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Archive for September 2012

„Das ist eines der Geheimnisse des Lebens: Die Seele durch die Sinne heilen können – und die Sinne durch die Seele.“

Oskar Wilde

„Das Geheimnis meines Lebens ist: die Phasen zwischen Schreiben und nicht Schreiben möglichst sinnvoll zu überbrücken und unfallfrei hinter mich zubringen.“

Caroline

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Es ist fast ein Klischeetag. Einer aus den guten Geschichten. September, Herbstanfang. Die Sonne leuchtet golden auf die abgeernteten Äcker, über dem Johannisberg kreisen lautlos die Segelflugzeuge. Die Sonnenblumen auf dem Balkon sind alle aufgeblüht, winzige Sonnen, die ihre gelben Köpfe dem strahlenden Himmelsblau entgegenstrecken.

Und während die Katze auf dem sonnendurchwärmten Parkett vor sich hin döst, fliegen die frechen Meisen ungehindert um meine Sonnenblumen und versuchen die Kerne heraus zu picken. Dabei biegen sich die Stiele gefährlich nach unten durch. Das hindert die Vogelstrolche aber nicht daran, sich zu zweit oder zu dritt an eine Blüte zu hängen. Erstaunlich wie geschmeidig die Stängel sind.

Ich wünschte ein Liedermacher zu sein. Lieder zu erdichten aus Stille und goldenem Septemberlicht. Seidige Worten ineinander gewebt zu Versen. Feinversponnen, unsichtbar fangen sie Menschen und lassen sie davon schweben.

 

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Ich schaue auf mein Notizbuch. Drei Sätze habe ich mir abgerungen. Die Worte sind zäh wie Sirup vom Löffel getropft. Sie haben ein unangenehmes Ziehen bei mir hinterlassen. Ich lese die Zeilen wieder und wieder. So süß und unecht. Seit Wochen hänge ich jetzt schon in diesem Loch und finde keinen Ausweg. Sprachlose Träume beunruhigen mich. Nichts ergibt einen Sinn. Ich brauche Hilfe. Wer hilft einer erfolglosen Schriftstellerin? Beim Schreiben ist man allein.  Ich seh mich, wie so viele vor mir, desillusioniert in einer verrauchten Kneipe, den Melodien des Pianisten lauschen und den Rest meines Lebens mit Alkohol betäuben.

Eine halbe Stunde später sitze ich in meinem Lieblingscafé und bestelle einen Milchkaffee. Ich betrachte die vorüberhastenden Menschen. Niemand schaut den anderen an. Blind und stumm. Bin ich verloren?

„Ist hier ein Platz frei?“

Ich sehe in zwei dunkle Augen.

„Ja, setzen sie sich.“

Ich nehme meine Tasche vom Stuhl. Der Mann setzt sich und schaut mich interessiert an.

„Sie sind traurig.“ Seine Stimme wirkt hypnotisch. „Ich möchte ihnen helfen.“

„Mir kann niemand helfen.“

„Sie dürfen nicht so schnell aufgeben. – Ich bin übrigens Aidan.“

Er lächelt. Mysteriös und faszinierend zugleich. Sein ebenmäßiges Gesicht lässt ihn alterslos erscheinen, aber seine geheimnisvollen Augen sind tief wie schottische Seen und so unergründlich.

„Ich heiße… .“

„Sandrine.“

„Woher wissen sie das?“

Aidan lacht.

„Ich weiß noch viel mehr. Ich kann sehen, was den Menschen fehlt. Ihnen fehlen die Worte.“

Ich kann nicht glauben, was ich höre.

„Ich möchte ihnen die Worte wieder geben, aber dazu müssen sie mir vertrauen. Ich weiß was sie suchen und wie sie es erreichen können.“

Seine Stimme ist sanft wie Seide und verursacht mir Gänsehaut.

„Ich kenne sie doch gar nicht.“

„Sie kennen mich. Aber sie können sich nicht an mich erinnern. Kommen sie heute Abend bei Mondaufgang in den Kirschgarten.“

Aidan erhebt sich und geht. Die Tür fällt hinter ihm zu und ich erwache aus einem Traum. Ich trinke meinen Kaffe und zahle. Während ich nach Hause gehe, versuche ich seine Stimme und seine Augen abzuschütteln. Es gelingt mir nicht. Immer wieder gehen mir seine Worte durch den Kopf. – Ihnen fehlen die Worte – das hätte jeder Scharlatan wissen können, versuche ich meine Zweifel zu verteidigen. Aber wenn er tatsächlich weiß, wie ich meine Sprache wieder finden kann?

