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Archive for Februar 2013

„Wenn du dies liest, bin ich weg!

Martin“

 

Ich drehte den Zettel hin und her. Wie weg? Ich ging ins Schlafzimmer. In seinem Kleiderschrank fehlte nichts. Jedenfalls auf den ersten Blick. Auf den zweiten fehlten die alten Turnschuhe. Oder hatte ich die bei meiner letzten Aufräumaktion weggeschmissen? Also wenn er die mitgenommen hatte war es nicht schade. Aber was sollte ich mit dem Rest von seinen Sachen anstellen? Kam er irgendwann wieder und wollte sie abholen? Oder sollte ich bei der Kleiderkammer anrufen und die nahmen die Klamotten mit.

Plötzlich fiel mir der Safe ein. Ich rannte ins Arbeitszimmer. Der alte Ölschinken von seiner grässlichen Mutter stand gegen die Bücheregale gelehnt und der Safe stand offen. Alles ausgeräumt! Für einen Moment hielt ich die Luft an. Scheißkerl. Ich hatte ihm die besten Jahre meines Lebens gegeben, hatte geackert wie Gaul, nur damit er seinen künstlerischen Ambitionen nachhängen konnte und jetzt hatte er sich mit meinen Aktien und dem Sparkonten aus dem Staub gemacht. Da war noch ein Blatt Papier. Ich ahnte von wem es war.

„Sorry Schatz, aber dir bleibt ja die Hütte und Paris.“

Ich konnte mir sein sarkastisches Grinsen vorstellen. Meine Wut bereitete mir körperlichen Schmerz. Mir war übel und am liebsten hätte ich so laut geschrien, dass sämtliche Scheiben platzten. Aber was hätte es genützt?

Ich nahm den Telefonhörer auf und wählte eine Nummer. Nach dem ersten Klingeln wurde abgenommen.

„Ja?“

„Hallo Luigi, Martin hat mich verlassen und sämtliche Barschaft mitgenommen.“

„Aha.“

„Ich weiß nicht wo er sich aufhält.“

„No problema, Antonia, lass das sein meine Sorge. Ich mich kümmern um alles.“

„Danke!“

Ich legte auf. Es wurde Zeit Martins Hinterlassenschaften aus meinem Leben zu entfernen.

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Ich zerre meinen alten Rollkoffer über die kiesbestreute Auffahrt, bis vor die imposante Eingangstür. Sie ist grün mit einem Rahmen aus rosa Sandstein. Rechts und links stehen antike Amphoren mit Thujas, die kugelrund gestutzt sind. Kein einziges Blättchen wagt es aus der Reihe zu tanzen.

Hier soll ich also das nächste Jahr, bis zu meiner Volljährigkeit verbringen. Ein beklemmendes Gefühl steigt in mir auf, dass ich energisch zu unterdrücken versuche. Ehrfurchtsvoll blicke ich an dem riesigen Haus empor. Hinter einem der Fenster im ersten Stock meine ich ein Gesicht zu erkennen. Ich sehe genau hin, aber es ist fort. Meine Nerven scheinen doch sehr überreizt zu sein. Es hilft alles nichts. Ich gebe mir einen Ruck und drücke auf den schwarzen Knopf neben der Tür. Aus dem Inneren des Hauses höre ich einen schnarrenden Ton. So werden hier also die Gäste angekündigt.

Es dauert beinahe eine kleine Ewigkeit, bis ich Schritte höre und noch eine dazu, bis endlich die Klinke herunter gedrückt wird und sich die Tür öffnet.

„Guten Tag, was kann ich für sie tun?“

Eine Hausdame in einem schwarzen Seidentaftkleid, mit einer langen Jetperlenkette, blickt mit hochgezogenen Augenbrauen auf mich herab. Mir ist durchaus bewusst, dass meine Kleidung nicht sehr stilvoll ist, aber bei armen Verwandten ist das nun einmal so.

„Guten Tag“, antworte ich und finde meine Stimme hört sich so gar nicht nach mir an, „mein Name ist Sara Monroe. Mister Weston erwartet mich.“

Der Hausdrache mustert mich misstrauisch von oben bis unten. Als ich schon nicht mehr damit rechne, dass sie mich herein lässt, sagt sie:

„Folgen sie mir, ich bringe sie zu seiner Lordschaft.“

Jetzt könnte ich noch weglaufen. Schnell. Wenn ich wüsste wohin – aber mit kaum einem Pfund in der Tasche sind die Möglichkeiten sehr begrenzt. In Ermangelung einer adäquaten Zuflucht, zerre ich meinen Koffer über die Schwelle. Von innen wirkt das Haus noch furchteinflößender. Die Eingangshalle ist düster, dunkel getäfelt, und die endlos lange Treppe in den ersten Stock verstärkt den Eindruck noch.

Ohne auf mich zu achten, geht die Hausdame auf eine schwere Eichentür zu, stößt sie nach kurzem Klopfen auf, wirft meinen Namen in den Raum und lässt mich stehen. Ich zögere, aber da sie mich nun schon angekündigt hat, beschließe ich, mich meinem Gastgeber zu zeigen. Großes Interesse an mir vermute ich bei ihm nicht, sonst hätte er sich wohl erhoben. Adelige Manieren sind auch nicht mehr, dass was sie einmal waren.

Wachsam wage ich mich vor. Ich habe Mister Weston noch nie gesehen, aber so weit ich weiß, müsste er mindestens 80 Jahre alt sein. Vielleicht ist das auch der Grund, warum mich niemand begrüßt.

„Mister Weston?“, frage ich in den Salon hinein.

Ich strenge mich an das Halbdunkel zu durchdringen. Im Kamin brennt zwar ein Feuer, aber heller wird es dadurch nicht.

„Ist da jemand?“, erkundige ich mich noch einmal.

Eine große Gestalt löst sich aus den Schatten und kommt langsam näher. Ich richte mich kerzengrade auf. Endlich steht er vor mir. Das soll Mister Weston sein? Achtzig ist er jedenfalls nicht. Mitte dreißig vielleicht, kaum älter. Tadellos gekleidet, mit glänzend polierten Stiefeln.

„Guten Tag, Miss Monroe.“

Seine melodische Stimme hat einen ironischen Unterton. Er mustert mich ebenso eingehend, wie sein Hausdrache vorhin. Allerdings hat Mister Weston entschieden reizvollere Augen. Ungewöhnlich grün-golden und so tief, dass ich den Grund nicht sehen kann. Sein markantes Gesicht lässt keine Gefühlsregung erkennen.

„Mister Weston, Alfons Weston?“

Er umrundet mich, als sei ich ein bizarres Kunstwerk.

„Nein. Mein Vater ist vor einem halben Jahr verstorben. Mein Name ist Marcus Weston.“

Die Ankündigung verwirrt mich. Ich bin nicht sicher, ob das gut oder schlecht für mich ist.

„Ach ja?“, mehr fällt mir dazu nicht ein.

„Ja, und da ich mit dem Haus und dem Vermögen auch die Pflichten geerbt habe, musst du dir keine Sorgen machen, dass du am Hungertuch nagen könntest.“

„Ich mache mir keine Sorgen“, und versuche genauso herablassend zu klingen wie Marcus, „ich habe gesunde Hände und einen klaren Verstand.“

„Erfreulich, dass wirst du bald unter Beweis stellen können“, ein Schmunzeln zuckt um seine Lippen. „Bring dein Gepäck in dein neues Domizil, mach dich frisch und sei in einer halben Stunde wieder hier.“

Ohne mich weiter zu beachten, dreht er sich um und geht zurück in den Salon. Die Audienz ist beendet.

„Kommen sie Miss Monroe“, die scharfe Stimme des Hausdrachen lässt mich zusammenzucken, „sie haben keine Zeit zu verlieren.“

Das fängt gut an. Marcus scheint mich als billige Arbeitskraft zu sehen – wenn sie essen will, soll sie arbeiten. Nun, nicht wirkliche ein Verfall, wenn ich die Umgebung betrachte, aber die Personen, die hier leben. Ich glaube nicht, dass ich für sie freundliche Worte finde. Das Haus und mag es noch so vornehm sein, gleicht einer Gruft und die Menschen scheinen in der Kälte ihres Daseins völlig erstarrt.

Die letzten Jahre meines Lebens habe ich in einer feucht-kalten Souterrainwohnung gelebt. Wobei das dunkle Loch, die Bezeichnung Wohnung kaum verdiente. Trotzdem herrschte dort mehr Wärme und Spaß. Immerhin hatte ich Mama. Sie war liebenswürdig, freundlich und entschädigte mich mit ihrer Liebe für alle Unbilden unseres Daseins. Nach ihrem Tod, erhielt ich die Adresse von Mister Weston und 10 Pfund für die Reise. Während dieser hatte ich ausreichend Zeit darüber nachzudenken, warum Mama erst sterben musste, bevor sich jemand meiner erbarmte. Obwohl, von Erbarmen möchte ich in dieser Situation nicht sprechen. Drama trifft es eher. Mama würde sich im Grab umdrehen.

Die Hausdame führt mich durch eine Seitentür der großen Halle zu einer Art Pavillon im verwilderten Teil des Parks. Aschenputtel lässt grüßen. Immerhin muss ich nicht in dem düsteren Gemäuer schlafen. Wer weiß, wie viele Geister dort ihr Unwesen treiben.

„In einer halben Stunde im Salon“, sagt sie, nachdem sie mir den schweren Eisenschlüssel für das Häuschen in die Hand gedrückt hat, „sie kennen den Weg.“

Und schon rauscht sie davon. Wie die Flügel einer Krähe weht ihr Kleid hinter ihr her. Und ich muss mir eingestehen, eine Krähe wäre mir tausend Mal lieber gewesen.

Nervös stecke ich den Schlüssel ins Schloss und drehe ihn herum. Entgegen meiner Erwartung springt es sofort auf.  Mit einem flauen Gefühl im Magen öffne ich die Tür und stehe in einem sauberen kleinen Flur, von dem mehrere Türen ausgehen. Erfreulich wenn sich Befürchtungen nicht erfüllen.

Links von mir befindet sich mein Schlafzimmer. Das Bett sieht einladend aus, mit weichen Kissen und Decken in zartem Pastell dekoriert. Eine hübsche Kommode, ein Nachttischchen und ein Frisiertisch mit Stühlchen in freundlichem Weiß, komplettieren die Einrichtung. Ich bin ehrlich erstaunt. Nachdem unterkühlten Empfang habe ich mit einer kargen Zelle gerechnet. Aber hier kann ich mich wirklich wohlfühlen. Das Wohnzimmer, eine winzige Küche und ein Bad !!! sind ebenfalls gemütlich hergerichtet. Wer hat hier seine Finger im Spiel? Bestimmt nicht die Krähe und der Hausherr kommt für mich auch nicht in Frage.

Der Text entstand im Schreibkurs unter dem Thema: Hinter der Tür – Schreiben nach Bildern

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Schreibe über Schlangen … Die meisten Menschen würden mit Schlangen Falschheit und Bösartigkeit assoziieren. Dies Vorurteil habe ich schon lange nicht mehr. Vor einer gefühlten Ewigkeit arbeitete ich in einem Zoogeschäft. Dort habe ich gelernt, dass Schlangen sehr sensible Wesen sind. Wenn sie gefressen haben und gestört werden, dann müssen sie sich übergeben. Außerdem, jeder der schon einmal eine Doku über Schlangen gesehen hat, hat sicher mitbekommen, dass Schlangen Vibrationen über ihr Mittelohr wahrnehmen können, wenn sie ihren Kopf auf den Boden legen. Also wirklich sensible Tiere.

Wenn „man“ Menschen kennenlernt, dann behauptet man nie wieder, dass Schlangen bösartig oder falsch sind. So falsch wie unsere eigene Art ist, können Schlangen gar nicht werden. Tier ist Tier. Was sie tun ist Instinkt. Bei uns ist das anders. Wir haben ein Gewissen, wir haben Verstand und doch tun wir anderen Menschen Dinge an, die wir nie und nimmer selbst aushalten möchten. Sei es: Mobbing, Verrat, Betrug, Übervorteilung, Frechheiten aller Art, von Mord und Todschlag gar nicht zu reden. Je Ärmer, je kleiner deine Lobby. Bist du dick, heißt es, du hast keine Selbstdisziplin. Bist du arm heißt es, du könntest mehr arbeiten oder sparen. – Auf jeden Fall hast du verloren.

„Ein pfiffiger Arbeitgeber schafft es, dir die Reibungswärme, die entsteht, wenn er dich über den Tisch zieht, als Nestwärme zu verkaufen.“ (Hab den Spruch von meinem Bruder *g*)

Das ist Falschheit. Wären die, die uns über den Tisch ziehen, an unserer Stelle, sie würden jammern und jaulen, sich beschweren und schimpfen. Aber wenn wir uns wehren, dann sind wir aggressiv und undankbar.

Aber am härtesten ist es, wenn die Leute, die dich gegen die Ungerechtigkeit verteidigen sollten, dir das Geld aus der Tasche ziehen wollen, dass du nicht hast.

„Nein, keine Prozesskostenbeihilfe, nur gegen Honorar.“

Na super! Jetzt bist du schon am unteren Ende der Nahrungskette, jetzt geben sie dir auch noch einen Schubs! Da kommst du dir vor wie ein Lemming, mit dem Unterschied, dass die angeblich selber springen (was nachgewiesenermaßen nicht stimmt). Eins steht fest, egal wie sehr du auch im Recht bist, irgendwo gibt es ein Gebüsch aus dem jemand heraus springt und dich den Abhang runter schubst, den du gerade mühsam hochgeklettert bist.

Eigentlich sollte ich deswegen deprimiert sein – ich höre in mich hinein, aber da ist nichts – die Depression ist gerade zum Teufel gegangen. Die ganze Situation ist so grotesk, dass ich nur lachen kann. Zugegeben, das hat was Psychotisches, aber das Ganze ist eine riesige Farce. So etwas kann man sich nicht ausdenken. Ich muss das wissen. Ich bin Schriftstellerin – die haben bekanntermaßen `ne Menge Flausen im Kopf.

Das ist so irre … wie in dem Film: Geschenkt ist noch zu teuer – mit Tom Hanks – er schüttet den letzten Eimer Wasser in die Badewanne, die dann durch alle Etagen bis in den Keller stürzt, während er oben vor dem Loch steht und wie ein Irrer lacht.

Mir ist das auch schon mal passiert. Aber da haben wir nur den Autoschlüssel innen stecken gelassen, damals, als es noch keine Keycards gab, mit denen man die Autos aus der Ferne aufschließen kann.

Im Moment wäre ich lieber in Tom Hanks Situation … der Mann ist ein Superstar und hat Geld wie Heu. Aber da ich nicht so begütert bin, muss ich sehen, wie ich den Abhang wieder rauf komme. Eins steht fest, wenn ich wieder oben bin, mache ich um Gebüsche einen riesigen Bogen. Diese ganze Kletterei kostet einfach zu viel Energie, die lässt sich anders besser einsetzen.

 

 

 

 

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Der Text entstand nach einem Bild, das einen Gerichtssaal zeigte und unter der Überschrift: der Zeuge oder die Schuldfrage stand.

So steht es also nun fest. Die letzten Stunden vor der Verhandlung nehmen ihren Lauf. Ich habe heute versucht meine Gedanken abzulenken(einige Seiten für meine Schreibkurse gestaltet)und so ruhig zubleiben, wie es mir möglich ist. Ich habe mir eingeredet, ich wäre gut vorbereitet, was ich in der Tat bin, aber das hindert mein Unterbewusstsein nicht daran auf Abwege zu gehen.

Im Allgemeinen bin ich bei solchen Dingen die Panik in Person. Diesmal erstaunlicherweise nicht so extrem. Zumindest was die gedankliche Achterbahnfahrt betrifft. Das äußert sich diesmal eher körperlich. Heute kamen die Übelkeit und der Kopfschmerz zurück. Ich trag es mit Fassung, die zwei kenn ich ja nun schon seit ein paar Wochen. Ich will nicht sagen, ich hätte sie vermisst, aber ich halt es aus.

Ich will nichts schwarz malen und keine großen Erwartungen hegen. Das ist das Beste. Je weniger man will, umso weniger kann man verlieren, oder enttäuscht werden, wenn man es nicht bekommt.

Die Frage, die mir im Kopf herumgeht ist: was habe ich zu verlieren. Nichts, was nicht schon verloren wäre. Und alles was mir zugestanden wird, ist ein Zuckerstückchen für mich. Wie groß das ausfällt? Wir werden sehen.

Eine andere Sache, die ich mich frage und die sich erst morgen beantwortet: wie sieht der Richter die ganze Sache? Wer ist im Recht? Wer nicht? Und wie viel Energie wird die Gegenseite aufwenden, um die ungeliebte Klägerin ins Boxhorn zu jagen?

Während ich hier sitze und schreibe, wundere ich mich wirklich über meine innere Ruhe. Gut, es ist kein Geheimnis, aber ich habe in den letzten Wochen Diana Coopers Weisheitskarten* gelesen. Da stehen ein paar schlaue Sachen drin:

 Klarheit

Erlauben sie es ihrer inneren Weisheit, den Lärm ihrer Gedanken zu durchdringen. Ein stiller klarer Verstand kann alles von einer höheren Warte aus sehen. So wird es ihnen möglich, ihr Leben realistischer einzuschätzen. Die Wahrheit ist immer einfach.

Hat man eine klare Vision, kann man die richtigen Entscheidungen treffen.

Nachhaltigkeit

Verschwenden sie ihre Lebenskraft nicht, in dem sie sich Sorgen machen, sich Stress aufbürden, oder zornig werden. Kultiviere einen positiven Geist, damit sie selbst wieder ins Gleichgewicht kommen.

Integrität

Wenn sie sich selbst immer treu bleiben, erlangen sie mühelos eine natürliche Autorität. Andere Menschen spüren Ihre Ehrlichkeit und reagieren entsprechend darauf.

Halten sie ungeachtet der äußeren Umstände unbedingt an ihren Prinzipien fest. Letztendlich werden sich Aufrichtigkeit und Integrität immer durchsetzen.

„Wir machen nichts, was wir nicht wollen.“

Die Lebensregel, die uns Frank hinterlassen hat. Leider auf eine schreckliche Art und Weise. Ich hätte es mir so sehr anders gewünscht, aber manche Dinge kann man nicht beeinflussen, aber man kann aus ihnen lernen und sich seine eigenen Gedanken dazu machen. Wir sollten aus den Ereignissen unseres Lebens lernen, damit es nicht nutzlos gewesen ist. Im Übrigen wird man sonst immer wieder mit diesen Dingen konfrontiert. Es wird nicht aufhören, bis wir unsere Handlungsweise ändern. Das liegt an uns.

Perspektiven

Ihre Reaktion auf eine Situation hängt ganz von ihrer Sicht ab. … Wenn sie die Dinge von einer höheren Warte aus betrachten, gewinnen sie einen besseren Überblick und erkennen verschiedene Optionen besser.

Loslassen

Dem Verhaftetsein an eine Person, ein Ziel oder an Sicherheit im Allgemeinen liegen Angst und das Verlangen zugrunde, das Leben zu Kontrollieren.

Ihr Loslassen ermöglicht es dem Universum, perfekte Umstände zu erschaffen. Loslassen ist der Schlüssel.

(Außerdem kann man nichts Materielles mitnehmen, wenn man geht.)

Risiko

Jede Form des Wachstums birgt gewisse Risiken. Wenn sie sich scheuen, Risiken einzugehen, werden sie nie über die Grenzen des ihnen Vertrauten hinausgelangen.

Verzweiflung und Angst führen lediglich zu unbesonnenen Entscheidungen, deshalb sollten sie stets ruhig, gelassen und rücksichtsvoll bleiben.

Fragen sie sich, was auf dem Spiel steht und riskieren sie nur das, was ihnen gehört. Bedenken sie, das Sicherheit eine Illusion ist. Handeln sie offen, weise und ehrlich. Akzeptieren sie das Ergebnis leichten Herzens, dann wird alles gut sein.

Authentizität

Seien sie stets aufrichtig und authentisch, damit ihre Mitmenschen ihre Integrität spüren und ihnen vertrauen.

Das Universum wird ihnen Türen und Möglichkeiten öffnen, die sie sich nicht einmal in ihren kühnsten Träumen vorstellen können.

Präsenz

Die Vergangenheit ist vorbei und die Zukunft ist noch nicht da. Aber die Gedanken, Worte und Handlungen dieses Augenblicks wirken sich entscheidend auf die nächsten Momente ihres Lebens aus. Jedes positive Gefühl, das sie jetzt haben, erzeugt die positiven Eigenschaften, die sie in der Zukunft brauchen.

Selbstdisziplin

Wenn sie genügend Selbstdisziplin entwickelt haben, können sie darauf vertrauen, dass sie in jeder Situation angemessen reagieren werden. Dies ist eine notwendige Voraussetzung, um inneren Frieden zu finden.

Wenn andere sich ereifern und die Ruhe verlieren, kann sie sich zurückhalten und ihre Würde bewahren.

Erfolg

Erfolg und Misserfolg sind nichts weiter als Etiketten, die uns blenden und entweder zu Überheblichkeit oder Verzweiflung führen. Triumphe können von kurzer Dauer sein, aber Enttäuschung kann uns zum Segen gereichen, wenn wir uns selbst nicht dafür verurteilen.

