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Posts Tagged ‘Begegnung’

„Kennst du mich noch?“

Was für eine Frage, dachte ich, als könnte ich dieses Monster jemals vergessen. Ich drehte mich um und sah in das gutgeschnittene Gesicht.

„Nein, müsste ich mich an sie erinnern?“, fragte ich so beiläufig wie möglich.

Er grinste und in diesem Moment legte sich dieses verschlagene Funkeln in seine Augen, dass mir bei unserer Begegnung vor vier Jahren entgangen war. Hätte ich es doch sofort bemerkt, doch ich war von seiner Erscheinung und seinem Charme geblendet und erkannte nicht, wie abgrundtief böse er wirklich war.

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Schreibe über den Sound, die Farbe, den Geruch/Geschmack von Einsamkeit.

Lullabye

Julies Hände zittern, krampfen sich um das Lenkrad. Sie fährt rechts ran. Der Song erwischt sie eiskalt.

“Goodnight, my angel
Time to close your eyes
And save these questions for another day
I think I know what you’ve been asking me
I think you know what I’ve been trying to say
I promised I would never leave you
And you should always know
Wherever you may go
No matter where you are
I never will be far away
Goodnight, my angel
Now it’s time to sleep
And still so many things I want to say
Remember all the songs you sang for me
When we went sailing on an emerald bay
And like a boat out on the ocean
I’m rocking you to sleep
The water’s dark
And deep inside this ancient heart
You’ll always be a part of me
Goodnight, my angel
Now it’s time to dream
And dream how wonderful your life will be
Someday your child may cry
And if you sing this lullabye
Then in your heart
There will always be a part of me

Someday we’ll all be gone
But lullabyes go on and on…
They never die
That’s how you
And I
Will be …

Die letzten Töne verklingen. Tränen laufen ihr die Wangen herunter, sammeln sich in ihren Mundwinkeln, tropfen auf das T-Shirt. Das Salz wird ihr bitter auf der Zunge. Julie schluckt sie herunter. Hofft, dass die Bitternis den Schmerz überflügelt und endlich heilt.

Er schickte ihr das Lied eines Nachts, als Julies Sehnsucht sie fraß und die Einsamkeit so tiefschwarz war, dass sie dachte, ihr Herz würde brechen. Es beruhigte sie, legte sich, wie seine sanfte Hand, auf ihre Seele.

Doch dann – Dinge geschehen – manche große Lieben dürfen nicht sein. Zur falschen Zeit am falschen Ort. Ein ängstliches Herz, Schuld, Verpflichtung. Niemand ist eine Insel. Das Leben geht keine geraden Wege.

„Wir dürfen uns nicht mehr sehen. Sie hat bemerkt, dass etwas anders ist.“

Julie blieb stumm. Sie nickte verständnisvoll. Vor diesem Moment hatte sie sich gefürchtet, gehofft er würde niemals kommen. Sie dachte an die andere Frau, die ältere Rechte hatte, die im Rollstuhl saß und seine Hilfe brauchte. Er hatte sie nicht im Unklaren über seine Situation gelassen. Julie wusste, vorauf sie sich einließ und sie tat es mit ganzem Herzen. Sie wollte ihn und war bereit jede Konsequenz zu tragen.

Julie dachte an den zauberhaften Moment ihrer ersten Begegnung. Sie waren in einem Buchladen zusammengestoßen. Ihr fielen die Bücher aus der Hand. Er hob sie auf. Ihre Blicke begegneten sich. In Julies Brust entzündet sich ein Funke, der ihr Herz in Flammen setzte.

Das Feuer brennt noch immer. Weder Entfernung, Stille, nicht Vernunft änderten etwas daran. Tausend Mal sagte sich Julie, dass es gut war. Besser früher, als später. Doch nichts überdauert länger, als unerfüllte Liebe. Die ungelebten Möglichkeiten, ungetauschten Küsse und Zärtlichkeiten, die unausgesprochenen Liebesschwüre, die nicht durchliebten Nächte, nicht gefühlten Ekstasen. Da war der Traum von etwas anderem. Eine Sehnsucht, die nichts löschen konnte.

Immer wieder sah Julie seine strahlenden Augen, das Lächeln, das ihr Herz im Sturm erobert hatte, vor sich. Sie konnte seine sanfte dunkle Stimme nicht vergessen, seine zärtlichen Lippen und die schönen Hände.

Julie atmete tief durch, wischte sich energisch die Tränen aus dem Gesicht. Er war dort draußen, irgendwo. Sie liebte ihn. Es gab kein Ende ihrer Gefühle.

Unerfüllte Liebe stirbt nicht an Gewohnheiten, Streit und Desillusionierung. Sie mag mit der Zeit ein wenig verblassen, aber am Ende lässt der Gedanke „was wäre gewesen wenn“ einen nicht los.

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Mein bester Freund ist ein Geist. Aber niemand darf es wissen. Natürlich nicht. Wenn eine erwachsene Frau erzählen würde, dass sie einen Geist sieht und mit ihm spricht – ihr könnt euch denken, dann ist sie nicht mehr lange in Freiheit. Da kommen die Jungs mit der weißen Jacke und schwups, sitzt man in der Gummizelle, mit einer handvoll rosa Pillen. Das mag ja seinen Reiz haben, aber ich habe lieber einen klaren Kopf.

Wir waren nicht immer Freunde. Jonathan und ich. Im Gegenteil. Unsere erste Begegnung war ein Desaster. Stellen sie sich vor, sie haben nachts um zwei eine Reifenpanne in einer Gegend, in der sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen und werden von einem Geist gefragt, ob er ihnen irgendwie helfen kann.

Zum Glück habe ich ein gesundes Herz, sonst wäre ich nicht nur in Ohnmacht gefallen, sondern hätte einen Infarkt bekommen.

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