, stellte sie entsetzt fest, dass sie ihre wichtigsten Utensilien noch gar nicht eingesteckt hatte.

„Ach, wie kann man nur so vergesslich sein“, murmelte sie vor sich hin und hängte sich ihr kleines Täschchen um, in dem sich ihre Visitenkarten und ein Taschentuch, für alle Fälle, befanden. Sie setzte ihre Brille auf, die mit den eingelegten Glassteinchen, und nahm das Allerwichtigste an sich, dass sie für ihre Tätigkeit als Verzauberin brauchte: Ihren Zauberstab! Jedes Mal wenn sie ihn an sich nahm, überkam sie wieder das ehrfurchtsvolle Gefühl, das sie gespürt hatte, als sie die Beschäftigung des Verzauberns von ihrer Großmutter Titania Mirabelle Rosegarden übernommen hatte und sie ihr den Zauberstab vererbt hatte.

Er ist ein merkwürdiges Ding, dachte sie, wie so oft, bei sich. Der Zauberstab bestand aus einer durchsichtigen Glasröhre, in der eine zähe Flüssigkeit hin und her wabberte. In dieser Masse schwammen kleine Kristallsplitter, die je nach Lichteinfall aufstrahlten und mit der Sonne um die Wette glitzerten. Aber das wirklich Besondere an dem Stab war das Rubinherz, das die Spitze des Stabes krönte. Es leuchtete nicht immer auf, aber wenn, dann war alles möglich!

Miss Odilia Cecilia Rosegarden angelte nach ihrer Uhr, die ihr an einer Goldkette um den Hals hing. Als sie sah, wie spät es war, rief sie erschrocken:

„Ach du lieber Himmel, ich komme zu spät! Bestimmt ist Mister Brown schon vorbei gekommen.“

Mit einem Krachen fiel die Tür ins Schloss und Miss Odilia rannte, so schnell es ihre Ballerinas erlaubten, die fünf Stockwerke hinunter auf die Floral Street. Sie musste ihr Spitzenhütchen festhalten, als sie um die Ecke in die Long Acre Avenue einbog, denn ein laues Lüftchen wehte ihr entgegen, dass ihr den Hut von den Locken zu reißen drohte. Schnell eilte sie die Treppen zur Metro hinab, winkte dem Mann im Fahrkartenhäuschen, sprang in ihre Bahn und fuhr die zwei Stationen zum Piccadilly Circus. Dort stieg Miss Odilia aus und die Stufen zum Piccadilly empor. Umgehend steuerte sie auf den Eros-Brunnen zu. Das war Miss Odilias angestammter Platz, an dem sie immer anzutreffen war. Montags bis Freitags, von 9.00 Uhr bis nachmittags um 16.30 Uhr, damit sie die Metro nach Hause erreichte, um den Fünfuhrtee mit Artus einzunehmen.

Nur gegen 13.00 Uhr verließ sie kurz ihren Stammplatz, um sich bei Alberto ein Sandwich zu holen. Manchmal wenn Miss Odilia Cecilia Rosegarden ganz wagemutig war, erlaubte sie sich einen Cappuccino mit Sahnehäubchen dazu.

Aber heute hatte Miss Odilia Glück. Sie sah Mister Brown gerade im Eilschritt die Straße entlang hasten und auf sie zusteuern. Von der anderen Seite eilte Miss Mae heran. Miss Odilia hatte schon seit Wochen darauf gewartet, dass sich die Wege der beiden kreuzten und heute war es endlich soweit. So konzentrierte sie sich ganz fest auf das Herz ihres Zauberstabes und sagte einen Zauberspruch vor sich hin:

„Eros steh mir bei

dies dein Liebeszauber sei

Lass dein Licht erstrahlen

Das die Herzen sich erwärmen

Liebe lass entstehen,

die niemals mag vergehen.“

 

Dann mit einem kaum wahrnehmbaren Klirren, erstrahlte das eben noch leicht pulsierende Herz in vollem Rot und kleine Lichtstrahlen blitzten daraus hervor, die träge Flüssigkeit im Inneren der Glasröhre kam in Wallung und die Regenbogensplitter funkelten wild. Mister Brown ließ vor Schreck seine Unterlagen fallen, Miss Mae direkt vor die Füße. Sie bückte sich und half Mister Brown seine Zettel wieder einzusammeln. Dabei sahen sie sich tief in die Augen und als Mister Brown in sein Büro weiter eilte, hatte er die Telefonnummer der reizenden Miss Mae in seiner Jackentasche, mit dem Versprechen ihn zu einem Diner zu begleiten.

Miss Odilia Cecilia Rosegarden war glücklich. Endlich hatte es geklappt. Sie hatte schon fast daran gezweifelt, aber das Schicksal hatte es gut gemeint. Sie blickte zu Eros hinauf, der ihr einen schelmischen Blick zuwarf. Miss Odilia war heilfroh, dass sie ihre Brille heute Morgen nicht vergessen hatte. Leider war ihr dadurch schon das ein oder andere Missgeschick passiert. Liebeszauber waren ziemlich kompliziert und sensibel zu handhaben. Miss Odilia konnte ein Lied davon singen.

Mit Schrecken dachte sie an das hübsche junge Mädchen, Lizzy hieß sie, die sie durch ihre Kurzsichtigkeit mit diesem Rüpel Jim bezaubert hatte. Am Anfang war noch alles eitel Sonnenschein gewesen, aber dieser Jim hatte sich zusehends in ein Ekel verwandelt und Lizzy, dieses zierliche nette Persönchen, war einfach viel zu weich für diesen Fiesling. Inzwischen hatte sie drei kleine Kinder und lebte in einer herunter gekommenen Bude im schlechtesten Viertel der Stadt.

Oder der arme Mister Smith. Rita, das schöne, stille, schwarzhaarige Mädchen hatte sein Herz vom ersten Augenblick an höher schlagen lassen und als der geeignete Zeitpunkt gekommen war, hatte Miss Odilia ihren Teil dazu getan, dass dich die Zwei kennen lernten. Aber diese so strahlende Liebe war zu einem Desaster für den armen Mister Smith geworden. Gerade hatte er ihr den Ring an den Finger gesteckt, als aus der schönen Rita eine Furie wurde, die ihren Mann nach allen Regeln der Kunst unter Druck setzte und der er nichts recht machen konnte. Es war traurig mit an zusehen, wenn Mister Smith auf dem Weg in sein Kaufhaus mit blassem Gesicht und Rändern unter den Augen am Eros-Brunnen vorbei kam.

„Ach, ja“, seufzte Miss Odilia. Liebeszauber hielten leider nicht immer an. Schon Kleinigkeiten konnten sie stören oder mindern und sie war nicht dafür verantwortlich, wie die Bezauberten mit ihrer Liebe umgingen, sie führte sie lediglich zusammen, mehr nicht.

Miss Odilia war froh, dass solche Unglücke nicht so häufig passierten. Ihre Erfolgsquote war ziemlich hoch und immer wenn ein Paar, dass sie verzaubert hatte, Händchen haltend an ihr vorbei kam und die Augen der Liebenden Funken sprühten, erwärmte das ihr Herz. Abends wenn sie erschöpft vom Piccadilly heim kam, erzählte sie Artus ihre Erlebnisse und königlich, wie er nun einmal war, hörte er ihr gnädig zu und freute sich mit ihr über ihre Erfolge.

Der einzige Wehrmutstropfen, denn Miss Odilia Cecilia Rosegarden in ihrem Leben verspürte war, dass sie selbst noch kein passendes Gegenstück gefunden hatte. Manchmal geschah es, dass ein Mann vorbei kam, der ihr Herz höher schlagen ließ, aber während sie für andere Menschen einen geeigneten Gefährten erkennen konnte, zweifelte sie bei den Männern, denen sie selbst begegnete.

Während der vielen Jahre, die sie inzwischen hier am Eros-Brunnen ihrer Tätigkeit als Verzauberin nach kam, war ihr noch nie aufgefallen, dass es ganz in ihrer Nähe einen Mann gab, der sie verehrte, ja geradezu an himmelte und der genau der ideale Partner für sie gewesen wäre.

Er arbeitete etwas weiter die Straße hinunter, aber in guter Sichtweite von ihr, hinter seinem Leierkasten. Meistens war er schon vor ihr am Piccadilly. Sobald er sie erblickte spielte er ihr eines seiner herzerwärmenden Liebeslieder. Miss Odilia Cecilia Rosegarden war jeden Tag aufs Neue entzückt von den wundervollen Melodien. Aber den Mann, der sie so sehr liebte und nur für sie spielte, den bemerkte sie nicht.

