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Posts Tagged ‘Angst’

Der Gespensterwald wurde von Erinnerungen heimgesucht, brüchig die Zweige, die winzigen Knochen gleich unter Marks Stiefeln knirschten. (Der schwarze Dolch)

Kälte kroch seinen Rücken hinauf und ein beklemmendes Gefühl spannte sich um seinen Brustkorb. Ich habe keine Angst, prahlt er vor seinen Freunden, doch längst bohrte sie sich unaufhaltsam in sein Herz und seine Gedanken. Niemand, der einmal den Gespensterwald betrat, kehrte unversehrt daraus zurück. Auch wenn nicht jeder körperlichen Schaden nahm, auf seiner Seele lag der Schatten des Todes. Einmal gezeichnet gab es kein Mittel diese Wunde zu heilen

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Der Hund witterte sie zu erst. Er blieb stehen, spitzte die Ohren, gab leise Fiep-Laute von sich. Suchend schaute Paul sich um, doch außer den normalen Lauten des Waldes nahm er nichts wahr. Er wollte weitergehen, aber Artus folgte ihm nicht. Er hatte sich hingesetzt und starrte in eine Richtung. Paul stellte sich neben seinen Hund und folgte seinen Blicken. Ganz genau sah er hin, versuchte das dunkelgrüne Dickicht der Tannenschonung mit den Augen zu durchdringen. Doch es blieb eine zusammenhängende Masse. Er gab auf. Da sah er sie! Ganz in das Grün des Hains gekleidet, verschmolz sie mit ihrer Umgebung. Paul blieb reglos stehen. Was für ein wunderschönes Geschöpf, ging es ihm durch den Kopf, ich darf sie nicht erschrecken, sonst läuft sie davon.

Doch sie schien keine Angst zu haben und kam langsam auf Herrchen und Hund zu. Während sie ging, begann sie ihre Farbe zu verändern, angepasst an die nackten Birkenstämme und das lichte Grün der Frühlingsblätter.

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Es war früher Nachmittag, die unbewegte Wasserfläche glitzerte in der Sonne, die hoch am Himmel stand. Es herrschte eine ungewöhnliche Stille. Die Bäume schwiegen erschöpft in der schwülen Hitze und auch die Vögel, deren Gezwitscher sonst immer einen Klangteppich im Hintergrund bildeten waren nicht zu hören. Ich saß geraume Weile unter einer Weide, an ihren dicken Stamm gelehnt und harrte der Dinge, die kommen würden. In dem drückenden Schweigen hatte ich das Zeitgefühl verloren und leise Zweifel stiegen in mir auf, dass der alte Mann mich genarrt hatte, um seinen Spaß zu haben. Gerade, als ich darüber nachdachte meine Sachen zusammenzusuchen und den Heimweg anzutreten, erhob sich aus dem Nichts ein Summen. Das muss es sein, schoss es mir durch den Kopf und ein Gefühl von Spannung und Angst erfasste meinen Körper, das meine Sinne schärfte.

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Es war der Tag an dem meine Großmutter explodierte.

Nicht buchstäblich. Zumindest am Anfang nicht. Es sah ganz nach einem ihrer üblichen Anfälle aus, wenn ihr etwas nicht passte, nicht schnell genug ging oder eines ihrer Kinder und Enkel ein Widerwort hatte. Sie keifte, schlug mit der Hand auf den Tisch, schlug mit dem Stock nach mir und verschluckte sich an ihrer eigenen Spuke.

Ich sah sie teilnahmslos an. Als Kind hatte sie mich mit ihren Anfällen in Angst und Schrecken versetzt, doch ihre Affekte verfehlten die Wirkung. Inzwischen konnte ich schneller laufen und meine Reflexe waren besser als ihre. Sie konnte mich nicht mehr ernsthaft verletzen.

Je ruhiger ich blieb, desto mehr ereiferte sie sich. Sie lief rot an, spukte Gift und Galle und nicht nur in Übertragenem Sinn. Es kostete Mühe, mich zusammenzureißen und ein Lachen zu verkneifen. Dann, fing sie an zu klappern und zittern, wie ein Motor, der den Geist aufgibt. Fasziniert sah ich zu, wie sich ihr aufgedunsenes Gesicht verzerrte, Speichel rann ihr aus den Mundwinkeln, ihre Arme und Beine bewegten sich unkontrolliert, die Augen quollen hervor.

Ein ohrenbetäubender Knall und meine Großmutter zersprang in 1000 Teile. Sie war tatsächlich geplatzt. Muttern, Schrauben, Riemen, Zahnräder, Spiralen usw. sprangen durch die Gegend.

Eine unglaubliche Stille trat ein. Ich starrte auf die Überreste meiner Großmutter. Sie war eine Maschine gewesen! Und niemand hatte es bemerkt.

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Der Doktor erwachte und hatte Angst.

Sein Herz raste, kalter Schweiß lief ihm den Rücken herunter, seine Kehle war trocken, die Zunge klebte am Gaumen. Er konnte kaum atmen. Ein Gefühl von Starre hatte von seinem Körper Besitz ergriffen, obwohl er einen unwiderstehlichen Drang verspürte wegzulaufen.

Das war es, was er den anderen sagte, wenn sie vor Gefahren oder dem, was sie dafür hielten, in helle Aufgregung gerieten und kopflos umherirrten. – Lauft, lauft, lauft.

In solchen Momenten amüsierte er sich köstlich. Die verzerrten Gesichter, die hohen verfremdeten Stimmen, ihr uneffektives Herumgestolpere befriedigten seine Sensationsgier. Manchmal führter er katastrophale Situationen absichtlich herbei, um sich an den Reaktionen zu ergötzen.

Nun fühlte er es selbst, dieses – lauf weg, lauf weg. – Es war eine innere Stimme, der er nicht zuhören wollte. Trotzdem er sie ignorierte, verschaffte sie sich aufdringlich Gehör, infiltrierte seine Gedanken und erschuff ein Gefühl, das größer war, als sein messerscharfer Verstand und sich durch jede Zelle seines Körpers und Windung seines Gehirns fraß.

Der Doktor hatte Angst. Es war das erste Mal. Doch es sollte nicht das letzte Mal sein.

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Thema: Dialog I

„Das ist eine grauenhafte, abscheuliche, unerhört dumme Idee. Lass es uns tun und sehen was passiert“, Mellys Stimme überschlug sich fast

„Bist du dir über die Konsequenzen im klaren“, versuchte ich sie zu bremsen.

Meinen Herzschlag konnte ich bis in die Kehle spüren und meine Handflächen waren feucht. Ich wischte sie an meinen Jeans ab.

„Du bist doch auf die Idee gekommen!“, sie sah mich prüfend an. „Erst aussprechen und dann nicht tun, dass kannst du mit mir nicht machen.“

Das war mir in dem Moment klar, als ich die Überlegung laut ausgesprochen hatte.

„Warum kann ich die Klappe bloss nicht halten“, murmelte ich.

„Weil du es genauso dringend willst, wie ich!“, sagte mir Melly auf den Kopf zu, „wann haben wir uns das letzte Mal richtig amüsiert und etwas getan, was man eigentlich nicht macht?“

Das war der Punkt. „Man“ tat das nicht und deswegen war es auch so verdammt gut. Verboten gut.

„Ok, wir tun es.“

Ich atmete durch und reckte mich zu voller Größe auf. Keine Angst zeigen, dachte ich, sonst entlarven sie dich, bevor du einen Fuß über die Schwelle gesetzt hast.

„Siehst du“, sagte Melly triumphierend, „geht doch. Davon werden wir noch in 20 Jahren sprechen.“

Das befürchtete ich auch.

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Herzschmerzwurm, der: Er ist klein, ca. drei Millimeter. Dünn, wie ein Nähfaden. Glatt, glänzend schwarz. Das Auffälligste am H. sind die scharfen Zähne, die es ihm ermöglichen sich durch das Fleisch bis ins Herz zu fressen, wo er sich einnistet und Löcher und Gänge bohrt, um das Blut auszusaugen. Er ernährt sich von der Sehnsucht nach Liebe, gräbt die Hoffnung ab, lässt die Leidenschaft versiegen. Der H. verursacht Zweifel an der Liebe, entzündet Angst und Misstrauen, fördert Zynismus und Nörgelei. Hat er sich im Herzinneren festgesetzt, ist es beinahe unmöglich ihn wieder vollständig zu entfernen. Die einzige Möglichkeit zu genesen ist einer wirklich liebenden Seele zu begegnen, die durch Ausdauer und Entschlossenheit die Wunden schließt und den H. aushungert.

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