Der Mond geht langsam auf. Riesig und orange. Die Nacht ist warm und Glühwürmchen durchschwirren den Kirschgarten am Sardansee. Ich spüre Aidans Anwesenheit. Seine Augen sind auf mich gerichtet. Auf der Lichtung, vor dem Keltenstein, steht eine dunkle Gestalt. Aidan.

„Hallo Sandrine.“

Seine Stimme ist ernst und feierlich. In diesem Moment spüre ich eine kalte Faust nach meinem Herzen greifen. Ich kenne den Grund. Ich muss weglaufen, aber meine Beine sind schwer und ich kann nicht zurück. Aidan zieht mich zu dem Findling.

„Es ist Zeit. Leg dich auf den Stein.“

Ich zögere.

„Was ist der Preis?“

„Was für ein Preis? Ich nehme kein Geld.“

Ich kann sein Lächeln hören.

„Alles hat seinen Preis. Gott und der Teufel nehmen die Seele. Was ist dein Preis?“

„Dein Herz.“

„Mein Herz?!“

„Dein Herz gegen deine Sprachlosigkeit.“

„Wie kann ich meine Sprache finden, ohne mein Herz.“

„Es wird in dir schlagen, aber es wird mir gehören. Du wirst erfahren, was Liebe ist.“

„Ich weiß, was Liebe ist“, antworte ich trotzig.

„Du hast nicht die leiseste Ahnung.“

Seine Stimme verwirbelt meine Gedanken.

„Gib mir dein Herz und du wirst nie wieder ohne Worte sein.“

Ich sehe Aidans Augen vor mir. Willenlos steige ich auf den Stein. Seine Worte sind wie die Zeilen eines Gedichts:

„Heiliges Feuer

Höre mich

Heile

Zerstöre

Läutere

Erneuere

Heiliges Feuer

Steig herauf

Nimm was dein

Gib was mein“

In diesem Moment schießt eine Flamme aus dem Stein und reißt mich von den Füßen. Meine Kleidung lodert lichterloh. Ich schreie vor Schmerz. Alles in mir glüht und brennt. Der Feuerwirbel schleudert mich auf und nieder. Ich schreie, aber kein Laut kommt über meine Lippen. Ich sehe in jeden Abgrund und erklimme die höchsten Berge. Ich fühle das Feuer und das Eis.

Alles in mir, an mir verändert sich. Es zerreißt mich in Millionen Stücke. Die Blockaden fallen wie Schlacken aus der Esse. Nichts Störendes bleibt zurück. Als ich wieder zu mir komme, schwebe ich in der Weite des Raumes. Über mir der Himmel. Ich bin riesengroß und gleichzeitig winzig. Tausende Worte erfüllen mich, als hätte jemand die Grenzen meines Verstandes gesprengt.

Ich sehe Aidan vor mir, nackt. Er legt seine Hand auf mein Herz und ein wilder Schmerz durchströmt mich. Ich erkenne ihn. Heiler und Zerstörer. Ich erkenne Liebe und Leid und ich bezahle den Preis. Mein Herz, das ihn lieben wird, bis in den Tod und das Leid, dass er mir zufügen wird. Seine Lippen legen sich auf meine, erspüren meinen ganzen Körper. Jeder Kuss ist wie ein Beben auf meiner Haut. In mir sammeln sich tausend Gedanken, weben sich Geschichten. Ich spüre ihn mit allen Sinnen, höre seinen Herzschlag, schmecke seine Haut, trinke seinen Atem und jedes Härchen seines Körpers legt eine Flamme aus Lust auf meine Haut. Als sich unsere Körper vereinigen, erzittert mein Innerstes und ein Schrei entringt sich meiner Kehle. Er erfüllt mich mit Liebe und doch spüre ich jetzt schon die Trauer, wenn er mich verlassen wird. Aidan legt sein Feuer in mich, bis die Nacht uns in die Morgendämmerung entlässt.

Als er mich vom Opferstein herunter hebt und in einen weichen Umhang hüllt, flüstert er mir leise ins Ohr:

„Erinnerst du nun, wo wir uns begegnet sind?“

„Ja, in meinen Träumen.“

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Ratten im Paradies. Der Gedanke ist schon ziemlich lustig, aber, wie im Buch beschrieben, einleuchtend. Die „armen“ Ratten in den versiften engen Käfigen brachten sich in einen Dauerrausch, in dem sie von Drogen versetztem Wasser tranken. Kein Wunder, um das zu ertragen, muss man dauerhigh sein. Als dann die Ratten, die vorher „süchtig“ waren, in einen paradiesähnlichen Käfig kamen, hörten sie auf von dem mit Rauschgift versetzten Wasser zu trinken.