Mister Jonathan Tristan Perivale trug einen schwarzen Frack, ein gestärktes weißes Hemd mit Fliege und auf dem inzwischen leicht ergrauten Haar einen glänzenden Zylinder. Seine hellblauen Augen strahlten wie die Sterne, wenn er Miss Odilias ansichtig wurde. Da er kein Mann von großen Worten war, brachte er es nicht übers Herz sie anzusprechen.

So liebte er sie Tag für Tag, Jahr für Jahr, in jeder Jahreszeit, spielte ihr die schönsten Lieder und wartete auf seine Chance, die sich so hoffte er, eines Tages ergeben würde.

Als Mister Jonathan Tristan Perivale an diesem Dienstag zu seinem Leierkastenstandplatz gegangen war, hatte er am Eros-Brunnen angehalten und einen glänzenden neuen Penny hinein geworfen. Ganz fest hatte er an Miss Odilia gedacht und sich gewünscht, dass er sie endlich kennen lernen könnte. Eros lächelte in sich hinein. Als Miss Odilia Cecilia Rosegarden an ihren Arbeitsplatz kam, war soviel Betrieb wie noch nie. Irgendwie hatte das lindgrüne Löwenzahnblütenkleid etwas genützt und die Sonne war hervor gebrochen. Die Menschen lächelten und verlangsamten ihre Schritte.

Nachdem sie Mister Brown und Miss Mae bezaubert hatte, kamen so viele zu bezaubernde Menschen vorbei, dass ihr Zauberstab heiß zu glühen begann. Inzwischen war es fast 13.00 Uhr, Zeit für ihr Sandwich. Miss Odilia machte sich auf den Weg zu Albertos Imbiss und während sie so ganz in Gedanken die Straße in Mister Jonathans Richtung entlang schwebte, fiel ihr der zauberhafte Stab aus der Hand. Sie stieß einen Entsetzensschrei aus, aber Mister Jonathan Tristan Perivale, der sie keine Sekunden aus den Augen gelassen hatte, sah das Unglück kommen und sprang gewandt hinzu, um das kostbare Stück auf zufangen. Als er den Stab in den Händen hielt begann er plötzlich zu funkeln und Lichtstrahlen auszusenden, die ihn und Miss Odilia einhüllten. Miss Odilia griff sich an ihr rasendes Herz.

„Oh, mein Herr“, stammelte sie, „sie haben meinen Verzauberstab gefangen! Wie kann ich ihnen jemals danken!“ Ihre Augen trafen sich und Mister Jonathan war noch verzauberter als vorher. Er nahm allen seinen Mut zusammen und sagte:

„Miss Odilia Cecilia Rosegarden, ich liebe sie, seit ich sie das erste Mal sah. Bis zum heutigen Tage sind 18 Jahre, 4 Monate, drei Tage und 5 Stunden vergangen und mein größter Wunsch ist es, den Rest meines Lebens mit ihnen zu verbringen.“

Dabei sah er sie mit soviel Liebe an, dass Miss Odilia wusste, dass sich in diesem Moment ihr Schicksal erfüllte. Sie legte ihre Hand in seine und fragte:

„Wie ist ihr Name mein Herr?“

„Jonathan Tristan Perivale“, antwortete er feierlich.

„Ja, mein lieber Jonathan, ich will den Rest meines Lebens mit dir verbringen“, sagte Miss Odilia genauso feierlich.

Und während die beiden Verzauberten zu einem gemeinsames Sandwichessen und einem Cappuccino mit Sahne zu Albertos Imbiss gingen, lachte Eros über das ganze pausbäckige Gesicht, endlich konnte er Miss Odilia glücklich machen, so wie sie es all die vielen Jahre getan hatte. Eros freute sich schon darauf Miss Odilia Cecilia Rosegarden und Mister Jonathan Tristan Perivale an Sonntagen Hand in Hand an seinem Brunnen vorbei spazieren zu sehen.

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Das sind wirklich gefährliche Liebschaften, sagte sich der kleine Prinz, aber es war nicht mehr zu ändern. Er hatte sich unsterblich verliebt. Jeden Tag wenn er an ihr vorbei ging, warf er ihr sehnsuchtsvolle Blicke zu. Dann seufzte er tief und sein Kammerdiener begann sich ernsthafte Sorgen zu machen. Wenn er sie einmal nicht sehen konnte war der kleine Prinz melancholisch. Mit verschleiertem Blick wanderte er umher und wenn niemand hinsah, kullerte eine Träne über seine Wange. Am meisten beunruhigte ihn, dass er nicht wusste, ob sie ihn genauso liebte, wie er sie. Er umschmeichelte sie, machte ihr Geschenke, hegte und pflegte sie, aber sie blieb stumm. Kein Wort, das sie an ihn richtete, kein verliebter Blick, der ihn traf. Und doch hatte er das Gefühl, seine Zuwendung begann Früchte zu tragen, denn an einem sonnigen Morgen, als im königlichen Garten die Vögel voller Inbrunst sangen und in dem königlichen Springbrunnen die Millionen Wassertröpfchen, wie Diamanten glitzerten, da geschah es, dass sie ihre Blätter öffnete und eine wunderbare Knospe hervor kam. Sie öffnete sich und das Herz des kleinen Prinzen wurde so fröhlich, dass er dachte, es müsste zerspringen.

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Er trinkt einen Schluck Whiskey und zieht an seiner Zigarette. Nur ein paar einsame Gestalten haben den Weg ins „Amore“ gefunden. Die Jazzcombo spielt eines seiner Lieblingsstücke. Für seinen derzeitigen Zustand ist das die falsche Musik. Seine Melancholie steigert sich zu einem waschechten Blues. Ihm brennen die Augen. Verdammt! Er sollte endlich mit dem Rauchen aufhören. Vorgenommen hat er sich das schon oft. Aber er ist ein zäher Hund. Was ihn nicht umbringt macht ihn härter. Sie war gegangen. Hatte ihm sein Herz heraus gerissen. Was machten da schon ein paar Zigaretten mehr oder weniger? Er blutete, aber er lebte noch. Er kam ohne sie zurecht.

„Hey, Joe, noch einen“, winkt er dem Barkeeper und deutet auf sein Glas, „aber einen Doppelten.“

Das Leben könnte so schön sein. Er hatte malocht wie ein Tier, hatte gutes Geld verdient. Heute ist nicht mehr viel davon übrig. Sie hatte es verstanden, die Kohle mit vollen Händen aus dem Fenster zu werfen.

„Weiber“, knurrt er, greift zum Glas.

Die anderen armen Schweine, die hier sitzen und ihre Sorgen im Alkohol ertränken, haben bestimmt eine ähnliche Geschichte hinter sich. Vielleicht war einem von ihnen die Frau mit dem besten Freund abgehauen, so wie ihm. Aber was kümmert ihn das. Jeder muss sehen wo er bleibt. In seinem Magen dreht sich alles. Sechs Whiskeys auf Ex, scheinen keine gute Idee gewesen zu sein. Er zieht einen zwanzig Dollarschein aus der Hosentasche, legt ihn auf den Tresen. „Der Rest ist für dich.“ Nuschelt er.

Unbeholfen rutscht er von seinem Barhocker und wankt hinaus. An der nächsten Ecke übergibt er sich. Weiber, denkt er. Wenn sie nicht abgehauen wäre, hätte er sich nicht besoffen und nicht kotzen müssen. Egal! Er ist frei, kann saufen und kotzen soviel er will. Muss sich nicht rechtfertigen. Er macht sich auf den Weg in seine stille leere Wohnung. Seine Augen brennen. Diesmal nicht vom Rauch der Zigaretten.

 

 

 

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Besessen

Der Innenraum der Kirche war hell erleuchtet von der Morgensonne, die durch das runde nach Osten gerichtete Fenster über dem Taufbecken fiel. Die Frühmesse war vorüber und die wenigen Gemeindemitglieder, die schon um sechs den Gottesdienst besuchten, auf dem Heimweg. Bruder Martin ordnete die Gegenstände auf dem Altar für die nächste Messe, sammelte die vergessenen Gesangbücher ein und legte sie auf den kleinen Tisch neben den Eingang. Da entdeckte er eine junge Frau, die hinter einer Säule saß, als wollte sie nicht bemerkt werden. Bruder Martin kannte sie nicht und überlegte ob er sie ansprechen sollte. Ihre Haltung drückte Hoffnungslosigkeit aus. Ihre Schultern hingen schlaff herunter und sie zitterte am ganzen Körper, als hätte sie Schüttelfrost. Dann hörte er ein leises Schluchzen und sah, dass sich ihre Lippen tonlos bewegten, als wäre sie im Gebet versunken. Sie war noch sehr jung, höchstens 20.

