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Archive for Dezember 2014

4. Manchmal hat die Liebe einen Preis.

„Manchmal hat die Liebe einen Preis.“
Schrieb ich oben auf das Blatt. Darüber sollte ich einen Aufsatz schreiben?! Super. Manchmal hat die Liebe ihren Preis. Wann hat sie keinen Preis? Irgendwas ist immer. Man verbiegt sich, um zu gefallen, macht sich kleiner als man ist, hält Dinge aus, die man sich unter anderen Umständen nie gefallen lassen würde und trotzdem liebt man, zahlt und zahlt.

Oder meinen die so eine Märchensache. Wenn du den Prinzen retten willst oder die Prinzessin, dann gibt`s du deinen Reichtum hin, deine Schönheit, deine Jugend und dann kriegst du sie oder ihn zurück. Im Märchen hat das ganze Bezahlen allerdings immer ein Happy End, die Opfernden kriegen den Preis zurück.

Als meine Mutter meinem Vater hinterher brüllte: „Ich habe dir die besten Jahre meines Lebens geopfert“, hat sie das sicher nicht gemeint. Sie sagt heute noch: Ich habe alles gegeben und was hatte ich davon? Und: Lass dir das eine Warnung sein! Mach nicht denselben Fehler wie ich.

Was meint sie damit? Dass ich nicht lieben oder dass ich keinen Mann, wie meinen Vater lieben soll? Ach, was weiß ich. Manchmal hat Liebe einen Preis – Liebe. Einfach nur wieder lieben. Das Herz öffnen und lieben. Es ist eine Gabe, kein Preis. Ich habe einen interessanten Satz gehört: Du kannst kein Preisschild an die Liebe hängen. Das stimmt! Doch hängen sie überall. Ich gebe dir Geld, Geschenke, Auto, Wohnung usw. und dafür bekomme ich Aufmerksamkeit, Sex, Gesellschaft von dir.

Ich erinnere mich an einen Kommentar meiner Mutter über meinen neuen Freund: „Wieder ein Mann ohne Geld.“ Er nagt nicht am Hungertuch, aber Millionär ist er nicht. Allerdings hat er ein großes Herz, eine unerschütterliche Ruhe, ist Hilfsbreit und liebt mich, so wie ich bin. Wenn er ein dickes Bankkonto hätte, könnte er mich nicht mehr lieben. Also was soll das Gerede vom Preis? Die anderen können ihre Preisschilder tragen, meins liegt schon lange im Papierkorb.

(Nach der ersten, irgendwie ernsten Betrachtung, brauchte ich eine) Zweite Version:

„Manchmal hat die Liebe einen Preis“, sagte ich leichthin und stellte ihm den bestellten Rotwein auf den Tresen.

Er sah auf mich herunter und lächelte.

„Und welchen Preis hat ihre Liebe?“, seine dunkle Stimme traf mich bis in den Bauch.

Ich errötete und schlug die Augen nieder. Warum fragte er mich das?

„Auf so privaten Fragen antworte ich nicht“, erwiderte ich.

„Und was muss ich tun, um eine Antwort zu bekommen?“

Er griff in die Innentasche seines teuren Jacketts, zog einen Geldschein heraus und schob ihn mir zu. Fünfzig Euro. Die Antwort schien ihm wichtig zu sein, aber mich konnte er nicht kaufen. Ich schob den Schein zurück. Bevor ich meine Hand wegziehen konnte, hielt er mein Handgelenk sanft fest. Erstaunt sah ich auf.

„Was muss ich tun?“, wiederholte er seine Frage eindringlich.

Mein Widerstand schien ihn zu reizen. Das passierte ihm scheinbar nicht oft. Er sah sehr gut aus. Vermutlich würden ihn viele Frauen als schön bezeichnen, obwohl da diese kleine Narbe über der Augenbraue war. Und Frauen, die einen zusätzlichen Anreiz brauchten, wurden wohl von seiner Großzügigkeit beeindruckt.

