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Archive for Juli 2013

„Die Hitze der letzten Tage trieb die Reifung des Korns voran. Die goldenen Felder standen hoch in der Ähre, hier und da von einigen rot glühenden Mohnblüten und lilafarbenen Kornblumen betupft. Der Mond schwamm riesig und orange in der leuchtenden Gischt einer Federwolke über den Äckern. Die Schwalben durchbrachen in halsbrecherischem Tempo die heraufziehende Dämmerung, gefolgt von den Schatten der Fledermäuse, die mit der Dunkelheit ihre Verstecke verließen. Es roch nach einem sommerlichen Cocktail aus gemähtem Gras, reifem Korn und dem intensiven Duft der vertrocknenden Rosen, deren zerknitterte Blüten von den Büschen herabhingen und meine Sinne betörten. Mit dem Fortschreiten der blauen Stunde stieg eine angenehme Kühle aus der Flussaue auf und verschaffte unseren sonnenerhitzten erschöpften Körpern Linderung.“ 

Ich ließ den Stift sinken und kehrte in die Wirklichkeit zurück. Wir saßen auf der Terrasse von Sannis Eltern. Die ganze Clique hatte sich eingefunden. Wir tranken Wein, einige rauchten und alle redeten durcheinander, lachten und die Jungs machten Sprüche. Es war wie damals, vor fünfzehn Jahren. Ich saß in meiner Ecke und betrachtete den Trubel. Die meisten hatten sich kaum verändert. Sie waren in dem kleinen Dorf am Rande der Heide hängen geblieben. Waren Postbeamte, Bäcker, Krankenschwestern, Verkäuferinnen, Klempner geworden. Hatten geheiratet, Häuser gebaut und Kinder bekommen.

Dagegen war ich nicht mehr die, die ich damals war. Nach dem Schulabschluss war ich fortgegangen, hatte alles Mögliche ausprobiert, an den verschiedensten Orten mein Lager aufgeschlagen, um schließlich bei der Schriftstellerei hängen zubleiben. Da Kunst seine Diener nicht sehr ausreichend ernährt, hielt ich mich mit diversen Nebentätigkeiten über Wasser. Aber das machte mir nichts aus. Im Gegenteil. Die reale Arbeit erdete mich für die Stunden der Einsamkeit vor meinem Computer.

Ich beobachtete meine Freunde und fühlte mich ausgeschlossen. Es war nicht ihre Schuld, sondern meine, aber dieses Gefühl fehl am Platz zu sein, wollte einfach nicht weichen. Ich sah mich als eine Zeitreisende. In den letzten fünfzehn Jahren bewegte ich mich ständig vorwärts, rast- und ruhelos. Die anderen gingen immer dieselben Straßen, sahen dieselben Gesichter und fanden nicht den Mut über ihren Tellerrand hinauszusehen. Ich hätte von meinen Reisen berichten können, von dem was ich erlebt hatte und was ich tat – aber niemand hätte es verstanden. Sogar Sanni, meine liebste beste Freundin, verstand es nicht. Ich hatte versucht davon zu erzählen, aber ich spürte schnell, dass Sanni nicht wirklich zuhörte. So beließ ich es dabei.

Der Einzige, der es verstanden hätte, war Gabriel, Sannis großer Bruder. Zu meinem Leidwesen war er nicht anwesend. Wieso sollte er auch? Er gehörte nicht zu unserer Clique. Und obwohl er von allen Mädchen angeschmachtet wurde, gab es für ihn keinen triftigen Grund sich an den Ort des Vergessens zubemühen. Dort wo er jetzt war, vermutlich am anderen Ende der Welt, wurde er mit Sicherheit ebenso angehimmelt. Ich musste unwillkürlich an seine dunklen geheimnisvollen Augen denken. An diesen besonderen Abend, den ich nie vergessen konnte.

             Es war eine dieser wilden „unsere-Eltern-sind-nicht-zu-hause-Partys“ kurz vor unserem Schulabschluss. Die meisten hatten dem Alkohol zugesprochen, nicht zu knapp. Nur ich war noch halbwegs nüchtern, dabei in der Küche Ordnung zu schaffen, als die Tür aufging und Gabriel erschien. Ja, es war eine Erscheinung. Gabriel war knapp eins-neunzig groß, trug figurbetonte Jeans, ein weißes Hemd bis zu Mitte seiner muskulösen Brust aufgeknöpft. Um seinen Hals hing ein Lederband mit einem keltischen Zeichen. Sein dunkles Haar kräuselte sich eigenwillig um sein männliches Gesicht und der Anflug eines Dreitagebartes ließ ihn verwegen aussehen. Gegen ihn, den Erwachsenen, waren meine Klassenkameraden Milchbubis. Es kostete mich alle Mühe ihn nicht zu offensichtlich anzustarren. Gabriel ging zum Kühlschrank, nahm sich eine Cola und fragte:

„Lea was machst du da?“

„Ordnung“, erwiderte ich lahm.

Gabriel lachte und zeigte eine Reihe weißer Zähne.

„Meine Mutter würde das sehr zu schätzen wissen. Aber du hast genug getan“, er deutete mit dem Kopf auf den sauberen Tellerberg, „lass für die anderen auch noch was übrig.“

Gabriel zwinkerte mir zu und ich errötete bis in jede einzelne Haarspitze. Er setzte die Colaflasche an, nahm einen langen tiefen Zug. Ich musste ihn einfach ansehen. In meiner Umgebung gab es keinen wie ihn. Seine Lässigkeit, seine Ungezwungenheit, sein ganzes Auftreten machten ihn unwiderstehlich. Er stellte die Flasche mit einem Klack auf die Arbeitsplatte und ich erschrak. Gabriel grinste.

„Komm ich bring dich nach Hause, damit dich keiner wegfängt.“

Ohne Einspruch folgte ich ihm. Wenn Gabriel etwas wollte, tat man es. Wortlos trottete ich neben meinem Schwarm die Straße hinunter. Was hätte ich ihm schon erzählen können? Neben ihm kam ich mir unscheinbar und nichtssagend vor. An der Brücke bogen wir ab und gingen den schmalen Weg am Fluss entlang. Irgendwo auf dem Uferweg stolperte ich, verlor mein Gleichgewicht und stieß gegen Gabriel. Wir kamen ins Schlingern. Er konnte uns gerade noch abfangen. Seine großen Hände lagen um meine Taille und unsere Körper berührten sich in ganzer Länge. Für einen Moment hielt ich den Atem an. So nah war ich Gabriel noch nie gewesen. Ich fühlte sein Muskelspiel unter meinen Händen, seine Wärme und seinen ganz eigenen Duft, den ich nie wieder vergaß. Das Ganze dauerte nur einige Sekunden. Mir kam es wie eine Ewigkeit vor.

