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Posts Tagged ‘Besitzer’

Ich befand mich auf dem Heimweg, als ich das Mädchen zum ersten Mal sah. Sie ging langsam an den Häusern unseres Viertels vorbei und schaute sich die Vorgärten und Fassaden an, als suche sie etwas. Mir fiel ihre altmodische Kleidung auf. Sie trug ein Spitzenkleid, dass ihr bis auf die Knöchel fiel und dazu Schnürstiefelchen. Ihre Haare waren in einen dicken Zopf geflochten. Ich dachte, sie könnte aus einem alten Film entsprungen sein.

Unerwartet blieb sie vor einer Villa stehen. Ein wunderschönes Haus, übriggeblieben aus den Anfängen des 19. Jahrhunderts. Manchmal, wenn der merkwürdige Besitzer nicht zu Hause war, waren wir mutig und spielten in dem großen Garten mit den alten Bäumen. Das Mädchen legte die Hand auf die Klinke der Eingangspforte. Noch ehe ich sie vor dem Besitzer warnen konnte, war sie schon durch den Spalt geschlüpft und verschwunden.

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Der kleine Antiquitätenladen

Seit Tagen schlich ich um den kleinen blauen Antiquitätenladen herum. Immer gab es Neues in der Auslage zu entdecken. Ein kleiner Metallkasten auf vier geschwungenen Füßchen, reich verziert mit Blüten und Früchten, hatte es mir besonders angetan. Der Griff in der Mitte des Deckels hatte die Form einer Rosenblüte. Leider war der Preis des Kästchens sehr hoch und so stand ich jeden Tag vor dem Schaufenster und ergötzte mich an ihrem Anblick.

„Kommen sie doch herein“, hörte ich eine freundliche Stimme hinter mir, „ich habe sie schon einige Male vor meinem Fenster gesehen. Sie dürfen sich gerne umsehen.“

Ich sah mich um und blickte in das lächelnde Gesicht des Besitzers. Er trug einen Anzug, der zwar altmodisch, aber elegant war. Sein mit Silberfäden durchzogenes dunkles Haar war exakt geschnitten und rahmte ein markant zeitloses Gesicht ein. Ich lächelte verlegen zurück.

„Das ist sehr nett, aber leider kann ich mir ihre Kostbarkeiten nicht leisten.“

Er schmunzelte.

„Nun, vielleicht mache ich ihnen einen guten Preis, gegen eine kleine Gefälligkeit.“

Ich zog skeptisch die Augenbraue hoch und trat einen Schritt zurück.

„Nein“, er lachte, „nicht das, woran sie jetzt vielleicht denken.“

Er schloss die Tür zu seinem Laden auf. Das melodische Läuten einer Glocke ertönte. Er machte eine großzügige Geste.

„Ich lade sie zu einem Kaffee ein und erzähle ihnen, worum es sich handelt. Sollte ihnen mein Angebot nicht zusagen, sind sie frei abzulehnen.“

Ich warf einen sehnsüchtigen Blick auf das Kästchen. Es glänzte verführerisch in der Morgensonne. Der Mann sieht nicht wie ein Gewaltverbrecher aus, überlegte ich, es wird bestimmt nichts Schlimmes geschehen. Ich gab mir einen Ruck, ging an ihm vorbei, drei Treppenstufen hinauf, und betrat den Antiquitätenladen. Hinter mir fiel die Tür leise ins Schloss. Das Glöckchen bimmelte melodisch.

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