Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for Juli 2012

… erklang aus dem CD-Player. Ich las gerade Jane Eyre zu Ende. Ich weiß nicht, was es war, diese große alle Hindernisse beseitigende Liebe, das Lied und die Erinnerung an damals. Oder vielleicht einfach meine, durch die drückende Hitze, angespannten Nerven (um gute Ausreden bin ich nie verlegen). Als das nächste Lied anfing, es waren nur die ersten Noten, ich wusste sofort, welches Lied kam, stiegen mir Tränen in die Augen und nichts konnte sie aufhalten. Es heißt: Wenn der Himmel und wird von Bintia gesungen:

Wenn der Himmel sich zu mir runterbeugt
mir ein Lächeln schenkt
hat es sich gelohnt
alle Sorgen kann ich überstehen
denn jeder Tag könnte mein letzter sein
Wenn der Himmel sich für mich öffnen tut
meine Wange küsst
dann kann auch ich hinter den Horizont sehen

Aller Anfang ist schwer
so viele Schmerzen
ich bleib zurück
mit dieser Leere in meinem Herzen
du fehlst mir so
doch ich schau nach vorn
ich lieb dich so, Baby
deshalb lass ich los

Mein Kopf ist zu
voller Gedanken
warum bist du nur
von mir gegangen
ich kann nicht essen,nicht schlafen,

nicht lachen ohne dich
doch ich weiß auch
es ändert sich, alles ändert sich

Keine Angst vor Gefühlen
was auch kommt
nach dem Regen lacht die Sonne
und die Blumen gehen auf

Wenn der Himmel sich für mich öffnet und
meine Wange küsst
dann kann auch ich hinter den Horizont sehen

Ich weinte, als hätten sich alle Schleusen geöffnet und konnte nicht aufhören. Ich mochte dieses Lied schon 2005. Es drückte genau das aus, was ich damals fühlte und heute spülte es alles wieder hoch. Damals: unsere Lieder, die durchwachten durchliebten Nächte, die langen Gespräche, Liebesschwüre, das Hochgefühl des Begehrtseins. Die Sehnsucht, die mein Herz schneller schlagen ließ, wenn ich auf ihn wartete und die mit jeder Sekunde wuchs, wenn er ging. Die zärtlichen Gesten, die süßen Küsse, die Erregung und die Tausende Schmetterlinge, das Gefühl jemandem alles zu bedeuten.

Wo ist es hin? Im Alltag zerronnen, dahin geschwunden im Stress der Arbeit, der verzehrenden Selbstverständlichkeit oder einfach untergetaucht im Nebel sich wiederholender Tage aus ständiger Nähe und Eintönigkeit.

„Ich bin nun seit zehn Jahren verheiratet. Ich weiß, wie es ist, ganz für und mit dem Menschen zu leben, den ich auf Erden am meisten liebe. Ich schätze mich zutiefst glücklich – glücklicher, als Worte es auszudrücken vermögen, denn ich bedeute meinem Gatten alles im Leben und er mir. … Und Zusammensein bedeutet für uns, dass wir uns in Gegenwart des anderen so frei fühlen, als wären wir allein, und dabei so fröhlich und unbeschwert sind, wie in Gesellschaft. Ich glaube, wir sprechen den ganzen Tag miteinander, denn miteinander sprechen ist ja nichts anderes als angeregtes, lautes Denken. Mein ganzes Vertrauen gehört ihm und auch er hat mir sein ganzes Vertrauen geschenkt.“

Jane Eyre, Charlotte Bronte

Aus Realitätsgründen sehe ich davon ab, die Zeilen zu zitieren, in denen Charlotte schreibt, „sie waren stets zusammen und harmonierten in jeder Hinsicht, vollkommene Eintracht und Übereinstimmung seien die Folge.“ Nobody is perfect, das ist selbst mir klar. Auch wenn manche Menschen mir einen Hang dazu bescheinigen, dass ich meinen Kopf in den Wolken trage. Jane Eyre ist Literatur und oft ist Literatur das Ideal, das wir in uns tragen. Erwarte ich zu viel? Soll ich nichts erwarten? Ist es zu viel zu erhoffen, dass man das Interesse für den anderen behält, seiner Gesellschaft nicht überdrüssig wird, ebenso wenig wie dem Pochen des anderen Herzens?

Einverständnis und Frieden sind toll. Aber wo ist damals? Unser Lied? Bintia singt: Alles ändert sich. Ich weiß das. Sehr gut sogar. Ich bemerke es jeden Tag. Ich muss nur in den Spiegel schauen oder meine Kinder ansehen. Alles ändert sich. Die Zeit läuft und egal ob es mir nun passt oder nicht, damals ist vorbei. Ich will nicht im Damals feststecken. Doch ich bedauere, dass wir so oft in unserer Alltäglichkeit gefangen sind, dabei kostet es so wenig uns ein bisschen Damals zurückzuholen. Nur ein Lied. Eine laue Nacht im Wald, wenn die Glühwürmchen ausschwärmen und alles märchenhaft verzaubert vor uns liegt. Der Geschmack von Schokoladeneis, der uns den Sommer ins Gedächtnis ruft, in dem wir uns so sehr liebten, dass wir es ohne das Pochen des anderen Herzens keine Sekunde auszuhalten glaubten.

Könnte ich doch die Jahre zurückhalten, meine Tränen verbergen in meinem sehnsuchtsgeplagten Herzen, gestern gestern sein lassen. Leider habe ich das Gefühl, dass ich dem Horizont zu nahe bin, um mich nur mit vergangenen Träumen zufrieden zu geben.

Advertisements

Read Full Post »

… besonders wenn drei fleißige Schreiberinnen eine Anthologie mit diesen Appetithäppchen herausbringen wollen und sich eine Deadline gesetzt haben. Die Ordner sind voller Dokumente. Fertige, angefangene, Notizen, Ideenzettel. Es mangelt keineswegs an aufregendem Stoff und auch für die leibliche Stärkung ist gesorgt. – NEIN! Nicht was ihr jetzt denkt – wir sitzen brav am Schreibtisch vor unseren Laptops und liegen nicht mit Hugh Jackman, Chris Hemsworth, Alexander Skarsgard oder diversen anderen Sahneschnitten auf der Couch. – Ich meine Kaffee, Schokolade in jeglicher Form, gekühlter Rose oder gerne auch ein Sekt, Salzstangen und Weingummi…

Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Und JA, diesmal meine ich die rote Couch, den Autorücksitz, die Folterkammer (was E.L.James kann, dass können wir schon lange, und glaubt mir Mädels (und Jungs) wir machen keine halben Sachen und langen ordentlich hin.),die Umkleidekabine und den Billardtisch. Ich habe mir sagen lassen, das taugt nur als Fantasie, da man sich auf dem Filzbelag die Knie wund scheuert. (Schreiben bildet also auch das Allgemeinwissen.)

Da sitzt du also, draußen ist alles Grau, das schmutzige Geschirr verunstaltet deine Küche, die Wäsche möchte bitte endlich die Waschmaschine verlassen und aufgehängt werden. Die Katze jammert dich seit einer halben Stunde an, weil du verdammt noch mal jetzt aufstehen und sie füttern sollst. Ach und waren da nicht noch Kinder, die gerade irgendwas von Feuer legen und überschwemmen gesagt haben??? Egal. Die Zeit läuft. Die Storys sollen fertig werden, wenn`s geht, pronto! Schließlich haben wir nicht ewig Zeit und das Schreiben ist erst der Anfang. Korrigieren, überarbeiten, Titel, Cover, Pseudonym (?) Umfang des Buches usw. muss besprochen werden.

Alles Dinge, die die erotische Stimmung nicht unbedingt heben. Besonders wenn man seine Geschichte das 10te Mal gelesen und bearbeitet hat, und der geile Sex inzwischen zu einer lahmen Ente geworden zu sein scheint, weil du jedes Wort, jede Stimmung, jeden Handgriff zum x-ten Mal gelesen und es dir vorgestellt hast. Da wird auch der schärfste Kerl aus deiner Fantasie zu einem Schoßhündchen (da dürft ihr reinlesen, was ihr wollt 😉 ).