„Guten Morgen, kann ich ihnen helfen?“, fragte Bruder Martin besorgt.

Die Frau sah ihn erschrocken an. Scheinbar hatte sie ihn überhaupt nicht wahrgenommen. Wie lange sie wohl schon dort saß? Ihre Hände waren krampfhaft ineinander verschränkt.

„Mir kann niemand helfen“, antwortete sie tonlos und Tränen liefen über ihre geröteten Wangen.

„Sagen sie das nicht, mit Gottes Hilfe kann viel bewirkt werden“, meinte Bruder Martin zuversichtlich.

Die junge Frau sah ihn mutlos an und er schrak, als er die Leere in ihren Augen sah. Hilflos stand er da und überlegte was er tun könnte, um ihr zu helfen. Das Schweigen zwischen ihnen war greifbar und wurde durch die Stille in der Kirche noch verstärkt.

„Wollen sie beichten? Vielleicht kann sie, das von ihrer Last befreien“, brach Bruder Martin das Schweigen.

Gleichgültig zuckte die Frau mit den Schultern.

„Es kann nichts schaden, aber es wird mir nichts nützen.“

Mit gesenktem Kopf stand sie auf und folgte Bruder Martin zum Beichtstuhl. Er trat hinter schweren Samtvorhang, in die verschwiegene Dunkelheit des Beichtstuhls und wappnete sich innerlich gegen das, was er gleich hören würde. Ein leises Geräusch verriet ihm, das die junge Frau auf der anderen Seite auf dem Stuhl platz genommen hatte. Das trennende Gitter zwischen sich und dem Beichtenden hatte Bruder Martin oft als störend empfunden. Er hatte immer das Gefühl, als hielte es ihn von den Menschen fern. Aber er spürte, dass es diesmal anders war. Es war wie eine Schutzmauer, die ihn von drohendem Unheil abschirmte. Sein Herz schlug bis zum Hals und einen Moment lang wünschte er sich, die junge Frau nie angesprochen zu haben.

„Nun, meine Tochter, was möchtest du beichten.“

Bruder Martin flüchtete sich in die kirchlichen Formeln, um seine Sicherheit wieder zu gewinnen. Er hörte, dass sie tief atmete, als würde sie zum Sprung ansetzen.

„Ich habe meine Seele dem Teufel verschrieben“, sagte sie plötzlich und fing an zu weinen.

Bruder Martin war einigermaßen erstaunt über diese Äußerung und lächelte erleichtert. Nur eines von diesen verwirrten Mädchen. Es war also doch nicht so schlimm, wie er befürchtet hatte. Sie schien aber ziemlich naiv zu sein. Denn obwohl Bruder Martin, als Mann der Kirche sehr gläubig war, konnte er sich nicht vorstellen, dass man seine Seele dem Teufel verschreiben konnte. Das war doch nur ein großer Unsinn, den ein paar arme verirrte Seelen verbreiteten, die sich mit der alten Kirche nicht anfreunden konnten. An irgendetwas mussten sie ja glauben, und wenn es der Teufel war.

„Wie kommst du auf den Gedanken?“, hakte er nach.

„Ich finde keine Ruhe mehr, weder am Tag noch in der Nacht. Ich kann nicht mehr klar denken. Alles dreht sich im Kreis. Ich werde noch verrückt“, sprudelte es aus ihr hervor.

„Das wird sich schon wieder geben“, versuchte Bruder Martin sie zu beruhigen. Durch das Gitter sah er, wie sie langsam den Kopf schüttelte. „Was nimmt denn deine Gedanken so sehr gefangen, dass du keine Ruhe mehr findest.“

Es dauerte einig Weile bis sie antwortete.

„Ich glaube nicht, dass ihr das verstehen könnt.“

„Ihr könntet es ja versuchen.“

Bruder Martin wollte sich nicht so leicht geschlagen geben. Diesen Spruch hatte er schon oft gehört. Wieder schüttelte sie den Kopf.

„Ich danke euch, dass ihr mir helfen wollt, aber mir kann niemand helfen.“

Abrupt stand sie auf, straffte die Schultern, trat aus dem Beichtstuhl und ging auf den Ausgang zu. Bruder Martin war so überrascht, dass er ihr gerade noch nachrufen konnte:

„Wenn sie es mir doch sagen wollen, finden sie mich hier.“

In der nächsten Zeit sah Bruder Martin die junge Frau öfter. Aber jedes Mal wenn er auf sie zugehen wollte, um sie zu begrüßen oder ihr etwas Aufmunterndes zu sagen, verschwand sie eilig und ohne ihn anzusehen. Ihre hoffnungslose Haltung änderte sich nicht, im Gegenteil, Bruder Martin hatte das Gefühl, als würde sie mit jedem Mal mehr in sich zusammen fallen. Ihr Haar, das sie bei ihrer ersten Begegnung noch hübsch frisiert hatte, hing nur noch in Strähnen herunter und auch ihre Kleidung ließ zu wünschen übrig. Wenn er sie sah, konnte er sich eines merkwürdigen unangenehmen Schauers nicht erwehren. Dann, plötzlich hörten ihre Kirchenbesuche auf und Bruder Martin fragte sich, was mit ihr passiert sein mochte.

Es war nach einer Frühmesse, als Bruder Martin auf dem Altar neben dem Blumengesteck einen Brief entdeckte. Er war zerknittert und mit krakeligen Buchstaben beschrieben, fast wie von einem Kind, aber deutlich an ihn adressiert. Bruder Martin nahm den Umschlag und steckte ihn in die Tasche seiner Kutte. Hastig und nicht mit der gewohnten Sorgfalt, erledigte er seine Aufgaben. Seine Gedanken galten dem merkwürdigen Brief in seiner Tasche. Dann eilte er in sein Studierzimmer, rückte seinen Lehnstuhl ans Fenster und öffnete den Brief.

„Lieber Bruder,

wenn sie diesen Brief lesen werde ich von meinen Leiden erlöst sein. Ich sehe keinen anderen Ausweg. Das Einzige, um das ich in diesem Leben noch bitte ist, dass sie ein Gebet für mich sprechen. Als ich ihnen sagte, ich hätte mein Leben dem Teufel verschrieben, traf das nicht ganz zu. Oder zumindest wusste ich es zu dem Zeitpunkt, als ich es tat, noch nicht. In meinem Leben gab es nie ernsthafte Probleme. Ich wuchs in finanziell gesicherten Verhältnissen auf, hatte gute Schulnoten und bekam eine tolle Lehrstelle. Auch wenn ich einen Jungen gut fand gab es nie Probleme, es gab immer Mittel und Wege ihn auf mich aufmerksam zu machen. Alles war gut und ich hätte zufrieden sein können. Aber wie es in diesem Leben wohl so oft vorkommt, können sich die Menschen mit diesen Dingen nicht abfinden, sie wollen immer mehr. So auch ich. Eine meiner Arbeitskolleginnen, ein sehr unscheinbares und stilles Mädchen, brachte eines Tages ihren Freund mit zur Arbeit. Ich verliebte mich auf den ersten Blick unsterblich in ihn. Seit dem Moment ließ ich nichts unversucht diesen Mann auf mich aufmerksam zu machen. Aber nichts klappte. Ich fand heraus wo ich ihn treffen konnte, schrieb Briefe, rief ihn an, aber es war hoffnungslos. Eines Tages lass ich in einer Zeitschrift etwas über Frauen, die durch Zauberei den Mann ihrer Träume erobert hatten. Ich war so verzweifelt, dass mir sogar ein Mittel, das mir unter normalen Umständen lächerlich vorgekommen wäre, in Erwägung zog. In der nächsten Vollmondnacht, schlich ich mich auf den nächsten Friedhof, stellte mich an ein frisches Grab, zündete eine Kerze an und versprach alles was mir heilig war Gott oder dem Teufel, wenn sich nur dieser Mann in mich verlieben würde. In meiner Naivität verpfändete ich sogar mein Leben. Nur um endlich Ruhe finden zu können. Das Unglaubliche geschah! Er verließ seine Freundin und wollte mich. Ich war stolz auf meinen Einfallsreichtum und sah geringschätzig auf meine Arbeitskollegin herab. Nicht nur das. Wo ich konnte, ließ ich sie merken wie groß ich mich fühlte und verspottete sie. Aber mein Triumph verwandelte sich in einen Fluch. Statt glücklich zuwerden, weil ich endlich den Mann meiner Träume erobert hatte, verwandelte sich mein Leben in eine Katastrophe. Dieser Mann, den ich so sehr begehrte, gehörte nicht nur mir, er hatte auch noch andere Freundinnen. Aber statt ihn zu verlassen, vergaß ich bei ihm alles, auch meine Würde. Wenn er bei mir war, lebte ich auf und wenn er nicht da war, was immer häufiger vorkam, litt ich wie eine Fieberkranke. Ich bettelte auf Knien, versprach ihm was er wollte, tat was er wollte, aber er demütigte mich bis in den Staub. Jedes Mal schwor ich, ich würde ihn verlassen, aber ich konnte es nicht. Wie eine Süchtige verfiel ich ihm, ohne Aussicht auf eine Heilung. Er begann mich zu halten wie einen Hund, streichelte mich und trat mich. Ich fügte mich. Und sie werden mir recht geben, Gott hatte mir diesen Mann nicht geschenkt, es muss der Teufel gewesen sein. Mein Leben ist nur noch eine einzige Qual, ich kann ohne diesen Mann nicht Leben, aber auch nicht mit ihm. So ist es besser gar nicht mehr zu leben. Ich danke ihnen für ihre Sorge und ihr Mitgefühl. Beten sie für mich.

