Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Atem’

Es fiel in dieser Nacht, ein feiner wispernder Regen.

Und während die ganze Stadt in friedlichem Schlummer versunken da lag, machte ich mich auf den Weg ihre kleine Welt zu retten. Ich huschte über die, vom Regen glänzenden, Kopfsteinpflasterstraßen.

Als ich den Wald erreichte, war ich außer Atem. Mein Herz schlug bis zum Hals, der schwere Rucksack drückte seine Riemen in meine Schultern, und die Kleidung klebte am Körper. Ich zögerte einen Moment weiterzugehen. Es gab keine andere Möglichkeit, die Monster zu bekämpfen. Bis jetzt beschränkten sie ihre Fangquote eine Person pro Woche, das würde nicht lange so bleiben. Ich kannte ihre Spezies genau und wusste, dass sie schon bald stark genug und zahlenmäßig überlegen sein würden, um die Stadt dem Erdboden gleich zu machen.

Sie waren nicht der Grund, weswegen ich in diese gottverlassene Gegend geflohen war, doch nun holten sie mich ein. Es schien mein Fluch und meine Bestimmung zu sein, sie zu jagen.

Ich atmete tief durch, zog den versilberten Sarazendolch aus dem Halfter und ging mit gesteigerter Wachsamkeit weiter. Die plötzlich eintretenden Stille zeigte mir, dass sie wussten, dass sich ein Feind näherte.

Read Full Post »

Nur noch ein paar Schritte und ich hole mir zurück, was seit Generationen meiner Familie gehörte. Ich verberge mich im Schatten. Lausche. Es ist still. Der Hausdiener macht seinen Rundgang erst in einer Stunde. Bis dahin bin ich weit fort.

Wolken schieben sich vor den Mond, tauchen den Raum in Dunkelheit. Lautlos gehe ich zu dem Schaukasten auf der anderen Seite des Raumes. Da ist er! In der Dunkelheit kann ich nur seine Form erkennen. Oft stand ich hier, dem Familienschatz zum Greifen nah, ohne ihn erreichen zu können. Mit einem Draht öffne ich das Schloss der Vitrine.

Lächerlich, dass es keine Sicherheitsvorrichtungen gibt. Der Kompass ist mehr wert, als alle anderen Gegenstände in diesem Zimmer, ja in diesem Schloss. Wenn die van Buren wüssten, welcher Zauber dem Kompass innewohnt, könnten sie Königreiche damit erwerben.

Ich bin gekommen, dies zu verhindern. Meine Familie wurde zu Wächtern des Kompasses ernannt, auch wenn ich die letzte unseres Clans bin, werde ich nicht zu lassen, dass böse Menschen den Kompass für ihre abscheulichen Pläne benutzen. Die van Buren werden für den Frevel bezahlen. Durch ihren Verrat Blut klebt an ihren Händen und ich werde ihr Richter sein.

Ich hebe den Kompass aus dem Kasten. Zum Schutz trage ich doppelt genähte Lederhandschuhe trotzdem spüre ich seine Kälte. Vorsichtig wickele ich ihn in ein unbehandeltes Seidentuch und stecke ihn in die Innentasche meiner Jacke. Es wurde aus einem einzigen Faden gewoben. Ich schließe den Deckel der Vitrine.

Da ein Geräusch. Ich halte den Atem an. Lausche. Ich bin nicht mehr allein. Sie sind zu zweit. Bis zur Tür sind es nur zehn lange Schritte. Ich atme einmal tief durch, balle meine Hände zu Fäusten. Jetzt! Ich drehe mich um, hebe die Hände und ziehe die Fäuste ruckartig nach außen. Sie geben den Mechanismus und meine Handgelenke frei. Zwei scharfe Dolche suchen sich den Weg in die Körper der Angreifer. Einer der beiden schreit laut auf. Treffer! Ich laufe los.

„Ich bin verletzt!“, keucht ein Mann, „pack dir den Dieb, Connor und keine Gnade!“

Ich höre schwere Schritte. Sehe die Silhouette eines großen Mannes an mir vorbei hasten. Als es wieder still ist, steige ich aus dem großen Wäscheschrank, in den Connor mich als Kind so oft eingesperrt hat.

Seelenruhig gehe ich in die Bibliothek und öffne die Tür des Geheimgangs. Als sie sich wieder hinter mir schließ, muss ich lächeln. Dies ist erst der Anfang! Ich mache euch van Burens das Ende so schmerzhaft wie möglich.

Read Full Post »

Was ist es das mich drängt
Mein Herz versengt
In Schutt und Asche legt

Liebe Leid und Sehnsucht
Liebe unerfüllt und unerwidert
Leiden an gebrochenem Herzen

Sehnsucht nach dir
So weit fort von mir
Selbst wenn du da bist

Mir ganz nah bist
Spür ich die Mauer
Die uns trennt

Dich ganz umschließt
Ich renn dagegen an
Merke irgendwann

Dass ich ebenso gefangen bin
In meiner Liebe zu dir
Wie du in deinem Leben

Eingezwängt in Verpflichtung und Vergnügen
Ohne freien Platz
Für eine warme Seele

Du sagst mir
Du bist frei wie der Wind
Und hängst an tausend Fäden

Du sagst mir
Du bist anders als die Masse
Verstrickst dich in tausend Konventionen

Du beantwortest mir meine Fragen
Hinterfragst doch nichts
Gefesselt an das Karussell deines Lebens

Willst so viel mehr
Mehr sehen, mehr hören, mehr lieben
Die Zeit rennt dir ungelebt davon

Läufst hinter her
hältst nicht an
Beherrscht von Angst das Beste zu versäumen

Siehst keine Schönheit am Wegesrand
Ich weine um dich
Ohne dich zu halten

Ich liebe dich
Ohne dich zu heilen
Nichts hält dich auf

Liebe ist für dich nur Pflicht
Eine Last, die dir den Atem nimmt
Dich abhält von den wichtigen Dingen

Ich zeige dir meine Liebe
Geb dich frei
Und mich

Read Full Post »

von Christine Busta

 

Ich lasse mich von den Gezeiten

deiner Liebe bewegen

wie du dich von meinen.

Welch wundersamer Atem der Ruhe

in der unendlichen Bewegtheit.

 

Oh, dieser gleiche geheimnisvolle

Mond über unseren Tagen und Nächten

dem wir gehorsam sind,

der auch als Unsichtbarer

uns spürbar bleibt wie den Tiefen des Meeres.

Read Full Post »

Buch: Er oder Ich, Seite 33: Laufender Motor, bohemienhaft, Jahreswende

„Ich habe mir die Jahreswende auch anders vorgestellt.“

Marc und sah mich fragend an. Der Motor des alten Ford lief und wir mussten laut reden, um das Geräusch zu übertönen. Vermutlich hatte Marc Angst, man könnte uns entdecken und er müsste einen Kickstart hinlegen.

„Findest du das nicht etwas zu bohemienhaft?“

Versuchte ich die Situation ins Lächerliche zu ziehen. Dabei konnte ich mir vor ein paar Wochen nichts Schöneres vorstellen. Marc zog die Brauen zusammen und eine tiefe Falte erschien über seiner Nasenwurzel.

„Du warst doch diejenige, die gesagt hat, ich halte es nicht mehr aus, lass uns durchbrennen.“

Er gab exakt die Worte wieder, die ich gebraucht hatte. Ich versuchte zu lächeln. Es misslang.

„Also was ist? War alles nur ein Witz oder hattest du Langeweile?“

Ich sah Marc zerknirscht an, kam mir vor wie eine Verräterin. Fieberhaft überlegte ich, wie ich ihm mein Zögern erklären sollte.

„Du liebst einen anderen!“ Marcs Wangen röteten sich. Er ballte die Fäuste. „Wer ist es?!“

Ich legte meine Hand auf seinen Arm, wollte ihn beruhigen, aber er schob sie grob weg, drehte sich von mir weg. Halb zum Gehen, halb zum Bleiben.

„Es gibt niemand!“, rief ich gegen den Motor an, „Ich liebe dich nur nicht genug, um wegzulaufen.“

Marc hob den Kopf und blickte mich direkt an. Ich hielt den Atem an. In seinen Augen konnte ich seinen Zorn, seine Verachtung, den Schmerz und die Enttäuschung über meinen Verrat sehen.

***

Ich sah Marc nicht wieder. Manchmal hörte ich durch gemeinsame Freunde von ihm, dachte an ihn, wenn ich bestimmten Gerüchen ausgesetzt war, an jedem folgenden Jahreswechsel meines Lebens. Liebte ich ihn wirklich nicht genug oder war es Feigheit, die mich in dieser Nacht daran hinderte, mit ihm zu gehen? Vielleicht beides? Ich erinnere mich nicht genau. An Marcs Blick erinnere ich mich nur zu gut, als wäre es gerade erst passiert. Dabei ist es inzwischen 53 Jahre her.

Read Full Post »

Das Musikstück für den folgenden Text ist von Ben Becker – „Ich will du sein“ – aus dem Rilke-Projekt (sehr zu empfehlen! 🙂 )

Er kommt. Groß, dunkel, kraftvoll. Das Licht der Straßenlaterne wirft seinen Schatten.
Soll ich laufen oder bleiben. Ich wende mich ab, will mein Heil in der Flucht suchen.
Er ruft nach mir. Nennt meinen Namen. Saugt ihn in seinen Rachen. Er ist es.
Ich schließe die Augen. Er steht hinter mir. Spüre seinen heißen Atem. Fließt in meinen Nacken, meine Wirbel.
Gänsehaut überstreift, fängt er mich in seinem Netz aus Melodie und Klang. Lauf, lauf, sagt die Stimme der Vernunft.
„Ich will du sein. Ich will aufgehen in dir.“
Seine tiefe samtige Stimme reibt sich gleich einer aufkommenden Brise über meine glühende Haut.
Lauf, lauf, schreit die Stimme der Vernunft.
„Ich will leise Träume träumen.“
Seine Lippen kosten meinen Hals.
Woher kennt er meine Wünsche. Wer verriet ihm meine Sehnsucht? War ich es selbst, die Herz und Seele bloßlegte?
„Ich will am Feuer deiner Augen 1000 leise Opfer anzünden.“
Seine fordernden Hände liegen auf meinen Hüften. Fingerkuppen verlangen ihren Preis.
„Ich will aufgehen in dir.“
Seine weiche, wilde Stimme dringt ohne Mühe in mich ein.
Bis zu meinem Herzen, meinem sehnsuchtskranken Herzen.
Mein gieriges wollüstiges Herz will mehr. Mehr von ihm. Mehr von seiner Stimme. Sie soll mir von Liebe sprechen.
„Ich will aufgehen in dir. Ich will du sein.“
Kann nicht gehen, kann nicht bleiben. Seine Stimme hat sich in meinen Bauch gegraben, mich genommen, jede Zelle besetzt.
Ich will alles. Kann nicht aufhören seinen Worten zu lauschen. Gebe seiner Stimme meinen Willen hin. Ich will ihn in seine Nacht begleiten, ihm gehören unter den einsamsten Sternen.
„Ich will aufgehen in dir. Ich will aufgehen in dir. Aufgehen in dir.“ Ich flehe ihn an.
„Es ist längst geschehen.“
Sein Mund nimmt mich ohne Gnade, ohne Reue. Nur er und ich. Aufgegangen ineinander.

Read Full Post »

Du
Immer nur Du
Gedanken kommen und gehen
In mir endlos Du

Du
Immer wieder Du
Hallst in meinem Innern fort
Gebete meiner Lust in deinem Heiligtum

Du
Immer bei mir Du
Im Lärm des Tages
In der Stille der Nacht

Du
Immer nur Du
Deine Hände auf meiner Haut
Dein Atem auf meiner Seele

Du
Immer wieder Du
Die Farbe deiner Stimme
Treiber meines wilden Herzens

Du
Immer bei mir Du
Dein dunkelgrüner Blick
Reißt mich in deinen Abgrund

Du
Immer nur Du
Gebrannt in meine Erinnerung
Kann dich nicht vergessen

Du
Immer wieder Du
Bist alles was ich will
Kann dich nicht haben

Du
Immer bei mir Du
Wälze mich im Schmerz
Gib mir Liebe

Du
Immer nur Du
Festgebunden hingegeben deinem Willen
Unmöglich dich nicht zu begehren

Du
Immer wieder Du
Dein Mund nährt meine Sehnsucht
Verloren im Gewirr meiner Gefühle

Du
Immer bei mir Du
Kann nicht mit dir leben
Nicht ohne dich sterben

Du
Immer nur Du
Dir verfallen mit Haut und Haar
Herz meiner triumphierenden Muse

Du

Read Full Post »

Older Posts »

%d Bloggern gefällt das: