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Ich komme nun zu der vielleicht merkwürdigsten Episode meiner ganzen langen Karriere in Indien.

Obwohl manche Leute meinen mögen, dass allein die Karriere einer jungen Frau, als Hotelbesitzerin in Indien, das Prädikat skurril verdient hat. Ich würde gerne widersprechen, doch tatsächlich bin ich auf eine ungewöhnliche Weise dazu gezwungen worden, diesen Weg einzuschlagen.

Der Bruder meiner Mutter holte mich nach dem Tod meiner Eltern nach Indien. Er führte in Bombay das erste Hotel am Platz. Ich war kaum zehn Jahre alt und fand mich innerhalb weniger Wochen aus meinem kalt-feuchten Lebensraum in England versetzt in eine Welt aus „Tausend und einer Nacht“. Die farbenfroh gekleideten Menschen, die mich wegen meiner hellblonden Haare anstarrten und versuchten sie zu berühren, die labyrinthischen Basare mit den verschiedensten Düften, überbordenden Warenlagern aller Art, Paläste mit Wasserspielen und fantastischen Gärten, daneben die Armenviertel, die undurchdringlichen Urwälder und heißen Steppen.

Ich war wissbegierig, lernte die Sprache schnell und genoss die Freiheiten, die sich reichlich boten und die ich in England niemals gehabt hätte. Als mein Onkel nach einem Malariaanfall starb, war ich gerade 19 Jahre alt, auf mich allein gestellt und durch Erbschaft in den Besitz des Hotels gelangt.

„Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich völlig ungeniert.“

Yptychon III

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Black Heart

Manche Herzen fressen – andere werden gefressen.

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Es fiel in dieser Nacht, ein feiner wispernder Regen.

Und während die ganze Stadt in friedlichem Schlummer versunken da lag, machte ich mich auf den Weg ihre kleine Welt zu retten. Ich huschte über die, vom Regen glänzenden, Kopfsteinpflasterstraßen.

Als ich den Wald erreichte, war ich außer Atem. Mein Herz schlug bis zum Hals, der schwere Rucksack drückte seine Riemen in meine Schultern, und die Kleidung klebte am Körper. Ich zögerte einen Moment weiterzugehen. Es gab keine andere Möglichkeit, die Monster zu bekämpfen. Bis jetzt beschränkten sie ihre Fangquote eine Person pro Woche, das würde nicht lange so bleiben. Ich kannte ihre Spezies genau und wusste, dass sie schon bald stark genug und zahlenmäßig überlegen sein würden, um die Stadt dem Erdboden gleich zu machen.

Sie waren nicht der Grund, weswegen ich in diese gottverlassene Gegend geflohen war, doch nun holten sie mich ein. Es schien mein Fluch und meine Bestimmung zu sein, sie zu jagen.

Ich atmete tief durch, zog den versilberten Sarazendolch aus dem Halfter und ging mit gesteigerter Wachsamkeit weiter. Die plötzlich eintretenden Stille zeigte mir, dass sie wussten, dass sich ein Feind näherte.

Ein Tag, der so losgeht, ist nicht zu retten, dachte Jeremy missmutig und übermüdet.

Die Kaffeemaschine hatte ihren Geist entgültig aufgegeben. Er lief drei Blocks weit, um einen vernünftigen Kaffee aufzutreiben. Keinen Latte, Cappuccino oder Espresso. Nur einen einfachen schwarzen Kaffee. Ohne Sojamilch, Süßstoff, entkoffeiniert oder anderem Schnickschnack. Sondern Kaffee. Schwarz.

Wirklich ein ganz übler Tag, dachte Jermey, ich sollte meinen Job an den Nagel hängen und mich endlich zur Ruhe setzen. Wenn man als Auftragskiller die erste Leiche am Morgen ohne Kaffee kalt machen muss, dann ist das mehr als ein schlechtes Omen.

Ihn in den Glockenturm zu schaffen, erwies sich als schwierig.

Er war kein dicker Mann. Gewicht und Größe hielten sich die Waage, wenn man von seiner außergewöhnlichen Größe ausging. Markus war eher zu dünn. Doch um ihn von der obersten Plattform zu stürzen, mussten wir ihn eine sehr enge Wendeltreppe hinaufschleppen. Bei seiner stattlichen Größe von 2,10 Meter und einer beachtlichen Gegenwehr, ein schweißtreibendes Unterfangen. Er war kaum zu bändigen und so brauchten wir vier alle Kraft, um ihn Stück für Stück hinaufzuschieben.

Wir hatten ihn gefesselt, doch es geschah notdürftig, da wir aus der Situation heraus handeln mussten und mit dem vorlieb nahmen, was sich anbot. In einer Mönchszelle gibt es wenig Mittel. So blieb nur der Strick, der die Kutte an Markus dürrem Körper hielt.

Wer konnte ahnen, dass der lethargische Markus im Augenblick seines viel beschworenen Zusammentreffens mit seinem Schöpfer derart energischen Widerstand leisten würde?

Der Doktor erwachte und hatte Angst.

Sein Herz raste, kalter Schweiß lief ihm den Rücken herunter, seine Kehle war trocken, die Zunge klebte am Gaumen. Er konnte kaum atmen. Ein Gefühl von Starre hatte von seinem Körper Besitz ergriffen, obwohl er einen unwiderstehlichen Drang verspürte wegzulaufen.

Das war es, was er den anderen sagte, wenn sie vor Gefahren oder dem, was sie dafür hielten, in helle Aufgregung gerieten und kopflos umherirrten. – Lauft, lauft, lauft.

In solchen Momenten amüsierte er sich köstlich. Die verzerrten Gesichter, die hohen verfremdeten Stimmen, ihr uneffektives Herumgestolpere befriedigten seine Sensationsgier. Manchmal führter er katastrophale Situationen absichtlich herbei, um sich an den Reaktionen zu ergötzen.

Nun fühlte er es selbst, dieses – lauf weg, lauf weg. – Es war eine innere Stimme, der er nicht zuhören wollte. Trotzdem er sie ignorierte, verschaffte sie sich aufdringlich Gehör, infiltrierte seine Gedanken und erschuff ein Gefühl, das größer war, als sein messerscharfer Verstand und sich durch jede Zelle seines Körpers und Windung seines Gehirns fraß.

Der Doktor hatte Angst. Es war das erste Mal. Doch es sollte nicht das letzte Mal sein.

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