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Posts Tagged ‘Dialog’

„Es wird dir nicht gefallen das zu hören, aber besser du erfährst es von mir, als von jemand anderem.“

„Hm.“

„Ich habe einen Mann kennengelernt.“

„So?“

„Ja. Wir verstehen uns gut.“

„Schön.“

„Mehr als das. Ich habe mich verliebt.“

Er ließ die Zeitung sinken. Sein Blick traf mich und ging gleichzeitig durch mich hindurch.

„Reichst du mir die Kaffeekanne.“

„Sie steh direkt vor dir.“

Er schenkte sich ein.

„Und was willst du mir sagen? Verlässt du mich?“

„Soll ich das denn?“

„Wenn du das für klug hältst? Deine Entscheidung.“

Ich hatte mehr erhofft, aber nicht erwartet. Die Zeitung in seinen Händen zuckte. Ich wusste, er wollte weiterlesen. Es gab keinen anderen, aber die Entscheidung war gefallen.

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Neuer Versuch. Bücherkiste Stadtbücherei. Amelie Nothombe – Kosmetik des Bösen. Ein Euro das gebundene Exemplar. Die Autorin habe ich seit einiger Zeit im Auge. Bei dem Preis kann ich nicht viel falsch machen und die Enttäuschung bei Nichtgefallen ist nicht zu teuer erkauft.

Zu Hause lese ich die ersten beiden Seiten. Dann die letzten beiden Sätze. Bitte keine kritischen Stimmen! Ich weiß, so was tut man nicht. Nach der Misere mit meinem letzten Buch (siehe Frühstück mit Proust) nur logische Konsequenz.

Inhalt auf den ersten Blick: Zwei Männer auf einem Flugplatz, Wartehalle, der eine bequatscht den anderen.

Ende: Ein Mann schlägt seinen Kopf solange gegen die Wand, bis er tot ist.

Gut. Eigentlich hätte ich das Buch ins Regal stellen können. Jetzt kommt das Aber: Nämlich die Frage, wie hat es der eine Mann geschafft, den anderen dazu zubringen sich selbst umzubringen?

Also wieder zurück zu Seite 2! Und weiterlesen. Mit dem Ende im Blick habe ich natürlich meine eigene Theorie. Allerdings schafft es die Autorin mich durch eine Wendung gegen Ende des zweiten Drittels zu überraschen. Ich muss dann den Rest des Buches lesen, will ich den Gründen für den Tod des Mannes auf die Spur kommen. Der ein oder anderen Erklärung kann ich zwar nicht zustimmen, aber da ich mich in Psychologie nicht so gut auskenne, bin ich mir nicht sicher, ob es möglich ist oder nicht. Aber das ist am Ende auch nicht so entscheidend.   

Das Buch besteht zu 99% aus Dialog. Am Anfang irritiert mich das. Ich schreibe zwar auch sehr dialoglastig, aber hier fehlt das äußere Setting fast komplett. Bis auf den Ort, Wartehalle im Flughafen, ist nichts bekannt. Auch auf die Äußerlichkeiten der beiden Personen wird kein Wert gelegt, doch kann man sich die beiden Männer sehr gut vorstellen. Ihre Mimik, ihre Stimmen, ihre innere Befindlichkeit kommt allein durch den Dialog zum Ausdruck. Ich kann nicht aufhören zu lesen. Das Buch hat nur 107 Seiten und ich lese recht schnell. Die ersten 60 Seiten lese ich nach dem Aufstehen noch im Schlafanzug, bei meinem ersten Kaffee und den letzten Teil, nach dem Einkaufen bei meinem Zweiten.

Ich kann nur sagen: furios. Wie man an diesem Beispiel sieht, muss der Autor dem Leser nicht alles vorkauen. Wir sind kreativ und fantasievoll genug, uns unser eigenes Bild zu machen. Und es zeigt außerdem: Ist die Geschichte gut genug, liest man das Buch auch dann von vorne bis hinten durch, wenn das Ende bekannt ist. Beruhigend!

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Naturalistische Schreibprojekte

1.Übung: Reale Geschichten

Legen sie sich ein Heftchen an und schreiben sie alle Geschichten auf, die während einer Woche in ihrem Bekanntenkreis besprochen werden. Notieren sie jeden Abend ihre Geschichtensplitter.

