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Posts Tagged ‘Bein’

Der Bus hielt. Sandra griff nach den Krücken und hievte sich von ihrem Sitzplatz hoch. Jemand stieß sie an. Sandra wankte und wäre beinahe hingefallen, hätten sie nicht zwei starke Arme aufgefangen.

„Hey, passen sie doch auf“, rief der Mann dem Rempelrowdy hinterher, „sie hätten die junge Frau beinahe umgestoßen.“

Der Junge drehte sich kurz um, zeigte den Stinkefinger und ging weiter.

„Ich würde beinahe sagen, die Jugend von heute, wenn ich nicht selber dazugehören würde“, sagte Sandra.

Ihr Retter lachte.

„Zum Glück sind nicht alle so gleichgültig.“

Sandra nickte.

„Eigentlich bin ich selbst schuld. Normalerweise würde ich um diese Uhrzeit nicht Bus fahren. Schon gar nicht in meinem angeschlagenen Zustand. Aber ich habe ein Vorstellungsgespräch. Das kann ich auf keinen Fall sausen lassen.“

Der Mann lächelte. Er erinnerte Sandra an ihren Vater. Dunkles Haar, graue Schläfen. Er trug Anzug, sah aus wie ein Bänker oder Versicherungsmann.

„Dann wünsche ich ihnen alles Gute!“

„Vielen Dank und Danke für ihre Hilfe“, sie rückte ihren Rucksack mit der Bewerbungsmappe zurecht und wendete sich dem imposanten Büroklotz zu, „wenn ich den Job kriege und wir uns wiedersehen, lade ich sie zu einem Kaffee ein.“

„Wie wäre es mit Tee?“

„Auch das“, Sandra grinste.

Er winkte einen Gruß zum Abschied und entschwand in die entgegengesetzte Richtung. Sandra gab sich einen Ruck und stelzte auf den Eingang des Hochhauses zu. Es gefiel ihr in keiner Weise in diesem lädierten Aufzug bei dem Firmenchef eines Megakonzerns aufzutauchen, aber mit einem gebrochenen Bein konnte sie nicht wirklich Businessmäßig aussehen.

Sandra hatte den Eingang beinahe erreicht, die warme Luft aus dem Foyer drang ihr schon entgegen, als sie ein nervöses Gebell neben sich hörte (Übersetzung: Hey, du, ich brauche einen Türöffner!). Sie drehte den Kopf und da stand er. Glänzendes brauner Fell, kurze Beine, lange Ohren mit einem roten Lederhalsband und einem Herz daran. Sandra liebte Hunde und ehe sie wusste, was sie tat, sagte sie:

„Na, du Süßer, wo gehörst du denn hin?“

Als Antwort auf die Frage kläffte er kurz (Übersetzung: „Jedenfalls nicht hier her!“). Sandra übersetzte:

„Du weißt nicht, wo dein Herrchen ist?“

Sandra sah sich nach einem Hundehalter um. Aber die Leute liefen vorbei, in Gedanken versunken, vermutlich schon halb im Büro. Keiner sah wie ein potenzieller Dackelbesitzer aus. Dafür rückte dieser ein Stück näher. Sandra balancierte zu ihm herunter und streichelte sein glänzendes Fell. Das gefiel ihm außerordentlich und er erwählte Sandra zu seiner Begleiterin. Der Dackel blieb ihr dicht auf den Fersen, als sie sich anschickte das Foyer zu betreten.

„Nein, das geht nicht“, flüsterte Sandra dem Dackel zu und erntete einen finsteren Blick von einem Security-Mann in Bodybuilderformat, Glatze und Schlagstock inbegriffen.

„Der Hund muss draußen bleiben!“, knurrte er.

Der Dackel ebenfalls. (Übersetzung: „Ich denk ja gar nicht dran! Ätsch!“)

„Ich weiß, das“, sagte Sandra, „aber er nicht!“

„Binden sie ihn draußen an!“

Sein Ton verschärfte sich und er kam näher, baute sich in voller Größe vor Sandra auf. Der Dackel trippelte zwischen Sandra und den Mann in Uniform und gab ein ungnädiges Wuffen von sich. (Übersetzung: „Lass meine Gesellschafterin in Ruhe! Sonst … .“)

„Wollen sie mir drohen? Mein Freund ist bei der Presse“, log Sandra, „soll morgen in der Zeitung stehen, Security des stadtgrößten Konzerns schlägt Behinderte?“

Irritiert sah er sie an. Sandra konnte sehen, wie hinter seiner hohen Stirn die Gedanken schwerfällig auf und ab schwappten. Er kam ihr wie eine menschliche Lavalampe vor. Blubb, Blubb, Blubb.