Ihre verzweifelte Lena“

Bruder Martin ließ den Brief auf seine Knie sinken und blickte mit tränenfeuchten Augen hinaus in seinen blühenden Garten. Alles war friedlich und still. Die Sonne schien auf den kleinen Gartenteich, der sein ganzer Stolz war. Die Seerosen wandten ihre zartrosa geränderten Blüten dem Himmel entgegen. Eine Libelle schwirrte über sie hinweg und ihre Flügel schillerten in allen Farben des Regenbogens. Durch das offene Fenster nahm er den sanften Duft der Rosen wahr, die sich gerade entfalteten. Das arme, verwirrte Mädchen. Hätte sie sich ihm doch anvertraut, vielleicht wäre es ihm möglich gewesen ihr zu helfen und sie von diesem absurden Gedanken abzubringen. Wie sehr musste sie gelitten haben, dass sie glauben konnte, sie habe ihre Seele dem Teufel verschrieben. Bruder Martin schüttelte nachdenklich den Kopf. Aber den Wunsch ein Gebet für sie zu sprechen wollte er ihr erfüllen. So schloss er die Augen, um ein „Ave Maria“ für sie zu beten. Leise sprach er die ersten Worte, als er plötzlich aufschrie vor Schmerzen und den Brief von sich warf. Das Papier war in Flammen aufgegangen und verbrannte vor seinen Augen zu einem winzigen Aschehäufchen. Starr vor Schreck sah Bruder Martin auf die Asche zu seinen Füssen. Und jedes Mal, wenn er später sein Arbeitszimmer betrat und auf den Brandfleck sah, der sich in die Holzdielen eingefressen hatte, bekreuzigte er sich und sandte ein Stoßgebet gen Himmel.

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Aufgelöst

Er stand im Halbdunkel der Diele. Das Haus war kühl und still. Ganz anders als die Kurklinik, in der er die letzten Wochen verbracht hatte. Dort war es warm und hell. Unendliche viele Geräusche erfüllten die Räume. Die unterschiedlichsten Menschen durchströmten die Zimmer und Flure. Die Kälte in seinem Haus jagte ihm einen Schauer durch den Körper und ließ seinen ausgezehrten Leib zittern. Die Tür fiel ins Schloss. Die junge Frau, die ihn heimgefahren hatte, war gegangen. Seine Augen füllten sich mit Tränen. Er weinte. Weinte wegen der grausam verrinnenden Zeit, die ihn allein zurück gelassen hatte. Alles, was sein Leben die letzten Wochen ausgefüllt hatte, gehörte der Vergangenheit an, wie er selbst. Nur der Koffer und ein paar Plastiktüten waren Beweise für sein Fortsein. Jedes Ding stand unverändert an seinem Platz. So würde es weitergehen. Tag für Tag, bis sein Herz nicht mehr schlagen wollte. Er stand da in der schmerzenden Stille, die ihn anbrüllte wie ein Orkan und seine Tränen wurden zu Strömen, die nicht enden wollten.

Als seine Tochter am späten Nachmittag kam, um nach ihm zu sehen, fand sie nur noch seine nassen Kleidung in einer großen Wasserlache.

Nachruf:

Er ging den Weg des Wassers

Von der Quelle ins Meer

Vereinigte sich mit

Millionen Tränen einsamer Seelen

Um nie mehr allein zu sein

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