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Archive for Juni 2013

Auf dem gelben Ortseingangsschild mit dem wohlklingenden Ortsnamen Rabenau sitzt Abraxas, der Rabenälteste. In der alten Eiche im angrenzenden Feld hat sich der Rest der Rabensippe niedergelassen. Leises Krächzen verrät ihre Aufregung, denn es ist eine außerplanmäßige Zusammenkunft. Es muss etwas sehr Wichtiges geschehen sein, dass Abraxas eine Versammlung einberuft, die so überstürzt stattfindet. Nebelschwaden liegen über den gepflügten, rotbraunen Feldern und verleihen diesem Herbstmorgen einen eigentümlich theatralischen Hintergrund.

„Abraxas, worauf wartest du noch?“, ruft einer der jungen Raben, Maras, „warum hast du uns zur Versammlung gerufen?“

Plötzlich ist es ganz still, alle blicken den alten Raben an und warten gespannt auf eine Antwort. Majestätisch hebt Abraxas den Kopf und blickte mit Herablassung auf den hitzköpfigen Maras. Diese jungen Dummköpfe denken, weil sie stärker sind, haben sie das Recht sich ungebührlich zu benehmen, aber das zeigt nur ihren Unverstand. Abraxas hat schon viele Jahre das Ältestenamt inne. Ihm kann niemand etwas vormachen. Weisheit ist eben eine Sache des Alters und nicht der Jugend.

„Wir sind noch nicht vollzählig,“ erwidert Abraxas.

Er will gerade fortfahren, als ein leises Rauschen in der Stille zu hören ist und mit ein paar eleganten Flügelschlägen landet Jorel neben Abraxas auf dem Ortsschild.

„Du kommst spät,“ höhnt Maras.

„Dafür habe ich meine Gründe,“ erwidert Jorel und blickte Maras kühl an.

Jorel verabscheut Maras wegen seiner Gewaltbereitschaft und seiner Lust Schwächere zu quälen. Er bedauert, dass sich einige der jungen Raben Maras angeschlossen haben und sogar in den eigenen Reihen Unruhe verursachen.

„Und welches ist dein ach so guter Grund?“ Maras versucht Jorel zu provozieren.

Der schweigt, wandte sich Abraxas zu und nickt. Dieser räusperte sich.

„In unserem Gebiet sind in der letzten Zeit merkwürdige Gesänge gehört worden. Hier halten sich mehrere Vögel auf, die hier nichts zu suchen haben. Ich habe Jorel ausgesandt festzustellen, woher die Gesänge kommen. Hört, was er uns zu sagen hat!“

„Na, da bin ich aber gespannt,“ redete Maras erneut dazwischen.

„Der alte Lehrer Schröder hat auf seinem Grundstück mehrere Käfige aufgestellt und züchtet dort Vögel, aus anderen Ländern“, berichtet Jorel, „sie stellen keine Bedrohung für uns da. Der Lehrer füttert sie. Dabei handelt es sich um scheußlich schmeckende Körner.“

„So?“ Maras kann und will den Schnabel nicht halten. „Wen interessiert das? Es sind Fremde. Sie müssen verjagt werden.“

Ein zustimmendes Gekrächze schallt aus der Eiche.

„Wozu? Sie sind keine Bedrohung und außerdem nehmen sie uns kein Futter weg“, meint Jorel ruhig.

„Es war schon immer so in Rabenau! Das ist doch Grund genug. Das ist unser Land und niemand außer uns hat das Recht hier zu wohnen. Das ist Tradition, willst du etwa damit brechen?“, Maras plustert sich auf und seine Anhänger lassen beifälliges Krähen ertönen.

„Nein. Aber immerhin sind sie gefangen und werden uns nicht in die Quere kommen“, stellt Abraxas nachdenklich fest.

„Du bist ein alter Narr!“, Maras wird noch lauter und spreizt drohend die schwarzen Flügel. „Wenn wir diese Fremden dulden, werden bald andere kommen und dann? Wir öffnen dem Verderben Tür und Tor!“

Erneute Zustimmung der Rabensippe, nur wenige enthalten sich der Stimme. Sie bleiben vorsichtig im Hintergrund.

„Wenn wir diesen Fremden etwas tun, öffnen wir dem Verderben Tür und Tor. Die Menschen werden diese Sache nicht auf sich beruhen lassen und uns jagen“, sagt Abraxas ruhig, aber mit fester Stimme.

„Ach hör doch auf! Du bist alt und ängstlich“, Maras lacht höhnisch. „Wer schließt sich mir an und vertreibt die Fremden?“, ruft er der Sippe zu.

Vielstimmiges Krächzen schall über die Felder, und wird durch die Stille des Morgens noch lauter zurückgeworfen.

„Dann lasst uns handeln. Je eher, um so besser!“

Maras erhebt sich in die Lüfte und seine Anhänger folgen ihm.

„Aber Abraxas spricht die Wahrheit,“ krächzt Jorel wütend hinter den Rebellen her. „Bleibt hier und lasst die Fremden in Ruhe.“

Niemand hörte auf ihn. Nur ein paar seiner engsten Freunde sitzen mit ernsten Gesichtern in der alten Eiche.

„Abraxas wir müssen etwas unternehmen!“ bittet Jorel den alten Raben hilflos.

„Was sollen wir tun?“, Abraxas sieht Jorel traurig an, „du weißt, was passieren wird. Maras kennt keine Gnade. Es wir ein Blutbad geben, auf beiden Seiten. Wenn wir eingreifen, wird es uns wie den Fremden gehen. Entweder sterben wir durch Maras Hand oder von den Kugeln der Menschen.“

Jorel tritt unruhig von einer Kralle auf die andere.

„Ich kann nicht glauben, dass dies der einzige Weg ist.“ Jorel breitet seine Flügel aus und fliegt auf. „Ich werde sehen, ob ich etwas tun kann!“

Mit kräftigen Flügelschlägen verschwindet er im Nebel. Als er sich dem Garten des alten Lehrers Schröder nähert, ist es schon zu spät. Er hört die verzweifelten Schreie der fremden Vögel. Ihre bunten Federn sind blutüberströmt. Viel liegen am Boden, mit verdrehten Hälsen und gebrochenen Flügeln. Die Sonne, die langsam den Nebel verdrängt, blickt auf ein blutiges Schlachtfeld. Jorel sieht, wie Maras sich auf einen der Fremden stürzt und ihm ein Stück Fleisch aus der Seite reißt. Wutentbrannt stürzt Jorel sich auf ihn. Die Wucht des Aufpralls stößt Maras von seinem Opfer.

„Mörder!“, krächzte Jorel, „Mörder!“

Maras setzt zum Gegenangriff an, als ein dröhnender Knall ertönt. Maras sinkt leblos ins Gras. Es folgt der nächste Knall, darauf der Nächste. Der Rabensippe fliegen die Kugeln gnadenlos um die Ohren. Viele werden verletzt oder getötet. Jorel kann sich nur um Haaresbreite in Sicherheit bringen. Er flüchtet zu der alten Eiche und ruft schon im Anflug:

„Wir müssen fliehen. Schnell! Ich konnte gerade noch entkommen. Maras ist tot und viele andere mit ihm. Wenn wir uns nicht beeilen, sind bald die Jäger da und werden keine Gnade für uns überhaben.“

Die wenigen Raben, die zurückgeblieben sind, erheben sich hastig in die friedliche Herbstluft und folgen Jorel dicht über die dunklen Tannen des nahen Waldes. Abraxas schüttelt traurig den Kopf. Diese dummen, überheblichen Raben. Hätten sie doch auf ihn gehört. Nun ist es zu spät. Sie bezahlten ihren Hochmut mit dem Leben. Jetzt müssen sie alle ihren Ort Rabenau verlassen, an dem sie solange gelebt haben. Es gibt kein zurück.       

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Anmutig streckte Frau von Trauerweide ihre zart ergrünten Zweige dem im Sonnenlicht glitzernden Wasser entgegen und lauschte den leise gemurmelten Geschichten, die Herr Bach auf seinem stetigen Weg erzählte. Wenn die leichte Frühlingsbrise durch ihre Blätter säuselte, berichtete Frau von Trauerweide ihrerseits Herrn Bach die neusten Geschehnisse, die sich im Park zu getragen hatten, um sie ihrer Nichte, die weiter unten am Waldrand wuchs anzuvertrauen. Es gab immer etwas Neues. Familie Eichelhäher war umgezogen, in dem verwunschenen Garten der Herzogvilla, beste Wohnlage, und Familie Eichhörnchen erwartete Nachwuchs.

In diesem Frühling allerdings gab es etwas ganz Besonderes weiter zutragen. Ihre Nichte würde staunen. Mit einem sehnsuchtsvollen Seufzen teilte Frau von Trauerweide ihrem Herold die aufregende Nachricht mit. Herr Knorkeiche hatte sich endlich, endlich zu ihr gewendet und das Wort an sie gerichtet.

Wie viele Jahre hatte sie darauf gewartet. Schon als gertenschlankes Weidenstämmchen hatte sie einen leidenschaftlichen Blick auf die schneidige Eiche geworfen, die nur einige Schritte entfernt ihre Äste imposant in den Himmel streckte.

Die Jahre vergingen, aus ihrem Stämmchen wurde ein Stamm und auch Herr Knorkeiche nahm an Umfang zu. In den letzten Jahren war ihre Hoffnung, dass er sie bemerken würde, immer mehr geschwunden. Aber in jedem Frühling, wenn das Leben neu erwachte und Blumendüfte die laue Parkluft erfüllten, schlug auch Frau von Trauerweides Herz ein wenig schneller. Herr Bach lauschte ihrer Berichterstattung aufmerksam, gab nur dann und wann ein zustimmendes Gurgeln von sich.

„Bitte, mein lieber Bach, sagen sie meiner Nichte, dass er mich wegen meiner üppigen Äste ansprach. Mit nur einem ganz kleinen Knarzen, ja einem fast schon zärtlichen Knarren, bat er mich, sie in eine andere Richtung zu strecken, damit sein Stamm stärker von der Sonne beschienen werden könne.“

Gleichzeitig ging ein Zittern und Beben durch Frau Trauerweides empfindsames Geäst, dass diese unerwartete Aufregung hervor rief.

„Versprechen sie mir lieber Bach, vergessen sie keines meiner Worte“, wisperte Frau von Trauerweide.

„Wie könnte ich, wie könnte ich“, säuselte Herr Bach.

Er beeilte sich den Weg zum Waldesrand hinab zu fließen, um alles getreulich zu berichten. Frau von Trauerweide schaut derweil mit sehnsüchtigem Verlangen zu Herrn Knorkeiche.

„Ach, würde er mich doch bald wieder ansprechen … und nicht noch einmal so viele Jahre verstreichen lassen“, dachte sie und seufzte aus tiefstem Herzen.

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Es war der glücklichste Augenblick meines Lebens, und ich wusste es nicht einmal … (Orhan Pamuk) 

… ich denke, ich wusste, dass es die glücklichsten Augenblicke meines Lebens waren. Auch wenn damals noch nicht klar war, dass sich alles so rasant verändern würde. Es waren zwei der schönsten Wochen, die ich mit den Mädchen verbrachte. In dem kleinen Haus in Holland, mit der großen Wiese hinter dem Haus, auf der eine Herde Schafe graste. Der Hof lag einer langen Allee aus Weiden. Ich erinnere mich in allen Einzelheiten an das Haus, an unsere kreativen Stunden und das Buch – die fernen Königreiche – das wir fast zweimal gelesen haben. Es ist als wäre es gestern gewesen und dabei ist es beinahe zehn Jahre her.

Ich erinnere mich an viele Dinge, die wir in unseren Zeelandurlauben erlebten. An das Malerfachgeschäft, mit den vielen Büchern über Malerei. Ich könnte sofort einen Grundriss zeichnen, als wäre ich vor einer halben Stunde dort gewesen. Den Spaß, den wir in dem Spielwarengeschäft hatten, in der man sich eine ganze Tüte mit Spielzeug zusammenstellen konnte und dafür nur 10 Euro bezahlen brauchte, egal wie teuer das Spielzeug war.

Und dann ist da noch „Simply Red“ und „Stars“. Das war in dem Urlaub davor, als ich vergaß das Licht am Auto auszuschalten und „Johann“ (den Namen gaben die Kinder ihm) uns Starthilfe gab. Leider funktionierte das Radio nicht mehr, da es mit einer Pinnummer vor Diebstahl geschützt war und ich sie nicht wusste, um es neu zu starten. Hanna hat dann auf der Rückfahrt aus einem Buch vorgelesen. In diesem Urlaub verlor Isa einen Gummistiefel im Watt, er blieb einfach stecken und wir hörten „Ein Königreich für ein Lama“ gefühlte 150 Mal. Wir konnten zum Schluss die Texte fehlerfrei mitsprechen. „Ich habe den königlichen Groove versaut.“ 😉

„Simply Red“, unerheblich mit welchem Lied, bringt die Erinnerungen an diese unbeschwerte Zeit zurück und ich wünschte mir, ich könnte sie wiederhaben. Alles noch einmal erleben. Diese kostbaren Erinnerungen noch einmal aufsaugen. Die Gefühle intensiver, bewusster erleben und abspeichern, damit sie so tief in meinem Gedächtnis sind, dass ich sie niemals vergessen werde. Es gibt noch viele glückliche Erinnerungen, die im Nachhinein an Bedeutung gewinnen, weil man sie aus deiner anderen Perspektive sieht. Sie sind vergangen und kehren nie wieder, dadurch erhalten sie in meinem Herzen diesen goldenen nostalgischen Schimmer.  

Es sind Momente aus meiner Kindheit, meiner Jugend, Begegnungen mit besonderen Menschen. Der erste Blick in die Augen meines Sohnes, und das erkennen einer alten Seele. Das sanfte Wesen meiner ältesten Tochter, einem glücklichen Sonntagskind, dass die Herzen im Sturm erobert. Den starken Willen meiner zweiten Tochter, einem Feenwesen mit rotgoldenen Locken und der zugewandte, pfiffige, mitfühlende Charakter meiner Jüngsten.

Ich bedauere, dass viele dieser kostbaren Momente von einem silbrigen Schleier umgeben sind, undeutlich geworden. Eingesponnen in einen Kokon. Manchmal gelingt es, den einen oder anderen zu zerrreißen und die Erinnerung zu beleben. Aber immer deutlicher sehe ich die Tage kommen, an denen es das Einzige ist, was bleibt.

Das ist des Menschen Sinn. Wir bemerken das Glück, dass wir jeden Tag genießen erst, wenn es vorbei ist, selbst wenn es riesengroß vor unseren Augen steht. Es ist leichter gesagt, als getan, das Glück des Augenblicks zu schätzen. Gerade in der heutigen hektischen Zeit, in der alles schnell gehen muss, und am besten schon gestern erledigt worden sein sollte. Mir gelingt es kaum, auch wenn ich es weiß und mir immer wieder sage, dass ich achtsam sein will. Das Schreiben ist eine Hilfe wenigstens einen Teil des Glücks zu bannen, so flüchtig es auch sein mag.

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Menschen sind Engel mit einem Flügel. Damit sie fliegen können, müssen sie sich umarmen. Ich liebe diesen Spruch! Es deutet das viele Wertvolle an, das in uns steckt, zeigt uns aber auch auf, dass wir nicht überheblich sein sollten. Denn um fliegen zu können, brauchen wir immer ein Gegenstück, das uns umarmt. Sonst können wir uns nicht vom Boden erheben.

In uns steckt die Schwere des Erdbodens und die Leichtigkeit des Himmels. Heute in der Morgendämmerung geschah etwas Außergewöhnliches. Ich sah einen Engel mit zwei Flügeln. Er war rotbraun wie die Erde, aber in seinen Augen und in seinen Flügeln sah ich das Blau des Himmels. Er trug alle Farben des Regenbogens in sich, seine Flügel weit geöffnet. Mit einer liebevollen Geste streckte er mir die Hände entgegen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich träumte oder wachte, aber ich konnte deutlich sein Gesicht sehen. Er trug deine Züge. Dein Lächeln, deine Augen, deinen Mund.

Du sagtest kein Wort. Sprachst nur mit deinen Augen. Du legtest deine Flügel um mich. Warm und festhieltest du mich und ich wusste, mir kann nichts passieren. Denn was auch geschieht, du bist in meiner Nähe. Ob ich dich sehe oder nicht. Die Sonne begann mein Zimmer zu erleuchten und langsam löstest du dich im hellen Licht auf. Deine Flügel schlugen lautlos und sacht. Da sah ich, dass du zwar zwei Flügel hattest, aber dass dir ein Fuß fehlte. Ich wollte dich fragen, wieso? Aber da wusste ich es schon. Auch du musst mit einem Mangel leben, um nicht überheblich zu werden. So wie du mich mit deinen Flügeln auffängst, wenn ich falle, oder mich fliegen lässt, wenn ich mich selbst nicht erheben kann, so helfe ich dir zu stehen, wenn dir einmal die Kraft deiner Flügel versagt.

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Y.: Kennst du eigentlich die Frau mit den drei Mädchenvon gegenüber?

X.: Ja, vom Sehen. Wieso?

Y.: Die sind nicht von hier, nur zugezogen. Ich glaub,die ziehen bald wieder weg.

X.: Kann sein, ich hab gesehen, wie der Mann, der amWochenende immer kommt, Umzugskartons mitgebrachthat.

Y.: Ist also immer noch der Gleiche?

X.: Bis jetzt ja, aber ne ganze Weile standen da immerverschiedene Autos vor der Tür.

Y.: Scheint ein Flittchen zu sein.

X.: Keine Ahnung, aber der M., wegen dem siehergezogen ist, der erzählt da so gewisse Geschichtenüber sie.

Y.: So, was denn?

X.: Die hatte schon einen Neuen, da war er noch nichtausgezogen.

Y.: Das ist ja ein Ding.

X.: Und Geld schuldet sie ihm auch noch.

Y.: Einmal hab ich gesehen, da ist sie einfach zu einen Mann mit fremden Kennzeichen ins Auto gestiegen.

X.: Die hat es wirklich nötig, drei Kinder und dann sowas.

Y.: Das ist ja noch gar nichts. Du kennst doch FrauMüller aus der Faulhaberstrasse?

X.: Ja, klar.

Y.: Neulich saßen wir beim Friseur, da hat sie mirerzählt, dass bei ihr im Haus auch so eine Zugezogenewohnt, die treibt es noch viel schlimmer.

X.: Echt?

Y.: In der einen Nacht brachte sie ein Mann mit nachHause, wohl der Exmann. Den hat sie im Streitrausgeworfen. Eine Stunde später stand ein neuer Kerl vor der Tür.

X.: Unglaublich…

Y.: Manchmal haben sich da in der Woche drei verschiedeneMänner die Klinke in die Hand gegeben. Und immer dasKind dabei…

X.: Das kann ja nicht gut sein…

Y.: Meine Rede. Neulich bei der Kerb hab ich gesehen, dasssie die Musiker angesprochen hat und einen davon hat sie mit nach Hause genommen.

X.: Die Leute haben überhaupt kein Schamgefühl mehr…

Y.: Ich könnte dir Sachen erzählen…. Oh, da, da kommt  die Schlampe. Ich muss jetzt los….  – Hallo Frau Z.schön sie zu sehen…

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„Mama, Jörg will nicht aufhören zu rauchen!“  (Isa)

„Nur wenn du anfängst Gemüse zu essen.“  (Jörg)

„Na gut.“ (Isa)

„Ok, das ist ein Deal.“ (Ich)

„Ich hör aber trotzdem nicht auf.“ (Jörg)

„Siehste, da gehen wir beide den Bach runter.“ (Isa)

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Das Schlimmste, das einem Schriftsteller passieren kann: nicht schreiben zu können. Nicht aus Mangel an Einfällen oder aus Unlust. Das ist es nicht. Nein es ist das Leben, das mich hinderte. Qualvoll 1000 Worte im Kopf zu haben und nicht in Sätze fassen zu können, weil ich mich in meinen Gedankenlabyrinthen verlaufen habe. Mir meiner Unzulänglichkeit bewusst zu sein, mich für nutzlos zu halten.

Ein Künstler ist sich nur zu oft seiner Schwächen bewusst. Im Zustand der Untätigkeit um so mehr. Zu schreiben ist der Himmel, auf Wolken gehen, mit den Vögeln zu fliegen, in die Tiefen der Ozeane zu tauchen.

Schreiben ist lieben. Lieben wie im Rausch des ersten Verliebtseins. Immer wieder lieben. Jede Zeile Liebe, wie beim ersten Mal. Wortemelodien weben, auf Wortteppichen gehen. Lieben.

Tausendmal verliebt sein, wer kann das schon von sich sagen? Ich liebe immer wieder. Ein Paar schöne Augen, ein Lächeln, eine Stimme, die mich betört, Hände mit schönen Fingern, ein Mund, der alles verspricht. Eine Blüte, Blau, Wogen, eine Perle, der Wind, Regentropfen, der Geruch von Erde, frischem Gras, eine Melodie, die sich in dem einen magischen Moment mit meinen Gefühlen verbindet. Es gab eine Geschichte, bei deren Schreibprozess ich nur eine Band hörte. Beinahe vier Wochen lang.

Ich muss lieben, ob glücklich oder unglücklich spielt keine Rolle. Die Musen fragen nicht danach, was ich will. Sie geben und ich muss nehmen. Auch unglückliche Liebe ist Liebe. Die Musen geben dir einen Wink und du wirst aus Tränen Gold spinnen, wenn sie es bestimmen. Ich muss mich nur verlieben und wie von Zauberhand öffnen sich die Schleusen und schütten Worte aus. Segen oder Fluch. Ich frage mich nicht mehr. Es hat lange genug gedauert, es zu akzeptieren. Solange der Fluss nicht unterbrochen wird, ist alles andere unwichtig.

Ich mache mir kein schlechtes Gewissen mehr, wenn ich verliebt bin und meine Musen küsse. Mein Herz schlägt zum Zerspringen. Ich spüre keinen Hunger, keine Zeit, keine Müdigkeit. Aus meinem alles verschlingenden Rausch tauche ich erst wieder auf, wenn das letzte Wort geschrieben ist. Dann erfahre ich das schrecklichste Gefühl der Welt: verlassen zu werden.

Sie verlässt mich. Meine große Liebe geht und das Furchtbare ist, ich bin schuld daran. Ich kann es nicht aufhalten. Ich schreibe und schreibe. Wort für Wort, Blatt für Blatt. Ich liebe mit allem, was ich bin. Meinem Geist, meinem Körper und meiner Seele. Bis zu dem letzten Punkt. An dem mir das Herz bricht. Auf jede große Liebe folgt großes Leid. Immer wieder. Daran kann man sich nicht gewöhnen. Ich habe schon überlegt, mich nicht mehr zu verlieben, aber wer kann sich nicht verlieben? Ich kann mich nicht, nicht verlieben. Es passiert und ich tu`s. Ohne nach den Konsequenzen zu fragen.

Was würde ein Therapeut dazu sagen? Lasst mich überlegen:  – „Wie geht es ihnen damit?“ – „Super!“ – „Wie fühlen sie sich?“ – „Wie die Königin der Welt.“ – „Wie wollen sie damit umgehen?“ – „Ehrlich gesagt: gar nicht.“

Gut, ich leide mit meinen Figuren bis zum Herzzerbrechen, aber ich tanze auch mit ihnen. Ich leide, wenn die Geschichte zu Ende ist, aber ich weiß, Liebe ist unerschöpflich. Ich trauere und verliebe mich wieder, und wieder. Am liebsten bis in alle Ewigkeit. Aber die ist auch uns Schriftstellern nicht beschieden, bei aller Liebe. Bis auf das klitzekleine Bisschen, das in unserer Kunst überlebt. Jedes Wort, das gelesen, jedes Bild, das gesehen, jedes Lied, das gehört wird, bedeutet Liebe und ein kleines Stück Unsterblichkeit.

Wer sich den Musen hingibt, weiß was für ein Wahnsinnsgefühl das ist. Es macht süchtig! Einmal angefangen kann man nicht mehr aufhören. Keine Droge versetzt dich in so abgehobene Gefilde, wie die Kunst – bis auf die Liebe. Liebe füllt alles – Herz, Körper, Verstand.

Und endlich !!! bin ich wieder verliebt. Verliebt in dieses besondere Lächeln, den besonderen Blick, den frühen Morgen, die Stille der Nacht, die Sehnsucht, in die Freude, den Sturm, den heimlichen Kuss. Endlich wieder verliebt in das Schreiben.

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