Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for März 2014

Heute gab es einen Bericht von Marianne von Werefkin auf Arte. Sie war eine russische Malerin, verliebte sich in einen Maler. Für ihn opferte sie sich über 10 Jahre auf. Stellte alles zurück, damit er der Maler werden konnte, der in ihm steckte. Sie ertrug eine Geliebte die zwei Kinder von ihm bekam, sie ertrug ihre selbst auferlegte Untätigkeit. Sperrte ihre Kreativität ein. Aus Pflichtgefühl. Aus Liebe.

Sie lernte einen Mann kennen, der sie verehrte. Er sagte ihr: Der Künstler ist nicht tot, machen sie sich einfach an die Arbeit. Danach machte sie sich an die Arbeit und die eingesperrte Kreativität explodierte. Sie malte sich alles von der Seele. Eine wahre Farbexplosion. Eigentlich bin ich eher den alten Meistern zu geneigt, aber die Bilder von Marianne haben mich tief beeindruckt. Echtes Gänsehautpotenzial.

Die Doku hat mich total erschüttert. Wie ist es möglich, dass man so gegen seine Natur handeln kann? Sich selbst einsperren? Andererseits habe ich mich auch selbst blockiert und es wurde erst besser nachdem ich meine Denkweise geändert habe. – Nicht werten, was ich schreibe, sondern freuen, dass ich schreibe. – Aber ich weiß, welche Qual es ist, seine Gedanken nicht ausdrücken zu können. Diesen Sturm im Kopf aushalten zu müssen, ohne ihn aufs Papier bannen zu können.

Seit ich mich entspanne und meinen Fokus auf das Schreiben an sich gelegt habe, mich nicht mehr zwinge DAS zu schreiben, sondern ETWAS zu schreiben, um einfach meiner Idee Ausdruck zu verleihen und meinen Kopf frei zu machen, seitdem ist das Arbeiten leicht geworden. Ich habe selten solche Leichtigkeit mit meinem Schreiben erlebt.

Ich habe keine Angst mehr, dass ich irgendetwas vergessen könnte. Ich schreibe auf, was mir ihm Kopf rum geht, mache mir etwaige Notizen, die ich dazu habe und lege den Text beruhigt ab. Dann gehe ich wieder an meine Hauptarbeit. Früher ging dann die Panik los – schreibe ich jetzt da oder da weiter, was zu erst, warum, ist das wichtig, ist das gut und all die „schönen“ anderen Dinge, die mir mein Kritiker so zuflüstert – heute nicht mehr. Der Kritiker kann mich mal gerne haben 🙂 ! Ich schreibe, weil ich es gut kann. Ich schreibe, weil es mich glücklich macht. Ich werde „die Fäden“ meiner Geschichten wiederfinden. Basta!

Ich habe mich damit abgefunden, dass ich nicht lange genug leben werde, um alles aufzuschreiben, was mir im Kopf rumgeht, aus jedem Fragment eine ganze Geschichte zu machen. Aber das ist OK. Ich sehe die Dinge einfach anders. Statt Frust zu schieben, und mich zu blockieren, freue ich mich einfach nur, dass da soviel ist, aus dem ich schöpfen kann. Es wird immer da sein. Und wenn ich mal keine Ideen mehr habe, dann kann ich mir meine Text-Fragmente anschauen und daran schreiben.

Als ich den Bericht sah, dachte ich, wie schrecklich irre es sein muss zehn Jahre dieses ungeheure Potenzial in sich zu verschließen. Kann man einen Fluss einsperren? Eine Weile. Irgendwann sprengt der Fluss die Mauern. Die Natur erobert sich ihr Terrain zurück. Immer. Zum Glück!

Manchmal bekomme ich beinahe Angst vor mir selbst, weil ich die Dinge plötzlich so klar sehe und mich nicht davor fürchte. Aber es ist nicht lebensbedrohlich klar zu sehen. Es hilft sich selbst zu erkennen. Das Schreiben hilft dabei, und Zufriedenheit. Zufrieden sein mit dem, was man tut und dem, was man ist. Die beste Möglichkeit Dinge zu verändern ist bei sich anzufangen. Will ich, dass mich jemand mag, dann sollte ich andere mögen. Will ich einen Roman schreiben, dann sollte ich stetig daran arbeiten und das Ziel nicht aus den Augen verlieren. Will ich glücklich sein, dann sollte ich mich auf das konzentrieren, was mich glücklich macht.