(Beispiele: S.210, Kreative Literaturgeschichte,

L.v.Werder)

Aufgabe: Schreiben sie eine Geschichte, die ihren früher gestalteten Protagonisten in den Kontext einer ausgewählten erlebten Geschichte einordnet.

2.Übung: Naturalistischer Schreibstil

Der Naturalismus ist bei seiner Reproduktion der Realität auf ein minutiöses, reflexionsloses und detailtreues Schreiben angelegt. Erzählzeit und erzählte Zeit zur Deckung bringen. Das kleinste Element der Realität soll im Text mit fotografischer Genauigkeit erfasst werden.

Einige Übungen zum sekundenmäßigen Beschreiben von Details:

Dinge: Beschreiben sie ein Schaufenster, eine Tür, ein Auto, eine Verkehrsampel im Stadtteil vor Ort.

Personen: Beschreiben sie mit dem Auge einer Kamera die Begegnung von zwei Menschen.

Impressionistische Sinneswahrnehmung: Beschreiben sie z.B.: Geräusche, Gerüche oder Bewegungen, für die sie sich im „Kiez“ bestimmte Beispiele suchen (Bahnhof, Markttag oä.)

3. Übung: Naturalistische Plots

Experimentieren sie mit naturalistischen Plots. Die folgenden Plots wurden alle im Werk Emile Zolas ausgestaltet. Schauen sie sich die Plots an und entwerfen sie Plots aus der Gegenwart.

1. Verfall

In Naturalistischen Romanen enden die Handlungsabläufe fast stets in scheußlichen, tragischen Ereignissen. Zolas typische Art etwas unveränderbar zu machen, ist die Vernichtung. Die Menschen verkommen im Suff, werden wahnsinnig, krepieren an Pocken, ermorden sich zielstrebig gegenseitig, erstechen, erschlagen, vergiften, erschießen, ertränken sich, begehen Selbstmord. Wohnhäuser und Bauernhöfe verbrennen, Lokomotiven explodieren, Bergwerke versinken.

2. Seitensprung

Eine Frau zwischen Mann und Geliebtem. Der Geliebte betrügt die Frau. Der Mann verstößt sie. Sie stirbt.

3. Wahnsinn

Ein Mann wird von seiner Frau ohne Grund in eine Anstalt gesteckt, verliert dort wirklich den Verstand, ergreift die Flucht, steckt sein Haus in Brand, in dem sein Nebenbuhler umkommt.

4. Sünde eins Priesters

Priester fällt wegen Liebe vom Glauben ab. Ein Liebesverhältnis entwickelt sich. Die Kirche holt den Priester zurück, Geliebte stirbt aus Verzweiflung.

5. Intrige

Ein Außenseiter erringt eine hohe Machtposition. Er wird Opfer der Intrige einer Frau, die ihn verführt. Er stürzt. Durch Vetternwirtschaft kehrt er aber später auf seinen Posten zurück (er rächt sich?).

6. Alkoholismus

Frau mit zwei Kindern wird von Ehemann verlassen, heiratet Trinker und verkommt.

7. Prostitution

Junges Mädchen steigt zu berühmter Kokotte auf, vernichtet alle Männer durch Geldsucht und Renommierwunsch. Steht schließlich allein und verlassen da und stirbt an Pocken.

8. Aufruhr

Ein Mann wird Streikführer, der einen gewalttätigen Aufruhr zur Folge hat. Die Polizei schlägt den Aufstand nieder. Der Mann flieht, nachdem seine Geliebt in dem Aufruhr umgebracht wurde.

9. Scheitern eines Künstlers

Maler mit höchsten Ansprüchen gründet eine Malschule. Allerdings werden seine Bilder abgelehnt. Er begeht daraufhin Selbstmord.

10.    Mord

In einer Fabrik verbündet sich ein Mann mit der Frau des Fabrikbesitzers. Gemeinsam ermorden sie den Fabrikanten. Dieses Motiv hat Zola noch in einem anderen Kontext genutzt: Ein Mann wird Zeuge eines Mordes. Er entwickelt mit der Frau des Ermordeten eine Beziehung und ermordet diese Frau aus „krankhafter“ Mordlust (???).

11.    Bankrott

Ein Mann steigt zum Bankchef auf. Spekuliert, betrügt. Macht Bankrott und flieht.