„Ist das eine Fangfrage oder was?“, versuchte er Zeit zugewinnen.

Sein Meister-Propper-Gesicht war inzwischen purpurrot. – Ob er platzt, wenn man eine Nadel in seine Wange sticht, überlegte Sandra. – Wütend über ihre Weigerung seinem Befehl zu folgen, tippte er Sandra mit spitzen Fingern fest gegen die Schulter.

Sandra wackelte, verlor eine Krücke, der Dackel-Guard kläffte einmal scharf (Übersetzung: „Jetzt reicht`s!“), und warf sich mit aller Kraft gegen den Feind. Er sprang hoch und schnappte nach dem Unterarm des Securitymannes. Sofort setzte Gebrüll ein. Der Muskelmann wirbelte herum und versuchte den Dackel abzuschütteln. Doch der Hund hielt fest und die scharfen Zähne bohrten sich weiter in sein Fleisch, je energischer er ihn entfernen wollte.

„Verstärkung! Sanitäter!“, schrie er.

Eine kleine Menschenmenge hatte sich um das turbulente Trio versammelt. Doch niemand kam dem Muskelprotz zu Hilfe. Einige machten Handyfotos oder nahmen die Dramödie auf. – Das kann ich mir sicher nachher auf YouTube ansehen. – Sandra nutzte die Gelegenheit und humpelte dem Aufzug zu. Was hatte die Sekretärin am Telefon gesagt? 26te Etage?

Vor dem Eingang ertönte ein nerviges Blaulicht. Endlich trafen die Sanitäter ein, die der Rezeptionist gerufen hatte.

„Würden sie bitte Platz machen“, riefen die beiden Jungs vom Roten Kreuz und versuchten sich einen Weg zu dem Opfer zu bahnen.

Die Türen des Lifts öffneten sich. Sandra trat ein. Sie drückte mit dem Fuß der Krücke auf die 26. In diesem Moment ließ der Dackel von dem Security-Mann ab. Er flog ein Stück durch die Luft, fiel, rappelte sich hoch, hoppelte in den Lift und setzte sich siegesgewiss neben Sandra.

„Hey, sie“, brüllte der Wachmann den Flüchtigen hinterher, „sofort stehen bleiben.“

Er wollte hinter her, aber die beiden Sanis hielten ihn fest. Sandra schwenkte eine Krücke, die Türen schlossen sich. Mit leisem Summen setzte sich der Fahrstuhl in Bewegung. Sandra sah sich und den Dackel in den Spiegeln des Lifts und musste grinsen.

„Na, Dackelito, dem haben wir es aber gezeigt.“

Der Lift hielt im siebten Stockwerk. Zwei Männer stiegen zu. Interessiert betrachten sie Sandra und den Hund, die ihrerseits die beiden Neuankömmlinge musterten. Der Kleinere, dunkle Haare, drei-Tage-Bart stieß seinen Begleiter an. Sie grinsten.

„Das ist aber ein kleiner Behinderten-Hund“, sagte der große Blonde mit den himmelblauen Augen.

„Ich habe ja auch nur eine kleine Behinderung“, erwiderte Sandra und grinste zurück.

Das werteten die beiden Herren als Startschuss zum Flirten.

„Wo soll es denn hingehen?“, fragte der Dunkelhaarige.

„In die sechsundzwanzig. Vorstellungsgespräch.“

Die beiden warfen sich einen bedeutungsvollen Blick zu.

„Oh, dann viel Glück.“

„Das hört sich nicht besonders ermutigend an.“

„Nur nicht ins Boxhorn jagen lassen, sie haben doch ihre Bulldogge dabei“, sagte der große Blonde.

Dackelito fühlte sich angesprochen und kläffte. (Übersetzung: „Ich nehm es mit jedem auf!“). Ein Piepton erklang. Der Kleine zog sein Smartphone aus der Tasche, schaute aufs Display und lachte.

„Lass mal sehen“, der Blonde nahm ihm das Handy aus der Hand und sah schmunzelnd auf den Minibildschirm, „Sie sind der Star des Hauses.“

Er hielt Sandra das Handy hin. Es zeigte einen Schnappschuss von Meister Proper, der wutschnaubend versuchte den Dackel loszuwerden.

„Oh, Oh“, sagte Sandra.

Der Lift hielt in der 24. Die beiden verabschiedeten sich von Sandra und wünschten ihr Glück. Bevor die Türen zu gingen, kam der Blonde zurück, stellte sich auf die Kontaktschwelle und strahlte Sandra an.

„Vielleicht rufen sie mich an und wir feiern. Im schlimmsten Fall weinen sie sich an meiner Schulter aus.“

Bevor Sandra antworten konnte, drückte er ihr seine Visitenkarte in die Hand, hauchte verwegen einen Kuss auf ihre Wange und eilte seinem Kollegen hinterher. Dackelito kratzte sich mit der Hinterpfote hinter den langen Ohren. (Übersetzung: „Na so was.“)

„Na so was!“, Sandra war platt, „ganz schön frech.“

Ein verklärtes Lächeln legte sich auf ihr Gesicht. Wieder hielt der Lift. Diesmal auf der 26. Die Türen glitten auf. Sandra blickte auf eine riesige Uhr, Marke Hauptbahnhof, über einem sterilen Tresen, auf dem eine weiße Orchidee blühte. Sie war pünktlich, hatte sogar noch zehn Minuten Zeit. – Ob die Orchidee echt ist, überlegte Sandra, könnte sein. – Die ältere Dame hinter dem Tresen musterte sie streng.

„Setzen sie sich. Herr Bernhard empfängt sie gleich“, sagte sie mit schnarrender Stimme.

– Was für eine schlechtgelaunte alte Schachtel! – Sandra ließ sich gegenüber auf der weißen Plastikbank mit den verchromten Füßen nieder. Dackelito benahm sich tadellos. Er sprang neben Sandra auf den Sitz, sah sich interessiert um und machte keinen Mucks. – Als würde er zum Vorstellungsgespräch gehen. – Bei dem Versuch ihre Krücken zu sichern, rutschten sie weg und fielen geräuschvoll zu Boden.

Der strafende Blick der Empfangsdame verursachte Sandra Unbehagen. – Und sie hat nicht mal den Hund gesehen. Wer weiß, was dann los ist. Durchziehen oder gleich wieder gehen? – Sandra hatte sich geschworen nie wieder in einer Firma zu arbeiten, in der schlechte Schwingungen herrschten. Weiteres Grübeln erübrigte sich. Sie hörte eine sonore Männerstimme:

„Die Nächste!“

Die Empfangsdame bedeutete ihr mit einer Kopfbewegung – Mädchen steh auf, beweg dich. – Sandra brachte sich wieder in den aufrechten Stand. – Die hat mich schon abgeschrieben. Ich bin nicht mal eine paar Worte wert. – Eine Dame im eleganten Kostümchen rauschte hocherhobenen Hauptes an ihr vorbei, Richtung Fahrstuhl. Sie würdigte Sandra und den Empfangsdrachen keines Blickes. Dackelito sprang von der Bank.

„Bleib lieber hier“, raunte Sandra ihm zu, „wenn dich der Drache sieht, bist du dran. Die kann Feuerspucken.“

Dackelito legte den Kopf schief und sah Sandra aus seinen tiefbraunen Augen an. (Übersetzung: „Ich glaube, du verstehst da was falsch.“) Dann schoss er wie ein Blitz davon, um die Ecke des Tresens, in die Richtung aus der die Stimme gekommen war. Sandra schüttelte den Kopf und seufzte. Dann setzte sie sich in Bewegung. – Jetzt ist es eh schon egal. – Sandra musste ihre ganze Finesse aufbringen, um die schwere Glastür, trotz ihres Handicaps, zu öffnen. Herr Bernhard, im eleganten dunklen Anzug, stand nur da und warf ihr einen finsteren Blick zu.

„Tut mir leid“, erklärte Sandra, „nächste Woche bin ich wieder fit. Dann ist der Gips weg.“

Er murmelte etwas vor sich hin, das Sandra nicht verstand. Sie erblickte Dackelito. Der saß aufrecht und stolz, wie Bolle, auf dem großen Ledersessel hinter dem Schreibtisch. Trotz der Spannung im Raum, konnte Sandra ein Lachen nur mit Mühe unterdrücken.

„Komm darunter“, mahnte sie den Hund.

„Das wird er nicht tun“, stellte Herr Bernhard trocken fest.

„Warum nicht?“, fragte Sandra.

„Heiner sitzt immer da, wenn er im Büro ist.“

„Heiner!“, stieß Sandra hervor.

Sie kniff die Lippen zusammen, biss sich auf die Zunge, um nicht laut loszuprusten. Der Hund sprang vom Chefsessel herunter. Er setzte sich neben Sandra und schaute mit Unschuldsblick zu ihr auf. (Übersetzung: „Ich bin der liebste Hund der ganzen Welt!“)

„Eine Idee meiner Tochter“, klärte Herr Bernhard Sandra auf und schmunzelte. „Sie hat ihn mir geschenkt, damit ich Gesellschaft habe.“

Ehe er weitersprechen konnte, stürzte Herr Security herein und wollte sich mit einem Hechtsprung auf Heiner stürzen. Sandra hob die Krücke und traf direkt auf seine Brust. Er prallte ab und sie zurück. Herr Bernhard hatte gute Reflexe und fing die strauchelnde Sandra auf. Heiner sprang mit heiserem Bellen (Übersetzung: Ha! Blödmann! Mich kriegst du nicht.“) um den Wachmann herum, der nicht so viel Glück hatte. – Er hätte die beiden Rot-Kreuz-Jungs gleich mit bringen sollen -dachte Sandra schadenfroh, als sie sah, dass er nicht mehr aufstehen konnte.

„Mein Bein“, jammerte er.

Heiner kläffte lauter. (Übersetzung: Rühr dich ja nicht! Ich kann auch anders!) – Wie viel Tohuwabohu so ein kleines Tier doch anrichten kann. –

„Ruhe!“, rief Herr Bernhard.

Sofort wurde Heiner still und setzte sich ganz brav neben Sandra.

„Was soll denn das Theater“, fuhr er den Wachmann an, „können sie nicht klopfen?!“

„Aber der Hund …“ nölte der Gefallene.

„Gehört mir!“

Herr Bernhard rief die Sanitäter. Diesmal erreichten sie den Ort des Geschehens schneller. Sie waren gerade erst einen Block weit weg, als sie den Notruf erhielten.
Als es endlich wieder still im Büro geworden war, sah Herr Bernhard Sandra mit prüfendem Blick an, dann sagte er wohlwollend:

„Sie haben den Job.“

„Danke …“

Herr Bernhard unterbrach Sandra energisch.

„Unter einer Bedingung!“

Sandra sah ihn erwartungsvoll an.

„Sie kümmern sich darum, dass der Hund genug Auslauf hat und meine Security-Leute nicht zu Kleinholz verarbeitet. Dafür dürfen sie sich während der Arbeitszeit jederzeit freinehmen.“

Sandra nickte begeistert. – Toller Job. – Heiner wuffte kurz. (Übersetzung: „Tolle Betreuerin.“)

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Die Vorgabe war ein Lebkuchenmann und ein Lift(Aufzug) und so kam ich zu meiner diesjährigen Weihnachtsgeschichte. 🙂

Verdammt, wie bin ich bloß hierhergekommen? In einen viereckiger Kasten aus Metall. Nicht viel größer als eine Keksdose. Ha, aber nicht besonders gemütlich und stinken tut es hier – iiiihhh bäh, da wird mir echt übel. Es riecht nach nassem Hund und Pippi, aber darüber möchte ich lieber nicht nachdenken. Ich bin so fluffig und lecker, der Gestank wird mich verderben, dann wird mich niemand mehr essen wollen.

Am liebsten würde ich heulen, aber dann weicht mein Zuckerguss auf. Wie viel besser wäre es in einer Keksdose mit silbernen Schneeflocken und kleinen Engelchen. In der Gesellschaft von Zimtsternen und Vanillekipferl fühle ich mich besonders wohl, das ist wenigstens ein vernünftiger Geruch! Und erst der Tannenduft, Orangen, Nelken und natürlich Lebkuchenduft.

Darum mögen mich die Leute auch so gerne. Ohne Lebkuchen kein Weihnachten. Nur mal so unter uns, die ersten gewürzten Honigkuchen gab es, wenn man den Historikern glauben darf, schon 350 v.Chr. in Ägypten.
Und DIE vergessen mich einfach hier in diesem dreckigen, stinkenden Kasten. Dabei hat mich ein Meisterbäcker aus Nürnberg gebacken und ich bin mein Geld wert!

Es macht ein surrendes, brummendes Geräusch. Ein Bing ertönt. Es zischt. Tageslicht fällt in den Kasten. Tapsen und Schritte erfüllen den Raum. Plötzlich leckt eine raue Zunge an mir herum. Es kitzelt. Meine bunten Schokoknöpfe lösen sich. Die Zunge schiebt mich über den stinkigen, feuchten Boden. Iiiihhh, holt mich hier raus! Die Zunge leckt weiter, spitze Zähne kauen an mir herum. Inzwischen fehlen mir ein Bein und ein Arm. Wo ist der Weihnachtsmann, wenn man ihn mal braucht?

Das Bing ertönt. Es zischt. Die Zunge lässt von mir ab. Tapsen und Schritte entfernen sich. Ich bin nur noch ein braunes, unansehnliches Häufchen Lebkuchen. Zuckerguss weg, Schokoköpfe weg. Leute weg. Mir reicht`s! Ich habe keinen Bock mehr auf Weihnachten! Im nächsten Leben werde ich Marzipankartoffel, die kommt nur im Rudel und in der Tüte.

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Er ist scheußlich, dachte ich, das schmuddelige Hemd, der furchtbare Geruch und dann diese Haare. Die hatten seit Urzeiten kein Shampoo mehr gesehen. Ein Schauer des Ekels lief mir über den Rücken. Nach der Beschreibung meines Chefs, blieb kein Zweifel, das war unser Mann.

Ich sollte den Lockvogel spielen und mich an ihn heran machen. Am liebsten hätte ich auf dem Absatz kehrt gemacht, aber Auftrag war Auftrag. Ich atmete durch und stöckelte auf meinen High Heels auf ihn zu. Verflixt diese blöden Schuhe. Eigentlich sollte Jenny hier sein, um diesen Mafiosi anzubaggern, aber die lag mit Grippe im Bett, gerade rechtzeitig. Ich versuchte so locker wie möglich zu sein, und lächelte den Don aufreizend an, als ich umknickte, den Halt verlor und stürzte. Kurz bevor ich zu Boden ging hielten mich zwei kräftige Händen fest und zogen mich zurück.

„Na kleine Lady, nicht so hastig“, sagte eine angenehme Stimme.

„Danke“, stammelte ich und verfluchte meinen Fauxpas. Ich hoffte, dass niemand das Messer an meinem Oberschenkel bemerkt hatte. Es war riskant bei sowenig Kleidung ein Waffenarsenal mit sich herum zu schleppen, aber dieser hässliche Mafiosi war für seine Brutalität bekannt. Ich wollte abgesichert sein.

„Ich sollte mir ihr Bein mal ansehen, dass sah eben gar nicht gut aus?“

Mein Retter sah mich lächelnd an.

„Nein danke, es geht schon“, lehnte ich ab.

„Sind sie ganz sicher?“

Er hielt meine Hand fest und zog einen Stuhl heran.

„Setzen sie sich. Es dauert nicht lange, ich kenn mich aus.“

Er drückte mich auf die Sitzfläche, kniete sich hin und zog mir den Pumps aus. Vorsichtig tastete er den Knöchel ab.

„Mein Name ist übrigens David, wie heißen sie?“

„Maja. – Ich glaube, dass ist nicht mein Fuß.“

Seine Hand war bis zu meinem Knie hoch gerutscht.

„Erwischt“, er lachte, „aber man kann es versuchen.“

„Aber nicht bei mir“, ich zog meinen kurzen Rock etwas höher und zeigte ihm das Messer, „ich kann damit umgehen.“

Statt verwundert oder erschrocken zu sein, sah er mich nur spöttisch an.

„Ich würde ihnen gerne meine Waffe zeigen“, sagte er eindeutig zweideutig, „aber ich will nicht, dass meine Tarnung auffliegt. – FBI“, raunte er.

„CIA“, ich beugte mich etwas vor, „was machen sie hier?“

„Das gleiche könnte ich sie fragen?“

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