„Besser du nimmst meine Hand. Nicht dass du mir noch in den Fluss fällst“, sagte Gabriel leichthin.

Hand in Hand gingen wir nach Hause. Ganz fest hielt er mich. Ich wünschte mir es sollte niemals enden. Leider erreichten wir meine Haustür schneller, als mir lieb war.

„Hast du schon mal einen Kuss bekommen“, fragte er.

Sein intensiver Blick und seine warme Samtstimme ließen mein Herz Trommelwirbel schlagen. Verlegen schüttelte ich den Kopf. Sanft legte er seine Hände um mein Gesicht, beugte  sich zu mir herunter und küsste mich. Erst ganz behutsam. Als er spürte, wie hingebungsvoll ich an seinen Lippen hing, wurden seine Küsse immer sinnlicher. Die Gefühle, die in einem wilden Galopp durch meinen Körper stürmten, waren unbeschreiblich. Als er mich losließ, hatte ich das Gefühl in einen Abgrund zu stürzen. Zärtlich sah er mich an, strich mit den Fingerspitzen über meine Wange.

„Schlaf gut Kleine. Pass auf dich auf.“

Gabriel lächelte, küsste mich auf die Stirn. Dann ging er, ohne sich noch einmal umzudrehen. Am nächsten Tag erfuhr ich, dass er fort war. Es war sein letzter Abend in der alten Heimat gewesen. Als ich kurz darauf selbst den Ort meiner Kindheit verließ, hatte ich ihn nicht wieder gesehen.

Gabriel war der eigentliche der Grund in das Heidedorf zurückzukehren und eine Reise in die Vergangenheit zu unternehmen. In all den Jahren bewahrte ich mir die Hoffnung auf eine zweite Chance und ich bedauerte, dass es nicht dazu kam.

Inzwischen war es stockdunkel. Meine Klassenkameraden schienen ihre Jugendtage wiederholen zu wollen und hatten entsprechende Alkoholpegel erreicht. Ich schnappte meine Tasche und schlich mich davon. Der Abend war viel zu schön, um ihn im Alkoholrausch dem Vergessen anheimfallen zu lassen. Der Himmel war sternenklar. Ich blieb stehen und sah hinauf. Es kam mir vor, als hätte ich noch nie so viele Sterne gesehen. Eine Sternschnuppe raste über das Firmament, der feurige Schweif blitzte auf. Ich erreichte die Brücke. Aus dem Fluss stieg leichter Nebel auf. Weiße Feengebilde über dunklem Wasser. Ich bog in den Uferweg ein und dachte an Gabriel. Wo er jetzt wohl sein mochte? Konnte er dieselben Sterne sehen? Hatte er sich verändert oder war er noch derselbe charmante Mann, wie damals? Langsam wanderte ich den Weg entlang, kam an der Stelle vorüber, an der ich in Gabriels Armen gelandet war. Ich musste lächeln. Dieser verrückte Mann. Ich liebte ihn seit dem Tag, als ich ihn das erste Mal sah.

Ich war sechs, in der ersten Klasse und bei meiner Freundin Sanni zum Geburtstag eingeladen. Gabriel war auch da. Ich hatte ebenfalls einen großen Bruder, aber der war ganz anders. Immer ärgerte er mich, nahm mir Sachen weg und trieb irgendwelchen Unfug. Gabriel dagegen war lustig, half beim Luftballon ausblasen und spielte mit uns lauten Gören. Vollends eroberte er mein Herz, als ich beim Spielen von einem Baum fiel und mir den Fuß brach. Ich war neun, Gabriel fünfzehn. Er hob mich hoch, schon damals war er sehr sportlich, trug mich ins Haus, machte mir Kühlpacks und versorgte mich mit Limo. Später besuchte er mich im Krankenhaus und brachte mir ein Plüschtier mit. Ich besaß es immer noch und schleppte es immer mit mir herum.

Vielleicht war das mein Problem. In jedem Mann, den ich kennenlernte, suchte ich Gabriel. Ich suchte diese Unbeschwertheit gepaart mit einer ganz besonderen Aura von Geborgenheit. Ich hatte immer das Gefühl in seiner Nähe könnte mir nichts geschehen und doch übte er einen ungeheuren sinnlichen Reiz auf mich aus. Gabriel war mein Schutzengel gewesen und in gewisser Weise hatte ich ihn nie gehen lassen. Ich hoffte irgendwann, irgendwo würde er mir wieder begegnen.

Inzwischen stand ich vor der Haustür meiner Eltern und kramte den Hausschlüssel aus meiner Tasche.

„Du hast dir Zeit gelassen“, hörte ich eine Stimme hinter mir.

Ich drehte mich um, sah eine Gestalt, die sich aus den Schatten löste und auf mich zu kam.

„Ich warte schon seit einer halben Stunde. Dabei bist du die Abkürzung gegangen.“

„Gabriel!“, zu mehr reichte es nicht.

Ich starrte ihn an. Ein Geist hätte keinen größeren Schock auslösen können.

„Ja“, er grinste, „das ist mein Name. Schön, dass du dich noch erinnerst.“

Ehe ich mich fassen konnte, hatte er mich in seine Arme gezogen, strich mir eine Haarsträhne hinter das Ohr und sagte in einem Ton, der sämtliche Zellen meines Körpers in Aufruhr versetzte:

„Du bist immer noch genauso süß, wie damals und jetzt bist du endlich alt genug, damit mich keiner mehr in den Knast bringt, wenn ich dich gleich verführe.“

Ich hätte auch etwas in der Art sagen können. Etwa: wow siehst du gut aus, du bist heiß, ich will dich, lass uns Sex haben. Gabriel ließ es nicht dazu kommen. Er zog mit einer Hand sanft meinen Kopf nach hinten, beugte sich zu mir herunter und küsste mich waffenscheinpflichtig. Damals hatte er mich schon aufreizend geküsst, dachte ich, aber das war nichts gegen das, was er nun tat. Ich war kein Kind von Traurigkeit gewesen, aber Gabriels Küsse zogen mir den Boden unter den Füßen weg. Als er den Kopf hob, war ich völlig atemlos.

„Gabriel“, keuchte ich, „was tust du?“

„Das, was ich längst hätte tun sollen! Dich suchen, dich finden und nie wieder loslassen.“

Unfassbar. Hatte er das wirklich gesagt.

„Das ist ein Traum“, stammelte ich, „du bist eine Fata Morgana.“

Er lachte dieses tiefe melodische Lachen und zeigte seine strahlend weißen Zähne.

„Ich glaube kaum, dass eine Fata Morgana dies tun würde.“

Gabriel küsste mich erneut. Als er von mir abließ, war ich so erregt, dass alle Fragen egal waren. Ich wollte ihn. Mehr nicht. Antworten konnte er mir später geben, falls sie dann noch wichtig waren. Ich vermutete, er sah es in meinen Augen. Jedenfalls nahm er mir den Schlüssel aus der Hand, schloss auf und zog mich ins Haus. Ich war heilfroh, dass meine Eltern weit fort im Urlaub weilten.

„Wohnst du immer noch unter dem Dach“, fragte Gabriel.

„Ja“, hauchte ich.

„Bereit zu tun, was wir vor fünfzehn Jahren angefangen haben?“, ich hörte das Schmunzeln in seiner Stimme.

„Weißt du nicht, dass ich seit damals darauf warte?“

„Wenn du so fühlst wie ich, ja.“

Gabriel presste mich fest an sich. Da war er dieser unverwechselbare Geruch. Unter seinem Hemd fühlte ich seinen immer noch trainierten Körper. Seine Hände schoben sich sacht unter mein Shirt. Zentimeter für Zentimeter. Und genauso zog sich Stück für Stück eine Gänsehaut über meinen Rücken. Als sie meinen Nacken erreichte, lief ein Zittern durch meinen Körper. Gabriel lachte leise an meinem Ohr. Ich legte meinen Kopf in den Nacken und er küsste meinen Hals. Mein Stöhnen kam direkt aus meinem Bauch. Immer weiter glitten seine weichen Lippen an meinem Hals hinauf. Meine Finger krallten sich in sein Hemd.

„Oh, mein Gott“, seufzte er, „du riechst so gut. Ich könnte dich unter Tausenden finden.“

Gabriel hauchte winzige Küsse auf meine Wangen, meine Stirn, Nase, bis er meinen Mund wieder in Besitz nahm. Ja, in Besitz. Ich konnte ihm nichts entgegensetzen. Zulange wartete ich darauf. Immer wieder stellte ich es mir vor, aber in Wirklichkeit war es viel größer, heißer und wilder.

„Wenn wir nicht sofort hinaufgehen, werde ich dir hier im Flur die Kleider vom Leib reißen“, murmelte Gabriel an meinem Mund.

„Dann tu es doch.“

Gabriel lachte.

„Eines Tages tun ich das, aber nicht im Haus deiner Eltern.“

Er nahm meine Hand und führte mich die Treppe hinauf in mein Mädchenzimmer. Als Gabriel die Tür öffnete, sagte ich peinlich berührt:

„Schau nicht hin, hier hat sich seit fünfzehn Jahren nichts geändert.“

Gabriel sah sich um. Betrachtete die Figuren-Sammlung im Regal und die Zeichnungen an der Wand.

„Ist doch hübsch. So hatte ich es mir vorgestellt. Gibt es auch ein Bild von mir?“, fragte er, als er die Porträts meiner Familie sah.

Ich öffnete eine Schublade, nahm eine Mappe heraus und reichte sie ihm. Gabriel löste das Gummiband und klappte den Deckel nach hinten. Die Mappe war voll mit Bildern von ihm. Kommentarlos betrachtete er die Zeichnungen. Als er fertig war, sah er mich mit einem Blick an, den ich nicht deuten konnte.

„Ich hätte es dir nicht zeigen sollen“, sagte ich leise.

Gabriel antwortete nicht nahm mich in die Arme und drückte mich fest an sich. Ich schloss die Augen und genoss seine Nähe.

„Es tut mir leid, dass wir so viel Zeit verloren haben“, begann er, „ich habe dich schon damals geliebt, aber du warst erst fünfzehn. Dieser letzte Abend“, Gabriel stockte.

„Ja?“

„Es war eine dumme Idee zu denken ich könnte dich küssen, dann einfach gehen und es vergessen.“ Er schwieg einen Moment, bevor er weiter sprach. „Ich habe es nie vergessen. Nicht einen Tag. Es gab Frauen. Auch einige mit denen ich länger zusammen war, aber immer wieder dachte ich an dich. Eigentlich bin ich nur gekommen, um dich zu fragen: gibt es eine zweite Chance für uns?“

Hatte ich mich eben gerade verhört? Fragte mich Gabriel, ob ich mit ihm zusammen sein wollte? Ich sah zu ihm auf. Noch nie hatte ich ihn so angespannt gesehen. Auf seiner Stirn hatten sich Falten gebildet und seine dunklen Augen blickten mich sorgenvoll an. Ich streckte mich, hauchte Küsse auf seine Mundwinkel, bevor ich ihn auf seinen sinnlichen Mund küsste.

„Ist das ein Ja?“, fragte Gabriel mit rauer Stimme.

Ich nickte nur. Konnte nichts sagen. Alles, was ich wollte, war er. Damals und heute. Daran hatte sich nichts geändert. Und dann sagte Gabriel es.

„Ich liebe dich.“

Es kam ihm ganz leicht über die Lippen. Vielleicht weil er geübt hatte oder weil es einfach eine Tatsache war, die ausgesprochen werden musste, um wahr zu sein.

„Ich liebe dich auch.“

Ihm diese Worte zu sagen warf die Last der letzten fünfzehn Jahre von mir. Wir hatten alles offen gelegt, es gab nichts, was wir noch verbergen mussten.

Gabriel lächelte mich zärtlich an, den dunklen geheimnisvollen Blick in seinen Augen. Ich ahnte was passieren würde und doch hatte ich nur ansatzweise eine Vorstellung von dem, was Gabriel mit mir tun würde. Sein leidenschaftlicher inniger Kuss war nicht einmal das Vorspiel des Vorspiels. Gabriel entführte mich in eine berauschende, wilde Nacht voller Lust und Begehren. Nie hätte ich mir träumen lassen, dass Sex so sinnlich und elementar sein könnte. Gabriel beherrschte das Spiel der Erotik und ich war wie ein Schwamm, der alles in sich aufsog. Aber das war nicht alles. Ich wollte mehr und es war einfach mit Gabriel. Wir waren Spieler in unserem eigenen Spiel aus Liebe und Lust. Wenn einer von uns eine neue Richtung ausprobierte, folgte der andere neugierig. Wir waren Seelenverwandte und in dieser Nacht fanden wir, was wir solange vermisst hatten.

Bis heute folgten dieser ersten unglaublichen Nacht unzählige weitere – sogar eine in der er mir die Kleidung im Hausflur vom Leib riss – aber das ist eine andere Geschichte …

 

 

    

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Mein Leben begann mit einem eruptiven Ereignis. Meine Mutter kehrte ihr Inneres nach außen und presste mich auf die Welt. Was ein ohrenbetäubendes Geschrei meinerseits zur Folge hatte. Nach diesem nicht gerade glanzvollen Auftakt, wurde ich der staunenden(ob wohlwollend oder nicht, wurde mir bis heute verschwiegen)Verwandtschaft vorgeführt. Das brachte die Ordnung in meiner Familie völlig durcheinander. Mein Vater schlug die Hände vor das Gesicht und bestellte den besten Chirurgen der Klinik. Er fragte ihn ob es möglich wäre mich so zu operieren, dass ich später meinen Lebensunterhalt als Model verdienen könnte. Der Arzt schüttelte nur erschüttert den Kopf und meinte, dass meine Bedürfnisse wichtiger wären, als ein dickes Bankkonto und verschrieb meinem Vater eine große Packung ACE-Pillen, damit er die nächsten 18 Jahre nicht unter Vitaminmangel zu leiden hätte. Ich sah mir die verrückten Erwachsenen an und dachte: „Na, das fängt ja gut an …“

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Aufgabenstellung:

1.

Zusammen mit einem Freund brichst du eines Nachts in ein benachbartes Schwimmbad (Sportverein, Hotel o.ä.) ein, um ein nächtliches Bad zu nehmen. Während du ein wenig herumplanschst, bekommst du fast einen Herzinfarkt, als eine Leiche neben dir auftaucht. Noch schlimmer: es ist jemand, den du kennst. Schreibe diese Szene (500 Wörter oder weniger).

2.

Eine Woche, nachdem du bei der Beerdigung eines engen Freundes warst, findest du eine Postkarte in deinem Briefkasten mit dem Text: Ich bin nicht tot. Wir treffen uns heute Nacht in Guidos Pizzeria. Zu niemandem ein Wort. (750 Wörter oder weniger)

3. 

Und eine denkwürdige Eigenschaft, die der Freund eines Tages an sich entdeckt hat …

Aus diesen drei Zutaten entstand folgende Geschichte:

Eine aufregende Nacht

Ich drehte die Postkarte hin und her. Las den Text immer und immer wieder. Vor einer Woche hatte ich an Luigis Grab gestanden und heiße Tränen vergossen, weil er durch so unglückliche Umstände von uns gegangen war und nun hielt ich die Postkarte in der Hand auf der stand: Ich bin nicht tot. Wir treffen uns heute Nacht in Guidos Pizzeria. Zu niemandem ein Wort.

Das konnte nicht sein? Ich hatte seine Leiche identifizieren müssen und ihn an seiner Kleidung wieder erkannt. Gut, an seinem Gesicht hatte ich ihn nicht erkennen können, dazu war es zu aufgedunsen. Aber Luigis sterbliche Überreste waren in edelsten Zwirn gewandet und die Schuhe, ein teurer handgefertigter Import aus England, es gab keinen Zweifel, er war es.

Ich konnte die Zeit bis zum Dunkelwerden kaum erwarten. Was wenn es tatsächlich Luigi war? Weswegen war er untergetaucht? Einen anderen Grund für sein vorgetäuschtes Ableben konnte ich mir nicht vorstellen. Aber wenn es nur eine Finte war, um mich in eine Falle zu locken? Die Marianos hatten noch ein Hühnchen mit mir und Luigi zu rupfen, weil wir den Sohn ihres Don in die ewigen Jagdgründe befördert hatten. Ich kleidete mich sorgfältig an. Dazu gehörte ein schwarzer Anzug, ein Doppelholster mit zwei Berettas, meine bevorzugten Waffen, ein Messer, dass mit einer speziellen Vorrichtung an meiner rechten Wade befestigt war, ein kleine Pistole im hinteren Hosenbund und einen Totschläger in der Jackentasche. Ich musste auf alles vorbreitet sein.

Auf meinem E-Mail-Account hinterlegte ich eine Mail, die die genaueren Umstände meines möglichen Verschwindens aufklären würde. Sollte ich sie innerhalb von 24 Stunden nicht löschen, würde sie an meinen Chef gehen, um ihn zu informieren.

Ich nahm vorsichtshalber den Kleinwagen meiner Geliebten, um bei Guidos Pizzeria vorzufahren. Mein Mercedes hätte viel zu viel Aufsehen erregt. Ich parkte trotz aller Vorsichtsmaßnahmen um die Ecke und ging so unauffällig wie möglich in den kleinen Laden. An einem der Tische saß ein Mann, die Baskenmütze tief ins Gesicht gezogen und in einem abgetragenen Anzug. Sonst war nur noch ein Kellner und der Barmann anwesend.

„Vittorio“, hörte ich eine bekannte Stimme, „ich bin`s.“

Ich betrachtete den Mann mit der Baskenmütze näher.

„Luigi? Bist du es wirklich?“

Ich war einerseits froh, dass er lebte, aber auch bestürzt wegen des Theaters, das Luigi veranstalten musste. Jetzt wusste ich, dass mehr dahinter steckte.