Aufgabe:Diese Hauptplots aus Zolas Romanen könnten sie zu einer Kurzgeschichte motivieren, die allerdings in der Gegenwart spielen sollte.

 

4.Übung: Plots des weiblichen Naturalismus

1. Geldheirat

Eine Frau heiratet einen reichen Mann und verliert damit jede Möglichkeit der Selbstständigkeit.

2. Zwangsehe

Eine Frau findet in der Ehe keine Befriedigung, versucht auszubrechen und scheitert.

3.Neue Ehen

Eine Frau wird Künstlerin und versucht mit einem Künstler eine neue Eheform der Kreativität.

4.Befreiung

Frauen gehen keine Ehen mehr ein und werden zu sexuellen Jägerinnen und Sammlerinnen.

5. Wahnsinn

Ein Vater will die Tochter, die Künstlerin werden will, in eine Ehe zwingen. Der Mann erweist sich als Tyrann. Die Frau verfällt dem Wahnsinn.

Aufgabe: Entwickeln sie weibliche Plots, die in der Gegenwart einem naturalistischen Begriff von Realität entsprechen könnten.

5.Übung Rollenprosa: Indirekte Rede

Mit dem Wunsch der Annäherung an die Alltagssprache entstand der innere Monolog.

Aufgabe: Suchen sie sich im Stadtteil eine Straße und beschreiben sie, wie sie diese Straße als Stadtstreicher, als Alternativer, als Hund durchwandern.

6.Übung: Naturalistischer Einakter

Naturalistische Theaterstücke spielen immer in der Gegenwart, an einem Ort und in einer Zeit. Sie thematisieren das Elend der Arbeiter, der Frauen und der Künstler. Sie wollen dem Zuschauer den Spiegel vom Verfall der Verhältnisse vorhalten.

Die Protagonisten waren Arbeitermädchen am Rande der Prostitution, femme fatale, anderen Egozentrik und Kälte Familien zerbrachen. Männer, deren Potenz unsicher ist und die zum Spielball ihrer Eifersucht und ihres Frauenhasses werden. Künstler die scheitern und verhungern, Kaufleute die im Bankrott enden. Die Antagonisten der Stücke waren die Erfolgreichen: Karrierefrauen, elegante Huren, Frauenhelden, erfolgreiche Künstler, große Geldhaie.

Der Zusammenstoß ist für die Protagonisten meist tödlich. Der Sieg des Vertreters der „glücklichen“ Lebensbedingungen ist meist vorhersehbar.

Handlungsstruktur:

Anfangsdialog – Vorstellung des Protagonisten

Mitteldialog – Zusammenprall mit dem Antagonisten

Abschlussdialog – Untergang des Protagonisten

Aufgabe: Suchen sie im „Kiez“ erneut nach geeigneten Protagonisten und Antagonisten und nach einem einschlägigen Plot für ihren naturalistischen Einakter.

Beispielplots:

  1. Gefährdetes Arbeitermädchen wird von feministischer Sozialarbeiterin reingelegt und versinkt in der Asozialität.
  2. Alte Hure sucht Hilfe bei eleganter Kollegin und erntet Hohn und Spott.
  3. Junge Fabrikarbeiterin wird von Lebedame verführt und zur Prostitution gezwungen.
  4. Armer Künstler will seinen erfolgreichen Kollegen entlarven und scheitert.
  5. Bankrotter Kaufmann trifft auf Geldhai und wir von ihm endgültig zerstört.

–   Fertigen sie eine Porträtskizze der für ihren Einakter ausgewählten und beobachteten Personen an. Fixieren sie Ort und Zeit der Handlung. Schreiben sie dann (Gruppe???) die 3 Phasen des Dialogs.

–   Für den Anfangs- und Schlussdialog ist es sinnvoll, keinen Monolog des Protagonisten zu produzieren, sondern einen Dialog mit Freunden/Helfern des Protagonisten zu entwickeln. Auch diese Figuren müssen recherchiert werden.

–   Die Dialoge sollten in Alltagssprache gehalten sein.

Die Aufgaben sind angelehnt und zum Teil wörtlich zitiert aus dem Buch: Kreative Literaturgeschichte, von Lutz von Werder, Klaus Mischon, Barbara Schulte-Steinicke ISBN 3-928878-01-8

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