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Archive for the ‘365 Tage Projekt’ Category

„Dein Idealismus ist beneidenswert, aber ich vermag ihn nicht zu teilen.“

Sander sah mich ernst an. Wut stieg in mir auf. Jedes Mal dasselbe, dachte ich, wenn ich eine super Idee habe, weiß er warum das Blödsinn ist und sowieso nicht klappt. Ich sprang auf, der Stuhl krachte gegen die Tischkante.

„Wenn du eine Unterhaltung so beginnst, kann ich mir schon denken, wie sie ausgeht!“ Ich schnappte meine Jacke und riss die Tasche von der Stuhllehne. „Ich werde jetzt genau das tun, was ich mir vorgenommen habe. Egal, was du wieder einzuwenden hast.“

Er grinste selbstgefällig und ich hätte ihn am liebsten geschlagen.

„Na dann viel Spaß. Du wirst ja sehen, was du davon hast.“

„Genau!“

Ich stürzte hinaus. Sanders Zweifel verfolgten mich, bis ich vor dem Haus stand und klingelte. Ich atmete tief durch. Jetzt werde ich dir zeigen, dass du Unrecht hast, dachte ich und drückte gegen die Tür, als der Summer ertönte.

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„Die Arbeit ist, verstehe sie mich recht, ein wenig ungewöhnlich“, sagte Mister Gordon.

Sein merkwürdiges Lächeln hätte mich misstrauisch machen müssen. Aber ich seit drei Wochen wartete ich auf einen halbwegs gutbezahlten Job um meine Rechnungen bezahlen zu können, aber mein Büro schien in ein schwarzes Loch gefallen zu sein. Ich brauchte dringend einen Auftrag, egal von wem. So wischte ich das flaue Gefühl in meinem Magen beiseite, dass ich fataler Weise für Hunger hielt und sagte:

„Das ist kein Problem für mich. Ich hoffe nur, dass sie sich meine Dienste leisten können.“

Mister Gordon lachte und ein leiser Schauer rieselte über meinen Rücken hinab. Er zog einen Umschlag aus der Innentasche seines feinen Wollmantels und schob ihn mir über den Schreibtisch zu.

„Mister Morgan, wenn sie wüssten wer ich bin, würden sie solche Fragen nicht stellen. Die einzige Frage, die wirklich wichtig ist, kann ich ihnen vertrauen?“

Abrupt verschwand das Lächeln aus seinem Gesicht. Dabei verengten sich seine schwarzbraunen Augen zu kleinen Schlitzen und musterten mich scharf. Unwillkürlich musste ich an einen Hai denken. Sobald er mein Büro verließ, würde ich Erkundigungen über ihn einziehen, dachte ich, griff nach dem Umschlag und hob die Klappe leicht an. Ein dickes Bündel 500 Euroscheine strahlte mir entgegen und wischte meine Skrupel hinweg.

„Natürlich können sie mir vertrauen“, erwiderte ich im Brustton der Überzeugung und dachte, es wird schon gutgehen.

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Wenn (das Monster) Tirion schläft träumt (es) er von Liebe. Eine Hand, die nicht schlägt, sondern streichelt. Doch da ist niemand. Nur eine dunkle schreckenerregende Leere, die es umschließt und die nichts aufzulösen vermag. Und so sehr Tirion sich auch wünscht, dass sein elendiges Leben endlich ein Ende findet, er wird nicht erhört.

Er hatte alles. Geld, Ansehen, sogar eine Art von Liebe, auch wenn sie sich nicht richtig anfühlte. Sein Übermaß an Stolz und Hartherzigkeit kosteten ihn alles. Verbannt und geächtet lebte er unter den Ärmsten der Armen, von niemandem vermisst, von niemandem geliebt.

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Kalt, kalt und allein, wanderte das böse Wesen durch die Sternenströme. Es war auf der Suche nach Nahrung. Das letzte Mal, als es sich laben konnte Zeitalter her. Es verlangte nach Futter. Doch seine Weidegründe waren knapp. In seiner Gier raubte es die Welten, die es heimsuchte, völlig aus. Nichts blieb bestehen. Kein Lebewesen hielt ihm stand. Es vernichtete alles. Seit Äonen vermocht es niemand aufzuhalten. Das Wesen selbst konnte sich nicht mehr erinnern, wann und wie es in dieses Universum gelangt war. Es muss auf der Suche nach Nahrung gewesen sein, dachte es und spürte die quälende Leere in sich. Wenn ich nicht bald fressen kann oder den Übergang in ein anderes Universum finde, werde ich hier sterben. Es hielt inne. Da war etwas! Eine Art Signal. Es lauschte gespannt in die Dunkelheit. Das Signal wurde deutlicher. Das Wesen wendete sich in die Richtung aus der das Zeichen drang und eilte ihm entgegen.

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Der Gespensterwald wurde von Erinnerungen heimgesucht, brüchig die Zweige, die winzigen Knochen gleich unter Marks Stiefeln knirschten. (Der schwarze Dolch)

Kälte kroch seinen Rücken hinauf und ein beklemmendes Gefühl spannte sich um seinen Brustkorb. Ich habe keine Angst, prahlt er vor seinen Freunden, doch längst bohrte sie sich unaufhaltsam in sein Herz und seine Gedanken. Niemand, der einmal den Gespensterwald betrat, kehrte unversehrt daraus zurück. Auch wenn nicht jeder körperlichen Schaden nahm, auf seiner Seele lag der Schatten des Todes. Einmal gezeichnet gab es kein Mittel diese Wunde zu heilen

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Der Hund witterte sie zu erst. Er blieb stehen, spitzte die Ohren, gab leise Fiep-Laute von sich. Suchend schaute Paul sich um, doch außer den normalen Lauten des Waldes nahm er nichts wahr. Er wollte weitergehen, aber Artus folgte ihm nicht. Er hatte sich hingesetzt und starrte in eine Richtung. Paul stellte sich neben seinen Hund und folgte seinen Blicken. Ganz genau sah er hin, versuchte das dunkelgrüne Dickicht der Tannenschonung mit den Augen zu durchdringen. Doch es blieb eine zusammenhängende Masse. Er gab auf. Da sah er sie! Ganz in das Grün des Hains gekleidet, verschmolz sie mit ihrer Umgebung. Paul blieb reglos stehen. Was für ein wunderschönes Geschöpf, ging es ihm durch den Kopf, ich darf sie nicht erschrecken, sonst läuft sie davon.

Doch sie schien keine Angst zu haben und kam langsam auf Herrchen und Hund zu. Während sie ging, begann sie ihre Farbe zu verändern, angepasst an die nackten Birkenstämme und das lichte Grün der Frühlingsblätter.

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Am Anfang waren es 36. Nun besaß ich nur noch 18. Panik ergriff mich. Der alte Mann hatte mich gewarnt. Wenn ich alle verbraucht hatte, gab es keine Rettung mehr. Ich musste sofort damit aufhören, sie zu benutzen, auch wenn ich es nicht für mich, sondern für andere tat. Meine Welt würde untergehen und ich mit ihr. Das durfte niemals geschehen. Bei dem Gedanken zog sich meine Brust zusammen und ich konnte kaum atmen. Am liebsten hätte ich geweint. Der Weg, den ich aus Stolz und falschem Ehrgeiz beschritten hatte führte nur in eine Richtung. In meinen Ohren klangen die Worte des alten Mannes:

„Überlege dir gut, wohin du deine Füße wendest! Sobald du den ersten verbraucht hast, gibt es kein Zurück.“

Es stimmte. Ich hielt es für dummes Geschwafel, aber ich musste schmerzhaft erfahren, dass er die Wahrheit gesagt hatte.

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