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Archive for Dezember 2011

Es war einmal, so beginnen doch alle Geschichten, besonders die mit einem Happy End. Auch diese Geschichte hat letztlich ein gutes Ende, aber bis es dazu kam, gab es am Nordpol eine große Aufregung.

Alles fing ganz friedlich an. Niemand der vielen Nordpolbewohner ahnte Böses, als sie an diesem Morgen in ihren Betten schlummerten. Es war der 23.12. und wie jedes Jahr an diesem Tag vor dem großen Fest, wollte ihn der Weihnachtsmann in aller Ruhe beginnen. Alle Geschenke waren rechtzeitig fertig und verpackt. Die Maschinen in den großen Werkstätten standen still und die Bewohner von Chrismas Hollow freuten sich auf einen ruhigen Tag und eine schöne Weihnachtsfeier. Das hatten sie sich redlich verdient. Denn in den letzten Wochen waren so viele Lastminute Bestellungen aufgegeben worden, dass den Engeln in Himmelstür die Finger gequalmt hatten, als sie die Bestellzettel füllten und die Weihnachtselfen hatten Sonderschichten gefahren.

Nun, jedenfalls freute sich Santa auf ein gemütliches Frühstück und einen heißen Kaffee mit einem Schuß Rum und Zimt, als er aus dem Bett stieg. Er schlurfte ins Bad, machte sich frisch, kämmte seinen Bart und bürstete seine vollen schlohweißen Haare. Leise pfeifend ging er in die gemütliche Küche und setzte sich an den gedeckten Tisch. Der Herd bollerte sanft vor sich hin, der Wasserkessel begann gerade zu flöten, als Mary, seine Frau, von draußen herein trat und ganz aufgeregt rief:

„Claus es ist was Schreckliches passiert!“

Ihre Wangen waren gerötet und ihre Hände, mit der Brötchentüte zitterten.

„Aber Schatz, so schlimm wird es doch nicht sein“, versuchte Santa sie zu beruhigen.

Er konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, was so Katastrophal sein könnte, dass sein Frau so außer sich war.

„Doch es ist furchtbar! Mehr als das. Du wirst es niemals glauben!“, schluchzte sie und brach in Tränen aus.

Santa holte ein großes Taschentuch aus seiner Hosentasche und Mary schnäuzte sich geräuschvoll die Nase.

„Also, Liebes, was ist denn nun los?“

Erneut schimmerten Tränen in ihren Augen und Santa befürchtete schon, ein neuer Sturzbach würde einsetzen.

„Zieh dir die Stiefel an und komm mit, sonst denkst du ich will dich auf den Arm nehmen.“

Mary zog Santa hinter sich her in den Flur. Er stieg in seine Stiefel und warf sich die rote Jacke über. Seine Laune hatte einen leichten Schlag bekommen, nicht weiter verwunderlich, wenn man bedenkt, dass er seinen geliebten Morgenkaffee noch nicht bekommen hatte. Aber sie gelangte auf den Tiefpunkt, als Mary ihn in die Stallungen führte und seine Rentiere und der Schlitten fort waren. Sprachlos stand Santa vor den Boxen seiner Rentiere und konnte es nicht fassen. Sie waren alle weg. Samt Festtagsgeschirr und Schlittenschmuck. Santa fasste sich an die Brust und fürchtete einen Herzinfarkt zu bekommen.

„Wer wagt es einen Tag vor dem Fest meinen Schlitten und die Rentiere zu stehlen?“, donnerte er durch den Stall.

Sein dröhnender Ausruf setzte eine Lawine Schnee frei, die vom Dach rutschte und einen Weihnachtself unter sich begrub, der gerade in aller Eile auf dem Weg in die Stallungen gewesen war. Santa hörte leise Rufe und trat vor die Stalltür. Aus der Schneewehe schaute eine rote Bommelmütze heraus. Fieberhaft buddelten Santa und Mary den Elf aus.

„Santa, Santa!“, rief der Kleine aufgeregt, „es ist etwas Furchtbares passiert.“

Er sprang von einem Bein auf das andere und schüttelte sich den Schnee von der Kleidung.

„Was denn noch alles!“, polterte Santa den Kleinen an.

„Der Sack mit den Geschenken ist weg.“

„Nein, unmöglich!“ Santa wollte es nicht glauben.

Das war der Superweihnachtsgau.

„Doch Santa, er ist weg. Ich ging vorhin in die Werkstatt um etwas aufzuräumen, da sah ich, dass er fort war“, sagte der Elf mit weinerlicher Stimme.

„Die Rentiere sind auch weg, samt dem Schlitten.“

Santa setzte sich auf einen dicken Holzblock.

„Nein!“

Jetzt kreischte der Elf und fing an zu heulen, als hätte ihn jemand geohrfeigt. Santa und Mary, die ihn still beobachtet hatten, hielten sich die Ohren zu.

„Aufhören! Du weckst ja alle auf!“, rief Mary.

Das Elfengeschrei war grässlich und Santa hätte dem Winzling am liebsten tatsächlich eine Ohrfeige verpasst. Aber er beherrschte sich. Schließlich änderte das nichts an der Situation.

„Komm Mary“, sagte er, „ich brauche meinen Kaffee, sonst kann ich nicht nachdenken. Aber ich muss unbedingt in Ruhe überlegen, was zu tun ist.“

Mary nickte verständnisvoll. Sie gingen zum Haus und ließen den verdutzten Elf im Schnee stehen. Erstaunt hörte der auf zu schreien. Sie ließen ihn einfach alleine stehen und was nun? Er beschloss seinen Brüdern zu berichten, was heute Nacht passiert war und hüpfte davon.

Santa setzte sich wieder an seinen Küchentisch, nahm sich ein Brötchen und bestrich es dick mit Erdbeermarmelade. Mit leerem Bauch konnte er nicht richtig nachdenken. Mary brühte den Kaffee auf, gab einen ordentlichen Schuß Rum dazu, auf den Schreck, und streute eine Prise Zimt in die Tasse.

„Hier noch einen Löffel Schlagsahne, damit sich der Schreck etwas legt.“

Mary nahm einen Krug mit Sahne aus dem Kühlschrank und gab einen dicken Löffel Schlag auf den Kaffee. Der Duft durchzog die ganze Stube und nur das ungnädige Brummeln von Santa erinnerte an das Unfassbare, das passiert war. Eine ganze Weile kaute Santa murmelnd vor sich hin. Er musste den Schlitten wieder finden. Dann dachte er an seine Rentiere. Wie es ihnen wohl ergehen mochte? Wenn der Dieb ihnen ein Haar krümmte, dann konnte der Lümmel sein blaues Wunder erleben. Die andere Überlegung war, wer so einen riesigen Sack mit Geschenken transportieren konnte. Er kam zu dem Schluss, dass der Dieb den Sack nur mit dem Schlitten befördern konnte und deswegen beides verschwunden war.

„Was hältst du davon, wenn wir die Hunde einsetzten. Mit ihren feinen Nasen, müssten sie bald eine Spur aufnehmen“, fragte Mary und biss in einen Lebkuchen, von dem bunten Teller.

„Das ist eine sehr gute Idee, Mary!“

Santa griff zu seinem Handy und gab die Nummer von Billy dem Hundeführer ein. Es bimmelte mehre Male, bis Billy endlich den Hörer abnahm.

„Ja, hier Billy, wer stört.“

Hörte Santa eine verschlafen Stimme auf der anderen Seite.

„Hier ist Santa, du musst sofort aufstehen und deine Hunde auf Trab bringen.“

„Was, wieso?“

Billy versuchte aufzuwachen und zu verstehen, was Santa von ihm wollte, aber es war noch viel zu früh nach den vielen Nachtschichten, war er total erschöpft.

„Frag nicht. Tu was ich sage! Es ist ein Notfall. Mein Schlitten und die Geschenke sind entführt worden“, Santa wurde ungeduldig.

„Was!“, schrie Billy in den Hörer.

Santa ließ fast sein Handy fallen.

„Wie konnte das passieren?“

„Es fehlt nur noch, dass der auch noch anfängt zu heulen“, dachte Santa bekümmert.

„Ich weiß es nicht. Dafür brauchen wir die Hunde. Sie sollen die Spur aufnehmen und den Schlitten wieder finden“, erklärt er.

„Und wo sind die Rentiere“, fragte Billy.

„An dem Schlitten, du Duselkopf!“

Jetzt reichte es Santa.

„Alles, alles ist weg. Mach dass du aus den Federn kommst. Wir treffen uns am Stall.“

Wütend drückte er auf den Ausknopf.

„Dieser Billy ist ein Dummkopf. Wenn er nicht so ein guter Hundeführer wäre, würde ich ihn feuern und mit dem Besen den Schnee fegen lassen.“

„Beruhige dich, Schatz! Nimm noch einen Schluck Kaffee. Die Huskies werden den Schlitten finden, bestimmt!“

Mary legte Santa sanft eine Hand auf die Schulter.

„Sie müssen ihn finden! Das wäre das größte Desaster in der Geschichte von Weihnachten, ohne Geschenke“, seufzte Santa verzweifelt.

Eine viertel Stunde später trafen sich Santa und Billy vor dem Stall. Billy hatte die Huskies schon eine Spur aufnehmen lassen und sie vor den Hundeschlitten gespannt.

„Es kann los gehen“, rief er Santa entgegen, der seinen roten Arbeitsanzug an hatte.

„Gut, dann lass uns los fahren! Falls wir den Übeltäter finden kann er was erleben.“

Santa machte es sich auf dem Hundeschlitten bequem. Billy sprang auf den breiten Rücken des Leithundes Teddy und griff mit beiden Händen nach dem Hundegeschirr. Dann stieß er Teddy mit den Fersen in die Flanken und rief:

„Hey, Ho! Auf, auf und davon!“

Dabei zappelte er so heftig herum, dass Santa befürchtete Billy würde herunter fallen. Teddy bellte laut und dann zogen die Huskies den Schlitten an, trabten immer schneller den ausgetretenen Weg entlang und hatten schließlich soviel Fahrt aufgenommen, dass der Schlitten abhob und  „Hui!“ über dem Nordpol eine halsbrecherische Schleife drehte, bevor er Richtung Europa davon brauste. Santa musste seine rote Mütze festhalten und sein weißer Bart flatterte ihm ins Gesicht.

„Musst du denn immer so einen wilden Start hinlegen? Du weißt doch, dass ich das Fliegen mit den Hunden nicht so gut vertrage“, murrte er ärgerlich.

Billy lachte nur und trieb die Huskies zu Höchstleistungen an, als hätte er Santa nicht gehört. Wenn er schon so früh aus den Federn musste, dann wollte er wenigstens seinen Spaß haben. Wer immer den Schlitten, samt Sack und Rentieren gemopst hatte, musste eine ungeheure kriminelle Energie an den Tag gelegt haben. Ehe Santa sich versah, schwebten sie auch schon über Grönland, Island nach Norwegen hinüber.

„Irgendwo da müssen sie sein, die Hunde haben den Geruch der Rentiere gewittert.“

Schrie Billy in den brausenden Nordwind, der sie seit ihrer Überquerung der Färöer Inseln begleitete, und deutete auf Skandinavien. Der Nordwind redete dauernd auf Santa ein und wollte wissen, was er zu Weihnachten bekommen würde, aber Santa wollte es ihm nicht verraten. Der Nordwind, der es vor Neugier nicht mehr aushalten konnte, blies daraufhin so stark, dass der Hundeschlitten ins Trudeln geriet und über einem dichten Waldgebiet in Norwegen abstürzte. Billy schrie vor Schreck und krallte sich in Teddys Löwenmähne fest. Santa wurde von dem Sturz so überrascht, dass er keine Vorsichtsmaßnahmen treffen konnte und kopfüber in eine große Schneewehe fiel. Billy, sprang von Teddys Rücken, löste das Hundegeschirr und mit vereinten Kräften buddelten sie Santa aus dem Schnee.

„Hast du dir weh getan?“

Billy weinte und buddelte. Buddelte und weinte.

„Aua“, stöhnte Santa, als die Huskies und Billy ihn freigelegt hatten, „ich glaube ich habe mir den Hals verrenkt. Schleudertrauma!“

Er massierte seinen Nacken und biss die Zähne zusammen, um nicht auch noch zu weinen.

„Was für ein schrecklicher Tag!“, jaulte Billy und putzte sich geräuschvoll seine Nase an Santas roter Bommelmütze ab.

„Hör auf herum zu palavern!“, Santa erhob sich unbeholfen, „du musst den Schlitten finden. Soweit weg kann er ja nicht sein!“

„Ja, sofort!“

Billy schniefte noch mal laut, dann befahl er den Hunden nach dem Schlitten zu suchen.

Nach einer Stunde kamen die ersten unverrichteter Dinge zurück. Bis auf Aljoscha. Er war nicht allein. Auf seinem Rücken trug er Pit und Pat. Noch bevor man Aljoscha sehen konnte, hörte man die beiden Elfenkinder. Ihr hysterisches Geheul erfüllte den stillen Wald und schreckte alle Bewohner auf.