Genießen sie ihre Erfahrungen und schauen sie auf den positiven Aspekt einer jeden Situation.

Erwartungen

Erwartungen sind unglaublich mächtige magnetische Kräfte, die auf zellulärer Ebene wirken, um etwas ins Leben zu rufen. Erwartungen ermöglichen es ihren Absichten Realität zu werden. Aber bedenken sie bitte, dass ihr Fokus sowohl positiv als auch negativ sein kann.

Macht

Wer Ruhe, Selbstvertrauen und Selbstsicherheit ausstrahlt, der besitzt eine natürliche Macht… Wer Macht über sein Leben erlangt hat, akzeptiert die Dinge wie sie sind, schiebt niemandem und nichts die Schuld zu und sieht auch nicht zurück. Stattdessen lebt er weise in der Gegenwart und handelt mitfühlend und entschieden.

Dankbarkeit

Suchen sie nach dem Positiven in jedem Menschen und jeder Situation und üben sie sich in Dankbarkeit.

Wenn sie für das dankbar sind, was sie bereits haben, können sie auch großzügiger und gütiger sein.

Güte

Sind sie gütig und liebevoll, fühlen sich die Menschen in ihrer Umgebung wohl.

Handelt nur ein einziger Mensch mit Güte, kann er Umstände und Menschen verwandeln, weil er den Samen des Friedens in ihre Herzen und Seelen sät.

Arbeit

Wenn sie sich ihren Lebensunterhalt freudig und auf integere Weise verdienen, dient alles, was sie tun, der ganzen Menschheit.

Harmonie

Sie sind der Dirigent ihres Lebens und ihre Beziehungen sind das Orchester. … Überprüfen sie, ob sie sich mit den wichtigen Menschen in ihrem Leben in Harmonie befinden. Überprüfen sie auch, ob sie mit sich im Einklang mit sich selbst sind.

Gegenseitiger Vorteil

Ein weiser Mensch wird nach Lösungen suchen, bei denen alle Beteiligten etwas gewinnen können. Das mag bedeuten, dass man manchmal darauf verzichten muss, seine Interessen um jeden Preis durchzusetzen. Dafür ziehen dann alle Beteiligten Nutzen aus der Situation.

Der gute Wille, den sie jetzt an den Tag legen, wird sich positiv auf ihre Zukunft auswirken.

Handeln

Bedenken sie, dass es ihre eigenen Entscheidungen sind, die definieren, was aus ihnen wird und welchen Ruf sie haben.

Treffen sie jetzt Entscheidungen, die von Klarheit, Integrität und Mitgefühl getragen werden. Es geht darum, weise und im Interesse aller zu handeln.

Wenn man so auf sich selbst zurückgeworfen ist, um sich mit sich und seiner „Schuld“ auseinanderzusetzen, dann hat man einige Zeit zu lesen und zu prüfen, – wie mein Bruder immer sagt – , bin ich bescheuert oder die anderen. Denke nur ich so, oder sehen andere auch das Problem an der Sache.

Ok, um es kurz zu machen. Ich bin nicht die einzige, die das Problem an der Sache erkennt. Aber es hat schon was von David und Goliath sich gegen jemand zu stellen, der ein dickes Bankkonto und einen Gottkomplex hat. Oder sagen wir einen Hauch von Größenwahn.

Es macht mir etwas Sorgen, dass ich nichts von diesen Eigenschaften, wie Selbstüberschätzung und Überheblichkeit/ Arroganz, für mich beanspruchen kann oder will. Ich kenne meine Grenzen und bin eher der Typ, der für Harmonie auch etwas hinnimmt, was mir nicht gefällt. Meine Schmerzgrenze, einem anderen „eins auszuwischen“, ist recht hoch. Allerdings hat Goliath die Grenze weit überschritten. Nicht nur meine, sondern die vieler anderer auch. Und da schreit mein Gerechtigkeitssinn: Jetzt reicht`s. Ich muss den Mund aufmachen und die Wahrheit sagen. „Keine Feigheit vor dem Feind“. Meine Oma wäre stolz auf mich, wenn sie wüsste, dass ich mir die ungerechte Behandlung nicht gefallen lasse.

Ich werde mir also die kleinen Steine von David ausleihen und die Schleuder und dann versuche ich genau dasselbe, was der gute David vor ein paar tausend Jahren geschafft hat, Goliath direkt vor die Stirn zu treffen, damit es endlich etwas mehr Gerechtigkeit gibt.

*Die zitierten Texte aus den Weisheitskarten sind Auszüge.

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Postkartentext – von einem Schreibpartner

(auf der Karte ist ein Indiansummer-Wald hinter einem See mit Kanu zu sehen)

Hallöchen Schwesterherz,

du kannst dir gar nicht vorstellen, wie schön es hier ist. Kanada ist ein Traum. Zuerst hatte ich echt Schiss, dass es mir hier zu ruhig wird, aber ich kann dir nur eins sagen, damit kann ich leben. Es ist einfach nur himmlisch, nicht jeden Morgen von dem melodischen Gebrüll unserer lieblichen Mutter geweckt zu werden. Sogar die Kreissägen im nahe gelegenen Sägewerk klingen sanfter! J Aber du fehlst mir dafür umso mehr. Ich denke an dich und hab dich lieb.

1000 Drücker, bis bald

Seline

Text von mir:

Seline ließ ihren Stift sinken und dachte an die lauten Straßen Londons. Manchmal vermisste sie das pulsierende Leben, die Pubs und die Clubs, in denen sie bis in die frühen Morgenstunden tanzte. Hier in Carrigan gab es eine Bar, dass Golden Goose, für alles. Tanzvergnügen, Sportwetten, Billard, Steakhaus und Kaffeekränzchen.

Seline seufzte. Was hatte Oma Mary immer gesagt: wenn dir das Leben Zitronen gibt, mach Limonade draus. Und von dieser Warte ausgesehen hätte sie es auch schlechter treffen können. Seline hatte ein eigenes Büro, auf dessen Tür ihr Name stand, eine Sekretärin, wenn man Alissa so bezeichnen konnte.

In ihrer Londoner Kanzlei waren die Sekretärinnen immer top gestylt. Make up, Frisur vom Coiffeur, und das schicke Business Kostüm mit Pumps gehörte zur Grundausstattung. Alissa trug Jeans, Turnschuhe, dazu T-Shirts mit den wildesten Logos und Aufdrucken. Ihre Frisur erinnerte stark an einen Punk-Irokesen. Alissa war im Grunde gegen alles. Rebellion ein Lebensstil und kein Anliegen. Aber was Recherche und Computerkenntnisse betraf, machte ihr niemand etwas vor. Neulich hackte sie sich sogar in den Rechner des CSIS, das war wirklich eine große Nummer.

Seline war immer noch erstaunt darüber, was Alissa in so einem Kaff wie Carrigan verloren hatte. Bei Nachfragen blockte sie sofort ab. Seitdem hegte Seline den Verdacht, dass ihre Sekretärin entweder auf der Flucht vor den Gesetzesvertretern lebte oder in einem Zeugenschutzprogramm steckte.

Selines Handy klingelte. Erschrocken zuckte sie zusammen. – Um Himmelswillen, seit wann gibt es im „Golden Goose“ ein Netz? – Sie erkannte die Nummer und ahnte Schreckliches. – Na klar, niemand hat hier Empfang, aber wenn meine Mutter anruft, dann gibt es kein Funkloch das groß genug ist, um mich darin zu verkriechen. – Seline zögerte. Nachdem das Handy gefühlte zwanzig Mal geklingelt hatte, gab sie auf. Ihre Mutter würde es wieder versuchen, da konnte sie dieses Gespräch auch gleich führen. Seline nahm den Anruf an und wappnete sich innerlich gegen die kommende Tirade.

„Hallo Mama.“

„Ich habe schon sooft auf deine Mailbox gesprochen, wieso rufst du nicht zurück?“

„Dir auch einen schönen Tag, Mutter!“

„Mutter, Mutter! Treuloses Kind. Erst machst du dich bei Nacht und Nebel aus dem Staub und dann meldest du dich nicht mehr.“

Seline verdrehte die Augen. – Nacht und Nebel, na klar!-

„Und verdreh nicht deine Augen.“

Seline sah sich erschrocken um. Sie erwartete direkt in das Gesicht ihrer Mutter zu sehen, aber sie war allein. – Woher weiß sie das? –

„Ich kenne dich, Missy.“

Kam die Antwort postwendend. – Und Gedankenlesen kann sie auch. –

„Mutter, ich bin beinahe dreißig Jahre alt. Ich weiß was ich tue.“

„Aber scheinbar nicht, was du mir antust!“

Die Stimme von Miss Monroe kippte ins Hysterische.

„Was habe ich dir getan, dass du mich so verlassen hast.“

„Zum hundertsten Mal! Ich habe dich nicht verlassen. Ich will endlich auf eigenen Beinen stehen.“

„Das hättest du auch hier in London tun können. Dein Vater hätte dir eine Kanzelei eingerichtet.“

„Aber ich will unabhängig sein, Mutter. Verstehst du?“

„Ich verstehe gar nichts. Willst du uns bestrafen?“

Seline schüttelte den Kopf. – Mutter wird nie verstehen, dass ich nicht ewig die kleine Tochter des großen Strafverteidigers Sir Albert Monroe bleiben will, sondern Seline Monroe, Anwältin. Dass ich dafür bis nach Kanada gehen muss, habe ich zwar nicht gedacht, aber so liegen wenigstens der riesige Atlantik und ein Teil der kanadischen Wildnis zwischen mir und ihnen. –

Plötzlich erklang ein Piepton vom anderen Ende der Leitung. Das Netz war zusammengebrochen. Seline sandte ein Stoßgebet zum Himmel, der große Handynator hatte ein Einsehen und sie von ihrer Mutter erlöst. Vorerst. Vor Alissa verschonte er sie nicht.

„Da sind sie ja. Ich habe sie schon überall gesucht!“

Alissa ließ sich auf die gegenüberliegende Polsterbank fallen. Ihr Iro war heute Morgen gelb-grün und auf ihrem T-Shirt prangte ein riesiges Hanfblatt mit dem Logo „Gebt das Hanf frei“.

Seline überlegte einen Moment, ob sie gegen Alissas Outfit protestieren sollte. Immerhin war sie Anwältin und dem Gesetz verpflichtet. – Andererseits, was macht das schon? Weniger Mandanten werde ich dadurch nicht haben. Als einzige Anwältin im Umkreis von 150 Meilen.-

„Überall gesucht finde ich etwas übertrieben, wenn man bedenkt, dass Carrigan nur zwei Hauptstraßen und vielleicht 15 Nebenstraßen hat“, wendete Seline ein.