Da hilft nur eins: schmeiß dich in erotische Unterwäsche. Auch wenn du eine Schlabberhose drüber ziehst, wichtig ist: du weißt, wie sexy du drunter bist. Wer weiß, wozu es später gut ist, wenn der Herr des Hauses auf der Bildfläche erscheint? Dufte nach deinem Lieblingsparfüm, höre Musik, die zum Thema passt, tanz dazu, wenn du gerade nicht weißt, wie es weiter geht. Tanzen versetzt nicht nur den Körper in Schwingungen. Trink Cappuccino (oder was du magst) und lass dir genüsslich etwas Schokolade auf der Zunge zergehen. Ein Glas Sekt zur Anregung kann dich lockermachen, aber Vorsicht(!) zu viel Alkohol blockiert, weil man dann nicht mehr besonders gut denken kann. Und Recherche. Es gibt sehr ansprechende Seiten im Netz, Dokus und Bücher (z. B.: Sexratgeber – Kamasutra *g*), die die Fantasie ankurbeln.

So vorbereitet sollte Frau es schaffen, sich dem Text und der Inspiration hinzugeben. Ich könnte hier noch ein paar eindeutige Zweideutigkeiten einfließen lassen und ich gebe zu, es kitzelt in meinen Fingerspitzen. Aber ich begnüge mich einfach damit: Let it flow and have fun. Harte Arbeit und Spaß müssen sich nicht ausschließen. Da bekommt das Sprichwort „Arbeit macht das Leben süß“ (von G.W.Burmann, 1777) doch direkt eine ganz neue Bedeutung.

Also meine Damen, erhebt die Gläser! Sagen wir es mit Hoffmann von Fallersleben:

 

Es leben die Poeten!
Die erhabenen begrabenen
Und die sterbenden lebenden,

sinnig waltenden,
innig entfaltenden,
minnig gestaltenden,

klangentzückten entzückenden,
sangbeglückten beglückenden,

bei Erlebnissen,
bei Begebnissen,
bei Begräbnissen,
bei Hoch-
und bei noch
andern Zeiten
und Gelegenheiten —

Es leben alle Poeten auf Erden,
Die’s heute schon sind oder morgen noch werden!

Have a good time to write. Cheers!!!

Read Full Post »

Schmutzabweisend – Mensch

Pflegeleicht – Liebe

 

Erstaunlich wie schmutzabweisende Menschen eine pflegeleichte Liebe leben. Nichts kann ihnen etwas anhaben. Alles perlt an ihnen ab. Böse Gedanken, Versuchungen, der Dreck, den die Intriganten auf sie werfen. Sie sind imprägniert gegen Gerüchte und Angriffe auf ihre Treue.

Sie sind wie ihre Liebe: Pflegeleichtes Gewebe, 100 % Polyester, imprägniert gegen Flecken, bügelfrei, waschen bei 30 Grad, Colorwaschmittel, Trockner geeignet, Made in China oder war es Taiwan?

Es gibt keine Abweichungen des Materials. Glatt, wie Eis und genauso kalt. Keine Risse, Löcher oder Flecken. Die Motten beißen sich an ihnen die Zähne aus. Ein Geruch von Zedernholz und Lavendel umweht sie, um jedem Verdacht der Abnormität entgegen zu treten. Nur wer genauer hinsieht kann sehen, dass alles nur synthetisch ist.

Ich brauche eine Schere, ein Messer, beißende Lauge. Sie müssen zerschnitten und gelöst werden. Die Farbe muss verwaschen und die Struktur aufgebrochen werden. Gib dich meiner Pflege hin und du wirst erfahren was Liebe wirklich ist, nimm ein bisschen Sand und Erde und tauch deine Füße hinein und du wirst erkennen, wie weise der Schmutz sein kann.

Read Full Post »

Einmal links, dann wieder links und dann rechts. Ich stehe vor dem Löwenhaus. Es ist ungewöhnlich und doch schön. Auf der Mauer und hinter der Eingangspforte sitzen zwei große Löwen aus rose-anthrazit-farbenem Marmor. Die Pranken gehoben und mit offenem Maul. Vor der Haustür steht ein Mädchen, das aus einer Muschel Wasser in eine Schale laufen lässt. Ein ausgesprochen schönes Wasserspiel. Wenn man an der rosefarbenen Mauer entlang geht, kommt man zu einem Heckenstück, über das man in den Garten sehen kann. Dort steht ein runder Springbrunnen, der mit blauen glänzenden Fliesen ausgekleidet ist und mich an Spanien erinnert, daneben steht eine Bank. Ich würde dort gerne sitzen und dem Plätschern zuhören.

Das Löwenhaus besteht aus vielen verschiedenen Hausteilen, einem Türmchen, einem angebauten Carport und einer winzigen Gartenvilla. Ein Pferdeanhänger steht davor. Es hat einen Treppenaufgang, in Form eines Türmchens und weiße Holzgeländer. Es sieht aus wie eines dieser eleganten Südstaatenhäuser in Miniaturformat.

Wenn man um das Haus herum geht, kann man in den riesigen Garten, mit den Statuen, dem großen Springbrunnen und der Patchworkbauweise, sehen. Am Gartentor hängt ein Löwenkopf aus Metall, der einen großen Ring im Maul trägt. Für Hunde gibt es am Ende des Grundstücks eine Wasserstelle.

Das Haus sticht vor allen anderen heraus, bis auf das „Hakuna Matata“ Haus. Das erinnert mich immer an unsere Legohäuser. Ein großes Viereck unten, eine Reihe Dachsteine, dann ein kleineres Viereck oben aufgestockt. Und so viele Fensterelemente, wie ich verbauen konnte. Ich habe, glaube ich, meistens Häuser aus Legosteinen gebaut.

Es hat geregnet. Meine Nase wird mit Geruch geradezu überflutet. Es riecht nach nassem Gras, schwerer dunkler Erde, modrigem Holz und sterbenden Blüten. Lavendel und Rosen. Die Blätter der Büsche sehen aus wie frisch poliert und ich könnte einfach reinbeißen, nur der Gedanke sie könnten giftig sein hält mich zurück.

Ich höre das Plätschern des Nauheimer Baches. Der Weg aus Erde und Tannennadeln ist weich und elastisch. Jeder Fußtritt wird verschluckt. Die alten Bäume bilden mit ihren überhängenden Ästen eine grüne Höhle, und der Bach spielt seine Musik dazu. In manchen Abschnitten hört man es gurgeln, sprudeln, plätschern und gluckern. In anderen ist es ganz still. Ich bleibe stehen und lausche. Nur hier und da gibt ein Vogel ein Zwitschern von sich. Sie scheinen erschöpft von den vergangenen heißen Tagen und müssen neue Kräfte schöpfen, bevor sie wieder ihre Sinfonien erklingen lassen.

Einer unserer Nachbarn kommt mit zwei seiner Kinder und dem Hund vorbei. Der Hund ist hübsch, schwarz-weiß, aber etwas zottelig. Der Mann ist mir unheimlich. Unsympathisch kann ich nicht sagen, denn ich kenne ihn nicht, ich sehe ihn nur. Damals, als wir hier herzogen, da hatte er kurze Haare und sah ganz adrett aus, wenn man das so sagen kann. Im Laufe der Zeit hat er sich einen Zopf wachsen lassen und sieht sehr ungepflegt aus. Er ist etwa vierzig Jahre alt. Alles kein Grund für Unsympathie, aber wenn ich seine Frau sehe, die inzwischen das fünfte Kind hat und völlig ausgezehrt und grau aussieht, dann ist er mir unheimlich. Seine Frau habe ich noch nie lächeln gesehen. Ihre Kleidung hängt an ihr herab, ihre Augen sind riesig in dem knochigen Gesicht. Ein mit Haut überzogener Schädel. Ihre Kinder sind alle „normal“ im Sinne von Gewicht und Größe. Es ist, als ob sie sich auflöst, während die Kinder geboren werden und aufwachsen. Wie Schmarotzerpflanzen, die den Wirt immer weiter überwuchern, bis sie ihn irgendwann mit ihren Wurzeln und Fangarmen erstickt haben. Fühlt ein Baum den Schmerz? Kann er sich wehren? Ich habe von Bäumen gelesen, die gegen ihre Feinde bestimmte Substanzen entwickeln und sie dadurch vertreiben. Gut gemacht, Baum!

Hier am Nauheimer Bach stehen viele Baumarten. Pflaumenbäume mit lila, weißen Früchten und Pflaumenbäume mit kirschgroßen Früchten. Apfelbäume, Kirschbäume, Trauerweiden, Kiefern, Walnussbäume, Eichen, Kastanien und noch einige andere, die ich nicht kenne.

Vom Golfplatz her hört man dieses leise „Klack“, wenn die Golfer abschlagen. Der hohe Maschendrahtzaun, der von verschiedenen Schlinggewächsen überwuchert ist, trennt die Golfer von den übrigen Menschen. Sie sind auf der anderen Seite in ihrer geschlossenen kleinen Welt, von Bekannten und Gegnern sicher verwahrt, aber das stimmt nicht. Denn an einigen Stellen gibt es Löcher, kleinere und größere, durch die man ohne Probleme hindurchschlüpfen könnte. Das weiße Clubhaus sieht wie eine afrikanische Villa aus. Aus Holz, mit riesiger überdachter Terrasse, Korbmöbeln. Alles sehr stilvoll, gepflegt, vorhersehbar. Ich bleibe lieber auf der anderen Seite, in der grünen, aufregenden Höhle.

Read Full Post »

Leben geschrieben mit Tinte auf Papier

Gefühle rot wie Blut aus meinem Herzen

Vogelnester aus Bleistiften und Federkielen

Baumkronen mit Blättern aus Papier

Baumstamm wie Stahl mit Adern aus Glas

Wolkenhimmel spiegeln sich in ihnen

Ohne miteinander zu flüstern

Flüsse folgen spielend ihrem Lauf

Fisch und Strudel springen über Schwellen

Ohne Blick erkenne ich mein Glück

Das nicht in ihren Gassen liegt

 

Der Mensch beginnt zu ruhen

Im Rad der Zeit verstreicht die Unruhe

Zum Atmen breiten wir uns aus

Um den Hals das Zeichen

In den Adern fließt die Morgensonne

Im Kreis der Jahreszeiten

Seit Anbeginn der Schöpfung

Geht alles seinen Gang

Für immer und einen Tag

Read Full Post »

Leben in Stein gemeißelt

Gefühle gepflanzt in Kräutertöpfe

Auf Balkonen wie Vogelnester

Wolkenkratzer Baumkronen ohne Blatt

Aus Stahl und Glas blind

Spiegeln sie Wolkenhimmel

Ohne miteinander zu flüstern

Fluss der geraden Straße folgend

Betoniert ohne Fisch und Strudel

Menschenmassen hetzen ohne Blick

Durch Gassen ohne Glück

 

Immer schneller läuft der Mensch

In seinem Rad

Zeit zum Atmen wird uns abgedrückt

Eine Manschette, um den Hals

Die Spritze steckt schon in der Ader

Regelmäßig eine Infusion

Eine Prise Lachen, ein Prise Illusion

Schon läuft er wieder rund

Nur ungesund ist es immer noch

Read Full Post »

Frei sein. Große Freiheit. Egal ob klein oder groß? Lieber groß, wenn ich mich schon entscheiden muss. Muss ich das? Will mich nicht entscheiden, sondern einfach frei sein. Nicht vom Leben leben lassen, selber Leben bestimmen, das ist die Devise. Vielleicht ist die Freiheit zu groß für mich. Sie nimmt mir den Atem, macht mir Angst, weil ich keine Sicherheit habe und einfach den Sprung in den Abgrund wagen muss, es keine Garantie dafür gibt, dass ich heil unten ankomme. Alles Neue macht mir Angst. Ich zweifele und denke, warum? Wie konntest du auf die Idee kommen, dass dies oder das klappen soll? Manchmal möchte ich einfach aufhören zu atmen. Mich nicht mehr rühren, nicht mehr mitspielen, mich einfach in Luft auflösen.

Mein Bild von mir und das der anderen passt nicht zusammen. Niemand kann mich kennen, denn ich verstecke mich hinter einem Lächeln, guter Laune und Zuversicht. Ich spiele ein sicheres, begeistertes Leben und wünsche mir eigentlich (dieses blöde Wort), dass mir jemand die Last der Verantwortung von den Schultern nimmt.

Ich bin neidisch und ich hasse diesen Wesenszug. Ich will nicht missgünstig sein, will anderen das gönnen was sie haben und zufrieden mit meinem Leben sein. Besonders da ich nicht einmal weiß, ob ich das will was andere haben. Ich möchte reisen und trau mich nicht. Es gibt Tage an denen wäre ich gerne allein. Niemand, der mich fragt. Niemand, der etwas von mir fordert und doch, scheine ich, ohne dieses Gebrauchtwerden nicht leben zu können.

Ich bin ein Kontrollmensch, habe immer Angst nichts geht mehr, wenn ich loslasse. Denke, dass es nur in einer Katastrophe enden kann, wenn ich die Verantwortung abgebe, dass ich alles geben muss, hundert Prozent. Ich möchte die Stille genießen und denke nur darüber nach, was ich als nächstes Sinnvolles tue.

Getrieben und oft erschöpft muss ich die Waffen strecken und fühle mich selten im Einklang mit mir. Was ist, wenn ich morgen sterben muss? Sind alle sicher, versorgt? Habe ich alles getan, damit sie es gut haben. Was bleibt von mir? Ein Bild, ein Stück Geschichte auf Papier? Ein paar Gedanken an die Frau, die ich gewesen bin?

Meine Wirklichkeit existiert auf dem Papier, weil ich befürchte, dass meine Realität zu schwer für andere zu ertragen ist. Meine Schattenseiten erhelle ich, damit sie nicht zu sehr auffallen und meine Ängste und Sorgen packe ich in Watte, damit sich keiner daran stößt, geschweige denn sie bemerkt.

Ich hasse es rücksichtslos zu sein, denn ich wurde so oft rücksichtslos behandelt, dass es für zwei Leben reicht. Ich möchte andere nicht entmutigen, denn ich wurde so oft entmutigt, dass von meinem Selbst kaum etwas übrig war. Ich möchte anderen nicht wehtun, denn mir wurden so oft Wunden geschlagen, dass meine Seele die Narben nicht mehr zählen kann.

Immer stelle ich mir die Frage: Wer bin ich? Was macht mich aus? Die Antworten bleiben im Nebel stecken. Wer weiß, vielleicht kann ich mich selbst nicht ertragen, wenn ich die Antworten wüsste. Denn wenn doch ab und an ein Fetzen meines Ich aus dem Unterbewusstsein hochkommt, dann schäme ich mich für meinen Egoismus.

Wünsche werden nach allen Regeln der Kunst auseinandergenommen und abgewogen auf der Waage meines Selbst. Darf ich Wünsche haben und wenn ja, sind es die richtigen?  Werde ich jemals ich sein können? Kann ich ertragen, wer ich bin? Ich fürchte, dass ich ein Kind in mir verstecke, das nicht herauskommen kann, weil ich es einsperre. Ein Kind, das die Schönheiten und Wunder dieser Welt niemals sehen wird.

Die Zeiten laufen dahin, mein Leben schwindet und ich habe das Gefühl noch hundert Jahre zu brauchen, bevor ich fertig bin und auch diese hundert Jahre sind zu wenig. Was habe ich gesehen? Was verwirklicht? Wer kann das verstehen, wer will sich meiner Finsternis stellen, wenn ich es nicht kann?

Ich trage diese Lasten mit mir. Meine unerfüllten Sehnsüchte, meine Wünsche und Ideen. Ich wünsche mir ein nächstes Leben. Eins mit mehr Stärke, Ermutigung und Kraft. Und eins mit weniger Ängsten, weniger Dunkelheit und mehr Licht. Aber ich fürchte, das wird mir verwehrt bleiben und ich muss versuchen dieses Leben zu nehmen, wie es ist und das Beste daraus machen. Egal wie schwer es mir oft fällt.

Read Full Post »

Older Posts »

%d Bloggern gefällt das: