Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Alter’

„Wenn dir jemand einreden will, es gäbe keine Monster, glaub ihnen kein Wort“, flüsterte der alte Mann.

Magnus sah ihn mit hochgezogener Augenbraue an.

„Was redest du für einen Unsinn, Alter!“, winkte er ab, „du hast viel zu tief ins Glas geschaut. Aus dir spricht der Fusel.“

In seiner Ehre gekränkt richtete sich der Mann auf. Sein Blick war klar und seine Stimme fest, als er sagte:

„Ich habe die Monster gesehen, Herr. Wenn ihr mir nicht glaubt, überzeugt euch selbst.“

Er legte ein Goldstück auf den Tresen. Der Wirt starrte ungläubig darauf, dann schnappte er danach, als würde sein Leben davon abhängen.

Der Alte erhob sich. Magnus rührte sich nicht.

„Nun, Herr? Habt ihr Angst oder seid ihr bereit, zum Abenteuer eures Lebens aufzubrechen.“

Träge erhob Magnus sich. Was kann es schaden, dachte er, allenfalls ein paar verschenkte Stunden.

„Aber ich muss euch warnen: wenn ihr sie einmal gesehen habt, gibt es kein Zurück.“

Wieder winkte Magnus ab.

„Unk nicht, sondern zeig mir deine Monster, dann werden wir ja sehen.“

Der Mann nickte mit bedeutungsschwerem Blick. Magnus sah ein gefährliches Funkeln, das zuvor nicht dagewesen war und fühlte einen leisen Zweifel aufsteigen. Doch sein Stolz verbot ihm, sein Angebot zurückzuziehen.

Advertisements

Read Full Post »

Das letzte was Helen brauchen konnte, war ein kreischender kleiner Bruder. Sie kramte in ihrer Handtasche und drückte ihm einen Schokoriegel in die Hand. Dass ich immer auf Max aufpassen muss, wenn es hart auf hart kommt, dachte sie, dabei könnte Andrew sich auch mal herablassen.

Helen sah auf Max herunter, der den Schokoriegel aus seiner Verpackung geschält hatte und genüsslich abbiss. Triumphierend sah er zu ihr auf. Helen verkniff sich ein Grinsen, sie konnte ihm nie lange böse sein. Max war wirklich süß, mit den strohblonden Haaren und den Strahleaugen, aber er wusste genau, wie er seine große Schwester dazu bringen konnte, ihm seinen Willen zu lassen, meistens jedenfalls.

„Bist du jetzt still?“, fragte Helen und warf ihm einen warnenden Blick zu.

Max nickte und nuschelte:

„Ehrenwort!“

Helen nickte. Wenn er sein Ehrenwort gab, konnte sie sich auf ihn verlassen, dass war eine unausgesprochene Abmachung zwischen ihnen. Für einen Sechsjährigen ist er oft viel zu verständig, dachte Helen und seufzte, andere Kinder in seinem Alter gehen völlig unbedarft durchs Leben.

Sie streckte ihm die Hand hin und Max legte seine kleine, weiche Kinderhand hinein. Helen drückte den Kloss in ihrem Hals hinunter. Sentimentalität war gerade nicht angebracht. Sie musste alle Sinne beisammen haben.

Langsam schlenderten die Beiden zwischen den gutbesuchten Straßencafes entlang. Es sah völlig harmlos aus. Eine junge Frau und ein kleiner Junge, der einen Schokoriegel aß.

Read Full Post »

„Du bewegst dich auf ganz dünnem Eis.“

„Ach, meinst du?“

“ – “

„Und was soll ich deiner Meinung nach tun – alles weiterlaufen lassen wie immer?“

„Na, jedenfalls nicht allein in den Urlaub fahren.“

„Ich bitte dich! Als ich gefragt habe, wollen wir mal für ein paar Tage weg, hat er mir einen Blick zugeworfen, als wäre ich reif für die Klappse.“

„Hm.“

„Ja, genau! Hm. Und dann hat er gesagt, er wäre so gestresst, dass wäre jetzt gerade nichts, vielleicht später.“

„Hm.“

„Verschlägt es dir jetzt auch schon die Sprache? Später, später, Stress, müde, erschöpft, Alter – oh Gott, ich kann es nicht mehr hören!“

“ – “

„Ich bin nicht scheintot – nur fünfzig.“

„Du hast schon recht, dass würde mir auch nicht gefallen, aber… .“

„Bitte „aber“ du jetzt nicht auch noch. Ich lasse mich nicht mehr festnageln. Ich schaue mir das Drama jetzt seit ein paar Jahren an, rede mir regelmäßig den Mund fusselig. Jetzt reicht`s. Entweder mach ich noch was, oder ich spring in die Grube, aber dazu reicht meine Frustration nicht aus.“

“ – “

„Ich hätte es dir nicht sagen soll. Lass uns das Thema wechseln.“

Read Full Post »

%d Bloggern gefällt das: