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Posts Tagged ‘Abgang’

Urlaub, Gelb, Blitz, Blechdose, Zittern, finden

Der Urlaub ist eine einzige Katastrophe. Auf der Hinfahrt hatten wir eine Reifenpanne, vergaßen eins der Kinder auf einem Rastplatz, mussten eine Nacht im Auto verbringen, weil der Vermieter des Ferienhauses unseren Ankunftstermin verpennt hatte und gleich beim Einräumen der Lebensmittelvorräte schnitt sich Andy an einer Blechdose die Hand auf und musste eine Tetanus-Spritze bekommen. Von wegen Blutvergiftung und so, sagte der einzige erreichbare Arzt in der zwanzig Kilometer entfernten Kleinstadt, der mir eher ein Igor zu sein schien, denn ein promovierter Arzt.

Zu allem Überfluss tobt seit heute Morgen ein Gewitter, dass die kleine Hütte in ihren Grundfesten erschüttert. Gelbe und weiße Blitze schießen über den Himmel, gefolgt von ohrenbetäubenden Donnerschlägen, als wäre der  jüngste Tag über uns hereingebrochen.

Von dem runden Dachfenster aus könnte man das Meer sehen, wenn die Sonne scheinen würde. Nun ist alles eine graue brodelnde Masse aus Gischt, riesigen Wellen, Regen – und Hagelschauern. Bernie liegt seit Stunden unter der Couch und winselt. Die Kinder streiten, weil der verdammte Fernseher nicht funktioniert, ich glaube die Satellitenschüssel hat einen Abgang gemacht, und Andy spielt mit dem Smartphone herum, oder besser, er versucht es, aber er findet kein Netz. Der Sturm hat alle Verbindungen zur Außenwelt unterbrochen.

Ich gehe jetzt aufs Klo, den einzig ruhigen Ort in diesem Irrenhaus, schließe mich ein und komme erst wieder heraus, wenn die drei Wochen Urlaub vorbei sind.

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„Hast du das gesehen?“

„Nein? Was?“

Ich blickte irritiert aus dem Fenster des Cafes und sah Autos und Menschen hinterher, die in einem nicht enden wollenden Strom an uns vorbei rauschten.

„Da war Matthias Schweighöfer!“, Sannes Stimme schnappte fast über. Sie sprang auf und griff nach ihrer Tasche. „Kannst du meinen Kaffee mitbezahlen? Ich muss hinterher, vielleicht krieg ich ein Autogramm. Wir treffen uns nachher im Hotel.“

Und weg war sie. Ich schüttelte den Kopf. Berlinale! Toll! Genau die richtige Zeit Berlin einen Besuch abzustatten. Wenn die Stadt überfüllt und die Promidichte mindestens 200 Prozent höher war, als sowieso schon. Aber was tut man nicht alles für eine Freundin?

Immerhin hatte ich nun Zeit in Ruhe zu lesen und etwas zu schreiben. Trotz Sannes Prominenten-Hatz hatte ich schon einiges von Berlin gesehen. Das Wetter war herrlich und am Nachmittag wollte ich zum Wannsee hinausfahren. Sanne war für die nächsten Stunden beschäftigt und würde mich bestimmt nicht vermissen.

„Entschuldigen sie“, sagte eine angenehme Stimme und ich sah auf, „darf ich mich zu ihnen setzen? Leider ist alles besetzt und ich habe gesehen, dass der Platz gerade frei geworden ist.“

Zwei blaue Augen strahlten und ein sinnlicher Mund lächelte mich aus einem markanten Gesicht an. Ich nickte und machte eine generöse Geste.

„Gerne. Im Moment ist geht es in Berlin ziemlich verrückt zu. Ich bin eigentlich zur falschen Zeit hier.“

Er setzte sich und winkte dem Kellner.

„Darf ich sie zu einem Kaffee und einem Stück Kuchen einladen? Damit sie nicht einen gar so schlechten Eindruck meiner Heimatstadt haben.“

Ich errötete.

„Danke schön, sehr gerne. Es tut mir leid, wenn sie denken ich hätte eine schlechte Meinung von Berlin, aber ich gebe zu, ich stürze mich nicht so gerne in hysterische Menschenmassen.“

Er lachte.

„Zwei Latte Macchiato“, bestellte er, „und zwei Stück Käsekuchen.“ Dann wandte er sich wieder an mich, „ihre Freundin schon. Ich bin übrigens Tom.“

„Freut mich sehr, Tom. Mein Name ist Lea. Ja, Sanne liebt die Promis. Einmal über den roten Teppich“, ich grinste, „am liebsten mit Brad Pitt. Aber ich fürchte, da kratzt Angelina ihr die Augen aus.“

„Das befürchte ich auch“, Tom schmunzelte, „und was haben sie noch vor, nachdem sie schnöde für Matthias Schweighöfer im Stich gelassen wurden?“

Der Kellner servierte den Kaffee und den Kuchen.

„Ich hatte an den Wannsee gedacht, bei dem fantastischen Wetter.“

„Eine gute Wahl. Wäre es vermessen sie zu fragen, ob ich sie begleiten darf?“

Tom nippte an seinem Kaffee, ohne den Blick von mir abzuwenden. Ich errötete wieder. Sannes dramatischer Abgang hatte mir einen Gentleman beschert.

„Das würde mich sehr freuen.“

„Ich verspreche ihnen, sie werden es nicht bereuen.“

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