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Musen(küsse)

Braucht ein Dichter (Künstler) eine Muse? Braucht er nicht unbedingt. Es gibt viele Texte, die mir ohne Muse einfallen, wenn man die Bedeutung des Wortes Muse nur auf Menschen bezieht. Schreiben entsteht aus dem Erleben, der Erfahrung, Erinnerung und den Kleinigkeiten, die unsere Umgebung hergibt.

Allerdings gibt es Zeiten, in denen ich ganz stark von einer Muse beeinflusst schreibe. (Namen werden nicht genannt, denn im Geheimins liegt die Würze. Die Musen ahnen oft selbst nicht, dass sie gerade eine sind.)Dadurch bekommt der Text eine andere Dimension. Er wird körperlicher, aufregender und intensiver. Die Muse beeinflusst das Denken und Sein. Ich möchte dazu ein Zitat von Dali anführen:

„Ein Kuss besiegelte meine neue Zukunft! Gala wurde das Salz meines Lebens, das Härtebad meiner Persönlichkeit, mein Leuchtfeuer, meine Doppelgängerin – ICH.“

Ich persönlich gehe nicht soweit zu sagen, dass ich mich in meiner Muse auflöse, aber ich gebe zu, es ist ein aufregendes Gefühl. Man wird in eine Art Verliebtheit versetzt, in der man leidet, da man das Objekt seiner Liebe nicht erreichen kann, und gleichzeitig in einem euphorischen Zustand schwebt, der das Leben in den buntesten Farben erscheinen lässt.

Die Palette reicht von dem Gefühl, dass einem das Herz bricht, bis zu der Illusion, alles ist möglich. Ich habe dann das Empfinden, ich wäre ich in einem verbesserten Zustand. Jünger, glücklicher, kreativer. Das drückt sich auf dem Papier aus. Auf der anderen Seite, erkenne ich die Aussichtslosigkeit meines Rausches und leide, auch das schlägt sich in meinen Texten nieder. Himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt.

Dann kommt irgendwann der Punkt und ich tauche wieder aus diesem ekstatischen Zustand auf und bin erstaunt, was ich alles zu Papier gebracht habe.

Das geht mir auch dann so, wenn ich es schaffe beim Schreiben völlig in meine Texte einzutauchen und mein Denken außen vor zu lassen. Es ist mein anders ICH. Die dunkle Seite des Mondes, die ich sonst keinem zeige. Sie ist immer existent, aber verborgen in mir.

Wenn mich die Musen küssen, schubse ich meinen inneren Kritiker in die Besenkammer, sperre ihn ein, und tanze die ganze Nacht. Wie die Prinzessinnen in dem Märchen: die zertanzten Schuhe. Sie machen ihren Aufpasser betrunken, sodass er fest schläft und nicht bemerkt, dass sie verschwinden und zum Tanz ausgehen. Am nächsten Morgen sind dann alle Schuhe vom Tanzen kaputt.

Ich brauche von Zeit zu Zeit eine Muse, um meinen Bewacher einzuschläfern, weil ich diesen rauschhaften Zustand der Zügellosigkeit herrlich verwegen finde und jede Minute davon genieße und auskoste.

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