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Archive for the ‘Märchenhaftes’ Category

Hier die ersten Seiten meines Bilder – Buch – Projekts. Die Idee hatte ich schon länger – eine Geschichte mit Bildern, die die Szenerie der Story zeigt, wie bei einem Bilderbuch für Kinder – nur eben für Erwachsene. Dazu gibt es Gedichte, die ich besonders mag – und kleine Briefchen, selbst Gemaltes und collagenartige Hintergründe. Die Größe ist DIN – A 3. Das ist mal was ganz anderes und macht unheimlich viel Spaß. So kann ich schreiben, malen und collagieren miteinander verbinden.

Die Geschichte heißt im Arbeitstitel: Jade und das alte Haus

Erste Seite - Bilder-Buch-Projekt

Erste Seite – Bilder-Buch-Projekt

Zweite Seite

Zweite Seite

Dritte Seite

Dritte Seite

Vierte Seite

Vierte Seite

 

Für die Collagen habe ich Bilder ausgedruckt, Zeitschriften aller Art geplündert, alte Zeichungen, Geschenkpapiere usw zusammengetragen. Außerdem habe ich auf dem Bücherflohmarkt ein paar günstige Bücher erstanden, die ich ebenfalls für die Collagen verwenden will und zu diesem Zweck auseinander nehmen muss. Und auch wenn ich diese Bücher im Regal habe, blutet mir das Herz einen Schnitt in die Seiten zu machen. Ich denke, ist ja nicht verloren, sondern für eine „gute“ Sache – ein Buch lässt Seiten für ein anderes, aber wohl ist mir trotzdem nicht dabei. Tja, Bücher und ich 😉 .

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Auf dem gelben Ortseingangsschild mit dem wohlklingenden Ortsnamen Rabenau sitzt Abraxas, der Rabenälteste. In der alten Eiche im angrenzenden Feld hat sich der Rest der Rabensippe niedergelassen. Leises Krächzen verrät ihre Aufregung, denn es ist eine außerplanmäßige Zusammenkunft. Es muss etwas sehr Wichtiges geschehen sein, dass Abraxas eine Versammlung einberuft, die so überstürzt stattfindet. Nebelschwaden liegen über den gepflügten, rotbraunen Feldern und verleihen diesem Herbstmorgen einen eigentümlich theatralischen Hintergrund.

„Abraxas, worauf wartest du noch?“, ruft einer der jungen Raben, Maras, „warum hast du uns zur Versammlung gerufen?“

Plötzlich ist es ganz still, alle blicken den alten Raben an und warten gespannt auf eine Antwort. Majestätisch hebt Abraxas den Kopf und blickte mit Herablassung auf den hitzköpfigen Maras. Diese jungen Dummköpfe denken, weil sie stärker sind, haben sie das Recht sich ungebührlich zu benehmen, aber das zeigt nur ihren Unverstand. Abraxas hat schon viele Jahre das Ältestenamt inne. Ihm kann niemand etwas vormachen. Weisheit ist eben eine Sache des Alters und nicht der Jugend.

„Wir sind noch nicht vollzählig,“ erwidert Abraxas.

Er will gerade fortfahren, als ein leises Rauschen in der Stille zu hören ist und mit ein paar eleganten Flügelschlägen landet Jorel neben Abraxas auf dem Ortsschild.

„Du kommst spät,“ höhnt Maras.

„Dafür habe ich meine Gründe,“ erwidert Jorel und blickte Maras kühl an.

Jorel verabscheut Maras wegen seiner Gewaltbereitschaft und seiner Lust Schwächere zu quälen. Er bedauert, dass sich einige der jungen Raben Maras angeschlossen haben und sogar in den eigenen Reihen Unruhe verursachen.

„Und welches ist dein ach so guter Grund?“ Maras versucht Jorel zu provozieren.

Der schweigt, wandte sich Abraxas zu und nickt. Dieser räusperte sich.

„In unserem Gebiet sind in der letzten Zeit merkwürdige Gesänge gehört worden. Hier halten sich mehrere Vögel auf, die hier nichts zu suchen haben. Ich habe Jorel ausgesandt festzustellen, woher die Gesänge kommen. Hört, was er uns zu sagen hat!“

„Na, da bin ich aber gespannt,“ redete Maras erneut dazwischen.

„Der alte Lehrer Schröder hat auf seinem Grundstück mehrere Käfige aufgestellt und züchtet dort Vögel, aus anderen Ländern“, berichtet Jorel, „sie stellen keine Bedrohung für uns da. Der Lehrer füttert sie. Dabei handelt es sich um scheußlich schmeckende Körner.“

„So?“ Maras kann und will den Schnabel nicht halten. „Wen interessiert das? Es sind Fremde. Sie müssen verjagt werden.“

Ein zustimmendes Gekrächze schallt aus der Eiche.

„Wozu? Sie sind keine Bedrohung und außerdem nehmen sie uns kein Futter weg“, meint Jorel ruhig.

„Es war schon immer so in Rabenau! Das ist doch Grund genug. Das ist unser Land und niemand außer uns hat das Recht hier zu wohnen. Das ist Tradition, willst du etwa damit brechen?“, Maras plustert sich auf und seine Anhänger lassen beifälliges Krähen ertönen.

„Nein. Aber immerhin sind sie gefangen und werden uns nicht in die Quere kommen“, stellt Abraxas nachdenklich fest.

„Du bist ein alter Narr!“, Maras wird noch lauter und spreizt drohend die schwarzen Flügel. „Wenn wir diese Fremden dulden, werden bald andere kommen und dann? Wir öffnen dem Verderben Tür und Tor!“

Erneute Zustimmung der Rabensippe, nur wenige enthalten sich der Stimme. Sie bleiben vorsichtig im Hintergrund.

„Wenn wir diesen Fremden etwas tun, öffnen wir dem Verderben Tür und Tor. Die Menschen werden diese Sache nicht auf sich beruhen lassen und uns jagen“, sagt Abraxas ruhig, aber mit fester Stimme.

„Ach hör doch auf! Du bist alt und ängstlich“, Maras lacht höhnisch. „Wer schließt sich mir an und vertreibt die Fremden?“, ruft er der Sippe zu.

Vielstimmiges Krächzen schall über die Felder, und wird durch die Stille des Morgens noch lauter zurückgeworfen.

„Dann lasst uns handeln. Je eher, um so besser!“

Maras erhebt sich in die Lüfte und seine Anhänger folgen ihm.

„Aber Abraxas spricht die Wahrheit,“ krächzt Jorel wütend hinter den Rebellen her. „Bleibt hier und lasst die Fremden in Ruhe.“

Niemand hörte auf ihn. Nur ein paar seiner engsten Freunde sitzen mit ernsten Gesichtern in der alten Eiche.

„Abraxas wir müssen etwas unternehmen!“ bittet Jorel den alten Raben hilflos.

„Was sollen wir tun?“, Abraxas sieht Jorel traurig an, „du weißt, was passieren wird. Maras kennt keine Gnade. Es wir ein Blutbad geben, auf beiden Seiten. Wenn wir eingreifen, wird es uns wie den Fremden gehen. Entweder sterben wir durch Maras Hand oder von den Kugeln der Menschen.“

Jorel tritt unruhig von einer Kralle auf die andere.

„Ich kann nicht glauben, dass dies der einzige Weg ist.“ Jorel breitet seine Flügel aus und fliegt auf. „Ich werde sehen, ob ich etwas tun kann!“

Mit kräftigen Flügelschlägen verschwindet er im Nebel. Als er sich dem Garten des alten Lehrers Schröder nähert, ist es schon zu spät. Er hört die verzweifelten Schreie der fremden Vögel. Ihre bunten Federn sind blutüberströmt. Viel liegen am Boden, mit verdrehten Hälsen und gebrochenen Flügeln. Die Sonne, die langsam den Nebel verdrängt, blickt auf ein blutiges Schlachtfeld. Jorel sieht, wie Maras sich auf einen der Fremden stürzt und ihm ein Stück Fleisch aus der Seite reißt. Wutentbrannt stürzt Jorel sich auf ihn. Die Wucht des Aufpralls stößt Maras von seinem Opfer.

„Mörder!“, krächzte Jorel, „Mörder!“

Maras setzt zum Gegenangriff an, als ein dröhnender Knall ertönt. Maras sinkt leblos ins Gras. Es folgt der nächste Knall, darauf der Nächste. Der Rabensippe fliegen die Kugeln gnadenlos um die Ohren. Viele werden verletzt oder getötet. Jorel kann sich nur um Haaresbreite in Sicherheit bringen. Er flüchtet zu der alten Eiche und ruft schon im Anflug:

„Wir müssen fliehen. Schnell! Ich konnte gerade noch entkommen. Maras ist tot und viele andere mit ihm. Wenn wir uns nicht beeilen, sind bald die Jäger da und werden keine Gnade für uns überhaben.“

Die wenigen Raben, die zurückgeblieben sind, erheben sich hastig in die friedliche Herbstluft und folgen Jorel dicht über die dunklen Tannen des nahen Waldes. Abraxas schüttelt traurig den Kopf. Diese dummen, überheblichen Raben. Hätten sie doch auf ihn gehört. Nun ist es zu spät. Sie bezahlten ihren Hochmut mit dem Leben. Jetzt müssen sie alle ihren Ort Rabenau verlassen, an dem sie solange gelebt haben. Es gibt kein zurück.       

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Anmutig streckte Frau von Trauerweide ihre zart ergrünten Zweige dem im Sonnenlicht glitzernden Wasser entgegen und lauschte den leise gemurmelten Geschichten, die Herr Bach auf seinem stetigen Weg erzählte. Wenn die leichte Frühlingsbrise durch ihre Blätter säuselte, berichtete Frau von Trauerweide ihrerseits Herrn Bach die neusten Geschehnisse, die sich im Park zu getragen hatten, um sie ihrer Nichte, die weiter unten am Waldrand wuchs anzuvertrauen. Es gab immer etwas Neues. Familie Eichelhäher war umgezogen, in dem verwunschenen Garten der Herzogvilla, beste Wohnlage, und Familie Eichhörnchen erwartete Nachwuchs.

In diesem Frühling allerdings gab es etwas ganz Besonderes weiter zutragen. Ihre Nichte würde staunen. Mit einem sehnsuchtsvollen Seufzen teilte Frau von Trauerweide ihrem Herold die aufregende Nachricht mit. Herr Knorkeiche hatte sich endlich, endlich zu ihr gewendet und das Wort an sie gerichtet.

Wie viele Jahre hatte sie darauf gewartet. Schon als gertenschlankes Weidenstämmchen hatte sie einen leidenschaftlichen Blick auf die schneidige Eiche geworfen, die nur einige Schritte entfernt ihre Äste imposant in den Himmel streckte.

Die Jahre vergingen, aus ihrem Stämmchen wurde ein Stamm und auch Herr Knorkeiche nahm an Umfang zu. In den letzten Jahren war ihre Hoffnung, dass er sie bemerken würde, immer mehr geschwunden. Aber in jedem Frühling, wenn das Leben neu erwachte und Blumendüfte die laue Parkluft erfüllten, schlug auch Frau von Trauerweides Herz ein wenig schneller. Herr Bach lauschte ihrer Berichterstattung aufmerksam, gab nur dann und wann ein zustimmendes Gurgeln von sich.

„Bitte, mein lieber Bach, sagen sie meiner Nichte, dass er mich wegen meiner üppigen Äste ansprach. Mit nur einem ganz kleinen Knarzen, ja einem fast schon zärtlichen Knarren, bat er mich, sie in eine andere Richtung zu strecken, damit sein Stamm stärker von der Sonne beschienen werden könne.“

Gleichzeitig ging ein Zittern und Beben durch Frau Trauerweides empfindsames Geäst, dass diese unerwartete Aufregung hervor rief.

„Versprechen sie mir lieber Bach, vergessen sie keines meiner Worte“, wisperte Frau von Trauerweide.

„Wie könnte ich, wie könnte ich“, säuselte Herr Bach.

Er beeilte sich den Weg zum Waldesrand hinab zu fließen, um alles getreulich zu berichten. Frau von Trauerweide schaut derweil mit sehnsüchtigem Verlangen zu Herrn Knorkeiche.

„Ach, würde er mich doch bald wieder ansprechen … und nicht noch einmal so viele Jahre verstreichen lassen“, dachte sie und seufzte aus tiefstem Herzen.

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Menschen sind Engel mit einem Flügel. Damit sie fliegen können, müssen sie sich umarmen. Ich liebe diesen Spruch! Es deutet das viele Wertvolle an, das in uns steckt, zeigt uns aber auch auf, dass wir nicht überheblich sein sollten. Denn um fliegen zu können, brauchen wir immer ein Gegenstück, das uns umarmt. Sonst können wir uns nicht vom Boden erheben.

In uns steckt die Schwere des Erdbodens und die Leichtigkeit des Himmels. Heute in der Morgendämmerung geschah etwas Außergewöhnliches. Ich sah einen Engel mit zwei Flügeln. Er war rotbraun wie die Erde, aber in seinen Augen und in seinen Flügeln sah ich das Blau des Himmels. Er trug alle Farben des Regenbogens in sich, seine Flügel weit geöffnet. Mit einer liebevollen Geste streckte er mir die Hände entgegen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich träumte oder wachte, aber ich konnte deutlich sein Gesicht sehen. Er trug deine Züge. Dein Lächeln, deine Augen, deinen Mund.

Du sagtest kein Wort. Sprachst nur mit deinen Augen. Du legtest deine Flügel um mich. Warm und festhieltest du mich und ich wusste, mir kann nichts passieren. Denn was auch geschieht, du bist in meiner Nähe. Ob ich dich sehe oder nicht. Die Sonne begann mein Zimmer zu erleuchten und langsam löstest du dich im hellen Licht auf. Deine Flügel schlugen lautlos und sacht. Da sah ich, dass du zwar zwei Flügel hattest, aber dass dir ein Fuß fehlte. Ich wollte dich fragen, wieso? Aber da wusste ich es schon. Auch du musst mit einem Mangel leben, um nicht überheblich zu werden. So wie du mich mit deinen Flügeln auffängst, wenn ich falle, oder mich fliegen lässt, wenn ich mich selbst nicht erheben kann, so helfe ich dir zu stehen, wenn dir einmal die Kraft deiner Flügel versagt.

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Glas essen. Zerrieben und zermalmtes Glas. Aus dick- und dünnwandigen Gläsern. Grünes, braunes und weißes Glas. Zermahlen zu winzigen Splittern werden sie mir eingetrichtert. Ich sehe, wie er mir dabei zusieht. Seine angsteinflößende Fratze zu einem Lächeln verzogen. Ich winde mich in Schmerzen und will ihn von mir werfen, aber es gelingt mich nicht, bin gefangen in meinem Traum. Er lässt mich nicht entkommen, weidet sich an meiner Angst, meinem Schmerz, der ihn aufbläht, immer stärker werden lässt und neue schreckliche Trugbilder ersinnt. Sie erscheinen so klar, als wären sie Wahrheit und meine Gefühle drohen mich zu überwältigen. Kein Schrei wird hier gehört, kein Laut der diesen Zauber brechen kann, dringt in dies Welt aus Illusionen und Erinnerung, die sich vermischen und mich jede Nacht dem Tode nahe bringen. Eine Qual, der ich entkommen muss und doch nicht kann. Schlafen will ich, einfach schlafen. Bin ausgezehrt und finde keine Ruhe. Mein Geist versinkt bei Nacht in dunklen Schatten, die kein Tageslicht mir mildern kann, denn ist der Tag verglüht, beginnt die neue Nacht mit ihren Schrecken. Wo kann ich müßig sein, mich erfrischen? Wohin ich auch geh, der Nachtmahr findet mich und gönnt mir kein Erbarmen.

 

Morpheus

 

Morpheus

Komm über mich

Hüll mich ein

In deine Nacht

Tröstende Dunkelheit

Leg sie auf meine Träume

Damit kein Alb mich drückt

Mich weckt aus meiner Stille

 

Komm Morpheus

Leg deine kühle Hand

Auf meine Augen

Halt die stürmischen Gedanken an

Damit der Schlaf nicht flieht

 

Komm Morpheus

Küss mein ruheloses Herz

Nie lässt es los

Kommt nicht zur Ruh

Es zehrt mich aus genug bei Tag

Kann nicht die Nacht noch geben

 

Komm Morpheus

Wieg mich sacht

In deinen starken Armen

Finde ich endlich Ruhe

Versüß mir meine Träume

 

Die Texte entstanden nach dem Bild von Johann Heinrich Füssli, der den Romantikern zugerechnet wird.

 

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In einer fernen Vergangenheit lebten zwei Menschen, Peewee und Serafina, sie waren auf der Suche nach der wahren Liebe. Peewee hatte sein Leben in den felsigen Klüften mit einigen Gefährten verbracht. Je länger er in der Einöde wohnte, umso intensiver wurde der Wunsch sesshaft zu werden und einen Menschen an seiner Seite zu haben, mit dem er den Rest seines Lebens verbringen konnte. Serafina hatte versucht sich das Leben im Schutz ihres Clans einzurichten, so gut es ihr möglich war. Aber das war zum Scheitern verurteil. Eines Tages machte sich Serafina auf den Weg, um sich einen neuen Platz in der Welt zu suchen, an dem sie die sein konnte, die sie war und an dem die Grenzen nicht hinter der Dorfmauer aufhörten.

Beide, Peewee und Serafina, suchten das weite Land, den Himmel und den unendlichen Horizont. Auf ihrer langen Wanderung begegneten sie einigen Menschen, die sie am Weiterreisen hindern wollten. Sie boten ihnen Nahrung, Obdach und Sex, aber sie merkten schnell, dass es nicht das war, was sie wirklich suchten und reisten bald weiter. Sie suchten die Person, mit der sie ganz und gar eins sein konnten. Es lauerten Gefahren und Ablenkungen auf ihrem Weg, aber unbeirrt gingen sie weiter.

Auf ihrer Reise von Norden nach Süden und von Süden nach Norden begegneten sie sich eines Tages auf einer wunderbaren Blumenwiese. Die Sonne sendete die letzten Strahlen auf die Welt und Peewee und Serafina erkannten sich. Sie sahen sich in die Augen und ohne Worte wussten sie, dass sie gefunden hatten, wonach sie solange gesucht hatten. Sie schlossen sich in die Arme und spürten, dass sie am Ende ihres Weges angelangt waren.

Während sie sich in den Armen hielten, verging die Zeit. Die Sonne versank am Horizont. Der Mond ging auf und unter. Sterne wanderten über den nächtlichen Himmel. Sternschnuppen fielen. Die Sonne stieg über den Rand der Welt hinauf und zog ihre Bahn, bis zum Abend. So verging Tag für Tag, Nacht für Nacht. Regen fiel, Sonne schien, Schnee hüllte sie ein, Winde wehten. Peewee und Serafina standen auf der Wiese und hielten sich in den Armen.

Zeit um Zeit verging und Peewee und Serafina schlugen Wurzeln in der fruchtbaren Erde des neuen Landes, das sie gefunden hatten. Ihre Wurzeln fasten tief in die Erde. Ranken umschlungen sie unzertrennlich. Eine mächtige Baumkrone wuchs aus ihnen empor, streckte sich in den Himmel und diente ihnen als Schutz. Sie mussten nicht sprechen. Ihre Gefühle waren ihre Verständigung. Mehr brauchte es nicht, um diese große Liebe am Leben zu erhalten. Aus ihnen erwuchs der Weltenbaum, Amrasil, der Baum der Liebenden. Um ihn zu finden, muss man weite Wege gehen. Er ist nicht leicht zu finden, ebenso wie die wahre Liebe. Aber die Suche lohnt sich und so wird es immer sein.

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Der Prinz war recht glücklich mit seiner rechten Braut. Sie war bildschön und anschmiegsam, außerdem recht brav.

Und doch war da ein Stachel in seinem Herzen. Die falsche Braut hatte ihm, wenn er ehrlich war, besser gefallen. Dunkles langes Haar, glutvolle Augen und ein Mund, der sich zu küssen lohnte. Ein echtes Rasseweib. Jeden Abend, wenn seine Frau sich zur Ruhe gebettet hatte, stand er auf und sah aus dem Fenster.

Mehr als ein Mal kam ihm der verwegene Gedanke, er könnte die falsche Braut zurückholen und gegen die Echte tauschen, die alles andere als leidenschaftlich war. Aber es gab kein Zurück. Sein Vater hatte die falsche Braut in ein Nagelfass gesperrt und einen Abhang hinunter gestürzt.

Der Prinz seufzte. Seine Braut hatte sich als Gänseliesel im Grunde genommen viel besser gemacht und außerdem hatte sie den Peter im Griff gehabt, den frechen Lümmel. Jetzt faulenzte er wieder den ganzen Tag und spielte den Dienern Streiche.

„Ach, wenn ich nur nicht so vorschnell gehandelt hätte“, murmelte er, „aber jetzt muss ich es so nehmen wie es ist.“

„Wieso?“, fragte eine kecke Stimme hinter ihm.

Der Prinz fuhr herum und sah ein merkwürdig gekleidetes Männlein mit krummen Beinen und einem Buckel.

„Wer bist du?“

„Ich bin Rumpelstilzchen und mache gerne Geschäfte mit verzweifelten Hoheiten“, kicherte das Männlein, das sich insgeheim die Hände rieb. Diesen Dienst würde es sich etwas kosten lassen.

„Je schwieriger der Wunsch, um so teurer“, sagte es daher, als der Prinz fragte, was es denn für den Gefallen verlangen würde, die Bräute zurückzutauschen.

„Ich möchte 1000 Gulden und den Peter“, verlangte es.

„Wozu das?“, fragte der Prinz erstaunt, „1000 Gulden kannst du haben. Aber was willst du denn mit Peter?“

„Weil die falsche Braut beim Teufel Dienst tut und der gibt sie nicht so einfach her. Der will einen Ersatz“, sagte Rumpelstilzchen.

„Aber da nimm doch lieber gleich meine Braut mir“, schlug der Prinz vor und dachte, dass er sehr schlau sei.

„Nein“, widersprach das Rumpelstilzchen energisch, „der Teufel mag keine netten Prinzessinnen. Der will was Freches, das er zähmen kann.“

„Na gut“, lenkte der Prinz ein, „hier hast du das Geld. Wo der Peter schläft weißt du sicher.“

So war der Handel perfekt und der Prinz musste sich überlegen, wie er die echte Braut ohne Aufsehen los wurde. Dafür gab es ja genug böse Feen. 100 Jahre Schönheitsschlaf ließen sich bestimmt irgendwie arrangieren…es kam nur auf den richtigen Preis an.

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