„Seit schon still“, herrschte Santa die Beiden an, „was habt ihr euch dabei gedacht, den Schlitten und den Sack zu entführen?“

Drohend stand er vor den Misstätern und hätte sie am liebsten über das Knie gelegt, aber als er ihre roten Augen und verweinten Gesichter sah, brachte er es nicht übers Herz.

„Wir wollten dir doch bloß helfen, weil es dir nicht gut geht?“

Schluchzten sie und warfen ihre Arme in theatralischer Pose in die Luft.

„Wieso denn das?“, fragte Santa verständnislos, „mir geht’s doch gut. Bis heute Morgen jedenfalls.“

„Nein“, jammerte Pit und machte seinen unglücklichsten Augenaufschlag, „du hast neulich zu Onkel Tandil gesagt, dass dir dein Rücken zu schaffen macht und du nicht weißt, wie lange du noch diesen schweren Job erledigen kannst. Da haben wir gedacht, wir könnten die Geschenke verteilen. Dann haben wir den Nordwind getroffen. Der wollte einen Blick auf seine Pakte werfen und als wir sie ihm nicht geben wollten, hat er uns herumgewirbelt und wir sind abgestürzt.“ Beifallheischend sah er seinen Bruder Pat an und der nickte eifrig.

„Genau so war es.“

„Dieser ungestüme Gesell von Wind, der kann was erleben, wenn ich ihn noch mal erwische!“, dachte Santa wütend.

„Aber das sage ich doch jedes Jahr, ihr kleinen Dummköpfe.“ brummte Santa betroffen, „nach den vielen arbeitsreichen Wochen habe ich immer Kreuzschmerzen, aber wenn das Fest vorüber ist, dann dauert es nicht lange und es geht mir wieder besser.“

„Und was tun wir jetzt?“

Billy hüpfte aufgeregt herum.

„Schade das Santa den beiden kleinen Quälgeistern keine Tracht Prügel verabreicht hat“, dachte er.

„Zwei der Rentiere haben sich verletzt“, fuhr Billy fort und sah Pit und Pat mit bösen Blick an, „inzwischen ist es schon spät und die ersten Kinder auf der Erde beginnen bald das Weihnachtsfest.“

„Du meine Güte, dass ist ja furchtbar!“, Santa schlug die Hände über dem Kopf zusammen, „die armen Eltern, dass wird ja ein schönes Geschrei geben.“

„Hallo, ihr da!“, hörten die Vier eine leise Stimme aus einem Dickicht heraus.

„Wer ist denn da?“, fragt Santa und blickte gespannt in den dunklen Tann.

Billy, Pit und Pat versteckten sich zitternd hinter Santa.

„Wir sind die Wollibollis. Und wir haben gehört, dass ihr in Schwierigkeiten seid, können wir euch helfen?“, fragte die Stimme.

„Ja, vielleicht. Aber kommt doch erst mal heraus, damit wir euch sehen können. Wir tun euch nichts“, sagte Santa freundlich.

Wie erstaunt war er, als eine ganze Gruppe von kleinen, kugelrunden Kobolden aus dem Gebüsch purzelte. Sie trugen braune Hosen und Westen, einen grünen Wams und einen roten Schal. Nur ihre Mützen hatten verschiedene Farben. Vermutlich das Einzige woran man sie auseinander halten konnte. Für Santa sahen sie alle irgendwie gleich aus.

„Wie wollt ihr uns denn helfen“, fragte er skeptisch.

„Wir können Schlitten besorgen und Rentiere, so schnell wie der Wind“, sagte der Anführer, der eine besonders dicke rote Nase hatte und ständig schniefte.

„Das wäre uns eine große Hilfe!“, Santa klatschte begeistert in die Hände.

„Wartet hier auf uns, wir sind bald wieder zurück“, sgte der kugelrunde Anführer und wie von Geisterhand verschwanden sie im Unterholz.

„Billy, du musst die Rentiere, die sich verletzt haben, zurück nach Chrismas Hollow bringen. Nimm Teddy mit. Bringt große Säcke mit, in die wir die Geschenke verteilen können, damit die Wollibollis sie auf die Schlitten laden können. Außerdem brauchen wir jeden deiner Hunde, den du entbehren kannst.“

Santa blickte Pit und Pat mit herunter gezogenen Augenbrauen an.