„Ja. Ich bin es wirklich. Es tut mir leid, dass ich euch soviel Kummer gemacht habe, aber glaub mir, dass habe ich bestimmt nicht freiwillig getan.“

Luigi winkte dem Ober und bestellte zwei Espressi und zwei Tiramisu, unser beider Lieblingsdessert. Wehmütig dachte ich an unsere Mittwochnachmittage bei Luigis Großmama, die das beste Tiramisu der Welt machte.

„Was ist denn bloß passiert?“ 

„Oh, Mann, das glaubst du mir nicht, wenn ich es dir erzähle“, druckste Luigi herum.

„Versuch es wenigstens“, ich platzte fast vor Neugier.

„Also, das war so: Vor 10 Tagen bin ich in das städtische Freibad eingestiegen. Du weißt doch, es war so heiß und ich wollte Lisa-Marie einen Gefallen tun und ihr eine Runde im Pool spendieren.“

„Bist du irre? So was Blödes! Schlimmer als ein Teenager“, tadelte ich Luigi.

„Ach, komm, du hast auch schon genug angestellt, nur um deine Weiber rum zu kriegen. Du hast doch Lisa-Marie gesehen. So ein scharfes Geschoss. Da hättest du auch nicht Nein gesagt.“

Luigi tut beleidigt und löffelt in seinem Tiramisu, das der Kellner elegant heran balanciert hatte.

Ich schiebe mir einen süßen Happen des Desserts in den Mund. Da hat er schon recht, diese Lisa-Marie war schon eine Sünde oder eine Dummheit wert … nun ja, jetzt wo Luigi in gewisser Weise aus dem Rennen war, vielleicht würde die Lady ja mal mit mir des Nachts ins Schwimmbad gehen.

„Aber der Kracher kommt erst noch“, reißt Luigi mich aus meinen Gedanken, „ich bin gerade mit der Kleinen am rummachen, als ich etwas auf dem Wasser schwimmen sehe. „Schau mal, was ist denn das Luigi“, fragt die Kleine und ich sag, „ach wer weiß, vielleicht hat einer von diesen Halbstarken ein paar Klamotten ins Wasser geworfen, um einen anderen zu Ärgern.“ Sag ich. „aber ich glaube, da hängt noch was dran“, sagt sie und dann schreit sie los, dass mir fast die Ohren wegfliegen, springt aus dem Wasser und wie von Furien gehetzt rast sie aus dem Schwimmbad.“

So, da kann ich Lisa-Marie also abhaken. Es sei denn, mir fiele was Besseres ein, um sie rumzukriegen.

„Ich will mir Gewissheit verschaffen“, fährt Luigi fort, „ob da was dranhängt und wenn ja wer oder was. Vorsichtig nähere ich mich den aufgeblähten Kleidungsstücken und da sehe ich, dass es Alexej ist, der neue Mafiosi, der aus Russland gekommen ist und es auf die Reviere der alten Familien abgesehen hat. Ich überlege fieberhaft, was ich tun kann. Da komme ich auf die Idee der Leiche meine Sachen anzuziehen, um mir Luft zu verschaffen. Ich muss herausfinden, wer den Kerl getötet hat, sonst kann ich mir gleich ein echtes Grab schaufeln.“

„Heilige Mutter Gottes“, ich schlage ein Kreuzzeichen, „das müssen wir Don Antonio sagen!“

„Na, du hast Nerven. Ich bin in Lebensgefahr und einzig die Tatsache, dass ich ein Meister der Verwandlung bin, eine Eigenschaft, die ich bis heut zum Glück nicht sehr oft einsetzen musste, hat mich bis jetzt vor dem sicheren Tod bewahrt. Entweder wird mich die russische Mafia mit dem Tod von Alexej in Verbindung bringen, oder Don Antonio befördert mich ins Jenseits. Er sucht schon lange einen Grund mich los zu werden und mir die Schuld an der ganzen Sache gibt … du weißt schon: Bandenkrieg, ectr.“

„Komm, mein Alter, du siehst das alles zu schwarz. Don Antonio ist wirklich eine Seele von Mensch.“

„Ja, wenn man davon absieht, dass er gerne Leute in Beton versenkt, wegen der Tradition… .“

Luigi ist verzweifelt.

„Und was wirst du tun?“, frage ich.

„Ich muss abhauen. Meine Verwandlungskunst wird mir eine Hilfe sein. Ich gehe nach Afrika oder nach Grönland, da findet mich so schnell keiner.“ Luigi erhebt sich, holt einen 20 Euroschein aus der Tasche und wirft ihn auf den Tisch. „Ich muss los, wenn Gras über die Sache gewachsen ist, melde ich mich bei dir. Ciao, Vittorio, pass auf dich auf.“

„Mach ich. Du auch.“

Ich habe plötzlich ein mulmiges Gefühl im Magen. Irgendwas stimmt hier nicht. Ich sehe mich suchend in dem Lokal um. Wo sind eigentlich der Kellner und der Barmann geblieben? Luigi ist fast bei der Ausgangstür, als sie mit einem Krachen aufgestoßen wird.

„Hallo Luigi, hallo Vittorio“, säuselt Don Antonio mit einem festgefrorenen Lächeln im Gesicht, „ich hörte, ihr habt hier heute ein kleines Stelldichein.“

Luigi und mir bleibt das Wort im Halse stecken.

„Das hier ist Don Juri aus Russland“, Don Antonio deutet auf einen kräftigen grauhaarigen Mann, der nach ihm eingetreten ist, „er macht sich Sorgen über das Verbleiben seines Sohnes Alexej. Man munkelt, dass ihr Informationen darüber habt.“

Luigi wird bleich und sinkt auf einen Stuhl. Wir sehen uns an und ahnen, dass uns nichts Gutes bevorsteht. Zum Glück habe ich meine Berettas dabei. Wenn es hart auf hart kommt, werde ich nicht zögern meine Babys einzusetzen.

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Es regnet. Ein leiser stiller Regen, doch so dicht wie ein Vorhang. Ich bin nass bis auf die Haut. Unter dem Vordach ist es zwar trocken, aber die Kälte dringt durch alle Poren und ein Zittern läuft durch meinen Körper. Das Glucksen des Regens in der Dachrinne ist wie eine Melodie, die eine immer wiederkehrende Schleife in meinen Gedanken durchläuft.

Ich habe mir selbst ein Zeichen abverlangt. Wenn er Licht hat, werde ich klingeln. Er hat Licht. Vorsichtig drücke ich auf den Klingelknopf. Ich warte. Nichts passiert. Erleichterung macht sich in mir breit. Bis ein etwas lang gezogenes metallisches „Ja?“ aus der Sprechanlage tönt.

„Anna“, sage ich.

„Anna, nanu? Komm rauf!“

Höre ich Freude? Langsam tappe ich die vier Treppen nach oben. Eine dicke Tropfenspur hinter mir her ziehend. Die Wohnungstür steht offen, warmes Licht fällt auf den kahlen Flur.  Ich muss es ihm sagen, höre ich die Stimme wieder. Connor steht vor mir. Ein strahlendes Lächeln empfängt mich, das mich noch kleiner werden lässt. Wenn er hört, was ich ihm zu sagen habe, wird ihm das Lachen vergehen. Ich sehe zu ihm auf, und noch ehe ich mich versehe, nimmt er mich in den Arm.

„Hallo, Kleine! Was machst du denn hier? Freitagabend und nicht unterwegs?“

Ich lächele schief. Als ob ich dauernd unterwegs wäre.

„Jetzt!“, schreit die Stimme meines Gewissens.

„Du, Connor ich muss dir was sagen!“, höre ich mich hastig hervorstoßen.

„Wow, das ist ja mal ein Statement“, Connor lacht, „meinst du, du könntest noch rein kommen und dich hinsetzen, bevor du mich mit essentiellen Dingen konfrontierst?“

Er zieht mich in die Diele, schließt die Tür und sieht an mir herunter.

„Vielleicht solltest du was Trockenes anziehen. Sonst liegst du morgen flach“, er geht in sein Schlafzimmer, und als er zurückkommt hat er ein T-Shirt und eine Jogginghose in der Hand, „Handtücher liegen im Bad, weißt ja wo?“

Hätte ich wohl auch verdient, denke ich, das mit dem Flachliegen, und sage, „danke, ich zieh mich schnell um.“

Connor nickt und grinst. Als ich im Badezimmer vor dem Spiegel stehe, weiß ich warum. Durch die nasse Bluse kann man alles, wirklich ALLES, sehen. Verdammt! Wirklich guter Einstand für ein Geständnis. Hastig zerre ich mir die nassen Klamotten vom Leib. Ich schlüpfe in die trockenen Sachen, rubbele mir die Haare trocken und fahre einmal mit den Fingern durch, das muss reichen. Seine Sachen riechen nach ihm, nach seinem Waschmittel, seinem Aftershave. Der Geruch verwirrt mich. Genau wie Connor.

Wir kennen uns schon ein paar Jahre. Haben einiges miteinander erlebt, Beziehungen kommen und gehen sehen. Weinselige Abende, verregnete Sonntage, verheulte Wochenenden und laue Nächte auf dem Balkon verbracht. Es gibt kaum etwas, dass ich nicht von ihm weiß und er von mir. Und dann wurde es mir klar. Ich liebe ihn. Ich habe ihn schon immer geliebt, ohne es zu bemerken. Aber zwischen uns gab es trotz Flirts keine körperlichen Annäherungsversuche. Ich drehe sein Rasierwasser auf, schnuppere daran und meine Gedanken überschlagen sich. Vor drei Tagen, als er aus dem Urlaub kam und wir uns zufällig auf der Straße trafen, es war so natürlich, ohne falsches Gefühl oder Scham, lagen wir uns in den Armen und freuten uns über das Wiedersehen. Ich spürte seine Wärme und diese beruhigende Nähe, dass es mich fast erschlug. In großen Lettern blinkte es in meinem Gehirn auf: Ich liebe ihn.

„Ich liebe dich“, flüstere ich, will mich an den Klang der Worte gewöhnen.

„Sag mal, Kleine, wie lange willst du noch im Bad verbringen, dein Milchkaffee wird kalt!“, fragt Connor auf der anderen Seite der Tür.

Mit zitternden Fingern drehe ich das Fläschchen wieder zu. Noch einmal durchatmen. Innerlich wappne ich mich gegen die Reaktion, die ich gleich bei Connor hervorrufen werde. „Ich liebe dich“ kann ich ihm allerdings nicht sagen. Connor ist nicht frei. Er hat eine Freundin. Meine Freundin Alicia. Er lernte sie durch mich kennen. Ich habe sie verkuppelt und jetzt betrügt sie ihn mit einem Arbeitskollegen. Das ist es, was ich ihm sagen muss. Meine Güte ist mir schlecht. Ich öffne die Badezimmertür und gehe ins Wohnzimmer. Connor sitzt auf dem Sofa und hat seine langen Beine auf den Couchtisch gelegt. Mein Kaffee steht neben seinem und ich setze mich zu ihm. Leise Musik läuft im Hintergrund. Mein Herz rast wie ein Dampfhammer.

„Weißt du“, sagt er, „ich finde, das war eine gute Idee von dir, herzukommen. Wo Alicia heute bei ihren Eltern eingeladen ist. Familienfeiern sind nicht so meine Sache.“

„Du musst es ihm sagen. Je eher, je besser.“ Die Stimme wird mich quälen, bis ich es Connor gesagt habe, aber was wird dann? Aufmerksam sieht er mich an. Sacht legt er einen Arm um meine Schulter.

„Na, was musst du mir denn sagen? Du siehst aus, als trügest du die Last der Welt mit dir herum? Was kann so schlimm sein?“

Connor schaut mich aufmunternd an.

„Alicia“, stottere ich, „Alicia nutzt dich aus. Sie ist nicht bei ihren Eltern.“

„So?“

Connor sieht mich mit hochgezogenen Brauen an.

„Ja“, flüstere ich, „sie hat eine Affäre mit einem Arbeitskollegen.“

Connor schweigt. Das ist der Supergau. Wenn er einen Wutausbruch hätte, das wäre mir lieber, als dieses unerträgliche Schweigen. Ich überlege fieberhaft, was ich sagen soll, aber ich habe Angst, wenn ich die Stille durchbreche, dass dann ein Erdbeben losgeht oder ein Vulkan ausbricht.

„Wie lange?“, fragt er ernst.

„Ich weiß nicht“, sage ich leise, „schon länger, fürchte ich. Ich wollte, dass sie es dir selber sagt, aber nachdem sie es scheinbar immer noch nicht getan hat, muss ich es dir sagen.“

Mir ist zum Heulen. Die Tränen stehen mir in den Augen und warten nur auf den Moment herauszulaufen.

„Soll ich gehen?“, biete ich an und will aufstehen.

Connor hält mich am Shirt fest.

„Nein!“

Schweigend sitzen wir nebeneinander. Ich halte meine Augen gerade auf meinen Milchkaffee gerichtet, traue mich aber nicht die Tasse aufzunehmen und zu trinken. Es könnte sein, dass die Katastrophe durch eine unbedachte Bewegung doch noch zum Ausbruch kommt. Immerhin bin ich schuld, dass sich die Beiden kennengelernt haben. Ich hatte gehofft Alicia würde erkennen, was für ein wertvoller Mensch Connor ist und dass es sich lohnen würde, sich endlich für einen Mann zu entscheiden und glücklich zu sein. Unabhängig von Besitz und Stellung. Ich erkannte Connors Wert, aber Alicia hatte ihn nicht gesehen. Für sie war er nur eine weitere Variante Mann, den es auszuprobieren galt. Ich hatte Connor mit meinen Augen gesehen und nicht durch Alicias merkwürdiges Raster. Ich merkte es nur nicht.

„Warum?“

„Weil ihr euch durch mich kennengelernt habt. Ich bin schuld. Ich hätte dich vorwarnen müssen“, meine Stimme versagt mir gleich den Dienst.

„Nein, das meine ich nicht. Warum hat sie eine Affäre? Wer ist es?“

„Ihr Juniorchef. Er hat Geld, ein Haus, Autos. Er ist der neue Traumprinz, der neue Seelenverwandte, bis der Nächste, Bessere kommt.“

Ich spüre, dass Connor mich ansieht. Sein Blick brennt auf meiner Haut und ich fühle, wie mir heiß und kalt wird.

„Es wundert mich nicht“, sagt er zu meiner Überraschung. „Zwischen Alicia und mir lief es nie so richtig rund. – Und du?“, fragt er, „was denkst du?“

„Ich liebe dich“, höre ich die Stimme in meinem Kopf.

Verlegen blicke ich ihn an.

„Was hat das mit mir zutun?“, versuche ich abzulenken.

„Warum wärst du sonst hier?“

„Weil ich nicht möchte, dass du weiter hinters Licht geführt wirst“, stammele ich.

Die Tränen steigen weiter.

„Und warum führst du mich hinters Licht?“, fragt er leise.

Die Tränen lösen sich, kullern die Wangen hinunter. Ich stehe schnell auf.

„Ich muss gehen!“

Connor springt aus und versperrt mir den Weg.

„Bevor du mir nicht geantwortet hast, lasse ich dich nicht gehen.“

„Ich führe dich nicht hinters Licht“, antworte ich fast trotzig, ohne den Blick zu heben.

Connor steht so dicht vor mir, dass ich seinen Atem auf meiner Haut spüren kann.

„Ich warte!“, sagt er energisch.

Um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen, legt er mir die Hand unters Kinn und hebt meinen Kopf, zwingt mich ihm in die Augen zu sehen. Atemlose Momente stehen wir da. Connors Blicke durchdringen mich. Er zieht die Augenbrauen hoch und ich weiß, dass er eine Antwort erwartet.

„Ich kann nicht“, flüstere ich.

Connor lächelt.

„Es tut gar nicht weh. Glaub mir. Jetzt wäre der richtige Moment. Wir sind endlich beide frei.“

Ohne Vorwarnung zieht er mich an sich. Seine warmen Lippen berühren meinen Mund. Ein wildes erregendes Gefühl rauscht durch meinen Körper.

„Kannst du es jetzt sagen?“, fragt er sanft.

„Ich liebe dich.“

Es hört sich richtig an. So, als ob ich es schon tausend Mal zu ihm gesagt hätte. Ich liebe ihn. Alles in mir strebt danach zu ihm zu gehören, ihm zu gehören.

Connor beugt sich wieder zu mir.

„Ich liebe dich auch“, flüstert er an meinem Mund.

Dann küsst er mich wieder. So oft, so ausdauernd, dass ich alle Zeit vergesse, den Raum und alles andere um mich herum. Seine Lippen entzünden eine Erregung in mir, die ich kaum zähmen kann.

„Ich will dich“, flüstere ich heiser.

„Ich weiß“, ich kann das Schmunzeln in Connors Stimme hören, „ich will dich auch. – Und wie.“

Erstaunt sehe ich ihn an.

„Ja. Glaub mir, es gab unzählige Nächte in den letzten Jahren, in denen ich dich wollte, mehr als alles andere.“

Ungläubig starre ich ihn an. Seine Hand schiebt sich zärtlich unter das T-Shirt. Ein ungestümes Kribbeln läuft über meinen Körper und mein Herz schlägt wie verrückt.

„Ich habe solange gewartet, bis du es dir endlich eingestehst und zu mir kommst.“

Atemlos höre ich seine Worte.

„Warum?“

„Weil ich dich will, mit allem was dazugehört. Aber dazu musstest du es erst selbst erkennen. Immerhin warst du in einer Beziehung, als wir uns kennenlernten und ich mische mich nicht ein.“

„Bleibst du bei mir?“, frage ich vorsichtig.

Connor nickt.

„Es sei denn, du willst bei mir bleiben.“

Ich muss lachen.

„Ach, Connor, du bist verrückt.“

„Ja, verrückt nach dir“, antwortet er, hebt mich hoch und wirbelt mich herum, „und ich werde dich nie wieder loslassen.“

Seine Hände geleiten über meinen Rücken, auf meinen Po, streicheln über meine Hüften. Mit einem Aufseufzen vergräbt er sein Gesicht in meinem Haar.

„Oh, mein Gott, wie sehr hab ich mich danach gesehnt. Weiß du, wie viel Beherrschung es einen Mann kosten kann, eine schlafende Frau in den Armen zu halten, die er so sehr begehrt und die er nicht anrühren kann, weil sie Liebeskummer wegen eines Idioten hat, der sie abservierte? Das ist unmenschlich.“

„Lass dich nicht aufhalten“, flüstere ich, „unter deinen Sachen trage ich nichts, außer meiner Haut.“

Mit einem gezielten Griff hebt er mich hoch und trägt mich ins Schlafzimmer.

„Das hast du nun davon!“, grinst er, „so schnell kommst du hier nicht wieder weg.“

„Wer sagt denn, dass ich das will?“, frage ich zurück.

Ohne darauf zu antworten, verschließt er meinen Mund mit einem leidenschaftlichen Kuss …

….während der Regen meine Melodie spielt und immer wieder säuselt, „ich liebe dich“.

 

 

 

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Begehren

Begehr mich

Leer mich

Winde mich

Halt mich

Küss mich

Lieb mich

Dreh mich

Lass mich

Nimm mich

Fest

Tief

Heiß

Feucht

Wild

Süß

Hart

Zart

Sanft

Fass dich

Wehr dich

Will dich

Sehne dich

Erwarte dich

Lieb dich

Koste dich

Kose dich

Löse dich

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Hier das Ergebnis des heutigen Schreibtipps aus Schreiberlebentipps. Drei 10 Minuten-Texte, die wir in unserer Schreibgruppe geschrieben haben. Durch das schnelle Schreiben hat man keine Zeit sich lange zu überlegen, was man eigentlich schreiben soll. Da man unter Zeitdruck steht, schnappt man meistens den ersten Gedanken auf, der vorbeigleitet, und legt los. Dadurch kann man die Angst vor dem weißen Blatt überwinden. Der Tipp ist aus Roberta Allens Buch: Literatur in fünf Minuten. Später kann man die Texte überarbeiten und wenn man gerne experimentiert auch zu einem einzigen Text „verarbeiten“. Durch das Umstellen  der Reihenfolge und mit Überleitungen/Zwischenstücken ist das eine interessante Möglichkeit.

1.      Schwäche

Ich stehe vor dem Schaufenster und starre in den Juwelierladen. Jemand der mich sieht, könnte vermuten ich würde die Auslagen betrachten, aber dem ist nicht so. Meine gesammelte Aufmerksamkeit gilt nicht dem Schmuck, sondern dem Mann, der den Schmuck verkauft. Ich weiß, dass er nicht nur verkauft sondern den Schmuck entwirft.

Am Anfang waren es das Geschmeide und die Juwelen, die ich bewunderte, aber dann kam der Tag, an dem ich ihn sah. Im Schaufenster lag ein besonderer Ring. Schlicht und doch hatte er durch die Maserung des Metalls etwas Außergewöhnliches. Also ging ich in den Laden. Eine kleine Glocke gab ein liebliches Klingen von sich. Er erschien, kam auf mich zu und lächelte. Fragte mich mit samtiger Stimme, was er für mich tun könne und ich? Ich war sprachlos. Geblendet. Noch nie hatte ich jemand so Schönes gesehen. Ich erinnerte mich nicht, weswegen ich gekommen war. Erinnerte mich nicht an den begehrten Ring, stand nur da uns sah ihn an. Noch einmal fragte er mich, was er für mich tun könnte. Hilflos zuckte ich mit den Schultern und verließ den Laden. Seitdem stehe ich jeden Tag vor dem Schaufenster und sehe hinein, um einen Blick auf ihn zu erhaschen. Ich nehme mir immer wieder vor, es nicht zu tun, aber ich komme nicht von ihm los.

2.      Licht

             Die Dunkelheit war so dicht, das ich sie greifen konnte. Wachsam tastete ich mich an der rauen Wand entlang. Wie konnte ich nur so dumm sein zu glauben, dass er es ehrlich gemeint hatte. In eine Falle gelockt hatte er mich. Verzaubert mit seinen glänzend blauen Augen und ich dumme Gans war darauf hereingefallen. Zu meiner Verteidigung konnte ich sagen, dass ich schon länger Single war. Trotzdem kein Grund sich reinlegen zu lassen.

             Ich stolperte. Konnte mich gerade noch mit den Händen abfangen. Der Staub von Jahrtausenden stob um mich herum empor. Verdammt! Diese verwünschten Pharaonengräber! Tausend Gänge und nur ein Ausgang. Ich taste mich weiter. Erst bergan, dann bergab. Plötzlich sah ich einen winzigen Lichtpunkt, hielt es für eine Sinnestäuschung. Je weiter ich ging, umso größer wurde er. Endlich! Ich hatte den Ausgang erreicht, dachte ich erleichtert. Dann sah ich, wohin ich wirklich gelangt war. In eine gigantische Halle, in deren Mitte ein Feuer von ungeheuren Ausmaßen brannte. So musste der Vorhof zur Hölle aussehen, schoss es mir durch den Kopf. Mir war klar, dass dies kein guter Zufall war!

3.      Bahnhof

             Das Gedränge auf dem Bahnhof der Zeitwächter war kolossal. Ich irrte durch die Menge zu dem angegebenen Treffpunkt. Es war das erste Mal, dass ich zu einer Zeitreise eingeladen wurde und war dementsprechend aufgeregt. Ich durfte nur wenige Dinge mitnehmen, nicht mehr als eine kleine Tasche. Außerdem musste ich entsprechend der Zeit, in die ich reiste, gekleidet sein. Soweit so gut. Das einzige, das noch fehlte, war mein Begleiter. Jeder Neuling wurde einem Betreuer zugeteilt, der ihn auf der ersten Reise begleitete und in die Besonderheiten einführte. Für die Neuen gab es auf dem Bahnsteig 1 ein Wärterhäuschen, an dem die Reiseleiter zugeteilt wurden. Ich kämpfte mich bis zu dem Häuschen vor. Enttäuscht sah ich die Warteschlange. Ich träumte seit Tagen von dieser Reise. Die letzte Nacht schlief ich kaum und jetzt musste ich mich anstellen. Was blieb mir übrig. Sobald ich allein reisen durfte, konnte ich dieses Prozedere überspringen. Dann brauchte ich nur ein Ticket zu lösen und konnte meine Zeitreise ohne Verzögerung antreten. Nervös ließ ich meinen Blick über die Umstehenden gleiten. Ich fragte mich, wer mein Führer werden sollte.   

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