Was sagt das über uns aus? Paul sagt, dass wir uns durch Beziehungen, Jobs und unserer Leben „in den Käfig sperren“ lassen. Die Betonung liegt auf: Wir sperren uns ein. Kein anderer. Ab einem bestimmten Zeitpunkt sind wir verantwortlich für unser Leben und das, was wir tun. Eigenverantwortung. Erkenne und handele. Das bedeutet nicht darüber nachzudenken, wie schrecklich unsere Kindheit doch war … auch wenn sie es war und uns eine gewisse Prägung mit gibt. Es würde bedeuten sich aus dem Staub der Vergangenheit zu erheben und sich zu sagen: Wie sieht es in meinem Leben aus? Was kann oder will ich ändern? Und vor allem, warum?

Ich stelle bei mir immer wieder eine gewisse „Neidtendenz“ fest. Aber statt auf die anderen zu schielen und meine Energie mit Grübeleien zuverschwenden, sollte ich mich fragen, warum mir das so gut gefällt und was ich tun kann, um diese oder jene Seite von mir stärker hervor zu bringen. Allerdings sollte ich dabei bedenken, dass ich eine gewisse Trägheit mitbringe, die mich öfter hemmt, als antreibt. Andererseits habe ich mir dieses Leben ausgesucht und ich fühle mich in „meiner kleinen Welt“ ganz wohl. Ich mag es, in Ruhe auf meinem Sofa zu sitzen und zu lesen oder etwas anderes zu tun. Das, was ich in meiner Kindheit nie konnte, weil ich dauernd raus geworfen wurde. Stubenhocker!

Frage: Warum sollte ich nicht das tun, was meiner Natur am nächsten kommt? Es gibt keinen Grund. Wenn ich drin sein will, dann darf ich das. Ich bin erwachsen und erlaube mir das. Und wenn es draußen schön ist, darf ich trotzdem auf dem Sofa sitzen und muss nicht „das schöne Wetter ausnutzen“. Ich kann, aber niemand kann mich zwingen. Zu den meisten Dingen zwinge ich mich selber, weil ich denke, ich müsste es tun. Aber Fakt ist: Ich muss gar nichts. Ich will. Das würde meinem kleinen Schweinehund im Übrigen sehr entgegen kommen.

Und ehrlich: Thai Chi ist ja nett, aber was ich eigentlich will wäre: Tanzen. Was mach ich bloß? Ich müsste das mit meinem Mann besprechen, aber für ihn ist das natürlich nicht das Gelbe vom Ei. Ihn zu etwas zwingen, was ihm keinen Spaß macht? Dann wäre er in dem Fall die Ratte, die stoned werden will, weil sie nicht in diesem Käfig sein will und ich kann schließlich nichts von ihm verlangen, was ich nicht geben will.

Das Schreiben habe ich damals angefangen, weil ich mir mein Leben schön schreiben wollte. Eine Art des Rauschs. Wenn man in den Flow kommt, dann ist man high. Aber schreiben ist nicht nur Flow. Schreiben ist Handwerk und Disziplin, weil man sonst nie ein Buch fertig kriegt. Schreiben tut es sich nicht von alleine. Man muss schon dran bleiben und Geduld haben, die Gedanken und Ideen auszuarbeiten.

Und beim Essen mag es ja so sein, dass man sich in dem Moment glücklich fühlt (und keiner sagt, dass man nicht etwas Schönes essen dürfte), aber am Ende ist doch die Frage, ob es sich lohnt leere Kalorien zu futtern, die sich so unendlich schwer wieder los werden lassen.

Ich will die Sucht los lassen und mein Leben annehmen, weil ich mich mit meinem Leben und meiner Familie gut fühle. Ich möchte schreiben, weil ich mich gut dabei fühle und weil es mir Spaß macht, aber nicht, weil ich mich selbst unter Druck setze und es ein Zwang wird. Alles, was unter Zwang geschieht, ist zum Scheitern verurteilt. Dinge, die man will, machen Spaß. Dinge, die man muss, sind eine Last. Und ich will nicht mehr essen müssen. Ich will mir das Essen nicht rein zwingen. Ich will essen, weil ich Hunger und Lust habe auf das, was ich esse. Und heute habe ich mir ein Stück Pflaumenkuchen gegönnt, ganz für mich allein.

Mir fällt das Schreiben im Kurs wahrscheinlich leichter, weil es da ein Spiel ist und egal ist, was dabei raus kommt. Es muss keine Form haben, Fehler und Wiederholungen sind wurscht. Das sollte ich mir für meine Projekte auch wieder zu gestehen. Denn ich will „perfekt“ schreiben, das ist wohl meine Natur. Statt es Perfektionismus zu nennen, sollte ich es Gewissenhaftigkeit nennen, das Wort gefällt mir entschieden besser.

