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Posts Tagged ‘breiter Gürtel’

„Wenn du es wissen musst – meinetwegen!“

Andy verdrehte die Augen. Ich zögerte. Wollte ich es wirklich wissen?

„Ich dachte, du hast Vertrauen zu mir?“, setzte er nach.

Gedacht hatte ich das auch, aber seit ich ihn mit dieser langbeinigen Blondine aus dem Kaufhaus kommen sah, war es zusehends geschwunden. Ich war die letzten Wochen Tag für Tag durchgegangen und hatte festgestellt, dass Andy sehr häufig länger arbeiten musste. Zumindest sagte er mir das. Ich wartete auf seine Antwort. Andy schwieg und setzte sich auf die nächstbeste Parkbank. Er streckte seine langen Beine aus und starrte gerade aus.

In diesem Moment fragte ich mich, wieso ich mich damals in ihn verliebt hatte. Es war sein anziehendes Äußeres. Gutaussehend, gepflegt, charmant. Es war sein Humor, seine Sprachgewandtheit. Ich war geschmeichelt, dass er mich wollte. Mich, die sich immer als graue Maus gesehen hatte. Wenn er mich liebte, musste ich ihn wieder lieben, ohne wenn und aber. Wenn ich jetzt sein unbewegtes verschlossenes Gesicht sah und die spöttischen Worte hörte, die er zu mir sagte, war dieses Idealbild wie weggewischt.

„Was ist denn nun?“, fragte ich ungeduldig, „eigentlich kann ich es mir schon denken, aber ich will es von dir hören.“

Andy wandte den Kopf in meine Richtung, aber statt mich anzusehen, stierte er durch mich hindurch. Also war ich schon Luft für ihn geworden. Eine kalte Böe fuhr durch die kahlen Äste, zerzauste das nasse Gras und ließ mich frösteln. Oder war es Andys glasiger Blick? Seine schönen blauen Augen verschwammen zu einem trübaufgewühlten schlammigen Grau.

„Es ist aus.“

Drei Worte. Eisig. Hart wie Stein. Tränen quälten sich in meine Augen, aber ich drückte sie nieder. Nein, nicht weinen. Meine Kehle schnürte sich zu, ich konnte kaum schlucken. Mein Hals war ausgedörrt.

Immer noch stand ich da. Die Hände tief in meinen Jackentaschen vergraben. Jetzt zu Fäusten geballt. Mist, wenn ich doch zuschlagen könnte. Mein Herz raste, brandete gegen meine Rippen, stießen immer wieder in meine schmerzende Lunge.

„Und, fühlst du dich besser?!“

Unerträglich sein Hohn. Ich sah mich in seinen Augen. Kleine Kröte, matschgrün, unförmig, gegen die Blonde mit den meterlangen Beinen, dem Miniröckchen, dass einem breiten Gürtel glich und den Megabrüsten.

Ich hatte so viele Gedanken im Kopf, aber kein Wort wollte über meine Lippen kommen. Mir fielen die lateinischen Verse ein, die ich vor ein paar Tagen in dem alten Buch gelesen hatte – sie kamen leicht, ohne zu stocken – ich wunderte mich selbst. Als ich die Beschwörung beendet hatte, sah ich Andy halb verwundert, halb erschrocken an. Dann drehte ich mich um und ging nach Hause.

Dieser Text entstand in einer Schreibstunde. Jeder konnte sich einen Gegenstand, Ort und Anfangssatz aussuchen.

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