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Archive for April 2013

Ich hole das kleine Mädchen vom Kindergarten ab. Dort herrscht schon reges Kommen und Gehen. Ich spreche noch kurz mit der Mutter. Dann gehe ich mit der Kleinen, sie ist mein Tageskind, zu meiner Oma. Es ist nicht weit, nur über die Straße. Meine Kinder sind schon dort. Als ich den Hausflur betrete, liegen vier schwarzemaillierte Kuchenbleche auf dem Boden. Ich hatte sie dort hingelegt, bevor ich zum Kindergarten ging. Ich wollte den Pizzateig darauf legen und ihn gehen lassen. Meine Oma ist wütend, weil sie das nicht wusste. Sie hat den Hefeteig in Kuchenformen verteilt und den Belag darauf verteilt. Ich will das nicht und versuche den Teig und den Belag wieder auf die Bleche zu geben, was in einem fürchterlichen Geschmiere endet. Meine Oma schimpft und sagt zu meiner Mutter: „Sie macht nie etwas Anständiges zu essen.“ Ich bin frustriert, weil ich wirklich gut Pizza backen kann und meine Oma es verdorben hat, nur weil sie nicht ein paar Minuten auf mich gewartet hat. Ich gehe in Omas kleine Küche, lasse mich auf einen Stuhl fallen. Mein Neffe ist auch da. Auf dem heißen Gasofen steht eine runde Kuchenform mit Pizzateig und Belag. Der Teig ist so hoch aufgegangen, dass er ein ganzes Stück über den Rand schaut. Es zischt und brodelt. Gleich wird die Form vom Ofen rutschen. Wo sind die Topflappen? Sie stürzt!

6 Uhr 16. Der Wecker meines Mannes klingelt. Nein, nicht jetzt, denke ich. Ich könnte noch eine halbe Stunde schlafen, aber da ich schon wach bin, kann ich auch aufstehen. Als ich ins Bad gehe, Zähneputzen, streicht Finchen, unsere Katze, um meine Beine. In der Küche stelle ich fest, dass die Milch doch für zwei Tassen Kaffee reicht. Zum Glück, sonst müsste ich gleich zum Supermarkt, aber das hat jetzt noch Zeit. Fee und Isa machen sich für die Schule fertig und Jörg für die Arbeit. Ich muss heute nicht arbeiten. Dafür fange ich sofort an, die erste Seite für „Schenk mir einen Tag“ zu schreiben. Es läuft gerade Mads Langer „Your`re Not Alone“. Bevor ich mein Gymnastikprogramm auf der Wii absolviere, sehe ich noch kurz nach meinen Mails.

7 Uhr 40. Eine halbe Stunde Yoga und Muskelübung. Hilft meinem Rücken. 141 kcal verbrannt. Das hab ich zwar mit einem Pflaumenmusbrot wieder drauf, macht aber nichts. Immerhin hab ich was getan und das ist ein gutes Gefühl.

     9 Uhr 09. Unnötigstes Wissen des Tages (laut Radio Energy): Es gibt mehr Barbies, als Kens. (Eine Tatsache, die uns eigentlich klar sein dürfte?!) Ich habe meine Haare gefärbt. Perlblond. Um die grauen zu verdecken und weil mich dunkle Haare älter machen, als ich mich fühle. Nebenbei den Geschirrspüler ausgeräumt.

Jane Eyre das 26.Kapitel angefangen (die Hochzeitsszene). Ich frage mich, warum scheinbar niemand bemerkt haben will, dass Rochester eine Frau im Turm eingesperrt hat. Noch nicht einmal das Personal! Ist es möglich, auch wenn die Dienstboten ihrem Herrn sehr ergeben waren, dass die Existenz von Bertha Mason über 15 Jahre geheim bleiben konnte? Ich mag Charlotte Bronte, aber ich denke, dass Jane, die kluge, resolute Jane, sich in diesem Fall einfach zu schnell zufriedengeben hat, mit Mister Rochesters fadenscheinigen Aussagen. Dabei kommt Jane Eyre mir immer so vernünftig vor.

9 Uhr 30. Nachrichten, Radio Energy:

   Wetter: Wolken, Regen, Höchsttemperaturen 11 Grad.

   Neonazi-Morde, es wurde bekannt, woher die Täter die Waffe hatten.

   Unruhen und Tote wegen der Koranverbrennung von US-Soldaten in Afghanistan, Bundeswehr gibt ihren Stützpunkt in Talokan auf.

   Europaleague: Hannover 96 und Schalke sind weiter.

   Tarifstreit am Frankfurter Flughafen ohne Ergebnis

   Über das Rettungspaket für Griechenland soll am Montag im Bundestag abgestimmt werden, einige Abgeordnete der CDU gehen nicht mit Merkel konform.

   Ende 2011 Dämpfer für die deutsche Wirtschaft, trotzdem verbesserte sich die Wirtschaftslage im Gesamtjahr

   Name des Babys von Victoria von Schweden wird heute bekannt geben. Mögliche Namen: Desiree, Christina oder Margaretha

10 Uhr 03. Habe gerade einen Artikel für meinen Blog: gepostet:

Literarisch leben. Wie geht das? La Boheme … leben in einer Kammer, durch deren marodes Dach ein steter Tropfen auf einen ebenso maroden Schirm tropft, wenn es real regnet und dabei irreale Poesie verfassen? Andere Möglichkeit: Viva la Vida. Alles leben, alles mitnehmen und dann das Ganze in Prosa oder Lyrik verdichten. Frei dem Motto: Leben, um darüber zu schreiben.

Vielleicht ist es aber auch einfach frei sein. Wobei es niemals völlige Freiheit geben wird, einzig die Freiheit der Gedanken. Alles ist nur relativ, eine Grenze ist uns immer gesetzt, sei es Moral, Verantwortungsbewusstsein oder Naturgesetz. Einzig in unserem Kopf gibt es keine Grenzen. Das zu erkennen, es zu nutzen, ist das Geheimnis. Es hat sich mir noch nicht völlig erschlossen, aber ich spüre es, wenn ich das „Fieber“ bekomme. Meine Gedanken wie ein Feuerwerk hochgehen und ich die Fackel bin, die von beiden Seiten brennt. Dann ist alles möglich und es gibt keine Beschränkung, die Flammen verbrennen sie alle, nichts bleibt übrig. Das ist wahre Freiheit, egal wo ich bin. Niemand kann mich aufhalten.

     Ich höre gerade Katy Perry: “The One That Got Away” …in another life I would be your girl… und ich frage mich, wer in meinem anderen Leben mein Seelenverwandter ist? Ich glaube nicht daran, aber die Vorstellung wäre schön und hat zumindest etwas Beruhigendes an sich. Menschlich, sich etwas zu recht zu legen, auch wenn die Möglichkeit gleich null ist. Andererseits wahrscheinlich überlebenswichtig. Denn nur wer Hoffnung hat, hält diesem Leben stand, das uns manchmal wirklich beutelt.

     10 Uhr 16. Eine SMS von meiner großen Tochter bekommen, die in Nürnberg lebt. „Guten morgen, meine liebste mama, cool! wir suchen dir ne schicke brille aus. wie geht`s deinem auge? hab nen tollen tag! hab dich lieb.“

     11 Uhr 27. Bankangelegenheiten und Telefonanrufe erledigt. Ich hasse diesen Papierkram und alles, was damit zusammenhängt. Ich bin zu Fuß zum Supermarkt gegangen. Mein Einkauf hat länger gedauert, als geplant. Wie immer. Ich hatte einen kleinen Zettel mit Sachen, die sich später in meinem Wagen wundersam vermehrten. Dann traf ich einen Kollegen vom Fahrdienst mit seiner Frau. Er schied vor einigen Monaten wegen Krankheit aus. Leider. Ich mag ihn und kam gut mit ihm zurecht. Wir unterhielten uns eine Weile über die Ereignisse der letzten Zeit und stellten, wieder einmal fest, dass wir uns nie sehen, obwohl wir nur eine Straße voneinander getrennt wohnen.