Es kann so einfach sein, und scheint doch so schwer. Die Hektik des Alltags, die Notwendigkeit Geld zu verdienen, der Wunsch mehr Geld zu verdienen, die Freizeit mit super wichtigen Dingen vollzustopfen usw. Dabei ist es einfach nur schön, den Tag nicht nur zu nutzen – sondern den Tag zu lieben. Das Leben zu schätzen. Zeit. Es kann uns schnell ein Unglück ereilen. Ich habe es erlebt. Mein Bruder hatte noch so viel vor. Ich wünschte mir, er könnte mich sehen. Er würde sich freuen. Da bin ich sicher.

Wir (mein anderer Bruder und ich) haben uns damals geschworen – wir machen nur noch, was wir wollen und gut für uns ist – und so soll es sein. Nie wieder meine Ideen einsperren, mich selbst blockieren. Die Zeit, die blieb nutzen für das Schöne. Meine Traumwelten erschaffen aus Liebe.

Advertisements

Read Full Post »

Traum

„Traum ist Brokat der von dir niederfließt,

Traum ist ein Baum, ein Glanz der geht, ein Laut -;

ein Fühlen das in dir beginnt und schließt

ist Traum; ein Tier das dir ins Auge schaut

ist Traum; ein Engel welcher dich genießt

ist Traum. Traum ist das Wort, das sanften Falles

in dein Gefühl fällt wie eine Blütenblatt

das dir im Haar bleibt: licht, verwirrt und matt -,

hebst du die Hände auf: auch dann kommt Traum,

kommt in sie wie das Fallen eines Balles -;

fast alles träumt -,

du aber trägst das alles.“

Auszug aus Rilkes „Und sagen sie“, Paris Juni 1906

Rilke ist einer der besten Dichter, die ich je gelesen habe. Tatsächlich findet er Worte für Dinge, Situationen, Gefühle, für die es kaum welche gibt. Ich finde ihn großartig.

Read Full Post »

Die Aufgabe war:  Versetze dich in die Comicwelt deiner Kindheit zurück. Schreibe einen Text über einen Superhelden.

     Bruce Wayne saß an seinem Schreibtisch. Sein Blick war starr auf einen imaginären Punkt weit über die Wolkenkratzer in die Nacht von Gotham City gerichtet. Er fragte sich, wie es soweit kommen konnte. Bruce versuchte immer sein öffentliches Leben von seiner Geheimidentität zu trennen, aber die Ereignisse überschlugen sich und jetzt hatte der mysteriöse Widersacher seinen Sohn in seine Gewalt gebracht. Die Frage, die ihn mehr als alles andere beschäftigte war, wie die Bestie dahinter gekommen war. Selbst er wusste lange nicht, dass er einen Sohn hatte. Erst vor einem halben Jahr erfuhr er davon und konnte es immer noch nicht glauben. Der einzige Mensch, der außer ihm davon wusste, war Alfred und Tabea, die Mutter des Jungen.

„Von wem hat er es erfahren?“, murmelte Bruce.

Er erhob sich, ging zu der gegenüberliegenden Wand und legte seinen Daumen in eine kaum sichtbare Vertiefung. Geräuschlos schob sich die Vertäfelung auseinander und gab einen Durchlass frei, gerade groß genug damit ein Mensch sich hindurchschlängeln konnte. Bruce wand sich geschickt durch die Lücke und verschloss sie von der anderen Seite.

In dem schallgeschützten fensterlosen Raum befand sich ein überdimensionaler Computerbildschirm. Bruce setzte sich an das Rechnerpult und gab verschiedene Daten ein. Auf dem Bildschirm öffnete sich ein Stadtplan von Gotham, über das der Rechner ein Raster der Orte legte, an denen die Bestie zugeschlagen hatte. Den Namen „the Beast“ gab die Presse dem Verbrecher, weil er seine Opfer bei lebendigem Leib in Einzelteile zerlegte. Bei dem Gedanken an seinen Sohn schlug Bruce Herz schneller. Er verfluchte zum hundertsten Mal den Tag, an dem er Tabea begegnet war.

Ein Verlorener, wie ich, darf keine Familie haben, das macht ihn nur verwundbar, ging es ihm durch den Kopf. Bruce betrachtete das Raster über dem Stadtplan. Plötzlich erkannte er es.

„Das Batzeichen! Das ist es! Es fehlt nur noch ein Punkt, dann ist es vollendet.“

Der Killer mordete in seinem Zeichen. Eine Welle der Wut schoss durch Bruce Venen. Er würde nicht zulassen, dass sein Sohn den letzten Zielpunkt dieser Serie bildete.

„Da hat er sich mit dem Falschen angelegt.“

Bruce drückte auf einen winzigen Kopf unter dem Rechnerpult. Eine weitere geheime Tür öffnete sich. In der dahinterliegenden Nische befand sich ein Zylinder aus Panzerglas, in dem einer von Batmans Anzügen lagerte. Es dauerte nicht lange und Bruce Wayne verwandelte sich in den dunklen Rächer.

Es war nicht wie sonst, wenn er den Anzug anlegte. Es war das erste Mal, dass er bereit war über die Grenze zu gehen. Eine Grenze, die er sich selbst gesetzt hatte. Sean war sein Sohn. Wenn das Biest ihm nur ein Haar krümmte, würde Bruce das erste Mal seine Regeln außer Kraft setzen und ihn tausend Tode sterben lassen.

Batman ist mein Lieblingssuperheld, weil er ein Mensch ist und keine übernatürlichen Fähigkeiten hat. Alles, was er kann, hat er durch Intelligenz, Willenskraft und harte Arbeit erreicht.

Read Full Post »

So kam ich mir in den letzten eineinhalb Jahren vor. Erst starb mein Bruder Frank an Lungenkrebs. Kurz darauf verlor ich nach beinahe sechs Jahren meinen Job, den ich wirklich gerne und mit Enthusiasmus gemacht habe, und musste mich mit meinem Boss vor Gericht streiten. Damit der Absturz auch wirklich komplett wurde und ich meine freie Zeit nicht mit Schreiben vertrödeln konnte, hatte ich zwei Bandscheibenvorfälle, die meinen linken Arm beinahe völlig lahmlegten. Ausfall beschreibt meinen Zustand im Grunde ausgesprochen freundlich. Nachts nicht schlafen können, Haushalt, Schreiben alles läuft auf Sparflamme und die psychische Belastung des Gerichtsverfahrens und des Verlustes meines Jobs und meiner netten Kollegen – ohne Worte.

Nachdem ich nach Franks Tod kaum eine sinnvolle Zeile zusammenbekommen hatte, hoffte ich, mich langsam wieder vortasten zu können. Zwei angefangene Romane. Beide auf etwa 130 – 150 Seiten angewachsen. Nichts zu machen. Als hätte jemand in meinem Gehirn einen Behälter über meinem Ideenspeicher gestülpt und hielt die Gedanken darin fest. Ich hörte sie toben und gegen die Wände donnern, aber es gab keinen Ausgang, aus dem sie hätten entweichen können. Da bekommt der Kopfschmerz eine ganz neue Dimension.

In meinem Kopf wütete der Orkan und ich konnte ihn nicht loswerden. Schreiben am PC? Ging gar nicht. Selbst schreiben mit der Hand war in der ersten Zeit nicht drin. Dauerschmerz und Medikamente. So stellte ich mir meine Zwangsfreiheit nicht vor.

Irgendwann Mitte Mai 2013 entspannte sich die Bandscheibe ein wenig und ich fing an mit „der Hand“ (ja ich weiß, man schreibt am PC auch mit der Hand *g*) zu schreiben. Tue ich zwar sowieso immer, aber meistens nur Tagebuch oder schnell ein paar Notizen. Diesmal schrieb ich ganze Geschichten in mein Arbeitsjournal. Mühselig aber stetig. Erst nur kleine Sachen, dann längere. Dann kam der Punkt, an dem ich wieder am PC schreiben konnte. Endlich!

Jetzt konnte es besser werden. Denkste! Ich saß vor meinem Bildschirm, starrte auf meine angefangenen Texte und bekam kein Wort heraus. Die totale Ladehemmung. Um nicht völlig durchzudrehen, kehrte ich an mein Notizbuch zurück.

„Du musst das fertig schreiben! Du hast doch schon die Hälfte. Du wolltest das schon letztes Jahr fertig haben. Stell dich nicht an. Du weißt doch, wie es weiter geht. Versager. Alles ist in deinem Kopf und du schaffst es nicht, die paar Worte auf den Bildschirm zu bringen!“

Die böse Stimme in meinem Kopf trat mir so oft gegen das Schienbein und teilte Ohrfeigen aus, dass ich immer kleiner und kleiner wurde. Verdammt! Seit wann war Schreiben so anstrengend geworden? Früher hatte ich in jeder freien Minute geschrieben. Seit wann verkam meine Leidenschaft zu einer Zwangshandlung? Wo war der Spaß geblieben?

Man schreibt immer nur an einen Roman.“

Man plottet und weiß, wohin die Reise geht.“

„Happy End ist Klischee.“

„Seriöses Schreiben hat eine Botschaft.“

(Wenn ich dieses man höre, kriege ich Gänsehaut. Wer ist man, dass er mir was vorschreiben kann?)

Ich kenne die Regeln bis zum Erbrechen. Weck mich nachts und ich zähl sie dir auf.

„Vermeide Adverbien.“

„Benutze starke Werben.“

„Kürze.“ Usw. Die Liste ist lang.

Regeln! Was nützen die, wenn sie mir den Spaß nehmen? Warum kann ich nicht einfach schreiben und Spaß haben? Geschichten erzählen. Mir fiel ein Buch von Irvin D. Yalom in die Hände. „Und Nietzsche weinte.“ Beim Lesen ging mir ein Licht auf oder sollte ich besser sagen ein Kronleuchter?!

„Willst du, was du sollst?“

Nein! Definitiv nicht. Ich will schreiben, ich will Spaß dabei haben. Ich will so schreiben, wie ich möchte und wenn es drei Romane auf einmal sind und egal ob der Roman beinahe fertig ist, wenn ich gerade unbedingt etwas Wichtiges anderes schreiben möchte, dann will ich das. Wenn ich ein Happy End will, dann schreibe ich eins. Um mir den Druck zu nehmen, schreibe ich zwei oder drei Enden. Warum nicht?! Schreiben ist kreativ, dann bin ich kreativ und mach mir die Welt, wie sie mir gefällt. Wer nicht will, muss es nicht lesen.

Durch meine Situation hatte ich die Idee zu einer neuen Geschichte. Dadurch konnte ich an dem „was-ich-sollte“ nicht weiter schreiben. Ich warf meine Bedenken über Bord.

„Wenn du auf etwas stolz sein willst, dann tu etwas, worauf du stolz sein kannst“ (I.D.Yalom).

Ich war immer stolz darauf, dass ich gerne und viel geschrieben habe. Dass ich einen beinahe unerschöpflichen Vorrat an Ideen auf Lager hatte und nur eine winzige Inspiration reichte (ein Schild, ein Wort, eine Zeitungsüberschrift, eine TV-Doku usw.) um meinen Assoziationsprozess in Schwung zu bringen.

Natürlich bin ich auch stolz auf das, was ich schreibe, aber ich bin mir im Klaren darüber, dass das Geschmacksache ist. Dem einen gefällt es, dem anderen nicht. Aber ich liebe es zu schreiben, das ist es, was ich will! Und wenn ich einen Umweg nehmen muss, um an mein Ziel (den fertigen Roman) zu kommen, dann mache ich den Umweg. Ich hetzte mich nicht mehr ab. Ich werte nicht was ich schreibe, sondern freue mich das ich schreibe. Und? Das funktioniert!

Ich schreibe, was ich will!

Ich schreibe, wie ich will!

Ich schreibe so schnell ich will!

Ich schreibe wo ich will!

Ich habe endlich meinen Spaß wiedergefunden. Ich quäle mich nicht mit Veröffentlichen oder nicht. Denke nicht darüber nach, wem mein Text gefällt. Ich erfreue mein Herz an den Worten und Sätzen, die aus mir heraus fließen. Es gibt keinen Grund in Panik zu geraten. Und wenn nur ich selbst lese, was ich schreibe. Ich werde es überleben.

Inzwischen habe ich den Roman, den ich Mitte des Jahres 2013 angefangen habe, fertiggestellt! Es fehlen noch ein paar Szenen, aber die sind geplant und werden bei der Überarbeitung eingefügt.

Einen weiteren Roman habe ich überarbeitet. Und für die beiden angefangenen Romane habe ich Pläne. Der eine ist im Verlauf schon sehr harmonisch und möchte gerne dem Ende zu geführt werden. Den anderen plane ich gerade um. Notizen wachsen und gedeihen.

Das Wichtigste ist, ich habe meine Leidenschaft wiedergefunden. Ich garantiere nicht dafür, dass ich keine Flaute mehr habe. Nur beunruhigt mich das nicht. Wieso? Ich habe so viele Ideen und es gibt immer wieder neue. Wenn der Kopf gerade etwas Ruhe braucht, soll er sie haben. Keine Quälereien mehr! Leben ist Schreiben und Schreiben ist Leben. Immer in jeder Sekunde. Ich brauche nur abzuwarten. Augen und Ohren offen halten, der Rest ergibt sich von allein. Die Bandscheibe gibt meistens Ruhe, der Job läuft und das Schreiben folgt dem Fluss meiner Ideen. Um es aus buddhistischer Sicht zu betrachten:

„Alle unangenehmen Situationen gehen zu Ende, alle schönen (leider) auch. Deswegen sollten wir die Unangenehmen an uns vorbei fließen lassen und die Schönen umso mehr genießen.“

Read Full Post »

Du bist mein Land

Ich deine Flut

Die sehnend dich ummeeret

Du bist der Strand

Dazu mein Blut

Ohn`Ende wiederkehret

An dich geschmiegt

Mein Spiegel wiegt

Das Licht der tausend Sterne

Und leise rollt dein Muschelgold

In meine Meergrundferne.

                 

              Christian Morgenstern

Ich kann nicht anders: ich liebe seine Gedichte 🙂 *seufz*

Read Full Post »

Tigernummer auf dem Trapez! Es stand in riesigen Buchstaben auf dem Plakat. Sandra runzelte die Stirn. Das konnte nur ein Druckfehler sein. Erstens war das ihr Trapez und zweitens konnten Tiger nicht auf Stahlseilen balancieren. Sandra klopfte an den Wohnwagen des Zirkusdirektors. Sie hörte es hinter der Tür poltern, aber niemand öffnete. Sandra klopfte erneut. Schritte. Der Schlüssel wurde herumgedreht. Vor ihr stand der große Alonso, ihr Direktor, mit offenem Hosenstall. Sandra rümpfte die Nase.

„Was ist denn?“, knurrte er und bemerkte Sandras Blick.

Er wandte sich ab und zerrte hastig an seinem Reißverschluss herum. Sandra ließ sich nicht irritieren.

„Seit wann haben wir eine Tigernummer auf dem Trapez?“

„Seit gestern.“

„Tiger können nicht auf Drahtseilen gehen.“

„Ist mir doch egal. Gedruckt ist gedruckt. Das war so teuer… ich lasse keine Neuen drucken. Und wenn es da steht, dann machen wir das auch. Show ist Show.“

„Dann kündige ich. Das können sie sich dann in einem Bilderrahmen übers Bett hängen“, sagte Sandra und tänzelte davon.

Read Full Post »

Dies ist mein Aufruhr: Liebe, Hoffnung und Tod –

Noch nie lebt`jemand ein vergleichbar Leben.

Die Liebe führt mein Herz erst an den Tod,

und kommt der Tod, und scheint er mir ein Segen,

so schleicht sich kalt mein Feind, die Hoffnung, ein,

nährt meinen Atem, schafft mir Linderung,

schenkt Leben: und mit Leben neue Pein –

dagegen wär der Tod nur halbe Kränkung.

So hab ich keinen andern Trost als den:

nie fehlt die Hoffnung, meinen Schmerz zu heilen,

mit solcher Hoffnung schleicht das Leben hin,

mit solchem Leben wird der Kummer bleiben.

Verworrne Sehnsucht. Leben voller Plage.

Weil, zuviel hoffend, ich nicht Hoffnung habe.

Edward De Vere (1550 – 1604) aus „Der zarte Faden, den die Schönheit spinnt“

Ja, dieses Gedicht stammt aus dem späten Mittelalter. Und da behaupte jemand die Zeiten ändern sich. Die Umstände vielleicht, aber die Gefühle der Menschen bleiben. Schmerz, Hoffnung, Liebe, Tod, Verzweiflung. Immer neu und immer alt. Ein wunderschöner Gedichtband, dessen Autor schon mit dem Staub verweht ist und dessen aufgezeichneten Worte und Empfindungen trotzdem ins Herz treffen.

Read Full Post »

Older Posts »

%d Bloggern gefällt das: