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Posts Tagged ‘Etui’

„Bitte Rowenna, setzen sie sich.“

Alistair schob ihr den Stuhl zurecht und wartete bis sie Platz genommen hatte.

„Ein Glas Portwein?“, fragte er dienstbeflissen.

„Gerne“, Rowenna blickte zu ihm auf. – Er sieht auf düstere Weise gut aus. –

Alistair ging zu einer Anrichte auf der ein großes Tablett mit verschiedenen Flaschen stand und goss zwei Kristallgläser mit Portwein ein. Er stellte die Gläser auf das Rauchtischchen zwischen ihnen und setzte sich ihr gegenüber. Lässig zog er eine Zigarette aus einem silbernen Etui mit Verzierungen und den Initialen seines Namens.

„Darf ich ihnen eine anbieten?“

Alistair hielt ihr das Etui hin. Rowenna schüttelte den Kopf.

„Nein danke. Ich rauche nicht.“

„Eine gute Entscheidung, dass sie nie damit angefangen haben. Das passt zu ihnen. Sie sind eine außergewöhnlich kluge junge Frau.“

Rowenna senkte verlegen den Blick, zumindest sollte Alistair es denken. Er trug einfach zu dick auf, dass machte sie misstrauisch.

„Danke für das Kompliment, Mister Bradley, womit habe ich das verdient?“

„Das müssen sie sich doch nicht verdienen.“ Alistair betonte jedes Wort und machte eine ausdrucksvolle Handbewegung dazu.

– Wenn er so weiter macht, verschluckt er sich noch an seiner falschen Zunge. Warum hat er Paps überhaupt engagiert? Mit dem Mann stimmt etwas nicht. –

Alistair legte den Kopf in den Nacken und blies den Rauch seiner Zigarette gegen die Decke. Unter halbgeschlossenen Lidern beobachte er Rowenna. Sie lächelte gezwungen. Es fiel ihr schwer, sie hasste solche Spielchen, aber sie ahnte, dass Alistair etwas im Schilde führte. Ihrer Vermutung nach konnte es nichts Gutes sein. Also versuchte sie sein Spiel mitzuspielen und machte eine gute Miene.

„Aber wenn sie eine Idee hätten, womit ich ihnen einen Gefallen tun kann, sagen sie es. Immerhin nehmen wir ihre Gastfreundschaft schon seit einer Woche in Anspruch“, Rowenna stand auf und trat ans Fenster. So konnte Alistair ihr Gesicht nicht sehen und sie musste nicht mehr lächeln.

„Ist das ihr Ernst?“

Rowenna nickte. Sie hörte, wie er aufstand und in ihre Richtung kam. Sie spürte, wie sich angesichts seiner Nähe jeder Muskel ihres Körpers anspannte. Sie wappnete sich gegen einen körperlichen Übergriff.

„Ich hätte da tatsächlich eine Bitte, wenn sie nicht zu vermessen wäre.“

Alistair stellte sich neben sie und folgte Rowennas schweifendem Blick über den weitläufigen Park. Sie hielt den Atem an und wartete.

„Darf ich sie bitten, mich morgen Abend zu einem Maskenball zu begleiten?“

Rowenna atmete erleichtert auf. – Nur eine Einladung! Ich habe Schlimmeres erwartet. –

„Dieser Bitte komme ich gerne nach“, nahm sie sein Angebot an. – Vielleicht werde ich Nicolas wiedersehen. –

Alistair rieb sich im Geist die Hände. Der erste Schritt war getan.

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