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Archive for April 2015

Hört ihr Leut und lasst euch sagen
Was sich einst hat zu getragen:

In Nachbars Garten sah ein junger Edelmann
Was dann und wann geschehen kann
Ein wunderschönes Kind erblühn
Ihre Wangen zart wie Rosenblätter glühn
Er war arm ohne Gut und Geld
Wollte sein ein gerühmter Held
Ihr Vater war ein vermögend Mann
Der Junge einen tückisch Plan ersann
Der ihm trüge ein des Vaters Reich
Und das schöne Mädchen auch sogleich

In heller Mond beschienener Nacht
Wurd sein Plan zur Tat gemacht
Vor ihrem Altan dort kniet er nieder
Die Nacht wohlriecht nach lila Flieder
Glühenden Eifers freit er um ihre zierlich Hand
Das Fräulein schaut ihn an ganz unverwandt
Ihr unerfahren Herz seine Schönheit rührt
Seine Schmeichelei ihr den Verstand verführt

Im Mondenschein glänzt ihr kostbar Geschmeide
Der schöne Jüngling schwört viel tausend Eide
Dass er sie so glühend innig liebe
Und für sie auch tausend harte Hiebe
Jederzeit und willig könnt ertragen
Würd sie ihm nur einmal sagen
Die berühmten drei Worte
An der glänzenden Pforte

Morgen Nacht zur selben Stund bei Lunas Schein
Beizeiten wiederkehrend wollt er bei ihr sein
Von seiner lauteren Liebe ihr zu singen
Seiner Angebeteten ein Kleinod zu erbringen
Das die reine Wahrheit seiner Worte beweise
Und so schlich der listige Jüngling leise
Hinfort aus ihrem paradiesischen Garten
Das holde Mägdlein wollt geduldig warten
Bis der blendend Herzgeliebte wiederkehrt
Doch es wurde ihm unerbittlich verwehrt

Denn der schlangengleiche junge Mann
Wendet eine böse arglistige Täuschung an
Der Knabe buhlt nicht allein um sie
Auch vor der Schwester fiel er auf die Knie
Als den Vater erreicht die schlimme Kunde
Macht er sich gar zornig auf zur selben Stunde
Den Jüngling mit dem Schwerte zu erstechen
Und sich für die üble Schmach zu rächen
Doch der Missetäter hörts und eilends floh
Das schmachtende Mägdelein wurd nimmer froh
Siechte dahin an gebrochenem Herzen
Bis es starb in Liebesschmerzen

Und die Moral von der Geschicht:

„Liebe tötet“ – immer nicht
Doch des öfteren kommt’s vor
Das Eifer, Neid und Gier
Verschließen uns der Liebe Tür
Drum ihr Jungfern seid bedacht
Wer euch einen Antrag macht
Damit ihr nicht erleidet bittre Schmerzen
An verliebtem Mädchenherzen

Bitte seht mir nach, wenn es hakt 🙂 – es hat einfach Spaß gemacht.

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Zum Tode von
Dr.med. Horst P.
Fällt mir nur ein Wort ein
Danke!
Ein Patient

Dr. Pallaske stand im Vorraum des Operationssaales und wusch sich die Hände. Er konnte ein leichtes Zittern nicht unterdrücken. Das Valium wirkte noch nicht, aber vielleicht war die Dosis auch zu niedrig. Je länger er das Teufelszeug schluckte, desto mehr brauchte er davon, um seinen Spasmus und die Angst vor einer Entdeckung zu vertuschen. Wenn irgendjemand Wind von der Sache bekam, war er seinen Job los. Wer bezahlte dann sein Haus, seinen neuen BMW und die Klamotten für Mandy? Ja und Mandy wäre vermutlich schnell weg, wenn seine Portokasse Ebbe anzeigte.

„Dr. Pallaske, ihr Kittel“, Schwester Anika hielt ihm den grünen OP-Kittel hin.

Er fuhr mit den Armen hinein und ließ sich die Handschuhe überstreifen. Schwester Anika band ihm den Kittel zu. Pallaske atmete durch. Wenn dieses Zittern nicht in den nächsten zwei Minuten verschwand, sah er alt aus. Dr. Klein, der Anästhesist, hatte den Patienten inzwischen in Tiefschlaf versetzt. Schwester Anika rückte den Wagen mit dem Operationsbesteck an die richtige Stelle und sah ihren Chef erwartungsvoll an.

„Chef?“, fragte sie gedehnt.

Pallaske antwortete nicht.

„Chef!“, sagte sie jetzt energisch, „geht es ihnen nicht gut? Soll ich Dr. Bauer holen?“

Pallaske fuhr zusammen. Was hatte die blöde Kuh eben gesagt? Bauer holen lassen. Das kam überhaupt nicht in Frage. Der wartete bloß darauf, dass er einen Fehler machte.

„Reden sie keinen Blödsinn, Anika.“

Pallaske riss sich zusammen und trat auf den OP-Tisch zu. Das Zittern war noch nicht vorbei, aber er konnte sich keine Verzögerung mehr leisten, das OP-Team sah ihn schon mit prüfenden Blicken an.

„Skalpell“, sagte er in einem scharfen Ton, um seine Unsicherheit zu verbregen.

Alles würde gut gehen. Es war immer alles gut gegangen. Anika reichte ihm das Skalpell. Pallaske setzte an und öffnete den Thorax.

„Herr Doktor“, schrie Saskia, die Assistenzärztin, „das ist doch Herr Sander und nicht Herr Wolter.“

Es war zu spät. Der Schnitt verlief vom Schlüsselbein bis hinunter zum Bauchnabel. Pallaske ließ das Skalpell fallen und rannte aus dem OP-Saal.

„Pallaske!“, brüllte Dr. Klein hinter ihm her, „sie können den Mann doch nicht so liegenlassen!“

Pallaske hörte ihn nicht mehr.

„Verdammte Scheiße“, fluchte Klein, „rufen sie sofort Bauer her. Notfall!“

Schwester Anika hatte Dr. Bauer schon angepiept. Zwei Minuten später stürzte DR. Bauer in den Vorraum. Ohne Fragen zu stellen, absolvierte er die Sterilisation so schnell wie möglich und nähte Herr Sander wieder zu.

Pallaske rannte, wie von Furien gehetzt, aus der Klinik und sprang in seinen BMW. Mit aufheulendem Motor fuhr er vom Klinikparkplatz. Es war vorbei. Der Supergau war eingetreten. Bestimmt hatten sie den arroganten Bauer gerufen. Das Arschloch konnte sich jetzt in dem Glanz sonnen, seinen Fehler elegant ausgebügelt zu haben. Pallaske erinnerte sich dran, dass ihm der Schnösel geraten hatte, doch mal ein paar Wochen in Urlaub zu gehen und zu relaxen. Relaxen! Pah, ein guter Arzt war immer im Dienst und außerdem, er musste sein Haus und sein Auto zu bezahlen. Und dann war da ja noch Mandy.

Pallaske raste über die Schnellstraße. Immer schneller ließ er den BMW über die Fahrbahn jagen. Aus den Lautsprechern dröhnte Megadeath: „Killing is my bussines, bussines is good” und übertönte das Röhren des Boliden. Die Umgebung zog wie in einem Rausch an ihm vorbei. Das Valium fing an zu wirken. Pallaske hatte das Gefühl in einem Tunnel aus Licht und Grün gefangen zu sein. Alles würde gut. Es war immer alles gut gegangen. Bauer war nur ein Speichellecker, ein kleines Licht. Ihm konnte keiner etwas anhaben. Er war Horst Pallaske, Chefarzt und bester Chirurg den die Johannes Klinik jemals hatte. Pallaske drückte das Gaspedal ganz durch. Ein Ruck ging durch den Wagen, die Hinterreifen rutschten auf dem glatten Straßenbelag weg. Er versuchte den Wagen abzufangen. Riss das Lenkrad herum. Pallaske lächelte. Alles würde gut.

Michael Sander stand vor dem Badezimmerspiegel und betrachtete die Naht, die seinen Körper entstellte. Zum Glück hatte sich der Pallaske um einen Baum gewickelt, sonst hätte Michael ihn kalt gemacht. Mit 25 so einen Schnitt! Obwohl sie ihm nur den Blinddarm herausnehmen wollten. Andererseits konnte sein Anwalt in dem Prozess gegen die Klinik ein hübsches Sümmchen herausgeschlagen. So hatte er sich einen langgehegten Traum erfüllt: einen nagelneuen BMW.

 

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Hier die ersten Seiten meines Bilder – Buch – Projekts. Die Idee hatte ich schon länger – eine Geschichte mit Bildern, die die Szenerie der Story zeigt, wie bei einem Bilderbuch für Kinder – nur eben für Erwachsene. Dazu gibt es Gedichte, die ich besonders mag – und kleine Briefchen, selbst Gemaltes und collagenartige Hintergründe. Die Größe ist DIN – A 3. Das ist mal was ganz anderes und macht unheimlich viel Spaß. So kann ich schreiben, malen und collagieren miteinander verbinden.

Die Geschichte heißt im Arbeitstitel: Jade und das alte Haus

Erste Seite - Bilder-Buch-Projekt

Erste Seite – Bilder-Buch-Projekt

Zweite Seite

Zweite Seite

Dritte Seite

Dritte Seite

Vierte Seite

Vierte Seite

 

Für die Collagen habe ich Bilder ausgedruckt, Zeitschriften aller Art geplündert, alte Zeichungen, Geschenkpapiere usw zusammengetragen. Außerdem habe ich auf dem Bücherflohmarkt ein paar günstige Bücher erstanden, die ich ebenfalls für die Collagen verwenden will und zu diesem Zweck auseinander nehmen muss. Und auch wenn ich diese Bücher im Regal habe, blutet mir das Herz einen Schnitt in die Seiten zu machen. Ich denke, ist ja nicht verloren, sondern für eine „gute“ Sache – ein Buch lässt Seiten für ein anderes, aber wohl ist mir trotzdem nicht dabei. Tja, Bücher und ich 😉 .

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Schweißgebadet schreckt sie hoch. Sie hat ein Geräusch gehört. – Vielleicht eine SMS? – Es ist Dunkel. Nur der Bildschirm ihres Computers spendet etwas Licht. Sie hat jedes Zeitgefühl verloren. Ihr Kopf tut weh. Es pocht, als schlüge jemand mit dem Hammer gegen die Schädeldecke. Sie hat einen schalen Geschmack im Mund und unterschwellige Übelkeit kriecht ihre Kehle hinauf. Neben dem PC stehen zwei leere Flaschen Rotwein. Sie hört sein leises Summen. Da wieder dieses unverkennbare Geräusch. – Oh mein Gott, er ist endlich im ICQ und ich hab es verschlafen. –

Wie von Furien gehetzt springt sie aus dem Bett, stolpert und stößt ihr Weinglas vom Tisch, das in tausend Stücke zerspringt. – So ein Scheiß. – Seit zwei Wochen hat er sich nicht gemeldet. Ihr Körper ist ausgezehrt von dieser zerstörenden Sehnsucht. Ihrer ganz persönlichen Obsession. Ein Mann, der sie nur mit Worten stimuliert, sie rasend vor Verlangen auf die Knie sinken lässt, bis sie darum bettele, dass er endlich kommt und sie fickt.  – Fast Tag und Nacht hab ich vor dieser blöden Kiste ausgehalten und ausgerechnet heute Nacht verschlafe ich ihn. –

Im ICQ-Fenster stehen nur ein paar Worte: „Hi, bist du da? Lust auf einen Quickie …“ und „Schade, schläfst wohl schon. Ok, dann mach ich es mir selber … stell mir vor, wie wir es zusammentreiben …“

In ihrem Kopf hört sie seine spöttische Stimme. Er weiß, dass sie nun Amok läuft. Sie will schreien! Aber ihre Kehle ist wie zugeschnürt. Sie schluchzt, immer stärker schüttelt es sie. Ihr Körper krampft sich zusammen. Sie geht zu Boden, zusammengekauert wie ein geprügelter Hund. Der Schmerz krallt sich an ihr Herz, den quetscht ihren Magen zusammen und rast durch ihren Kopf. Sie heult und lacht, versucht ihren hysterischen Körper zu kontrollieren. – Wenn er nicht bald herkommt und mich fickt, werde ich sterben. – Sterben an ihrer kranken Liebe, an der Achterbahn ihrer Gefühle, sterben am Alkohol, der sie noch aufrecht hält. Aber es ist ihr egal. Sie braucht ihn, wie die Luft zum Atmen, auch wenn es Momente gibt, in denen sie ihn umbringen möchte. Dann könnte ihn keine andere haben. Sie rappelt sich auf. Mit zitternden Fingern zündet sie sich eine Zigarette an und geht auf die Suche nach dem Stoff, aus dem die Träume sind. Sie finde noch eine Flasche Sekt. Trinkt aus der Flasche. Ihr ausgemergelter Körper ist nur noch eine Hülle ihrer fiebrigen Hirngespinste.

– Er ist meine Droge, der Stoff meiner ertränkten Träume. Aber er ist nicht hier, um mich zu ficken. Dabei ist das alles, was ich will. Endlich das tun, was wir die ganze Zeit am PC treiben. Sex haben, jeden Tag Sex. Ich will diesen verdammten Sex. Ich will, dass er mich solange fickt, bis ich tot umfalle. Sterben werde ich sowieso, also warum nicht bei einem guten Fick? Was für ein Tod! Danach nie mehr aufwachen. Nie mehr Spielchen, die mich in den Wahnsinn treiben und ohne die ich nicht mehr leben kann. Nie mehr vergeblich hoffen, dass er kommt, um es mit mir zu treiben. Nie mehr die leeren Versprechungen, dass er kommt, und dann im letzen Augenblick absagt. Nie mehr die Ungewissheit, ob er mich will oder nur sein Ding durchzieht. Los komm und fick mich bis mein Herz versagt, damit ich nie mehr aufwachen muss. – Der ICQ-Ton versetzt ihrem quälenden Gedankenkarussell einen durchdringend Impuls. Sie stürzt an den Schreibtisch. Stößt sich das Schienbein am Couchtisch. Sie fühlt es nicht. – Er ist da! –

„Hey, Prinzessin, wollte mich nur kurz melden. Bin die nächsten Wochen geschäftlich viel unterwegs … denk an dich“, liest sie. „Vielleicht sehen wir uns danach.“

Mit zitternden Fingern gibt sie eine Antwort ein. Drückt auf Senden. Sie sieht, dass er den Messenger schon verlassen hat. Sie stiert auf den Bildschirm. Immer wieder liest sie seine Nachricht, als könnte sie ihnen dadurch eine andere Bedeutung verleihen, oder ihn zur Rückkehr an den PC bewegen. – Er denkt an mich. Er meldet sich, wenn er kann. Wahrscheinlich sehen wir uns, wenn er zurück ist. – Irgendwann füllen sich ihre Augen mit Tränen. Sie setzt die Flasche an, trinkt. – Ich muss nur durchhalten, dann wird alles gut. Ganz bestimmt! –

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