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Archive for Dezember 2013

Der Zug donnert mit ohrenbetäubender Geschwindigkeit über die Gleise. Die Schienen beben, der Felsspat zwischen den Bohlen schleudert nach oben. Ich sehe ihn immer näher kommen, kannt mich nicht rühren. Schweiß steht mir auf der Stirn, mein Herz rast. Ich muss springen. Von den Gleisen weg. Spring! Schreit die Stimme in meinem Kopf. Ich bin gelähmt. Nur noch wenige 100 Meter. Ich höre den Lokführer brüllen, die Bremsen kratzen auf dem Eisen, Funken stieben auf. Ich rieche das Feuer. Schließe die Augen.

Schreiend fahre ich hoch. Der Pyjama klebt auf der Haut. Immer wieder dieser schreckliche Traum. Ich krieche aus dem Bett. Ein kranker Mond scheint durch mein Fenster und wirft Schatten auf meine Decke. Ich schleiche zur Toilette. Vielleicht liegt es am Kaffee. Aber die Kanne war fast voll gewesen und ich hatte nicht wiederstehen können.

Wann hatte ich das schon gekonnt? Wiederstehen? Wollte ich das überhaupt? Das Urteil über mich war sowieso gefällt und was konnte ein zerbrechliches Geschöpf dagegen tun.

Meine Täuschungsabsicht war aufgeflogen und ich hatte Job, Freund und selbst Feind verloren. Ich folgte einem unsichtbaren Muster, dass ein launisches Schicksal für mich gestrickt hatte. Einsam und allein. Man konnte allein sein, ohne einsam zu sein. Ich war gnadenlos einsam und allein. Kein Mensch wagte es sich mir zu nähern oder Partei für mich zu ergreifen. War das mein Urteil für die Ewigkeit? Die Verräterin, die Ausgestoßene zu sein?

Diese nagenden, brennenden Gefühle, die in meinem Bauch aufsteigen sich durch meinen ganzen Körper ziehen und meine Gedanken immer wieder kreisen lassen. Was wäre, wenn ich ihn nie getroffen hätte? Was wäre, wenn ich an diesem Tag meine Mutter besucht hätte? Was wäre, wenn mein Freund bei mir gewesen wäre?

Er hatte mich gesehen, meine Zweifel, meine Sehnsucht, meine Unsicherheit und hatte mich für seine Machenschaften benutzt. Wir tanzten die ganze Nacht. Ich hatte das Gefühl weit fort von allem zu sein. In seinen Armen. Seine Lippen meinen ganz nah. Ich hatte nicht wiederstehen können und er hatte es gewusst.

Die Briefe kamen per Express und noch bevor ich sie öffnete, ahnte ich ihren Inhalt. Der Sturz war lang und er endet noch lange nicht.

Morgen beginnt der Prozess und ich werde ganz vorne stehen. Einsam. Im Blitzlichtgewitter der Fotografen, die endlich ihr Sommerloch stopfen können. Ich stürze und stürze, solange bis mich die Justiz durch jede Mangel getrieben hat, die ihr zur Verfügung steht und nichts mehr von mir übrig sein wird, als eine leere, hohle Hülle.

Er wird weit fort sein und einen anderen Schwan finden, dem er das Gefieder ausreißen kann. Einem, der ihm nicht wiederstehen kann.

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ich danke euch für die Aufmerksamkeit im letzten Jahr. Ich hoffe, ich konnte euch gut unterhalten – einen Vorsatz, den ich natürlich auch für das Jahr 2014 gefasst habe. Ebenso wie meinen Wunsch mich nicht von meinem inneren Kritiker bremsen zu lassen und viele Texte zu schreiben, die euch erfreuen und wer weiß, vielleicht gibt es im neuen Jahr einen Verlag, der meinen Fantasy-Roman nicht nur originell  und meine Figuren gut findet, sondern der auch bereit ist eine düstere Geschichte zu drucken 😉 – etwas Ironie am Rande.

Ich wünsche euch besinnliche Tage und alles Gute für das kommende Jahr. Für die Leser: gute neue Bücher! Für die Schreiber: viele aufregende Ideen und Inspirationen!

Viele liebe Grüße

Eure Caroline

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Das Feuerzeug schimmerte silbern und hatte als Gravur einen Adler, der eine Schlange im Schnabel trug. Er ließ es aufschnappen, seine Daumen glitt geschickt über das kleine Zahnrad. Sofort schoss eine kleine Flamme nach oben und züngelte bläulich-gelb um den Docht.

Samantha beugte sich eine Winzigkeit vor und hielt ihre Zigarette an die Flamme. Sie zog an der Zigarettenspitze und das Feuer sprang auf Papier und Tabak über. Während dieses Rituals hatte er sie keine Sekunde aus den Augen gelassen und als Samantha jetzt die Augen aufschlug, und ihn ansah, wusste sie, dass sie ihn eingefangen hatte. Samantha drückte ihren Rücken durch, sodass sich ihre kleinen festen Brüste unter dem zarten Seidenkleid abzeichneten und schlug elegant ihre Beine übereinander. Ihre zierlichen Füße steckten in schwarzen Lackpumps, die sie noch kleiner erscheinen ließen.

Samantha war sich ihrer Wirkung auf Männer bewusst. Sie hatte den Körper eines gerade den Kinderschuhen entwachsenen Mädchens, große dunkle Augen, die so unschuldig drein blickten und volle glänzende Lippen. Wenn sie ihre Waffen richtig einsetzte, konnte sie jeden Mann um den Finger wickeln.

„Darf ich sie zu einem Glas Champagner einladen?“, fragte ihr Kavalier.

„Ja, gerne“, sagte Samantha und lächelte.

Makellose weiße Zähne blitzten zwischen ihren blutroten Lippen hervor. Verheißung pur. Er hatte angebissen und wie. Es war so einfach. Unschuld gepaart mit einem Hauch Verheißung auf eine Wildkatze. Er würde diese Nacht bestimmt nicht so schnell vergessen!

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Verdammt! Jetzt klemmt dieses blöde Ding auch noch, dachte ich, warum habe ich mich bloß von Sarina dazu überreden lassen, mir so ein teures Dessous zu kaufen.

„Dein Mann wird verrückt, wenn er dich in dem Teil sieht!“ sagte sie und kicherte.

120 Euro kostete allein die Korsage, ganz zu schweigen von den roten High Heels mit dem trendigen Metallabsatz.

„Luxus pur!“, pries die Verkäuferin das gute Stück und lächelte vielsagend.

Und ich? Ich dumme Kuh glaubte wirklich, dass Marten hin und weg wäre, wenn ich ihn nach der Arbeit in dem knappen Spitzenteilchen empfinge. Ich hätte es besser wissen müssen.

Aufgerüscht mit sündiger Korsage, halterlosen Strümpfen, String und den neuen roten High Heels stand ich im Türrahmen. Sogar Make-up hatte ich aufgelegt und die Nägel lackiert. Die Kosmetiktante war der Ansicht ich wäre der Knaller. Aus dem Radio dröhnte „Sexbomb“ von Tom Jones. Das hatte ihr wohl die Sinne vernebelt. Marten befand nämlich nur gehässig:

„Na, wieso hast du dir denn Kriegsbemalung aufgelegt?“

 „Um dich zu überraschen“, antwortete ich unsicher.

„Bei dir kann mich nichts mehr überraschen. – Und ehrlich, der Nuttenfummel macht’s auch nicht gerade besser.“

Genauso gut hätte er mich ohrfeigen können.

„Warum bist du so gemein? Ich dachte, du magst solche Sachen?“

„Ja schon. Aber du hast nicht die Figur für so ein Teil. Du siehst aus wie die Wurst in der Pelle.“

Ich drehte mich um, rannte ins Schlafzimmer und wollte dieses unbequeme Ding ausziehen, aber die Haken öffneten sich nicht. Tränen liefen mir über die Wangen. Ich schnappte mir meine Stoffschere und schnitt es auf. Endlich fiel es von mir ab. Die Tür ging auf.

„Ach ja und noch was – schmeiß mein Geld das nächste Mal nicht mehr für solche unnütze Klamotten raus. Dafür geh ich nicht arbeiten.“ Er drehte sich um und murmelte, „`ne Augenweide ist was anderes. Von dem toten Gaul hätte ich schon längst absteigen sollen.“

Mit Genuss stieß er mir das Messer ins Herz und drehte es auch noch um. Ich zog meine High Heels aus und folgte ihm in die Küche.

Marten hatte sich ein Bier aus dem Kühlschrank genommen und suchte nach dem Flaschenöffner. Der lag an derselben Stelle, wie seit 20 Jahren. Marten fand ihn nicht. Er drehte sich um.

„Wo ist der Scheißöffner?“, herrschte er mich an.

Ich hob den Schuh und schlug mit aller Kraft zu. Der metallverzierte Absatz blieb direkt zwischen seinen weit aufgerissenen Augen stecken. Wie in Zeitlupe sackte er zusammen. Die Bierflasche rollte über die Fliesen, bis sie vor dem Geschirrspüler liegen blieb. Ich hob sie auf, öffnete sie und nahm einen großen Schluck.

„Fragt sich, wer wohl von dem toten Gaul gestiegen ist“, sagte ich laut.

Marten antwortete nicht, rührte sich nicht, starrte nur auf einen imaginären Punkt. Ich ging zurück ins Schlafzimmer und zog mich an.

Es traf sich gut, dass Marten angefangen hatte, das Loch für den Pool zu graben, den ich nicht haben wollte. Bis zum Dunkelwerden dauerte es noch circa zwei Stunden. Eine gute Gelegenheit die High Heels wieder in den Schuhladen zu bringen. Zum Glück hatte ich den Kassenbon nicht weggeworfen. Sollte eine andere Frau ihren Spaß mit ihnen haben, ich hatte meinen.

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Ich bin das Mädchen

Aus den Schatten

Das niemand sieht

Das niemand hört

 

Das Mädchen

Das keine Fragen stellt

Immer Antworten sucht

 

Das Mädchen

Mit der vernarbten Seele

Süchtig nach Liebe

 

Das Mädchen

Das den Tod kennt

Nicht verzweifelt

 

Das Mädchen

Mit den tausend Schmerzen

und heilenden Händen

 

Das Mädchen

Das tausend Leben lebt

Nur eins besitzt

 

Das Mädchen

Das im Dunkeln steht

Glücklich jeden Tag

Die Sonne sieht

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Liebeslieder

Schwerelos

Tanzen meine Füße

Himmelweit

Zu den Sternen

Deine Hingabe

Berührt mein Herz

Singe dir

Mit leichter Zunge

Meine Liebeslieder

Sehe die Freude

In deinen leuchtenden Augen

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Herbst von Rilke

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.

Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh Dir andre an: es ist in allen.

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.

Ich liebe Rilke …. ich kann nichts dafür 😉 . Wenn ich seine Zeilen höre, dann ist es, als würde eine Glocke in meinem Inneren angschlagen. Und wie oft ich die Verse auch wieder lese, es ist jedes Mal so. Unglaublich – unglaublich schön.

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