„Sie müssen nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen. Und Carrigan hat 23 Nebenstraßen!“, Alissa sah Seline an, als hätte sie es mit einem zurückgeblieben Kind zutun. „Sie wissen was ich meine. Ich bin auch nur gekommen, weil der Mann am Telefon gesagt hat, es wäre dringend und sie sollen sofort zum Bearscreek – Hotel kommen.“

„Und wer war der Mann am Telefon?“, Selines Geduld war nach dem Gespräch mit ihrer Mutter erschöpft.

„Ich glaube der Bulle.“

Alissa zuckte gleichgültig, mit den Schultern. Sie machte sich nichts aus Polizisten, um nicht zu sagen, sie hatte eine Antipathie ihnen gegenüber.

„Sie glauben es war Sheriff Cole? Es geht um Fakten und Tatsachen. Das ist in meinem Beruf essenziell.“

„Fakten, Fakten, Fakten“, betete Alissa herunter, „wenn sie mich nachts wecken, würde mir das als erstes einfallen. – Was ist jetzt, fahren wir nach Bearscreek raus oder nicht?“

„Wir? Ich denke, sie mögen keine Bullen.“

„Tu ich auch nicht. Aber bei dem Wetter habe ich keine Lust den ganzen Tag in dem muffigen Büro zu hocken, während sie sich einen schönen Tag am See machen.“

„Meinetwegen. Aber ich fahre! In ihr Auto steige ich nie wieder.“

Seline dachte mit Schrecken an die Todesangst, die sie ausgestanden hatte, als sie vor drei Wochen mit Alissa fahren musste, weil ihr Rover zur Inspektion in der Werkstatt war.

„OK. Aber wenn wir nicht bald fahren, sitzt Mister North im Knast.“

Seline verschluckte sich an ihrem letzten Tropfen Kaffee.

„Mister North in den Knast? Was soll das heißen?“

„Der Bulle ist der Ansicht, Mister North hätte seinen Bruder um die Ecke gebracht. Deswegen sollen sie ja hinfahren.“

„Und das sagen sie mir erst jetzt?!“

„Wäre es sonst schneller gegangen?“

Alissa sah Seline mit einem Unschuldsblick an. Seline beschloss sie zu ignorieren. Sie legte das Geld auf den kleinen Teller neben die Rechnung und eilte zur Tür.

„Los, Alissa, schlafen sie nicht ein“, rief sie ihrer Sekretärin über die Schulter zu, „sonst fahre ich ohne sie.“

Alissa war genau der Typ Mensch, den Seline ihrer Mutter gönnte und umgekehrt. – Vielleicht sollte ich die beiden zusammen auf eine einsame Insel schicken. Wer von beiden wohl zuerst einen Nervenzusammenbruch bekäme? – Seline grinste. Der Gedanke verbesserte ihre angeschlagene Laune immerhin soweit, dass sie die Fahrt nach Bearscreek genießen konnte, obwohl sie Alissa im Schlepptau hatte.

Der Anfang dieser Krimistory entstand in einem Schreibkurs. Der Text auf der Postkarte wurde von einer Mitschreiberin geschrieben, was mich zu der folgenden Geschichte inspirierte.

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Der Text entstand nach folgendem Schreibanstoß: Emily Willcox und Scott Gardner treffen sich auf einer Hochzeit. Einer von beiden bekommt einen Brief.

 

Scott stand im Foyer des Hotels Maritim und rückte sich seinen Schlips vor dem Spiegel zurecht. Er trug selten Anzug und fühlte sich nicht so wohl, wie er es in Jeans und

T-Shirt getan hätte, aber es war die Hochzeit seines besten Freundes und dafür konnte man sich schon in Schale werfen.

„Gut sehen sie aus“, sagte eine angenehme Stimme neben ihm.

„Danke, sie auch.“

Es war ein ehrliches Kompliment, denn er kannte die junge Frau. Es war eine der Brautjungfern. Während sie in den Speisesaal gingen, fragte Scott:

„Darf ich sie nach ihrem Namen fragen? Leider war ich vorhin etwas spät dran … ich stand im Stau.“

„Ja, der Londoner Frühverkehr“, seufzte die junge Dame, „mein Name ist Emily Willcox und sie sind?“

„Sehr erfreut Emily, mein Name ist Scott Gardner.“

„Ach, James bester Freund also.“

„Sie sind aber gut informiert“, stellte Scott fest und rückte Emily den Stuhl zurecht, „leider weiß ich nur, dass sie eine Brautjungfer sind.“

„Was unschwer zu übersehen ist.“

Emily verdrehte die Augen und zupfte an dem rosa Tüll herum, aus dem das Kleid gefertigt war.

„Können sie mir erklären, warum die Kleider Brautjungfern immer so unglaublich unvorteilhaft sind?“

Scott zuckte mit den Schultern.

„Sehr diplomatisch ausgedrückt. – Vielleicht damit die Braut noch besser aussieht?“

„Das wäre ein plausibler Grund, wenn die Braut hässlich wäre. Aber Sara ist eine wunderschöne Braut, also deswegen hätten die Kleider ruhig etwas hübscher ausfallen können.“

„Dann hätte die schönen Brautjungfern vielleicht von der Braut abgelenkt.“

Scott lächelte Emily gewinnend an.

„Sie sind ein Charmeur.“

Bevor Scott etwas erwidern konnte, erhob sich der Bräutigam und hieß die Gäste willkommen.

 

Das Essen war hervorragend und Scott unterhielt sich prächtig mit Emily. Er sprach dem guten Wein zu und merkte, wie sich eine wohlige Wärme in ihm ausbreitete. Emily hatte das bezaubernste Lachen, das er je gehört hatte und auch sonst war sie nahezu vollkommen. Die strahlend blauen Augen, die goldenen Löckchen, die ihr zartes Gesicht einrahmten. Dazu eine perfekte Figur. Kurz durchfuhr ihn der Gedanke, dass an jeder guten Sache ein Haken ist, aber als Emily ihn zum Tanzen aufforderte und sich an ihn schmiegte, verwarf er diesen Gedanken wieder.

„Sei froh, dass du dich aufgerafft hast hier herzukommen, sonst hättest du Emily nie kennengelernt“, schalt er sich und sah sich im Geist schon mit Emily in inniger Umarmung verschmolzen.

 

Scott setzte sich wieder an seinen Platz. Emily hatte ihn kurz verlassen, weil sie das WC aufsuchen wollte. Er nahm einen langen Schluck aus seinem Glas. Ihm war heiß geworden und er war sich nicht sicher, ob es an der Raumtemperatur, oder an Emily lag. Der gekühlte Rose schmeckte hervorragend und so leerte er das Glas. Da fiel sein Blick auf einen Umschlag, der ein Stück unter seiner Serviette hervor lugte.

„Nanu“, dachte er und sah sich um, „der hat aber vorhin noch nicht da gelegen.“

Scott war sich seiner Sache sehr sicher. Er hob die Serviette hoch und war erstaunt, als er seinen Namen in großen Buchstaben auf dem Umschlag vorfand. Noch mal sah er sich um.

„Wer schreibt mir hier Briefe.“

Er schüttelte den Kopf, öffnete den Umschlag und las:

„Lieber Scott,

ich danke dir für den schönen Abend. Ich hatte viel Spaß mit dir, du bist ein netter Kerl. Wir können uns nicht wiedersehen, aber ich hoffe, dass du auch ein paar schöne Stunden hattest. Leider waren es deine Letzten. Das Gift war im Wein, aber es wird schnell gehen, denn ich halte nichts von langen Todeskämpfen. – Ach, und falls du dich jetzt fragst, warum? Du hättest besser nicht mit Sara geschlafen und deinen besten Freund betrogen, so was kommt nie gut an. Aber das Problem ist ja jetzt gelöst.

Bye E.W.“

 

Scotts Augen weiten sich, er wollte schreien, aber die Laute blieben ihm im Hals stecken. Er sah noch, wie ihm der Brief aus den Fingern glitt und von einer zarten Frauenhand aufgehoben wurde, dann fiel er vom Stuhl und rührte sich nicht mehr. Emily lies den Zettel in ihrem Tülltäschchen verschwinden und nickte zufrieden. Auftrag ausgeführt.

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Die Schneiderstube liegt nur ein paar Schritte über den Hof. Sie gehört unseren Vermietern, Herrn und Frau Ölkers. Es ist ein kleines Backsteinhaus. Ich sitze brav auf dem durchgesessenen, dunkelroten Samtsofa. Herr Ölkers thront, genauso wie das tapfere Schneiderlein, mit gekreuzten Beinen auf einem großen Holztisch. Dieser steht am Fenster, damit Herr Ölkers auch gut sehen kann und keine falschen Stiche macht. Seine Brille hängt ganz vorne auf der Nasenspitze. Er schaut mehr über deren Rand, als durch die Gläser. Sie wird von einer großen Warze gehalten und verleiht ihm ein märchenhaftes Aussehen. Er erinnert mich irgendwie an Rumpelstilzchen. Ich sehe vor meinem geisteigen Auge, wie Herr Ölkers Stroh zu Gold spinnt oder um das Feuer springt und ruft: „Heute back ich, morgen brau ich, übermorgen hol ich der Königin ihr Kind… .“

Herr Ölkers ist meistens etwas brummig. Ich habe großen Respekt vor ihm. Er hat eine Tonsur, wie ein Mönch und irgendwie ist es in der Schneiderstube fast wie in einer Einsiedelei. Nur zugelassen für ausgewählte Personen und ich gehöre, stolz wie eine Schneekönigin, dazu. Manchmal schneidet Herr Ölkers auf seinem Tisch die Stoffe zu. Er heftet die Teile einer Jacke oder Hose zusammen, die er dann an der alten Tretnähmaschine zusammennäht. Die rattert und surrt, wie am Schnürchen und meine größte Freude ist es, wenn ich daran sitzen darf und treten kann, dass macht einen Heidenspaß. Das darf nicht jeder. Frau Ölkers hilft ihm in der Nähstube. Wenn sie da ist, darf ich Stoffreste mit Knöpfen verzieren, zusammennähen oder mit der bunten Schneiderkreide anmalen. Das ist ziemlich schwer, denn sie ist viel stumpfer als Schulkreide. Ich wühle zu gerne in der großen Kiste mit den Knöpfen. Darin kann man richtige Schätze finden.

Frau Ölkers ist eine warmherzige Frau, ich sage Tante zu ihr. Sie ist meine Ersatz Omi, und wenn meine Eltern abends ausgehen, passt sie auf mich auf. Ich darf dann in dem großen Eichenbett mit den riesigen Daunendecken schlafen. Ich versinke darin und nur noch meine Nase kuckt raus. Tante Ölkers nimmt mich dann immer in ihre Arme, ins Nestchen. Ich schlafe so gut und habe gar keine Angst vor der Dunkelheit.

 

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