Das Wetter ist mild, obwohl es immer noch grau ist. Wenn ich nicht gerade so müde wäre, würde ich einen Spaziergang machen, aber das kann ich auch auf später verschieben. Ich werde mich jetzt um die Aufgaben für den Schreibkurs heute Abend kümmern und nebenbei eine Dosis Romantik atmen. Persuasion von Jane Austen, mit Rupert Penry-Jones. Es lohnt sich.

13 Uhr 14. Leider ist der Film vorbei und ich muss in die Realität zurückkehren. Hatte einen Anruf von Katja, wegen heute Abend. Es könnte sein, sie kommt etwas später zum Schreibkurs, weil ihre Schwester im Krankenhaus liegt, sie bekommt ein Baby. Fee ist auch wieder zurück. Als sie sah, dass ich Persuasion schaue, hat sie mich geärgert, weil ich das sooft gucke. Macht nichts. Ich liebe den Film trotzdem. Außerdem habe ich im „kleinen Autorenworkshop“ die Aufgaben für heute Abend gefunden. Dabei bin ich auf einige Texte von mir gestoßen, die ich zu Übungszwecken geschrieben habe. Die werde ich mir gleich noch mal durchlesen. Das Mittagessen ist gleich fertig. Gebratene Spagetti mit Schinken und Ei.

14 Uhr 16. Inspiriert von Jane Austen einen Text geschrieben. Romantik pur. Wie sooft in letzter Zeit. Ich würde es ändern, aber ich kann nicht. Es kommt kaum etwas anderes heraus. Es ist wie mit Süßigkeiten. Mir fehlt wohl im Moment die Süßigkeit des Lebens und deswegen schreibe ich mir das Leben schön.

14 Uhr 38. „Wenn es nur eine einzige Wahrheit gäbe, könnte man nicht hundert Bilder über dasselbe Thema malen.“ Pablo Picasso. Das ist Fees Hausaufgabe. Sie soll ein Gedicht dazu schreiben und wir diskutieren, wie sie das am besten tun kann. Das ist nicht so einfach. Ich bin dafür alle Assoziationen dazu aufzuschreiben und dann zu sehen, welche sich dafür eignen. Ich schreibe auch Gedichte, aber auf Kommando fällt mir das schwer. Meistens klappt das nur, wenn ich mich gerade in einer bestimmten Stimmung befinde. Allerdings habe ich im Internet noch ein interessantes Zitat von Picasso gefunden, dass mir sehr gut gefällt und meinem Gefühl entspricht: „Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele.“ Ohne mein Schreiben wäre ich längst unter dem Staub des Alltags erstickt.

„Wenn Männer wüssten, was Frauen denken, wären sie tausendmal kühner.“ Picasso. Da ist was Wahres dran. Wie viele Küsse hätte ich bekommen, wenn die Männer, denen ich begegnet wäre, meine Gedanken geahnt hätten?!

15 Uhr 03. Ich räume meinen Schreibtisch auf. Heute Abend ist Schreibkurs bei mir zu Hause und ich hab keine Lust nachher in Hektik zu verfallen. Aber ich freu mich schon und bin gespannt auf unsere Texte.

15 Uhr 23. Wurde durch ein Gespräch mit meiner Kollegin abgelenkt. Es gab einige arbeitstechnische Sachen zu besprechen. Das ist fast jeden Freitag so und ich habe nebenbei Blumen gegossen, dem schnurlosen Telefon sei Dank! Allerdings muss ich jetzt das Aufräumen nachholen. Nebenbei läuft VOX: Shopping Queen. Die Blondine, die alle anderen unter ihrem Niveau findet, nervt mich gewaltig, aber Fee findet die Sendung gut.

Das Wetter hat inzwischen aufgeklart und ich kann einige blaue Stellen zwischen den Wolken entdecken. Endlich! Wenigstens einmal am Tag etwas Sonne.

17 Uhr 28. Nachdem ich Isa Mittagessen gemacht habe, sie kam erst kurz vor 16 Uhr aus der Schule, und Jörg zu Hause war, ging ich in den Kurpark. Der Radiomoderator von heute Morgen hat nicht übertrieben, es waren bestimmt 10 bis 12 Grad. Angenehm. Ich machte bei der Eisdiele halt. Eine Kugel Eis, 90 Cent. Heftig. Ich liebe Eis, aber die Preise ärgern mich.

Auf dem Heimweg kam ich an einem Mann vorbei, der ganz lässig auf einer Parkbank saß und mich interessiert betrachtete. Ich lächelte ihn an und sagte „Hallo“. Er erwiderte mein Lächeln und grüßte zurück. Ein kleiner Flirt am Rande tut ganz gut, dass macht einen gleich zehn Zentimeter größer.

Zu Hause lief der Fernseher immer noch. Ich überlege ihn zu sprengen und alle anderen TV-Geräte gleich mit. Die große Fernsehverschwörung. Es wäre schade, wenn ich meine „Schmalzfilme“ nicht mehr sehen könnte, aber dieses Schrott-TV regt mich auf. Am liebsten würde ich sofort zurück in den Park gehen.

17 Uhr 42. Übrigens, das Baby von Victoria von Schweden heißt: Estelle Silvia Ewa Mary und trägt den Titel: Herzogin von Östergötland.

19 Uhr 10. Ich habe noch herumgelungert und mir eine Scheibe Käsebrot gemacht, bevor der Kurs anfing. Peter, Lisa und Katja sind gekommen. Es dauert immer ein bisschen, bis wir alle einmal durchgeatmet haben und zum Schreiben bereit sind. Das ist der Alltag, der einem durch den Kopf schwirrt und nicht immer gleich verschwinden will, nur weil einer sagt, schreib jetzt.

Die erste Aufgabe heute: Ein Dieb dringt in ein Zimmer ein, in dem jemand schläft …, dabei soll kein Satz mehr als 7 Wörter haben. Die Texte waren richtig gut, alle mit einem humoristischen Einschlag. Um die Sieben-Wörter-Anforderung zu erreichen, mussten wir sehr konzentriert arbeiten und es war ausnahmsweise sehr still in der Runde. Man muss schon sehr genau überlegen, was man ausdrücken möchte, wenn die Sätze so kurz sein sollen.

Danach haben wir mit einem Glas Sekt angestoßen, weil meine Katja zum zweiten Mal Tante geworden ist. Danach arbeiteten wir an den Texten vom letzten Mal. Ein Rundenroman. Der Sekt hat unsere gute Laune noch einmal etwas angehoben und unsere Texte wurden von unserem gelösten Zustand beeinflusst. Ich bin stolz auf unsere Schreibgruppe. Auf die Gemeinschaft, die Texte, unsere Zusammenarbeit und die gute Stimmung. Auch wenn ich manchmal müde oder frustriert wegen einer alltäglichen Sache bin, wenn wir alle am Tisch sitzen und unsere Laptops ausgepackt haben, jeder schreibt und einen tollen Text verfasst, zu dem es sonst nie gekommen wäre, macht mich das sehr zufrieden.

22 Uhr 05. Der Schreibkurs ist zu Ende. Lisa ging als Erste, während Katja mir die ersten Seiten ihres neuen Romans vorlas. Dann haben wir an den Windows Notizzetteln herumprobiert, uns die „Männer-die-die-Welt-braucht“ Bilder kurz MDDWB-Bilder angesehene. Katja hat mir die neuen Figuren für ihre Geschichte gezeigt. Peter unterhielt sich mit Jörg über Filme. Die Zeit geht so schnell vorbei, wenn man mit Freunden zusammensitzt und redet.

23 Uhr 46. Zeit ins Bett zu gehen. Morgen ist ein langer Tag. Fahrsicherheitstraining. Ich will da nicht hin, aber ich muss, von der Firma aus, dabei würde ich viel lieber schreiben. In Ruhe. Alleine. Nur ein paar Stunden. Das konnte ich die ganze Woche noch nicht. Das werde ich mir wohl für Sonntag aufheben müssen.

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Wünschelrute

Schläft ein Lied in allen Dingen,
Die da träumen fort und fort,
Und die Welt hebt an zu singen,
Triffst du nur das Zauberwort.

                                             Josef von Eichendorff

Aus diesem Gedicht habe ich pro Zeile zwei Worte geborgt und eine neues Gedicht geschrieben:

„Heute singe ich ein Lied

Sanft zu träumen mich weit fort

Und zu sehen die Welt mit anderen Augen

Liebe ist das Zauberwort“

Das ist eine Schreibanregung aus dem Surrealismus. Probiert es doch auch einmal aus.

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Nicht weit von hier, höchstens fünf Minuten, liegt der große Kurparksee. Dort gibt es zwei Cafés. Das Schweizer Hüsli und die Teichhausterrassen. Beide sehr idyllisch gelegen. Das Schweizer Hüsli liegt unter riesigen Bäumen und die Teichhausterrassen liegen direkt am See neben dem Bootsverleih. Das Ganze hat etwas Italienisches. Die Bäume, unter denen die kleinen Tische stehen, der Ausschankraum, der in einem Gewölbekeller liegt, über dem sich in einem altrosa Farbton ein älteres Haus mit einer großen Terrasse erhebt. Es sieht aus wie ein altes Weingut.

Wenn ich in die Stadt gehen möchte oder zur Arbeit, kann ich durch den Park gehen. Es ist mein liebster Weg. Manchmal schiebe ich mein Rad, nur um durch den Park zu gehen.

Im Park gibt es viele verschiedene Wasservögel und Kleintiere. Besonders die Eichhörnchen sind putzig. Jedes Jahr brüten mindestens zwei Gänsepaare Junge aus. Noch nie habe ich so viele verschiedene Vögel auf einem „Platz“ gesehen.

Der Kurpark erstreckt sich fast durch den gesamten Ort und läuft in die Usaauen aus. Usa heißt der kleine Fluss, der durch Bad Nauheim läuft und vom Taunus her, aus der Nähe von Neu-Anspach, kommt. Sie fließt relativ natürlich, ohne allzu viele Eingriffe von außen, durch den Ort. In ihrem Wasser schwimmen viele Forellen und der Fischreiher nutzt sie als Nahrungsquelle.

In unserem Park stehen viele alte, dicke Bäume, verschiedenste Blumen und Büsche. An einer Stelle gibt es einen kleinen Wasserfall, der in einen Minisee mit Insel fließt und von dort in die Usa führt. Darüber führt eine alte Brücke aus Naturstein. Es hat etwas Märchenhaftes. Besonders an den Tagen, an denen über dem stillen See eine fast durchsichtige Schicht aus Wasserdampf schwebt.

Die Stadt Bad Nauheim hatte anlässlich der Landesgartenschau einen Planetenwanderweg anlegen lassen. Jetzt führt eine gedachte Trasse durch die Stadt. Von der Sternwarte auf dem Johannesberg aus, durch den nördlichen Kurpark, über den Bahnhof bis in den Goldsteinpark. Die Planeten sind von dem Künstler Rainer Landgraf hergestellt worden. Die Reihenfolge der Skulpturen entspricht der wirklichen und hat einen Maßstab von eins zu 2,8 Milliarden. Außerdem thematisieren die Skulpturen den mythologischen Hintergrund der einzelnen Himmelkörper.

Mir gefällt der Planetenweg und seine Verbindung zu den alten Mythen. Leider schien das Ganze nur Beachtung während der Landesgartenschau zu genießen. Inzwischen ist es im Park wieder sehr ruhig geworden, bis auf die Sonntagnachmittage, wenn das Wetter schön ist. Das ist mir aber recht, so habe ich mehr davon.

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Der Weg war lang und beschwerlich. Noch vor dem ersten Hahnenschrei hatte ich mich aufgemacht den Berggipfel zu erklimmen. Gestern, bei bester Sicht, war mir das Unterfangen als Leichtigkeit erschienen, aber nun war ich mir nicht mehr sicher. Es herrschte dichter Nebel, der wie ein Krake seine Arme nach mir ausstreckte und mich mit jedem Schritt mehr beschwerte. Ich kämpfte mich Meter für Meter vorwärts. Pascal hatte mir abgeraten, aber ich war es mir schuldig den Berg zu erklimmen und zu beweisen, dass ich mich niemals beugen würde, egal was mir bevorstehen sollte. Immer fester umschlang mich der Nebel, feucht und kalt, spürte ich den Atem des Versagens mir dicht auf dem Fuße. Ich hatte Angst, es könnte mich erreichen und verschlingen.

Als es mich fast ergriffen hatte und mein Herz vor Todesangst erschrak, trat ich plötzlich heraus aus dem Nebel und die Sonne blendete mich, wie Julia ihren Romeo. Ich musste mir die Hand vor Augen halten, um mich langsam an den Glanz und die Klarheit heranzutasten, die vor mir lagen. Mein Herz atmete auf und ich war verzaubert von der Schönheit, die mein Auge erblickte. Es war als hätte ich durch die Wand des Nebels ein anderes Land betreten. Ein Zauberland aus Gipfeln unaussprechlicher Pracht. Wie Edelsteine lagen sie vor mir. Ihre schneebedeckten Spitzen leuchten und schimmerten. Niemals vorher habe ich derart Großartiges gesehen. Während ich hinaufstieg, stieg ich hinab in meine tiefsten Ängste, um hernach die Belohnung der Wiedergeburt zu erlangen.

Dieser Text entstand an Anlehnung des Bildes „Der Wanderer über dem Nebelmeer“ von Caspar David Friedrich.

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Mein Herz ist schwer. Den ganzen Nachmittag bin ich umhergewandert, ohne zu einem Entschluss zu kommen. Nun sehe ich vor mir im Westen die Sonne hinter den Hügeln untergehen. Sie vergeht in den schönsten Farben. Zelebriert ihren Tod mit Glanz und Würde, während die Dämmerung heraufzieht und die samtene Nacht sich ihren Platz am Himmel erobert. Mit ihr die Sterne.

Es ist nur noch ein kleiner Schritt. Die Landschaft in sanftes Sepia getaucht, wird sich erst zu einem kühlen Blau wandeln, bevor sie immer dunkler werdend, nur noch aus sanft umrissenen Formen besteht.  Erst mit dem Erröten von Eos zarten Wangen wird sie wieder zu ihrer wahren Bestimmung zurückkehren.

Todeskampf, Begräbnis, Auferstehung, Leben und Todeskampf. Jeden Tag aufs Neue zeigt uns dieses Wunder der Natur, wie vergänglich wir sind, klein und unbedeutend. Gleichzeitig eine Metapher auf das Leben selbst. Wie dunkel die Nacht auch sein mag, es beginnt immer wieder ein neuer Morgen. Deswegen muss ich meinen Weg gehen, auch wenn mir das Herz bricht. So wandere ich in der Abenddämmerung heimwärts, um meinem Schicksal zu folgen.

Schicksal

Tage wie Tropfen

Gefallen ohne Bedeutung

Gelebt ohne Sinn

Denn du bist nicht hier

 

Tage, die leise vergehen

Schwebende Blätter im Herbst

Verschieden und doch immer gleich

Im Strom der Zeit

Versandet die Erinnerung

 

Das Bild von dir ist so klar, wie damals

Als wir uns zum erste Mal begegneten

Ich sah in deine Augen und wusste

Du bist mein Schicksal

 

Die Zeit heilt viele Wunden

Aber das gebrochene Herz blutet immer noch

Jeder Traum ist erfüllt

Von dir und deiner Zärtlichkeit

 

Du legst deinen Atem in meinen Mund

Und ich beginne zu leben

Leg deine Hand auf mein Herz

Und heile meine Wunden

Denn die Sehnsucht wird nie vergehen

 

Die Texte entstanden nach dem Bild von Caspar David Friedrich, Wanderer über dem Nebelmeer.

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Glas essen. Zerrieben und zermalmtes Glas. Aus dick- und dünnwandigen Gläsern. Grünes, braunes und weißes Glas. Zermahlen zu winzigen Splittern werden sie mir eingetrichtert. Ich sehe, wie er mir dabei zusieht. Seine angsteinflößende Fratze zu einem Lächeln verzogen. Ich winde mich in Schmerzen und will ihn von mir werfen, aber es gelingt mich nicht, bin gefangen in meinem Traum. Er lässt mich nicht entkommen, weidet sich an meiner Angst, meinem Schmerz, der ihn aufbläht, immer stärker werden lässt und neue schreckliche Trugbilder ersinnt. Sie erscheinen so klar, als wären sie Wahrheit und meine Gefühle drohen mich zu überwältigen. Kein Schrei wird hier gehört, kein Laut der diesen Zauber brechen kann, dringt in dies Welt aus Illusionen und Erinnerung, die sich vermischen und mich jede Nacht dem Tode nahe bringen. Eine Qual, der ich entkommen muss und doch nicht kann. Schlafen will ich, einfach schlafen. Bin ausgezehrt und finde keine Ruhe. Mein Geist versinkt bei Nacht in dunklen Schatten, die kein Tageslicht mir mildern kann, denn ist der Tag verglüht, beginnt die neue Nacht mit ihren Schrecken. Wo kann ich müßig sein, mich erfrischen? Wohin ich auch geh, der Nachtmahr findet mich und gönnt mir kein Erbarmen.

 

Morpheus

 

Morpheus

Komm über mich

Hüll mich ein

In deine Nacht

Tröstende Dunkelheit

Leg sie auf meine Träume

Damit kein Alb mich drückt

Mich weckt aus meiner Stille

 

Komm Morpheus

Leg deine kühle Hand

Auf meine Augen

Halt die stürmischen Gedanken an

Damit der Schlaf nicht flieht

 

Komm Morpheus

Küss mein ruheloses Herz

Nie lässt es los

Kommt nicht zur Ruh

Es zehrt mich aus genug bei Tag

Kann nicht die Nacht noch geben

 

Komm Morpheus

Wieg mich sacht

In deinen starken Armen

Finde ich endlich Ruhe

Versüß mir meine Träume

 

Die Texte entstanden nach dem Bild von Johann Heinrich Füssli, der den Romantikern zugerechnet wird.

 

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Strich, Strich, Strich

Fertig und vorbei

Vier Zeilen nur

Für sechs ganze Jahre

 

Es zählt kein Mensch

Es zählt kein Herz

Es geht einzig um Kommerz

 

Schnell verdientes Geld

Der Mensch ist nur noch Wahre

Ohne Rücksicht auf Verluste

Wer sich nicht fügt

Der fliegt

Zerfleddert auf die Straße

 

Der Kraft beraubt

Der Illusionen auch

Musst du das Hoffen wieder lernen

Dir wert sein

Auch wenn es niemand sieht

 

Gerechtigkeit wird viel beschworen

Am Ende zählt die Macht

Justitia ist blind

Hält sich die Ohren zu

Weil sie die Schreie schmerzen

 

Es zählt der Mensch

Es zählt das Herz

Kommerz ist schnell vergänglich

Auch wenn er dir den Bauch stopft

Er nährt die Seele nur mit Steinen

 

Ein Schnitt tief unter deine Haut

Nicht der Erste und der Letzte

Doch was sie tun

Das fällt auf sie zurück

Mieses Karma!

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