Feeds:
Beiträge
Kommentare

Und die Erde war wüst und leer. Und es war finster.

Fassungslos blickte ich auf das dunkle Grau in Grau, dass endlos vor mir lag. Ab und an erhellte eine Art Wetterleuchten die grausige Szenerie. Ein Knistern wie von einer Überspannung lag in der stickigen stinkenden Luft. Was war geschehen? Warum? Aber am meisten beschäftigte mich die Frage: Warum war ich hier?

Das unerlaubte Vergnügen macht Spaß.

Aber – ich hörte dieses kleine gemeine Wort in dem Moment, in dem ich die Tafel Schokolade aufriss – es hat Konsequenzen. Entweder landet es auf den Hüften oder es hat schlimmere Auswirkungen. Vielleicht nicht das Stückchen Schokolade, aber eine heimliche Liebschaft. Ich betrachtete die Tafel Schokolade. Das Wasser lief mir im Mund zusammen. Ich konnte den samtig-süßen Geschmack beinahe auf der Zunge spüren. Beißen oder nicht, das war die Frage. Ich brach einen Streifen ab, verpackte den Rest und verspeiste die vier Stückchen Schokolade. Lieber ein kleines unerlaubtes Vergnügen, als keins, dachte ich.

„Wo die Dinge, die im Morgenlicht wahr sind, zu Mittag schon gelogen scheinen.“ Hemingway

Ich ließ das Buch sinken. Hemingway war Zeit seines Lebens darauf aus, wahre Sätze zu schreiben. Dieser Satz stimmte. Ich dachte an die Nacht mit dir. Der Mond schien zwar nicht und es war Dezember und eiskalt, doch deine Küsse und deine Worte fühlten sich wahr an. Niemals hätte ich dran gezweifelt. Bis der Mittag kam. Ich hörte deine unsichere Stimme am Telefon.

„Tut mir leid. Wir dürfen uns nicht wiedersehen.“

Wir hätten uns gar nicht erst treffen dürfen, dachte ich, wir kannten beide das Risiko. Mit dem Unterschied, dass ich mein Herz in die Waagschale warf und du deines festhieltest. Es schmerzte.

Ich dachte an Hemingways Buch „Paris, ein Fest fürs Leben“. Man konnte vieles über Ernest sagen, nur eins nicht, dass er zaghaft gewesen wäre. Er tat, was er fühlte und lebte. Nichts anderes tat ich. Wahr lieben. Ob im Mondlicht oder Mittag.

„Unfähig sich zu ändern, versuchten sie die Welt zu ändern.“

Sagte ich, und scheiterten kläglich, dachte ich.

Im Publikum entstand eine kurze raumgreifende Stille, dann brandete mir ein Applaus entgegen, den ich nicht erwartet hatte. Alles was ich geschrieben, arrangierte und auf die Bühne brachte, alles was ich darstellte und sagte, war auf jeden einzelnen unter ihnen gemünzt. Doch sie verstanden es nicht. Erkannten nicht, dass sie sich ändern mussten, vom kleinsten zum großen hin, damit diese Welt nicht ins Chaos stürzte.

Möglicherweise hatten sie einen winzigen Blitz der Erleuchtung, im Augenblick der Stille, doch der wurde durch den frenetischen Beifall hinweggefegt.

Schon morgen würden sie alle Worte, die schrecklichen Bilder und die schönen, vergessen haben. Nichts veränderte sie. Egal, wie viel Blut die Straßen entlang rann oder wie faszinierend komplex die Wunder unserer Welt erschaffen waren. Nichts von alledem weckte sie auf. Sie waren wie tumbe Steine, die unbeweglich auf der Stelle lagen, statt wie eine emsige Koralle zu sein, die sich stetig veränderte und dem Licht entgegenwuchs.

Ich stand da und starrte in den Zuschauerraum. So würde es also enden.

„Alles aussteigen! Endstation, der Zug endet hier.“

Mary erhob sich, und zog das Fenster des Abteils herunter. Sie stellte sich auf Zehenspitzen und streckte den Kopf hinaus.

„Nichts zu sehen“, sagte sie, nachdem sie in alle Richtungen gespäht hatte.

„Das dürfte in dieser Finsternis auch schwer möglich sein“, hörte sie eine spöttische Stimme hinter sich.

Mary sah ihren Mitreisenden erstaunt an. Mister Grey kann also doch sprechen, dachte sie. Mary gab ihm den Spitznamen, weil er, bis auf eine blutrote Krawattennadel, ganz in Grau gekleidet war. Seitdem er ins Abteil gekommen war, und dass war zwölf Stunden her, hatte er kein Wort gesprochen. Er verschanzte sich erst hinter einer Zeitung, schlief, ging zur Mittagszeit ins Bordrestaurant, setzte sich alleine an einen Tisch und danach lass er ein Buch.

Mary überlegte was sie antworten sollte, aber ihr fiel keine schlagfertige Erwiderung ein. Sie wäre vermutlich an Mister Grey abgeprallt, denn er war damit beschäftigt seine Reisetasche aus dem Gepäcknetz zu ziehen.

„Ich seh nur der Geister Schatten.“

Adam verdrehte theatralisch die Augen und machte die ganz große Geste. Ich boxte ihn an den Oberarm.

„Lass das! Jetzt machst du dich noch lustig. Aber wenn du erst einen Zusammenstoß mit einem Geist hattest, dann lachst du nicht mehr!“ Ich steckte den Schlüssel ins Schloss des Eisentores. „Und bitte, sei endlich leise.“

Adam zuckte mit den Schultern und schüttelte missbilligend den Kopf. Er wollte noch etwas sagen, aber ich legte den Finger an den Mund und sah ihn böse an. Beleidigt verkniff er sich den Kommentar. Ich drehte den Schlüssel und das Schloss sprang wiedererwarten mit einem sanften Klicken auf.

„Müsste das nicht quietschen?“, fragte Adam spöttisch.

Er drückte die Klinke herunter und drückte den Torflügel auf. Ich wollte ich gerade ermahnen, als zwei Dinge geschahen, die meine ganze Aufmerksamkeit forderten.

Lassen sie sich nicht mit Wespen ein …

…hatte die alte Vettel gesagt. Simon schüttelte verständnislos den Kopf. Was sollte das bedeuten? Er hatte nichts gegen Wespen, aber er liebte sie auch nicht. Simon ging ihnen aus dem Weg. So vermied er es mit ihnen aneinander zu geraten und sich schmerzhafte Stiche einzufangen.

Simon ging seiner Wege und vergaß die Warnung. So verflossen die Tage. Wochen wurden zu Monaten und als Simon das aufgeregte Summen einer Wespe dicht neben seinem Ohr hörte, schlug er nach ihr, ohne zu ahnen welche schrecklichen Ereignisse, sein Reaktion zur Folge haben würde.

%d Bloggern gefällt das: