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Archive for November 2013

Zerbrochen

Der bunte Traum

Vom großen Glück

Zerbrach in tausend Stücke

Wir trafen uns unter dem Lachen

Der goldenen Sterne

Und doch fielen

Die letzten Blätter unserer Geschichte

Mit dem eisigen Wind

Der aus Norden kam

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Ein kleines Gedicht

In deiner Sonne

Scheint mir alles möglich

Jeder Tag wird kostbar

Jede Stunde ein Leuchten

In deiner Liebe

Sehe ich mich

So besonders

Wie du mich siehst

In deinen Küssen

Spüre ich das Erwachen

Der Welt in mir

Denn du bist meine Welt

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„Wenn du es wissen musst – meinetwegen!“

Andy verdrehte die Augen. Ich zögerte. Wollte ich es wirklich wissen?

„Ich dachte, du hast Vertrauen zu mir?“, setzte er nach.

Gedacht hatte ich das auch, aber seit ich ihn mit dieser langbeinigen Blondine aus dem Kaufhaus kommen sah, war es zusehends geschwunden. Ich war die letzten Wochen Tag für Tag durchgegangen und hatte festgestellt, dass Andy sehr häufig länger arbeiten musste. Zumindest sagte er mir das. Ich wartete auf seine Antwort. Andy schwieg und setzte sich auf die nächstbeste Parkbank. Er streckte seine langen Beine aus und starrte gerade aus.

In diesem Moment fragte ich mich, wieso ich mich damals in ihn verliebt hatte. Es war sein anziehendes Äußeres. Gutaussehend, gepflegt, charmant. Es war sein Humor, seine Sprachgewandtheit. Ich war geschmeichelt, dass er mich wollte. Mich, die sich immer als graue Maus gesehen hatte. Wenn er mich liebte, musste ich ihn wieder lieben, ohne wenn und aber. Wenn ich jetzt sein unbewegtes verschlossenes Gesicht sah und die spöttischen Worte hörte, die er zu mir sagte, war dieses Idealbild wie weggewischt.

„Was ist denn nun?“, fragte ich ungeduldig, „eigentlich kann ich es mir schon denken, aber ich will es von dir hören.“

Andy wandte den Kopf in meine Richtung, aber statt mich anzusehen, stierte er durch mich hindurch. Also war ich schon Luft für ihn geworden. Eine kalte Böe fuhr durch die kahlen Äste, zerzauste das nasse Gras und ließ mich frösteln. Oder war es Andys glasiger Blick? Seine schönen blauen Augen verschwammen zu einem trübaufgewühlten schlammigen Grau.

„Es ist aus.“

Drei Worte. Eisig. Hart wie Stein. Tränen quälten sich in meine Augen, aber ich drückte sie nieder. Nein, nicht weinen. Meine Kehle schnürte sich zu, ich konnte kaum schlucken. Mein Hals war ausgedörrt.

Immer noch stand ich da. Die Hände tief in meinen Jackentaschen vergraben. Jetzt zu Fäusten geballt. Mist, wenn ich doch zuschlagen könnte. Mein Herz raste, brandete gegen meine Rippen, stießen immer wieder in meine schmerzende Lunge.

„Und, fühlst du dich besser?!“

Unerträglich sein Hohn. Ich sah mich in seinen Augen. Kleine Kröte, matschgrün, unförmig, gegen die Blonde mit den meterlangen Beinen, dem Miniröckchen, dass einem breiten Gürtel glich und den Megabrüsten.

Ich hatte so viele Gedanken im Kopf, aber kein Wort wollte über meine Lippen kommen. Mir fielen die lateinischen Verse ein, die ich vor ein paar Tagen in dem alten Buch gelesen hatte – sie kamen leicht, ohne zu stocken – ich wunderte mich selbst. Als ich die Beschwörung beendet hatte, sah ich Andy halb verwundert, halb erschrocken an. Dann drehte ich mich um und ging nach Hause.

Dieser Text entstand in einer Schreibstunde. Jeder konnte sich einen Gegenstand, Ort und Anfangssatz aussuchen.

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Die Natur ist beinahe zum Verzweifeln schön. So schön, dass es mir die Kehle zuschnürt. Tränen steigen mir in die Augen. Schönheit erfreut mich über alle Maßen. Gleichzeitig erfüllt sie mich mit Trauer. Sie macht mir bewusst, wie vergänglich alles ist. Besonders jetzt im Herbst.

Das Wasser des Baches springt gurgelnd über die Steine, Blätter schwemmen sich zu Dämmen auf. Der Wind streicht durch die Äste der Bäume, füllt sich mit dem Duft der Kiefernnadeln. Er reißt die letzten Blätter von den Obstbäumen. Die winzigen harten Äpfel liegen auf kleinen Haufen unter ihren rauen Stämmen. Die letzten Blüten leuchten wie bunte Perlen in der Sonne. Die Vögel jagen sich durch die entlaubten Baumkronen.

Ich atme, atme, atme. Sauge alles in mich hinein. Die kühle Luft, den aromatischen Duft aus Erde, Blättern, Wasser, das goldenen Licht des Herbstmorgens, das rauschen des Windes in den Tannen und das Murmeln des Baches unter den Weiden. Könnte es doch immer so sein. Zeitlos goldene Tage.

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Neuer Versuch. Bücherkiste Stadtbücherei. Amelie Nothombe – Kosmetik des Bösen. Ein Euro das gebundene Exemplar. Die Autorin habe ich seit einiger Zeit im Auge. Bei dem Preis kann ich nicht viel falsch machen und die Enttäuschung bei Nichtgefallen ist nicht zu teuer erkauft.

Zu Hause lese ich die ersten beiden Seiten. Dann die letzten beiden Sätze. Bitte keine kritischen Stimmen! Ich weiß, so was tut man nicht. Nach der Misere mit meinem letzten Buch (siehe Frühstück mit Proust) nur logische Konsequenz.

Inhalt auf den ersten Blick: Zwei Männer auf einem Flugplatz, Wartehalle, der eine bequatscht den anderen.

Ende: Ein Mann schlägt seinen Kopf solange gegen die Wand, bis er tot ist.

Gut. Eigentlich hätte ich das Buch ins Regal stellen können. Jetzt kommt das Aber: Nämlich die Frage, wie hat es der eine Mann geschafft, den anderen dazu zubringen sich selbst umzubringen?

Also wieder zurück zu Seite 2! Und weiterlesen. Mit dem Ende im Blick habe ich natürlich meine eigene Theorie. Allerdings schafft es die Autorin mich durch eine Wendung gegen Ende des zweiten Drittels zu überraschen. Ich muss dann den Rest des Buches lesen, will ich den Gründen für den Tod des Mannes auf die Spur kommen. Der ein oder anderen Erklärung kann ich zwar nicht zustimmen, aber da ich mich in Psychologie nicht so gut auskenne, bin ich mir nicht sicher, ob es möglich ist oder nicht. Aber das ist am Ende auch nicht so entscheidend.   

Das Buch besteht zu 99% aus Dialog. Am Anfang irritiert mich das. Ich schreibe zwar auch sehr dialoglastig, aber hier fehlt das äußere Setting fast komplett. Bis auf den Ort, Wartehalle im Flughafen, ist nichts bekannt. Auch auf die Äußerlichkeiten der beiden Personen wird kein Wert gelegt, doch kann man sich die beiden Männer sehr gut vorstellen. Ihre Mimik, ihre Stimmen, ihre innere Befindlichkeit kommt allein durch den Dialog zum Ausdruck. Ich kann nicht aufhören zu lesen. Das Buch hat nur 107 Seiten und ich lese recht schnell. Die ersten 60 Seiten lese ich nach dem Aufstehen noch im Schlafanzug, bei meinem ersten Kaffee und den letzten Teil, nach dem Einkaufen bei meinem Zweiten.

Ich kann nur sagen: furios. Wie man an diesem Beispiel sieht, muss der Autor dem Leser nicht alles vorkauen. Wir sind kreativ und fantasievoll genug, uns unser eigenes Bild zu machen. Und es zeigt außerdem: Ist die Geschichte gut genug, liest man das Buch auch dann von vorne bis hinten durch, wenn das Ende bekannt ist. Beruhigend!

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Ich bin wütend. Auf die Schriftstellerin, die mich an der Nase herumgeführt hat. Davon abgesehen, dass ich auf die Verbindung zu Proust bis Seite 273 (die vorletzte Seite des Romans) warten musste, bin ich total enttäuscht über das Ende. Es mag ja ganz toll sein, dem Leser am Ende den letzten Kniff zu präsentieren. Aber so? Ich könnte platzen!

Kurz der Inhalt:

Eine alte Dame soll ins Seniorenheim und wird von ihrer Enkelin gerettet. Sie leben zusammen in der Pariser Wohnung der Enkelin und beide profitieren davon. Die alte Dame blüht auf und verliebt sich noch einmal, während die Enkelin von der Lebenserfahrung ihrer Großmutter schöpft und erkennt, was wirklich wichtig ist. Die Großmutter, eine einfache Frau, hat ihr Leben lang heimlich die alten Meister gelesen und hilft ihrer Enkelin, ihren Roman zu überarbeiten.

Soweit so gut. Es dauerte eine Weile, bevor ich mit dem Lesen in Schwung kam. Es ist ein ruhiges Buch. Mit schönen Worten geschrieben, mit Weisheiten, in denen ich mich als Schriftstellerin und Frau wiedererkannte. Darum las ich weiter. Der Gedanke gefiel mir, dass es tatsächlich diese Gemeinschaft zwischen den beiden Frauen geben könnte. Dazu die romantischen Liebesgeschichten, die trotzdem nicht kitschig waren.

Bis zum Epilog! Da erzählte mir die Autorin dann allen Ernstes, dass die Enkelin vor Schuldgefühlen zerfließt, weil die Großmutter innerhalb von vier Monaten in diesem verfluchten Heim gestorben ist, denn die Enkelin hatte nicht den Mut die Großmutter mitzunehmen. Sie hat sich im Grunde die „gute“ Geschichte nur geschrieben, weil sie zu feige für das echte Leben war.

Alles war nur Fake! Bis auf die Tatsache, dass die Großmutter heimlich gelesen hat. Warum? Verdammt und zugenäht! Darf es denn noch nicht einmal mehr in „Wohlfühl“-Büchern ein Happy End geben? Hat sich die Autorin gedacht: „Hey, ich hatte nicht genug Drama in der Geschichte – ich muss schnell noch ein schlimmes Ende erfinden.“

Ich habe schon viele Bücher gelesen. Nicht immer ging alles gut aus und jemand starb. Kein Problem. Am Ende sterben wir alle und wo es hinpasst – Super! Ich bin die Letzte, die sich deswegen beschwert (Anna Karenina, Madame Bovary …), selbst ich lasse am Ende meiner Bücher/Geschichten wichtige Personen sterben. Aber ich lese doch nicht 274 Seiten, um am Ende zu hören: „Ätsch, ich hab dich reingelegt“. Ich neige langsam zu der Ansicht, dass ich das Ende eines Buches im Voraus lesen sollte, um dann zu entscheiden, ob ich wissen will, wie es dazu kam.

             Es dauert immer eine Weile, bis ich mich beruhigt habe. Diesmal wird es nicht so lange dauern. Als Nächstes werde ich die „Grasharfe“ von Truman Capote lesen. Ich habe es in der Stadtbücherei angefangen. Es hat mich von der ersten Seite an gefesselt. So ein Buch muss ich besitzen, das leihe ich mir nicht nur aus. Es wird mir über meine Enttäuschung hinweg helfen, da bin ich ganz sicher. Bücher sind Seelentröster, und wenn uns die guten Bücher nur über die schlechten hinweg trösten – Auftrag erfüllt.

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„Er zog in ein Loft in New York, um zu leben, wie die großen Schriftsteller gelebt haben ….“ (Der Dieb der Worte)

Haben die großen Schriftsteller so gelebt? In einem Loft in New York? Nein. Ich denke nicht. Hemingway lebte in seiner Anfangszeit einer kleinen Wohnung in Paris und schrieb nebenbei für Zeitschriften oder als Kriegsberichterstatter. Er ist nicht der Einzige, der lange Jahre brauchte, um die Anerkennung zu bekommen, die er verdiente.

Ich bin Schriftstellerin. Eine kleine, zugegeben, aber ich bin eine. In einem Loft in New York lebe ich nicht, noch nicht einmal in einem Loft in Frankfurt. Allein mir fehlt das Geld. Ich gehe arbeiten. Ich schiebe unser Geld von rechts nach links, um über den Monat zu kommen. Ähnlich wie die alten Meister. Ich erlaube mir den Luxus des Poeten. „Wenig“ zu arbeiten, um schreiben zu können. Ich bin froh, einen Mann an meiner Seite zu haben, der meine Passion akzeptiert und anerkennt.

Obwohl wenig Arbeiten nicht wenig ist. Ich bin Angestellte, Hausfrau, Mutter, Freundin, Ehefrau, Schreibkursleiterin und Schriftstellerin. Vermutlich die falsche Reihenfolgen und im Grunde eine unnötige Rechtfertigung. Aber, wie das so ist, der größte Teil meiner Zeit vergeht im Alltag. Sollte ich es nicht tun? Wer tut dann meine Arbeit? Könnte ich dann so gut oder besser schreiben, dass ich einen Verlag finde?

„Originelle Story, interessante Figuren.“ Was braucht man mehr für ein Buch? Einen guten Stil. Sicher. Meiner ist wahrscheinlich(er ist!) verbesserungswürdig. Ist das ein Verbrechen? Nein. Warum auch? Daran arbeiten ist immer möglich, ich müsste nur wissen wie, warum.

Es ist frustrierend, wenn du gelobt wirst, von Freunden, Bekannten, sogar von Fremden und dann kriegst du von den Verlagen diese Sprüche (siehe oben). Was soll ich davon halten? Was soll ich tun, um besser zu werden?

„Er (der Schriftsteller) hätte jemand sein müssen, den man kennt.“ – „Was ist passiert?“ – „Das Leben.“ (Der Dieb der Worte.)

Ich sollte jemand sein, den man kennt. Nicht weil ich im Rampenlicht stehen will. Ich lege nicht so viel Wert darauf, gesehen zu werden – aber ich würde Wert drauf legen, gelesen zu werden. Ich wünsche mir, dass Menschen lesen können, was ich schreibe, wenn sie wollen. Das es zumindest die Möglichkeit gibt. Wenigstens das.

Hätte ich früher wissen müssen, was ich sein will? Schriftstellerin. Bin ich zu lange dem Leben hinterher gelaufen, mit dem Leben mitgelaufen? Ich weiß es nicht. Man kann nie wissen, was geworden wäre. Vorbei ist vorbei. Zeit kommt, Zeit geht und ich „segele an den wolkengesäumten Küsten meiner Träume“ – um es mit Truman Capote zu sagen. Was für ein wunderbarer Schriftsteller. Einer von vielen wunderbaren Schriftstellern. Manchmal wünschte ich mir nur zu lesen. Ein Buch nach dem anderen, niemals aufzuhören. Wort an Wort, Satz an Satz, bis ich sterbe.

Aber dann höre ich, wie die Geschichten in meinem Kopf entstehen. Sie quälen mich und ich muss mich hinsetzen und schreiben. Bis der Zweifel kommt. Kann ich jemals eine gute Schriftstellerin sein? Wenn ich es wäre, müsste nicht irgendein Lektor sehen, dass ich den Keim in mir trage und mir sagen – „wenn sie daran arbeiten und dies verbessern, dann kann es gut werden“!?

Dann kann es endlich gut werden. Kann es gut werden? Ich bin nicht Hemingway, nicht Capote. Ich liebe Worte, Sätze, Geschichten. Vielleicht bin ich gut, vielleicht nicht. Es gibt Tage, da ich befürchte, ich werde es nie erfahren und es gibt Tage, da ist es mir egal. Aber es gibt etwas, dass mir niemals egal, niemals zu viel ist: das Schreiben – meine Geschichten – meine Figuren, Teil meiner Selbst und doch nie ich selbst. Ich kann brav sein, weil sie es nicht sind. Ich kann ohne Urlaub auskommen, weil sie auf der Reise sind. Ich weine, sie lachen. Ich bin unauffällig, weil sie auffallen. Ich lebe viele Leben. Lebe an allen Orten dieser Welt und unendlichen anderen Welten. Ich habe tausend Zeiten, tausend Zeitalter, tausend Gesichter, tausend Tausende.

Ich lebe in einem Loft in New York. Hoch über den Dächern der Stadt. Nahe dem Himmel, nahe den Sternen – was macht es, dass es nur eine Geschichte ist? Nichts. Es ist mein Leben. Meine Geschichte. Vielleicht liest sie ein einziger Mensch und findet sich darin wieder – dafür hat es sich gelohnt. Die Stunden am Schreibtisch, auf der Suche nach den richtigen, den besten Worten.

Ich segele an den wolkengesäumten Küsten meiner Träume – dafür nehme ich alles andere in Kauf und das ist es am Ende, was die großen Schriftsteller taten. Alles für ihre Kunst zu geben.

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