Fazit:

  1. Ich bestimme mein Leben selber und nicht mein Leben mich.
  2. Ich darf sein, wie ich bin. Und wenn ich ein Stubenhocker bin, dann bin ich es.
  3. Ich bin gewissenhaft und das ist gut so.
  4. Ich nehme mein Leben an, weil ich es mir ausgesucht habe und weil ich mich darin sicher fühle.
  5. Ich will schreiben, weil es mir Spaß macht und weil ich mich dabei gut fühle.

 

Ich genieße es auf der Couch zu sitzen, zu lesen, Kaffee zu trinken, der Katze zu zusehen, den Wattewolken zuzusehen, die gemächlich grasend über den Septemberhimmel ziehen und Musik zu hören. So laut es mir gefällt! Alles ist gut, so wie es ist. Ich muss es nur sehen und mich in meinem Leben ausbreiten.

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Nur ein Kuss

Ich liege im Bett und wälze mich von einer Seite zur anderen. Durch einen winzigen, tröstenden Kuss hat John mein Herz und meinen Mund in Brand gesetzt. Der Stoff auf meiner Haut scheuert meine Seele wund.

Gott, wie sehr ich mich nach ihm sehne. Seiner Berührung, seinem Atem auf meiner Haut. Küssen, die meinen Körper bedecken. Ich kann es nicht mehr aushalten. Die Erregung ist wie ein wildes Tier in meinem Kopf. Sie schüttelt mich im Fieber meiner Gier nach Zärtlichkeiten.

Ich stehe vor seiner Tür. Lausche. Meine Hand auf der Klinke. Kein Geräusch dringt zu mir. Die Tür schwingt lautlos auf. Das Mondlicht wirft lange Schatten. John atmet ruhig, in Träumen versunken.

Mein T-Shirt, mein Slip liegen auf dem Boden. Ich gleite unter seine Decke. Haut an Haut. Schmiege mich an ihn. Meine Augen geschlossen. Rieche ich ihn. Atme ihn ein. Könnte ich das Tuch sein, das ihn bedeckt, seine Form erfasst.

Johns Atem geht schneller, unregelmäßig. Seine Hände fassen mich, geleiten, streicheln, packen. Ich werde das Wachs unter ihm. Seine Lippen tasten, kosten, schmecken meine Haut, meine Säfte. Ich möchte schreien vor Lust. Sein Mund schließt meine Lippen. Meine Brüste drängen seinen Händen entgegen. Mein Schoß öffnet sich für seinen Stoß. Ich bin gespannt bis zum Zerreißen. Sein Mund auf meinem Mund, seine Zunge im Tanz mit meiner Zunge, stößt John zu. Immer wieder, immer mehr. Schneller, wie von Sinnen peitscht er meinen Körper zur Explosion. Meine Finger krallen sich in sein festes Fleisch. Mein rasendes Herz überschlägt sich. In der Wucht unseres Orgasmus schlagen unsere Körper zusammen, wie Wellen, die am Fels zerschmettern. Meine Möse umklammert pulsierend seinen Schwanz, der wild zuckend seinen Samen sät. Wortlos miteinander verschmolzen. Nur Fühlen. Will mich in seiner Leidenschaft auflösen. Alles geben, ohne Reue. Nichts denken. Kein Morgen und kein Nein. In dieser Nacht ist alles möglich. Niemand da, der Fragen stellt. Ich will ihn so sehr, dass alle Träume in meinem brennenden Verlangen nach ihm verdunsten. Johns Lippen suchen meinen Mund.

„Ich will dich. Immer wieder.“

Sein heißer Atem streift meine Haut.

„Komm.“

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Ich stehe auf der Brücke und sehe in die schwindelerregende Tiefe. Unter mir glänzt die regennasse Straße im Schein der Straßenlaternen. Ist die Höhe groß genug, um wirklich tot zu sein oder breche ich mir jeden Knochen im Körper und werde ein bedauernswerter Pflegefall. Es reicht, dass ich mich wie ein geistiger Krüppel fühle, die mitleidigen Blicke anderer könnte ich nicht ertragen.

„Schaut nur, sie hat versucht sich zu Tode zu stürzen, aber es hat nicht geklappt und jetzt muss ihre Familie sie pflegen. Im Leben hat sie nichts richtig gemacht und auch das Sterben ist ihr nicht gelungen.“

Die Vorstellung ist furchtbar. Aber gibt es eine bessere Art zu sterben? Mit dem Strick? Wenn ich es nicht richtig anstellte, dann werde ich elendig ersticken; ins Wasser gehen, bringt nichts. Ich kann schwimmen. Erschießen? Ich weiß nicht, wie ich an eine Waffe kommen könnte und außerdem habe ich keinen blassen Schwimmer, wie man so ein Teufelsding bedient. Vor einen Zug schmeißen habe ich erwogen, aber wenn ich daran denke, wie mein Körper danach aussieht, wird mir übel.

Ich sehe in den Abgrund. Ich bin vollkommen unfähig. Unfähig zu leben und unfähig zu sterben. Tränen laufen mir über das Gesicht. Warum kann es nicht endlich zu Ende sein? Das Leben ist so ermüdend. Egal was ich tue, niemandem kann ich es recht machen. Niemand tritt für mich ein oder hat ein hörendes Ohr für mich. Wenn ich über meine Probleme sprechen will, heißt es: Was hast du? Du hast es doch gut. Schlaf dich mal aus, dann wird das schon.

Es kotzt mich an. Nichts wird gut. Das Leben läuft immer in dem gleichen Trott von Aufstehen, Arbeiten, Schlafengehen. Ohne Liebe, ohne Zuwendung. Alles bloß Gewohnheit. Alltag, der alles erstickt.

Von der Euphorie des Anfangs ist nichts übrig geblieben. Die Zeit läuft mir davon und nichts ändert sich. Ich habe das Gefühl, das jedes Wort von mir ungehört im Wind verweht und ich die Einzige bin, die erkennt wie stumpf und zerstörerisch dieses Leben ist.

Ich kann, ich will nicht mehr so weiter leben. Mein Körper rebelliert schon länger gegen diesen Wahnsinn und jetzt ist meine Seele am Ende. Der Schmerz fühlt sich an wie ein Messer, dass in meinem Bauch umgedreht wird. Ich kann nicht essen, nicht schlafen, habe ständig Kopfschmerzen.

Das muss aufhören. AUFHÖREN! Ich will nichts mehr denken, keine blöden Ratschläge mehr hören. Es soll einfach aufhören. Wenn es doch so einfach wäre. Am liebsten würde ich mich in eine Ecke legen und die Luft anhalten, bis es vorbei ist. – Markus wäre vermutlich froh, wenn er mich so bequem los wird. Dem tue ich noch einen Gefallen und seinen Eltern bin ich sowieso nie gut genug gewesen für ihren Liebling.

Ich lege meinen Kopf auf das Brückengeländer. Ein Schluchzen schüttelt mich. So kann ich nicht leben. Sterben kann ich auch nicht. Ich habe Angst vor dem Sprung. Ich bin noch nicht soweit, sonst hätte ich nicht gezögert. Mein Körper will mir nicht mehr gehorchen. Ich sinke auf die Knie.

Als sich mein Schwächeanfall gelegt hat, schleiche ich zurück wie ein geprügelter Hund. Wenn ich Glück habe, schläft Markus schon, wie immer. Sobald er morgen früh aus dem Haus geht, packe ich meine Sachen und wenn ich auf der Straße wohnen muss. Besser, als so weiter zu leben.

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Bei einem Akrostichon bilden die Anfangsbuchstaben aufeinanderfolgender Verse aneinandergereiht ein Wort, einen Namen, oder einen Satz.

 

Clowns

Auf

Rädern

Ohne

Lachen

In

Nassen

Erden

 

Säuseln

Ulmen

Sanft

Ein

Märchen

In

Hainen

Lustvoll

 

Claro, Alfi.

Alles wird gut.

Rita hat es sicher nicht so gemeint.

Otto hat das auch gesagt.

Locker, ohne Bindungen, ist doch auch nicht schlecht.

In diesen unsicheren Zeiten.

Nele ist toll?

Endlich!

 

Sand in gläsernen Uhren läuft

Unaufhörlich

Sand in gläsernen Uhren läuft

Endlich aus

Meere ausgeschüttet aus Tränen

In mir ertrunken

Himmel verdunkelt sich Stück für Stück

Leuchten Abgründe

 

Cancan

Auf dem Tanzboden

Roter Rock und schwarzer Strumpf

Oh lala

Lolita mit dem Zopf

Im Sektglas Bläschen blubbern

Nächte samtschwer sternenklar

Erdenthoben

 

Sternschnuppen regnen

Unter dem bleichen Mond

Sangen wir laute Lieder

Eine Nachtigall verstummte

Morgen früh ist alles vergessen

In den Rosengärten werden wir erwachen

Hals über Kopf

Liebe uns überrollte

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