„Mir ihren Namen sagen, wäre ein Anfang.“

Er ließ mein Handgelenk los. Den fünfzig Euroschein ließ er neben seinem Glas liegen.

„Ray Givens.“

Er streckte mir die Hand entgegen.

„Lassen sie nie locker?“, ich konnte mir das Schmunzeln nicht verkneifen und legte meine Hand in seine, „Lea Winter.“

„Stimmt, Lea“, auf seinen vollen Lippen lag ein herausforderndes Lächeln, das ihn noch anziehender machte „ich akzeptiere kein Nein.“

Er schob mir den Geldschein erneut zur.

„Dann haben sie ein Problem“, der Schein wanderte wieder zurück, „sie können mich nicht kaufen.“

Diesmal steckte er den Schein zurück in die Jackettasche.

„Um auf die Ursprungsfrage zurückzukommen. Was ist ihr Preis?“

„Den werden sie nicht bezahlen wollen.“

Diesmal war ich es, die ihn herausforderte.

„Wieso sind sie sich da so sicher?“

„Weil sie das mit Geld nicht kaufen können.“

5. Ich bin nicht 100 % sicher, dass er es ist, aber verdammt noch mal, ich hoffe es!

„Ich bin nicht 100% sicher, dass er es ist, aber verdammt noch mal, ich hoffe es!“

Sander starrte seit einer geschlagenen halben Stunde durch das Fernglas.

„Das hast du schon drei Mal gesagt! Und du nervst total!“, zischte ich.

„Was ist denn los mit dir?“

„Wir sitzen seit beinahe drei Tagen in diesem Auto, dass sich immer mehr in einen Mülltransporter verwandelt und dieser Typ da!“, ich deutete auf den verhuschten älteren Herrn in sandfarbenem Mantel und Hütchen, „ist der dritte Mann, den du für „IHN“ hältst.“

Sander machte ein Gesicht, als hätte ich ihm einen Eimer Dreckwasser in den Kragen geschüttet.

„Also“, ich versuchte meine Gefühlsaufwallung zu mildern, „du bist mein bester Freund und ich tue alles für dich, aber diese Observierung ist eine Katastrophe. Ich muss hier raus, sonst gehe ich gleich in Flammen auf.“

Je mehr ich sagte, desto düsterer wurde Sanders Gesichtsausdruck. Ich schnappte meinen Rucksack und stieg aus.

„Hey, du kannst doch jetzt nicht einfach abhauen?“, rief er hinter mir her.

„Und wer hindert mich daran?“, ich beugte mich zum Beifahrerfenster hinunter, „ich bin frei zu gehen, wohin es mir beliebt.“

Sander machte Anstalten auszusteigen. Ich drehte mich um und rannte die Straße hinunter, bog um die nächste Ecke und rannte auf die U-Bahn zu. Sollte Sander mich einholen, würde das nicht gut ausgehen.

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An alle Besucher und Leser meines Blogs! Ich freue mich über jedes „like“ und hoffe, dass ich euch im letzten Jahr gut unterhalten konnte. Begeistert bin ich auch über die Besucher aus aller Welt. Inzwischen haben Besucher aus 66 verschieden Ländern auf meine Seite gefunden 🙂 . Vielen Dank für eure freundlichen Kommentare, das motiviert mich weiterhin fleißig zu schreiben, um euch Geschichten zu erzählen und auf meiner Schreiberlebentipps-Seite lustige, interessante, spannende Aufgaben zu posten.

Ich wünsche allen eine besinnliche Weihnachtszeit, Gesundheit, Freundschaft, Liebe, und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Thanks for all your interest! I wish you all a merry chrismas and a happy new year! 🙂

Eure Caroline

*
Afrikaans – Geseknde Kersfees en ’n gelukkige nuwe jaar
Bohemian – Vesele Vanoce
Brazilien – Boas Festas e Feliz Ano Novo
Bulgarien – Vesela Koleda i chestita nova godina!
Catalan – Bon Nadal i un Bon Any Nou!
Chinese – Sing Dan Fae Lok. Gung Hai Fat Choi (Cantonese)
Chinese – Shen Dan Kuai Le Xin Nian Yu Kuai (Mandarin)
Chinese – Shen tan jie kuai le. Hsin Nien Kuaile
Croatian – Sretan Bozic
Czech – Stastne a vesele vanoce a stastny novy rok!
Dänisch – Glaedelig Jul og godt nytaar
Dutch – Vrolijk Kerstfeest en een Gelukkig Nieuw Jaar
Dutch – Prettige kerstdagen en een gelukkig nieuw jaar
English – Merry Christmas and a Happy New Year
Eskimo – (inupik) Jutdlime pivdluarit ukiortame pivdluaritlo!
Esperanto – Felican Kristnaskon kaj Bonan Novjaron!
Estonian – Rõõmusaid jõulupühi ja head uut aastat!
Faeroese – Gledhilig jol og eydnurikt nyggjar!
Filipinos – Maligayang Pasko
Finnish – Hyvää joulua ja onnellista uutta vuotta!
Flemish – Zalig Kerstfeest en Gelukkig nieuw jaar
French – Joyeux Noel et Bonne Année!
Scots Gaelic – Nollaig chridheil agus Bliadhna mhath yr!
Galician – Bo Nadal
German – Frohe Weihnachten und ein glückliches Neues Jahr!
Greek – Hronia polla kai eytyhismenos o kainourios hronos
Greek – Hronia polla ke eftihismenos o kenourios hronos
Hausa – Barka da Kirsimatikuma Barka da Sabuwar Shekara!
Hawaian – Mele Kalikimaka ame Hauoli Makahiki Hou!
Hungarian – Kellemes karacsonyi uennepeket es boldog ujevet!
Icelandic – Gledhileg jsl og farsflt komandi ar!
Indonesian – Selamat Hari Natal dan Selamat Tahun Baru!
Iraqi – Idah Saidan Wa Sanah Jadidah
Irish Gaelic – Nollaig Shona duit
Irish Gaelic – Nollaig Shona
Irish Gaelic – Nollaig faoi shean agus faoi shonas duit agus bliain nua faoi mhaise dhuit!
Italian – Buon Natale e Felice Anno Nuovo!
Japanese – Meri Kurisumasu soshite Akemashite Omedeto!
Latin – Natale hilare et Annum Faustum!
Latvian – Priecigus Ziemsvetkus un Laimigu Jaungadu!
Lithuanian – Linksmu Kaledu
Maltese – Nixtieklek Milied tajjeb u is-sena t-tabja!
Modern Greek – Kala Christougenna kai evtichismenos o kainourios chronos!
Norwegian – God Jul Og Godt Nytt Aar
Pennsylvania German – En frehlicher Grischtdaag un en hallich Nei Yaahr!
Polish – Vesowe Boze Narodzenie
Polish – Wesolych Swiat i Szczesliwego Nowego Roku
Portuguese – Boas Festas
Portuguese – Feliz Natal e um Prospero Ano Novo
Romanian – Craciun fericit si un an nou fericit
Russian – S nastupaiushchim Novym godom i s Rozhdestvom Khristovym!
Romanche – (sursilvan dialect): Legreivlas fiastas da Nadal e bien niev onn!
Serbian – Hristos se rodi
Slovakian – Sretan Bozic or Vesele vianoce
Slovak – Vesele Vianoce i na zdravie v novom roku!
Slovenian – Vesele bozicne praznike in srecno novo leto
Spanish – Feliz Navidad y Próspero Año Nuevo
(gilt für alle lateinamerikanischen spanischsprachigen Länder)
Swedish – God Jul Och Ett Gott Nytt Ar
Thai – Suk san wan Christmas
Thai – Suk san wan pee mai – Happy New Year
Trukeese – (Micronesian) Neekiriisimas annim oo iyer seefe feyiyeech!
Turkish – Noeliniz kutlu olsun ve yeni yilinis kutlu olsun!
Turkish – Noeliniz Ve Yeni Yiliniz Kutlu Olsun
Ukrainian – Srozhdestvom Kristovym
Ukrainan – Z novym rokom i s rizdvom Hrystovym!
Ukrainan – Khrystos Rodevsia
Vietnamese – Chuc mung nam moi va Giang Sinh vui ve
Welsh – Nadolig Llawen a Blwyddyn Newydd Da!“
Yoruba – E ku odun, e ku iye’dun!

 

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Ich betrete die Bar. Freitagabend. Überall Leute in Gruppen mit Biergläsern, Wein und Cocktails. Auf einer winzigen Bühne drängt sich eine Band. Der Sänger sieht aus, wie eine Kopie von Freddy Mercury.

Heute ist der Abend! Chris hat mich zu einem Date eingeladen. Nachdem wir ein halbes Jahr die Zimmer in einer WG teilen, ist es endlich geschehen. Ich sehe mich nach ihm um. In meinem Bauch kribbelt es. Da! Er sitzt am Tresen. Nicht allein. Tränen würgen sich die Tränenkanäle empor. Die Frage: Gehst du heute Abend mit mir auf ein Bier, sollte also keine Einladung zu einem Date sein. Ich habe den falschen Text zwischen den Zeilen gelesen.

Sie ist blond, wie ich, aber mindestens zehn Zentimeter größer, dank High Heels. Ihr Busen ist kurz davor das Dekolleté zu sprengen. Die ganze Zeit zupft sie an Chris Hemdkragen herum und macht einen Schmollmund. Meine Eifersucht bereitet mir Übelkeit. Ich will den Rückzug antreten, als Chris mich entdeckt. Er lächelt siegessicher und zwinkert mir verschwörerisch zu, macht diese alberne „Daumen-hoch-Geste“.

Wer bin ich? Sein Saufkumpan? Die heulen allerdings nicht, wenn ihr Bro eine geile Schnitte aufreißt. Die klatschen ab. „Hey geil Alter, leg die Tussi flach. Besorg`s ihr ordentlich.“

Chris Gesichtsausdruck wird ernst, als er Tränen über meine Wangen laufen sieht. Mist, auch das noch! Es hört einfach nicht auf. Chris steht auf und befreit sich von der Tussi. Er kommt her! Ich dreh mich um, drängele mich energisch durch die Menge nach draußen und renne los.

Verdammt! Verdammt! Warum kann er mich nicht lieben? Mich so begierig ansehen? Will ich das überhaupt? Das Anschauen ja, aber auf High Heels herumstöckeln und mit dem Hintern wackeln? Den Busen bis zum Hals hochgepuscht und einen Rock tragen, der die Breite eines Gürtels hat?

Nein. Ich will ich sein. Ohne aufgesetzten Schmollmund und künstliche Nägel. Das passende Gesicht zum Gefühl. Ich will Jeans und T-Shirts tragen, aber ich will auch, dass Chris mich mit diesem „Ich-will-dich-ich-krieg-dich“ Blick ansieht.

Ich bleibe stehen. Muss Atem schöpfen. Meine Lunge brennt und die Seite sticht. Die Tränen haben eine nasse Spur auf meinem Gesicht hinterlassen. Ich wische sie mit dem Ärmel der neuen Chiffonbluse ab. Meine langen Haare, die ich extra offen trage, sind völlig zerzaust.

„Männer sind Augenmenschen“, sagte der Ratgeber. Ich wollte es zumindest versuchen und einen anerkennenden Blick von Chris erhaschen. Aber wenn er auf solche Frauen steht, kann ich nicht mithalten. Weder körperlich, Modelmaße hatte ich noch nie, noch geistig. Ich bin nicht bereit mich auf den Intellekt eines Toastbrots herunter zu lassen.

Ich bin im Park gelandet, an meinem Lieblingsplatz. Die große Fontäne des barocken Musenbrunnens ist nachts ausgestellt. Die Stadt spart. Es fängt an zu nieseln. Na toll, das auch noch. Ich mache mich auf den Heimweg. Hoffentlich ist Chris wieder in die Bar gegangen. Auf Diskussionen habe ich heute Abend keine Lust, auch wenn Chris sie spätestens morgen früh nachholt. Bis dahin habe ich mir was zu recht gelegt.

In unserer Wohnung ist alles dunkel. Ich atme auf. Trotzdem ziehe ich die Schuhe aus und schleiche die Treppe im Dunkeln hinauf. Ich halte die Luft an, als die vorletzte Stufe vor unserer Wohnungstür vernehmlich knarzt. Ich lausche. Nichts zu hören. Ganz vorsichtig öffne ich die Tür auf und schließe sie wieder. Ohne das Licht einzuschalten und auf Zehenspitzen begebe ich mich zum Badezimmer. Ich bin nass bis auf die Haut und muss mich abtrocknen.

„Was sollte das vorhin?!“, donnert eine Stimme hinter mir.

Licht flammt auf und blendet mich.

„Was geht dich das an?“, sage ich trotzig.

„Würdest du mich bitte ansehen, wenn ich mit dir rede?“

Ich höre Chris näherkommen und drehe mich um. Ich sehe nicht nur wie ein begossener Pudel aus, ich fühle mich auch so. Wieder drängen Tränen hoch und lassen sich nicht unterdrücken. Ich hasse es, so hilflos vor ihm zu stehen.

„Warum weinst du?“, fragt er sanft.

„Tu ich nicht!“

Ich wische die Tränen mit dem Handrücken weg.

„Doch tust du.“

Er kommt noch näher. Wir sind nur noch eine Armlänge voneinander entfernt.

„Seit wann interessierst du dich für mein Seelenheil“, zische ich angriffslustig.

Ich versuche mich zwischen Chris und der Wand vorbei zuschieben und in mein Zimmer zu kommen. Er verstellt mir den Weg.

„Wenn du keine Antwort gibst, kann ich dich nicht gehen lassen.“

Es klingt spöttisch und macht mich wütend. Ich versuche Chris wegzuschieben, aber er ist wie ein Fels, weicht keinen Zentimeter, drängt mich mit seinem ganzen Körper gegen die Wand. Mir ist plötzlich schwindelig.

„Warum kannst du mich nicht lieben?!“, platze ich heraus.

Chris zieht fragend die Augenbrauen hoch, ich drücke ihn energisch zur Seite. Er lässt mich gehen. Nur noch einen Schritt und ich bin in meinem Zimmer, als Chris mich am Oberarm packt, zu sich herum reißt und mich küsst, als wären wir gerade dem Tod von der Schippe gesprungen. Meine Knie geben nach. Chris hält mich, fest an sich gedrückt. Er hebt den Kopf und sieht mich an.

„Ist das Antwort genug?“

Ein „Ich-will-dich-jetzt-sofort!“ Kuss lässt mich jede sinnvolle Antwort vergessen. Warum reden, wenn man lieben kann?

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3. Satz aus der Aufgabe: 13 Sätze – 13 Geschichten

„Wenn sie das gesagt hat, hat sie aufgegeben.“

Sara schüttelte den Kopf.

„Ich versteh das nicht. Was war eigentlich los?“

Asta zog eine Zigarette aus einem silbernen Etui und zündete sie an. Sara öffnete sofort das Fenster.

„Muss das sein? Du weißt doch, dass ich seit drei Wochen abstinent bin. Sonst kriege ich wieder Jap!“

„Ich habe auch aufgehört“, lachte Asta, „heute Morgen. Kein Grund nicht wieder damit anzufangen, wenn es die Situation erfordert.“

Sie schlug ihre langen Beine übereinander und pustete kleine Rauchwölkchen in die Luft. Sara wedelte energisch mit der Hand.

„Beruhig dich Kleine, du kannst gerne eine von meinen haben.“

Asta hielt ihr demonstrativ die silberne Schachtel hin.

„Hört auf, ich finde, ihr könntet etwas mehr Mitgefühl für Bea zeigen.“

Sara zog skeptisch eine Braue hoch. Asta sah mich entgeistert an.

„Ich bitte dich. An der Misere ist sie selber schuld. Sie will zwar unbedingt einen Kerl, aber nur einen, der in ihre Schablone passt.“

„Stimmt!“, pflichtete Sara bei. Was Bea betraf waren sie sofort einer Meinung, „Sie sollte sich einen Mann backen.“

Ich konnte mir das Lachen nicht verkneifen.

„Das wird nichts. Bea kann weder kochen noch backen. Erinnert ihr euch an den Kuchen zu meinem Geburtstag?“

Die beiden anderen zogen die Stirn kraus und nickten.

Nach zwei gescheiterten Anläufen hatte Bea es aufgegeben und meinen Kuchen beim Bäcker geordert. Ihre Wohnung stank noch zwei Tage nach dem Desaster nach verbranntem Teig. Es war so schlimm, dass der Feuermelder Alarm auslöste und der übereifrige Nachbar die Feuerwehr rief. Komplett mit Leiterwagen und allem.
Bei dieser Hau-Ruck-Aktion lernte Bea einen Mann kennen. Feuerwehrmann. Ein heißer Typ. Ich sage nur Feuerwehrkalender! Sara, Asta und ich waren uns einig, der Mann war eine Sünde wert – aber es dauerte nicht lange und Bea fielen seine kleinen Macken auf. Statt sie hinzunehmen und sich an seinen liebenswerten Seiten zu erfreuen, ritt sie so lange auf dem Kleinkram herum, bis er es nicht mehr aushielt. Er zog aus. Prompt wollte sie ihn zurück.

Allerdings ist er ein Mann mit Prinzipien. Entweder oder, sagte er zu mir und ich stimmte ihm lächelnd zu, als er sein T-Shirt auszog.

„Wie könnte ich diesem Angebot ernsthaft widerstehen?“

„Gar nicht“, grinste er und ließ die Jeans auf den Boden gleiten.

„Stimmt“, gab ich zu, „dein Argumente sind unschlagbar.“

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1. „WOW! Was ist denn in dem Drink?“

„WOW! Was ist denn in dem Drink?“
In meinem Kopf breitete sich langsam eine nebelige Wolke aus. Ich musste mich an der Stange am Tresen festhalten. Meine Beine verloren ihre Festigkeit. Vor meinen Augen schwankten die Bilder hin und her, oder war ich es die wankte? Meine Zunge war so dick, das sie unter dem Gaumen feststeckte.
„Ich fühl mich nicht gut“, sagte ich und hörte ganz andere Worte aus meinem Mund rutschen. „Ich brauche ein Taxi.“ Auch das kam irgendwie falsch heraus.
„Kann ich ihnen helfen?“, fragte ein Mann neben mir.
Ich wollte etwas sagen, die Töne waren weg. Also nickte ich nur. Der letzte Rest meines Verstandes versuchte sich an seinem Gesicht festzuhalten, tastete sich über einen sinnlichen Mund, eine gerade Nase zu zwei hellblauen Augen hoch.
„Geht`s ihnen nicht gut?“
Ich schüttelte den Kopf, versuchte auf den Drink zu zeigen. Meine Motorik versagte. Ich traf das Glas. Es kippte. Das Geräusch des splitternden Glases fraß sich in meine Ohren. Die klebrige rote Flüssigkeit quälte sich in Schwären über den Tresen. Ich hob die Hand. Mein Blick flatterte. Blut rann den Handballen hinunter über meinen Unterarm.
„Sie haben sich verletzt“, ich fühlte, wie der Mann seinen Arm, um meine Taille legte, mir eine Serviette um die Hand wandt, „sie müssen ins Krankenhaus.“
Es wurde dunkel.

Ich schlug die Augen auf. Durch dünne Chiffonvorhänge fiel Sonnenlicht in den Raum. Sie bauschten sich unter einer leichten Brise. Eine Weile sah ich ihrem Spiel zu. Ich wollte mich aufsetzen, als ein scharfer Schmerz durch meinen rechten Arm zuckte, bis in meinen Kopf. Ein blütenweißer Verband verhüllte meine Hand und mein Gelenk. Ich versuchte mich zu erinnern, wie ich mir diese Verletzung zugezogen hatte. Glas. Glas, das zerbricht. Rote Flüssigkeit, zäh. Ich suchte nach mehr. Einem Ort, Menschen, meinem Namen. Nichts. Doch. Da war etwas. Helle blaue Augen.

2. Das letzte Mal habe ich vor vier Stunden von ihr gehört. Ich mache mir Sorgen.

„Das letzte Mal habe ich vor vier Stunden von ihr gehört. Ich mache mir Sorgen.“
Sandra hüpfte nervös von einem Bein auf das andere. Ich konnte die ganze Aufregung nicht verstehen.
„Wo ist das Problem, du hast mir doch erzählt, der Typ ist aus reichem Haus und hätte Manieren wie ein Prinz.“
Allein diese Aussage hielt ich für totalen Schwachsinn. So etwas gab es heute nicht mehr – zumindest hatte ich noch keinen Mann kennengelernt, der auch nur ansatzweise in die Nähe dieser Bezeichnung gekommen wäre.
„Ja, ist er auch.“
Etwas in Sandras Stimme ließ mich aufhorchen.
„Und?“
Sie druckste herum.
„Wir haben dir nicht alles erzählt.“
Ich atmete tief durch und wappnete mich für die Beichte.
„Er ist ein Nachtwandler“, stieß Sandra hervor und sah mich mit großen tränennassen Augen an.
Ich sprang auf, riss meine lange gepolsterte Lederjacke vom Haken und schimpfte.
„Seid ihr verrückt geworden?! Ich habe euch tausend Mal gewarnt euch nicht mit denen einzulassen!“, ich überprüfte die Armbrust, die Innentaschen mit den Wurfsternen und den Gürtel. Vier spitze Ebereschenpflöcke steckten an der Seite und ein silberner Stab. Auf Kopfdruck stieß eine dreißig Zentimeter lange Spitze heraus. Die Pistole mit den Silberkugeln war geladen. „Wo haben sie sich getroffen?“
„Im „La Guerra“, piepste Sandra.
„Aus welchem Hause stammt er?“, fragte ich schroff und band mir die derben Stiefel zu.
„Aus dem Hause Godfrey“, Sandra schluchzte.
Am liebsten hätte ich sie geschlagen.
„Das darf doch nicht wahr sein?! Das sind die Schlimmsten! Stark wie Stiere, gefährlich wie Panther! Wenn sie jemand im Visier haben, dann gibt es kein Entkommen! Was ist nur in Anita gefahren?“ Wie konnte sie so dumm sein? Sie hätte sich auch gleich einen Strick nehmen können. „Und du hast es zugelassen und nichts gesagt?!“
„Aber er sah so gut aus“, jammerte sie.
„Er sah gut aus! Er sah gut aus!“, äffte ich Sandra nach, „Scheiße! Gut sehen die alle aus oder hast du schon einen hässlichen Nachtwandler gesehen?“ Bevor Sandra etwas sagen konnte, hob ich die Hand. „sag seinen Namen nicht oder ich flippe auf der Stelle aus.“
Wir dachten beide an Jeremy, aber das war eine ganz andere Sache. Ich war fast aus der Tür, als Sandra mit dünner Stimme rief:
„Du kannst ihr doch helfen, oder?“
„Ich tue was ich kann!“, rief ich.
Die Tür fiel ins Schloss. Ich fürchtete, dass das, was ich konnte, diesmal nicht ausreichen würde. Die Godfreys hinterließen nur verbrannte Erde, sonst nichts.

Die dreizehn Sätze, die den Anlass für die Geschichten geben, sind in meinem Blog Schreiberlebentipps zu finden „13 Sätze – 13 Geschichten“.

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