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Posts Tagged ‘Efeu’

Die Feenburg

Sia stand vor der Burgmauer und starrte hinauf. Das also ist der Eingang, dachte sie und seufzte, Großvater hat vergessen zu erwähnen, wie schwierig es wird hinein zu gelangen. Einige abenteuerlustige junge Männer ihres Dorfes hatten es schon versucht und waren kläglich gescheitert.

In der sagenumwobenen Feenburg gab es einen Brunnen mit heilendem Wasser, wenn Sia den Geschichten glauben schenkte, die die Alten in kalten Winternächten am Feuer erzählten. Es war der letzte Strohhalm, an den sie sich klammerte, nachdem die Ärzte ihren geliebten Großvater aufgegeben hatten. Niemand wusste, woran er litt. Die geheimnisvolle Krankheit ereilte ihn von heute auf morgen und ließ ihn in unfassbarer Geschwindigkeit verfallen.

Ich habe keine Zeit, dachte Sia, ich muss hinaufklettern. Egal, was es kostet. Sie streifte die Lederhandschuhe über, ergriff die Efeuranken und setzte den ersten Fuß in das Gestrüpp.
„Denk an Großvater!“, sagte sie leise vor sich hin, „er muss gesund werden.“

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Personen: Kupplerin, glücklicher Jüngling, Adelaide, Richter

Ort:     Siena, 1687

An einem lauen Sommerabend im Juli. Der glücklich verliebte Jüngling Tertulio streift durch den Garten seiner Liebsten Adelaide und hofft ihr jungfräuliches Antlitz zu erblicken. Doch auch die geldgierige Kupplerin Marte und der Vater von Adelaide, ein angesehener Richter, sind in dieser Abendstunde unterwegs.

Richter: Marte! Marte!

Alles bleibt still. ER geht weiter in den Garten.

Richter: Marte! Marte!

Marte:   Ja Herr, hier bin ich!

Richter: Habt ihr, was ich verlangte?

Marte:   Ja, Herr, hier sind die Dokumente.

Marte reicht dem Richter einen Lederbeutel.

Richter: Gut, hier ist euer Lohn!

Der Richter überreicht der Kupplerin einen klirrenden Beutel mit Münzen.

Marte:   Danke, Herr. Und wie soll es weiter gehen?

Richter: Sucht einen reichen adligen Freier. Adelaide wird

Sich damit abfinden müssen. In dieser Sache verstehe ich keinen Spaß. Dieser junge Schnösel Tertulio wird sie niemals bekommen.

Marte:   Ist es wegen seines Vaters?

Richter: Warum fragt ihr? Ihr wisst es! Alle Welt weiß es.

Dieser gemeine Mensch hat mich zum Gespött aller

gemacht und jetzt ist meine Zeit gekommen. Ich

werde mich rächen und meine Ehre wieder herstellen.

Marte:    Ihr seid ein listiger Fuchs mein Herr, es wird euch gelingen einen Sieg über euren Feind zu erringen.

Richter:  Ihr habt meine Weisung! Nun geht und führt euren Auftrag aus!

Marte tritt ab und der Richter geht ins Haus.

Tertulio, der alles belauschte, kommt aus seinem Versteck

und ist verzweifelt. Er eilt zum Fenster seiner Geliebten

und klettert an einer Efeupflanze zu ihrem Balkon. Adelaide

erwartet ihn schon und ist freudig erregt.

Adelaide: Oh, mein liebster Tertulio, endlich bist du bei mir! Wie sehr habe ich dich herbeigesehnt, du Rose im Liebesfrühling meines Herzens.

Tertulio ergreift ihre zarte Hand und überschüttet sie mit

Liebkosungen.

Tertulio: Oh, meine Liebste, wie begehrte ich es dich zu sehen, mich dem Vergnügen hinzugeben dich zu küssen und zu kosen.

Adelaide: Ach, mein Herz, du weißt, ich bin ganz dein! Nur lass uns Moral und Anstand waren.

Tertulio: Moral! Anstand! Welch hehre Worte! Verstecken sie sich doch hinter geheuchelter Biederkeit und sucht uns zu Fall zu bringen.

Adelaide: Du sprichst in Rätseln, mein Liebster!? Was ist dir? Dein Antlitz ist so weiß, als wie der Tod.

Tertulio: Mir ist als sei ich schon in den Fängen des Sensenmannes. Verrat wird gerade gegen unsere Liebe geschmiedet.

Adelaide: Was sagst du da?

Tertulio: Ich habe es mit eigenen Ohren vernommen. Ich ging im Garten einher und genoss die Wollust dieses duftenden Abends, die Pracht der Blüten und die Strahlen des verscheidenden Sonnenwagens. Als ich deinen Vater und Marte, diese alte gierige Vettel, belauschte.

Adelaide: Das kann nicht sein! Oh, weh, ich fürchte eine Ohnmacht nahen.

Tertulio: Bitte nicht Geliebte, hört was ich zu sagen habe. Euer Vater hegt einen harten Groll gegen meinen Vater und will sich rächen, in dem er euch an einen reichen Herrn verheiraten will, und ich soll leer ausgehen.

Adelaide: Welch bösen Scherz hat sich das Schicksal mit uns erlaubt, Mutter Maria hilf uns, ich flehe zu dir. Sollte ich euch nicht ehelichen, ich nehm die Tracht und weihe mich der Heiligen.

Tertulio: Sprecht nicht so, ich bitt euch. Bei meiner Liebe zu euch schwört mir, dass ihr nichts Unbedachtes tut. Ich muss nun scheiden, um Rettung für uns zu schaffen. Morgen werde ich zur selben Stunde erscheinen. Haltet euch bereit und verzagt nicht!

Adelaide: Ich werde euch erwarten, mein Liebster. Gebt acht auf eure Schritte.

Tertulio: So scheide ich und hoffe auf einen guten Stern, der uns behütet.

Tertulio küsst die Hände seiner Liebsten, schwingt sich

eilends über den Balkon und entschwindet im Dunkel des

Gartens.

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