„Ihr werde die Geschenke auf die Säcke verteilen!“, er drohte ihnen mit dem Finger, „und macht eure Arbeit ja anständig. Wehe ein Kind bekommt keine Geschenke! Dann fegt ihr die nächsten Jahre den Schnee in Chrismas Hollow.“

„Wir machen alles was du willst, aber nicht den Schnee schippen!“, bettelten die beiden Schlingel.

Billy machte sich auf den Weg nach Chrismas Hollow. Pit und Pat führten Santa und die zurück gekehrten Wollibollis zu dem abgestürzten Schlitten. Es dauerte nicht lange und Billy und Teddy kamen mit den Ersatzsäcken zurück. Die Weihnachtselfen und Santa sortierten die Geschenke nach Ländern und teilten jedem Gespann einen Huskie zu. Dann gab Billy den Hunden Befehle, wohin sie die Wollibollis führen sollten. Santa lud den größten Sack auf den ramponierten Schlitten, setzte Pit, Pat und Billy auf den Sack und mit einem „Hü Ho!“ und einem lauten Schnalzen setzten sich die letzten Rentiere in Bewegung.

Santa Claus, Pit, Pat, Billy und die Wollibollis arbeiteten den ganzen Tag und die ganze Nacht. Alle Menschenkinder, Trolle, Wollibollis, Feen und Elfen bekamen ihre Geschenke und feierten fröhlich und ausgelassen. Niemand bemerkte, dass es in diesem Jahr fast zu einer der schlimmsten Weihnachtskatastrophen des ganzen Jahrhunderts gekommen wäre.

Nur Pit und Pat saßen, zur Strafe für ihr unbesonnenes Verhalten, am heiligen Abend ohne Geschenke da und weinten sich die Augen aus. Ihr Geheul war in ganz Chrismas Hollow zu hören. Das nervte alle Einwohner so sehr, dass sie Santa inständig baten, den beiden doch die Geschenke zu geben, damit sie in Ruhe feiern konnten. Santa, der ein großes weiches Herz hatte, ließ sich erweichen und brachte den beiden Heulsusen ihre Pakete und unter großem Geschniefe versprachen sie feierlich, so etwas nie, nie wieder zu tun!

Der Nordwind bekam als Weihnachtsüberraschung nur ein Paar übriggebliebene Ohrenschützer in Rosa, statt eines neuen warmen Wollmantels mit Schal und Handschuhen. Er ärgerte sich so maßlos, dass ihm für ein paar Tage die Puste ausging und die Kinder Schlitten fahren und Schneemänner bauen konnten. Aber das kommt eben davon, wenn man so neugierig ist und versucht den Weihnachtsmann auszutricksen.

Ende gut alles Gut!

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4.12.2011

Ich stehe in einem verschneiten Garten, neben der weihnachtlich geschmückten Tanne. Heute Abend, als es dämmerte, gingen die Lichter an und ich erstrahlte im ihrem Glanz. Die Kinder haben mir einen alten Kochtopf aufgesetzt. Zwei Steine sind meine Augen, eine dicke Möhre meine Nase. Vorhin war eine Krähe da und hat versucht mir die Nase anzupicken, aber der alte Tannenmann hat sie mit einem Zweigschlag weggejagt. Das Leben eines Schneemanns ist gar nicht so ungefährlich.

5.12.2011

Bevor die Kinder heute zur Schule gingen, haben sie mir einen Besen in die Seite gebohrt. Aua! Später hat ihn mir die Mutter wieder heraus gezogen. Sie war ärgerlich, weil sie den Besen schon eine Weile gesucht hatte.

Am Nachmittag bauten mir die Kinder einen Spielgefährten. Eine Schneefrau. Sie trägt einen pinkfarbenen Schal, ein Spitzenhütchen und ist wunderschön. Ich wollte mich ein Bisschen mit ihr unterhalten, aber sie hat nicht ein Wort erwidert. Das macht mich sehr traurig.

6.12.2011

Heute Nacht kam der Nikolaus vorbei. Er sah nicht sehr fröhlich aus. Gegrüßt hat er auch nicht. Ich schätze, er hatte schon ein paar Mal die Rute für die ungezogenen Kinder herausholen müssen. Missmutig steckte er Süßigkeiten in die Stiefel, die die Kinder vor die Tür gestellt hatten. Dann zog er eilig weiter. So ein Nikolaus hat ja auch viel zu tun. Meine Kinder haben sich sehr gefreut, als sie am Morgen ihre Stiefel einsammelten. Die Schneefrau redet immer noch nicht mit mir…

7.12.2011

Heute war ein schlimmer Tag. Ein paar Kinder aus der Nachbarschaft haben mit Schneebällen nach mir geworfen. Sie haben mir den Topf vom Kopf geschossen und meine Möhre ist auch herunter gefallen. Da hat die Schneefrau gelacht und ich musste weinen. Meine Kinder haben mir den Topf wieder aufgesetzt, aber die Krähe hat meine Nase gestohlen. Als Ersatz habe ich einen Stock bekommen. Ich bin völlig entstellt, wie schrecklich!

8.12.2011

Tagsüber war es sehr warm für einen Schneemann. Die Temperaturen sind milder geworden. Ich sage nur Erderwärmung… . Ich schwitzte ganz schön stark und nahm etwas ab.

9.12.2011

Es wird immer wärmer und ich schrumpfe weiter. Die Schneefrau hat ihr eines Auge verloren und ist lange nicht mehr so schön wie vorher. Der alte Tannenmann stöhnt und knarrt unter der Hitze. Die Vögel zwitschern, als käme der Frühling.

Drei Tage später…

…war der Schneemann unter heißen Tränen fortgeschmolzen. Die Schneefrau wollte noch mit ihm reden, aber er hatte keine Lust mehr auf ein Gespräch gehabt. Die Krähe ließ sich in den Ästen des alten Tannenmannes nieder und krächzte: „Jedes Jahr dasselbe. Erst will er und sie nicht. Dann will er nicht und sie will. Ob das mit den Beiden noch was wird?“ Der Tannenmann schüttelte sich und ächzte: „Ich glaube nicht. Dazu ist das Wetter zu wechselhaft.“

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Stellen dir den Himmel vor. Wie ist es dort? Lebt man auf den Wolken? Ist alles Friede, Freude, Eierkuchen?

Himmel…wie soll man den beschreiben? Blau, grau, klar, wolkig, Regen, Schneegestöber, Sturmböen. Klar, dass soll es nicht sein. Der Aufgabensteller denkt, ich sollte mich an der philosophischen Frage versuchen, wie ich mir ein Leben nach dem Tod vorstelle. Wieso? Ich lebe doch noch. Woher soll ich wissen, was hinter los ist. Wüsste ich es, wäre ich ein Geist, eine Seele oder ein ziemlich toter Körper. Wie sagte die Frau in dem Film: ganz schön tot(?), wo ist bitte der Unterschied zwischen tot und ganz schön tot?  Kann man schön tot sein? Na, für die Erben ist das vielleicht schön.

Aber ich schweife ab. Zurück zum Himmel. Da ich noch lebe stelle ich mir den Himmel so vor, wie die verbesserte Version der Erde. Alles ist toll. Grün, sauber, warm, sonnig. Zumindest auf den ersten Blick. Was sich hinter den Kulissen abspielt, da kann ich nur raten. Damit da oben alles besser wäre, müssten sich die Dahingeschiedenen gut benehmen und diese ganzen charakterlichen Unebenheiten sollte es besser auch nicht mehr geben. Und da komme ich zu der Frage: wie soll das gehen, bitte schön?

Da bist du tot, kommst in den Himmel und neben deinem Himmelsbungalow wohnt Herr Müller von neben an. Gut, seine alte Töle (sorry, Hund natürlich), die konnte er nicht mitnehmen, die lebt im Hundehimmel neben an und wird endlich nicht mehr mit Menschenfutter fettgefüttert, aber sein lautes Organ und die Rechthaberei, die sind Müller geblieben und wenn der morgens um fünf schon die Klampfe zupft, dann könntest du ihm an die Gurgel gehen, darfst aber nicht, denn du bist im Himmel und das „um-die-Ecke-bringen“ blöder Nachbarn ist verboten.

Also das mit dem Friede, Freude, Eierkuchen (gibt’s da Eierkuchen? Eier? Kuchen?) ist fraglich, wenn man bedenkt, dass es eine Zeit gab, als selbst die Engel den Aufstand probten. Wie sollte das mit den ganzen Menschen gehen und wer kommt da überhaupt hin? Vielleicht kommt ja der alte Müller von neben an in den Himmel, weil er sich immer um seinen Hund kümmerte und ich nicht, weil ich Fliegen hasse und sie gerne mit der Klatsche erledige, a la das tapfere Schneiderlein… Das wäre unfair, aber an dem Tag meines Ablebens hat gerade kein Engel Dienst, der für meinen Widerwillen Verständnis hat und so lande ich in der Hölle, als Fliegenkiller. Gibt’s die Hölle? Wenn es den Himmel gibt, müsste es auch das Gegengewicht geben. Die Fragen, die mir dabei durch den Kopf gehen sprengen, glaube ich, den Rahmen der Aufgabe.

–   Wer bestimmt die Modalitäten?

–   Holt Luzifer auch Leute, die nicht in die Hölle gehören?

–   Kann man dem Teufel seine Seele verkaufen?

–   Ist die Hölle heiß oder nur für die Katholiken?

–   Warum braucht der Teufel die Hölle, wenn er die Erde schon hat? Immerhin heißt es, man wäre im Himmel an einem besseren Ort und hier ist es gerade nicht so toll, mit Kriegen, korrupten Politiker und Sturmtief Joachim.

Eins steht zumindest fest: ich habe nicht vor, diesen Fragen in den nächsten 40 Jahren auf den Grund zu gehen.

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…der Junge, der nie erwachsen werden wollte. Ich wollte auch nicht erwachsen werden, aber ich wurde ohne mein Zutun aus Nimmerland verbannt und musste fortan wachsen und vernünftig werden. Meine spontane Handlungsweise und mein loses Mundwerk will ich nicht damit entschuldigen, dass ich eigentlich immer noch ein Kind bin, das ausversehen in dem Körper eines Erwachsenen feststeckt, aber ich war so lange erwachsen und vernünftig, dass ich manchmal einfach überhaupt keine Lust habe, ernsthaft zu sein. Ich will Spaß. Einfach  nur Lust und unbändigen Spaß. Tun was ich will. Fantasieren so viel und verrückt ich will – nur nicht vernünftig sein.

Die Schatten der Nacht bringen mich viel zu oft auf den schweren Pfad zurück. Einen, den ich nicht gehen will und doch gehe seit ich denken kann. Die frühsten Nächte, an die ich mich erinnere, waren voller Nachmahre vor denen ich mich durch Zauberei schützen musste. Die weiße Fantasiemagie, die den Kindern Macht verleiht, die Ängste zu besiegen und der Albträume Herr zu werden.

Nein, erwachsen werden wollte ich nie. Aber das Leben hat mir immer mehr Lasten auferlegt, die mich am Ende  erdrückt haben. Meine Fantasie unter Geröll verschüttete und die mich immer mehr verstrickte. Dabei wollte ich frei und ungebunden sein.

Ach, Peter Pan, komm an mein Fenster und gib mir etwas Feenstaub, damit ich mit dir im Licht des Mondes fliegen kann. Frei sein, wieder die Wunder von Nimmerland sehen. Man sagt, wenn Kinder erwachsen werden, dann vergessen sie, dass es Feen, Elfen, Zwerg, Kobolde, Riesen und Zauberer gibt. Aber ich, ich hab sie nicht vergessen. Habe so oft am Fenster gesessen und auf dich gewartet. Wo bist du hin Peter Pan? Du bist doch nicht der Versuchung erlegen, erwachsen zu werden? Dann müsste ich Tränenströme weinen, bis ans Ende der Zeit.

 

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Was für eine Heimfahrt(Ich transportiere Gäste einer Kurklinik)! Ein Franziskanerpater, der eigentlich ein verkappter Künstler ist, der unbedingt eine Messe in einer fremden Kirche lesen will, Selbstbewusstsein hat er. Ein Mann der Kirche, der seit mehr als 46 Jahren ohne Sex lebt und dieses Privileg und die dazugehörigen Kinder vermisst. Der den Marienkult ausüben sollte und nicht daran glaubt, das Maria Jesus als Jungfrau bekam. Und ein Pater, der nicht glaubt, dass es Gott als Person gibt oder wenn es ihn gibt, hat er kein Interesse an uns, weil die Erde viel zu klein ist.

Die Fragen, die sich daraus ergeben, sind vielfältig: Wenn Jesus nur ein unvollkommener Mensch war, konnte er uns erlösen? Wohl kaum. Wenn sich Gott nicht für uns interessiert, warum sollten wir beten und wenn das Zölibat nicht ok ist, warum ist man dann Katholik? Aber das sind nur drei, bei weiterem Nachdenken fallen mir bestimmt noch mehr ein.

Besonders: warum man den „lichten Rosenkranz“ bildlich darstellen kann(Stationen aus dem Leben Jesus)? Zumindest lebt der Padre in Symbolen und redet auch so. Ich schätze das gefällt ihm, weil das seine Intelligenz und sein Wissen heraus streichen soll.

Das Gespräch war dennoch interessant. Gerade weil es um andere Themen ging, als Geldnot, Arbeitslosigkeit, alles ist schlecht. Sondern um spirituelle Dinge. Und weil es trotz des ernsten Themas locker und entspannt war, auch weil der Padre eine Antiaggressionsübung kannte (?). Leider existiert Rosenkranzprojekt nur auf dem Papier. Ich hätte es gerne in „echt“ gesehen und angefasst. Vorstellen kann ich mir das zumindest gut. Besonders die Platten, die den Kreuzweg Jesu symbolisieren sollen(die es angeblich in Jerusalem im Original gibt, auf dem die christlichen Pilger den Kreuzweg beschreiten). Schade, dass es so wenig möglich ist, über solche Sachen zu sprechen, weil sich keiner in die Tiefen des Geistes vorwagt, nur ganz wenige.

Als die Fahrt zu Ende war, verabschiedete ich mich von dem flotten Pater und ehe ich mich versah, wurde ich gedrückt und kriegte einen feuchten Kuss auf die Wange. Herr Pater, Herr Pater, darf man das?

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Der Traum jeden Lesers und Schriftstellers. Ich will etwas Neues entdecken. Etwas Aufregendes, dass nur einige wenige entdeckt haben.

Das unbekannte Land zwischen Meer und Himmel, zwischen Wachen und Träumen. Ich will meine Geschichte entdecken. Die Geschichte in mir, das was es ausmacht besonders zu sein. Ich wünschte, dort draußen wäre jemand unterwegs und ebenso auf der Suche nach etwas Einzigartigem, wie ich. Er würde meine Schriftzeichen entdecken und erkennen, dass es veröffentlicht werden muss, damit viele andere es finden und lesen können. Nicht um reich zu werden, sondern um zu lachen, zu weinen, zu träumen, sich zu wundern oder auch einen Grusel zu verspüren. Das was ich möglicherweise damit verdiene würde ich als Anerkennung betrachten, wie ein Trinkgeld, wenn ich gut gefahren bin.

Da die Hoffnung zu letzt zu Grunde geht, werde ich mit Schreiben auch nicht aufhören können. Die Sucht des Ausdrucks, des Mitteilens, des Gelesenwerdens ist einfach so groß, dass es unmöglich ist nicht zu schreiben, auch wenn „nichts dabei rauskommt“. Denn nachweislich kommt immer etwas dabei heraus: ein Text ein Gedicht ein Fragment für eine Story, neu oder schon im Entstehen.

Außerdem gefällt es mir etwas zu tun, was nicht jeder kann, ob es das Malen oder das Schreiben betrifft. Ich bewundere ja auch Menschen, die Musizieren und Komponieren oder Bildhauern und andere bildende Künste ausüben und ich kann Menschen nicht verstehen, die „nur“ leben. Was nach Diogenes Philosophie sehr nett ist, den Tag in der Tonne zu verbringen. Nur ich finde das nicht sehr befriedigend. Also sitze ich in „meiner Tonne“ und schreibe lustig, gequält, mühsam, flüssig, wild und lahm, heiß und kalt, sinnvoll oder sinnlos vor mich hin. Aber wen stört das schon außer mir, die ich auf der Suche meiner Geschichte bin?

Let’s write!

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Wenn eine Frau eine Unterhaltung mit diesen Worten anfängt, dann ist absolute Vorsicht geboten! Es geht ans „Eingemachte“. Irgendetwas haben die Herren der Schöpfung dann „verzapft“ über das Frau dringend reden muss. Zum Beispiel das Reden an sich. Denn Männer scheinen in dieser Hinsicht eher begrenzt Bedarf zu haben. Frauen wollen reden, ja müssen es grade zu. Sonst lassen sie die Blätter hängen wie die Primeln. Egal über was und sei es noch so unwichtig in Männeraugen. Das Männer mit uns reden zeigt uns, dass sie sich für uns interessieren. Aber einem Mann das klar zu machen, das ist die Schwierigkeit an der Sache. Für eine Spezies, die sagt: „Zieh dich aus, wir müssen reden…“ reicht es als Liebesbeweis eben, wenn sie das Geld verdienen und bei uns wohnen. Die Alternative wäre eventuell, sich öfter mal zum Reden auszuziehen – und danach, wenn die Herzallerliebsten nicht mehr weglaufen können, ein Gespräch anzufangen!?

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