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Posts Tagged ‘Baum’

Dieses Baums Blatt, der von Osten

Meinem Garten anvertraut

Gibt geheimen Sinn zu kosten

Wie`s den Wissenden erbaut.

Ist es ein lebendig Wesen

Das sich in sich selbst getrennt?

Sind es zwei, die sich erlesen,

Dass man sie als eines kennt?

Solche Fragen zu erwidern,

Fand ich wohl den rechten Sinn;

Fühlst du nicht an meinen Liedern,

Dass ich eins und doppelt bin?

J.W.Goethe

Ich bin eigentlich nicht so Goethe affin, entschuldige Johann, aber dieses Gedicht gefällt mir. Es geht darin um das Natursymbol für liebende Paare – das Ginkgoblatt. Sehr passend zu meiner Frühlingsstimmung, außerdem erinnert es mich an die Legende der Kugelmenschen, die mir ebenfalls sehr gefällt.

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Die Königin

Stolz schritt sie durch die Menschenmasse, die sich ehrfürchtig vor ihr teilte. Dort wo sie ihre Füße hinsetzte, konnte ich kleine Flecken mit Eiskristallen erkennen. Ihr Blick war so kalt, wie der Hauch der sie umgab und so scharf, wie die Eiszapfen, die sich am Mauerwerk der Haale bildeten. Die Menschen beugten ihre Köpfe unter der eisigen Brise.

Sie trug eine langstielige Blume mit rotem Kelch in der Hand. Wie war das möglich? In ihrer Nähe erstarrte Baum, Strauch und Blüte. Kein Mensch konnte es lange in ihrer Gegenwart aushalten.

Ich sah genauer hin, als sie an mir vorbei ging. Mein Atem wurde weiß, winzige Eiskristalle bildeten sich auf meinem Gesicht und ein heftiger Schauer schüttelte mich, obwohl ich meinen wärmsten Mantel, eine wollene Mütze und Fäustlinge mit Fell gefüttert trug. Den dicken Schal hatte ich um meinen Hals geschlungen.

Die Blume war aus Seide. Zarteste rote und grüne Seide. Ich dachte an die winzigen Raupen des Seidenspinners, die diese kostbaren feinen Fäden spannen. Wie war es möglich, dass die Blume die Kälte aushalten konnte, die die Eiskönigin ausstrahlte?

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Ich liebe meines Wesens Dunkelstunden,
in welchen meine Sinne sich vertiefen;
in ihnen hab ich, wie in alten Briefen,
mein täglich Leben schon gelebt gefunden
und wie Legende weit und überwunden.

Aus ihnen kommt mir Wissen, dass ich Raum
zu einem zweiten zeitlos breiten Leben habe.
Und manchmal bin ich wie der Baum,
der, reif und rauschend, über einem Grabe
den Traum erfüllt, den der vergangne Knabe
(um den sich seine warmen Wurzeln drängen)
verlor in Traurigkeiten und Gesängen.

R.M.Rilke , 1899

Wunderschön und passend zur Jahreszeit 😉 .

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Meine „gestochenen“ Worte: Kastanie, alte Lieder, Pan, Weltenweise, flammenleichte, Seele, Flügelschlag

Unter strahlend blauen Himmeln
Saß ich unter meinem Baum
Einer Kastanie tausend Jahre alt
Ihre flammenleichten Blütenkerzen
Wogen sacht im Flügelschlag
Der zarten Sommerbrise auf und ab
Alte Lieder hört ich
Pan auf seiner Flöte spielen
Aller Zeiten Weltenweisen
Lieblich und Grausam
Vom Geboren werden und Vergehen
Aller Seelen leuchtend schön
Wie bunte Blüten nur ein Dunst
Kaum erblüht, bald verhaucht

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Frühlingsregen II

Kleine Tropfen fallen sanft
Tränken Primel, Rose, Busch und Baum
Ein Regenbogen zeichnet seine Bahn
Wolken ziehen um ein Stückchen Blau zu offenbaren
Blicke dem unverstellten Horizont entgegen
Die Wolken reißen auf
Geben den Weg frei in die Unendlichkeit
Spüre das Glück des Augenblicks

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Linda rannte hinter ihm her.

„Sander! Warte!“, ihre Stimme hallte geisterhaft zwischen den Bäumen wieder.

Im Laufschritt stampfte sie über den schmalen Bohlweg. Sie musste sich konzentrieren nicht daneben zu treten. Ein falscher Schritt und sie landete ihm Sumpf. Atemlos erreichte sie die Treppe, die auf den befestigten Waldweg führte. Sander dieser Blödmann war schon soweit entfernt, dass sie ihn nur noch schemenhaft wahrnahm. Warum hatte sie sich nur auf diesen Mist eingelassen? Linda kannte die Antwort. Sander war der coolste Typ der Schule. Wenn er einen einlud, dann ging man mit. Ohne wenn und aber.

„Sander!“, rief sie zaghaft.

