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Posts Tagged ‘Abschluss’

Charakterbeschreibung (vorläufig) aus meinem Anfang des Rundenromans aus Tag 87:

Rowenna Anderson:

Tochter von Grant und Mary Anderson, die aus altem Adel stammt, aber leider schon verstorben ist. Rowenna ist 28 Jahre, ledig. Lebt in Oxford mit ihrem Vater in einem Häuschen.

Arbeitet als Assistentin ihres Vaters. Er ist Historiker und interessiert sich besonders für alte Häuser, in denen es angeblich spukt. Er schreibt über die Geschichten der Geistererscheinungen.

Rowenna ist 1, 65 groß, normale Figur, halblange glatte blonde Haare und blaugraue Augen. Sie hat einen Abschluss in Psychologie. Mit Männern hat sie bis jetzt durchsetzte Erfahrungen gemacht und beschlossen, vorerst keine neue Beziehung einzugehen.

Sie ist taff. Schon seit ihrer Kindheit lebt sie in alten Häusern und ist nicht leicht zu erschrecken. Rowenna ist praktisch veranlagt. Sie mag besonders die zwanziger Jahre und kleidet sich gerne so. Ihr verstorbener Großvater mütterlicherseits legte Wert darauf, dass sie reiten und schießen kann. Sie ist belesen. Rowenna hat einen Hund, Morris, einen Mischling etwa Pudelgröße, der sie überall hin begleitet. Ihre beste „Freundin“ ist ein Jugendfreund, mit dem sie zur Schule gegangen ist. Laurence Henson. Er ist Polizist.

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I. Wer an die Niederschrift eines größeren Werks zu gehen beabsichtigt, lasse sich’s wohl sein und gewähre sich nach erledigtem Pensum alles, was die Fortführung nicht beeinträchtigt.

II. Sprich vom Geleisteten, wenn du willst, jedoch lies während des Verlaufes der Arbeit nicht daraus vor. Jede Genugtuung, die du dir hierdurch verschaffst, hemmt dein Tempo. Bei Befolgung dieses Regimes wird der zunehmende Wunsch nach Mitteilung zuletzt ein Motor der Vollendung.

III. In den Arbeitsumständen suche dem Mittelmaß des Alltags zu entgehen. Halbe Ruhe, von schalen Geräuschen begleitet, entwürdigt. Dagegen vermag die Begleitung einer Etüde oder von Stimmengewirr der Arbeit ebenso bedeutsam zu werden, wie die vernehmliche Stille der Nacht. Schärft diese das innere Ohr, so wird jene zum Prüfstein einer Diktion, deren Fülle selbst die exzentrischen Geräusche in sich begräbt.

IV. Meide beliebiges Handwerkszeug. Pedantisches Beharren bei gewissen Papieren, Federn, Tinten ist von Nutzen. Nicht Luxus, aber Fülle dieser Utensilien ist unerlässlich.

V. Lass dir keinen Gedanken inkognito passieren und führe dein Notizheft so streng wie die Behörde das Fremdenregister.

VI. Mache deine Feder spröde gegen die Eingebung, und sie wird mit der Kraft des Magneten sie an sich ziehen. Je besonnener du mit der Niederschrift eines Einfalls verziehst, desto reifer entfaltet wird es sich dir ausliefern. Die Rede erobert den Gedanken, aber die Schrift beherrscht ihn.

VII. Höre niemals mit Schreiben auf, weil dir nichts mehr einfällt. Es ist ein Gebot der literarischen Ehre, nur dann abzubrechen, wenn ein Termin (eine Mahlzeit, eine Verabredung) einzuhalten oder das Werk beendet ist.

VIII. Das Aussetzen der Eingebung fülle aus mit der sauberen Abschrift des Geleisteten. Die Intuition wird darüber erwachen.

IX. Nulla dies sine linea (kein Tag ohne Linie/Zeile) – wohl aber Wochen.

X. Betrachte niemals ein Werk als vollkommen, über dem du nicht einmal vom Abend bis zum hellen Tage gesessen hast.

XI. Den Abschluss des Werkes schreibe nicht im gewohnten Arbeitsraume nieder. Du würdest den Mut dazu in ihm nicht finden.

XII. Stufen der Abfassung: Gedanke – Stil – Schrift. Es ist der Sinn der Reinschrift, dass in ihrer Fixierung die Aufmerksamkeit nur mehr der Kalligrafie gilt. Der Gedanke tötet die Eingebung, der Stil fesselt den Gedanken, die Schrift entlohnt den Stil.

XIII. Das Werk ist die Totenmaske der Konzeption.“

Einbahnstrasse (1928), S. 46-49

Nicht alles was Walter Benjamin vor 87 Jahren schrieb erscheint uns in unserer schnelllebigen Welt sinnvoll, trotzdem gibt es einige Punkte, über die wir nachdenken sollten. Gute Ratschläge verlieren ihren Wert nicht, nur weil sie eine beträchtliche Reihe an Jahren alt sind.

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