Linda hatte ihn endgültig aus den Augen verloren. Nicht einmal den Lichtkegel seiner Taschenlampe konnte sie erkennen. Dann hörte sie plötzlich wie ein Motor ansprang und der Wagen losfuhr. Sander hatte sie tatsächlich ausgesetzt. In dieser Wildnis. Lindas Herzschlag beschleunigte sich. Sie war eigentlich kein Angsthase, aber mitten in der Nacht in fremdem Gebiet, allein ohne Orientierung, dass war ein guter Grund um ängstlich zu sein. In der kanadischen Wildnis gab es Bären, Wölfe und andere Raubtiere. Ganz zu schweigen von Bärenfallen, Sümpfen und anderen furchteinflössenden Dingen, an die Linda jetzt lieber nicht denken wollte.

Zuerst überlegte Linda einfach dort stehen zu bleiben, wo sie gerade war und auf den Morgen zu warten. Aber nachdem ein leichter Regen einsetzte, beschloss sie weiter zu gehen. Auf dem Weg in das Naturschutzgebiet war Sander an einer kleinen Pension vorbei gefahren. Linda hatte Licht gesehen und naiv dran gedacht, dass er dort mit ihr die Nacht verbringen würde, wenn sie seine Mutprobe bestanden hätte. Jetzt war ihre einzige Chance es bis dorthin zu schaffen. Vorsichtig tastete sie sich zwischen den Bäumen entlang. Linda konnte nicht erkennen, ob sie sich noch auf dem ausgewiesenen Weg befand. Nur die Tatsache, dass der Pfad relativ eben war, bestärkte sie in ihrer Zuversicht.

Linda hatte jedes Zeitgefühl verloren. Sie bemühte sich so gerade zu gehen, wie es in der Dunkelheit möglich war. Sie wusste, dass sie an zwei riesigen Felsbrocken vorbei kam, wenn sie das Naturschutzgebiet verließ, aber bis jetzt waren sie noch nicht in Sicht. Der Wald wurde immer dichter, wo er lichter werden sollte. Linda wollte sich nicht eingestehen, dass sie den Weg verloren hatte und in die Irre ging.

Müde lehnte sie sich gegen einen dicken Baumstamm. Ihre Füße schmerzten und ihr war kalt. Der monotone Regen durchdrang inzwischen an einigen Stellen ihre dicke Daunenjacke. Zum hundertsten Mal fragte sich Linda, warum Sander ihr diesen miesen Streich spielte. Sie hatte ihm nichts getan – sich wirklich nichts zu Schulden kommen lassen. Und während sie dort stand, völlig erschöpft, fiel es ihr plötzlich ein. Susan! Sie war in Sanders Clique. Sie hatte Susan nicht beim Schummeln in der Mathe Klausur geholfen. Es war das erste Mal, dass Linda ihr etwas abschlug und das war ihr jetzt zum Verhängnis geworden.

Da ein Geräusch! Linda drückte sich enger an den Baum. Sie kauerte sich dicht an seine verknorpelten Wurzeln. Überraschend ertastete sie ein Loch, das große genug war, um sie aufzunehmen und ihr ein Versteck zu bieten. Drin war es trocken. Der Geruch von modrigem Holz stieg ihr in die Nase. Linda hörte Äste knacken, Laub rascheln und dann plötzlich eine Stille, die ihr Angst machte. Noch mehr, als sie eine Stimme hörte, die sie nur zu gut kannte.

„Wo kann das Miststück sein? Wir müssten sie längst aufgespürt haben!“

„Keine Ahnung. Ich bin mir sicher, sie ist in diese Richtung gegangen.“

„Ich dachte, du bist der große Jäger!“

„Mensch Sander halt die Klappe. Die Jagd ist doch das Spannendes an der Sache. Sie kann uns nicht entkommen. Entweder finden wir sie, oder die anderen und dann … .“

Der Sprecher ahmte das Geräusch eines Schusses nach.

„Ich hoffe, du triffst wenigstens, wenn wir sie haben.“

Sanders Stimme triefte vor Verachtung. Lena presste sich die Hand vor den Mund, um nicht aufzuschreien. Eiskalt lief es ihr den Rücken herunter. Sie drückte sich immer tiefer in das morsche Baumloch. In diesem Moment wünschte Lena sich einen hungrigen Grizzly, der sich auf die beiden jungen Männer stürzte und sie zu Gejagten machte. So gab es niemand, der ihr beistand und sie aus dieser ausweglosen Situation befreite.

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Einmal links, dann wieder links und dann rechts. Ich stehe vor dem Löwenhaus. Es ist ungewöhnlich und doch schön. Auf der Mauer und hinter der Eingangspforte sitzen zwei große Löwen aus rose-anthrazit-farbenem Marmor. Die Pranken gehoben und mit offenem Maul. Vor der Haustür steht ein Mädchen, das aus einer Muschel Wasser in eine Schale laufen lässt. Ein ausgesprochen schönes Wasserspiel. Wenn man an der rosefarbenen Mauer entlang geht, kommt man zu einem Heckenstück, über das man in den Garten sehen kann. Dort steht ein runder Springbrunnen, der mit blauen glänzenden Fliesen ausgekleidet ist und mich an Spanien erinnert, daneben steht eine Bank. Ich würde dort gerne sitzen und dem Plätschern zuhören.

Das Löwenhaus besteht aus vielen verschiedenen Hausteilen, einem Türmchen, einem angebauten Carport und einer winzigen Gartenvilla. Ein Pferdeanhänger steht davor. Es hat einen Treppenaufgang, in Form eines Türmchens und weiße Holzgeländer. Es sieht aus wie eines dieser eleganten Südstaatenhäuser in Miniaturformat.

Wenn man um das Haus herum geht, kann man in den riesigen Garten, mit den Statuen, dem großen Springbrunnen und der Patchworkbauweise, sehen. Am Gartentor hängt ein Löwenkopf aus Metall, der einen großen Ring im Maul trägt. Für Hunde gibt es am Ende des Grundstücks eine Wasserstelle.

Das Haus sticht vor allen anderen heraus, bis auf das „Hakuna Matata“ Haus. Das erinnert mich immer an unsere Legohäuser. Ein großes Viereck unten, eine Reihe Dachsteine, dann ein kleineres Viereck oben aufgestockt. Und so viele Fensterelemente, wie ich verbauen konnte. Ich habe, glaube ich, meistens Häuser aus Legosteinen gebaut.

Es hat geregnet. Meine Nase wird mit Geruch geradezu überflutet. Es riecht nach nassem Gras, schwerer dunkler Erde, modrigem Holz und sterbenden Blüten. Lavendel und Rosen. Die Blätter der Büsche sehen aus wie frisch poliert und ich könnte einfach reinbeißen, nur der Gedanke sie könnten giftig sein hält mich zurück.

Ich höre das Plätschern des Nauheimer Baches. Der Weg aus Erde und Tannennadeln ist weich und elastisch. Jeder Fußtritt wird verschluckt. Die alten Bäume bilden mit ihren überhängenden Ästen eine grüne Höhle, und der Bach spielt seine Musik dazu. In manchen Abschnitten hört man es gurgeln, sprudeln, plätschern und gluckern. In anderen ist es ganz still. Ich bleibe stehen und lausche. Nur hier und da gibt ein Vogel ein Zwitschern von sich. Sie scheinen erschöpft von den vergangenen heißen Tagen und müssen neue Kräfte schöpfen, bevor sie wieder ihre Sinfonien erklingen lassen.

Einer unserer Nachbarn kommt mit zwei seiner Kinder und dem Hund vorbei. Der Hund ist hübsch, schwarz-weiß, aber etwas zottelig. Der Mann ist mir unheimlich. Unsympathisch kann ich nicht sagen, denn ich kenne ihn nicht, ich sehe ihn nur. Damals, als wir hier herzogen, da hatte er kurze Haare und sah ganz adrett aus, wenn man das so sagen kann. Im Laufe der Zeit hat er sich einen Zopf wachsen lassen und sieht sehr ungepflegt aus. Er ist etwa vierzig Jahre alt. Alles kein Grund für Unsympathie, aber wenn ich seine Frau sehe, die inzwischen das fünfte Kind hat und völlig ausgezehrt und grau aussieht, dann ist er mir unheimlich. Seine Frau habe ich noch nie lächeln gesehen. Ihre Kleidung hängt an ihr herab, ihre Augen sind riesig in dem knochigen Gesicht. Ein mit Haut überzogener Schädel. Ihre Kinder sind alle „normal“ im Sinne von Gewicht und Größe. Es ist, als ob sie sich auflöst, während die Kinder geboren werden und aufwachsen. Wie Schmarotzerpflanzen, die den Wirt immer weiter überwuchern, bis sie ihn irgendwann mit ihren Wurzeln und Fangarmen erstickt haben. Fühlt ein Baum den Schmerz? Kann er sich wehren? Ich habe von Bäumen gelesen, die gegen ihre Feinde bestimmte Substanzen entwickeln und sie dadurch vertreiben. Gut gemacht, Baum!

Hier am Nauheimer Bach stehen viele Baumarten. Pflaumenbäume mit lila, weißen Früchten und Pflaumenbäume mit kirschgroßen Früchten. Apfelbäume, Kirschbäume, Trauerweiden, Kiefern, Walnussbäume, Eichen, Kastanien und noch einige andere, die ich nicht kenne.

Vom Golfplatz her hört man dieses leise „Klack“, wenn die Golfer abschlagen. Der hohe Maschendrahtzaun, der von verschiedenen Schlinggewächsen überwuchert ist, trennt die Golfer von den übrigen Menschen. Sie sind auf der anderen Seite in ihrer geschlossenen kleinen Welt, von Bekannten und Gegnern sicher verwahrt, aber das stimmt nicht. Denn an einigen Stellen gibt es Löcher, kleinere und größere, durch die man ohne Probleme hindurchschlüpfen könnte. Das weiße Clubhaus sieht wie eine afrikanische Villa aus. Aus Holz, mit riesiger überdachter Terrasse, Korbmöbeln. Alles sehr stilvoll, gepflegt, vorhersehbar. Ich bleibe lieber auf der anderen Seite, in der grünen, aufregenden Höhle.

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