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Posts Tagged ‘Fahrradschloss’

Birnen

Das Zittern begann in den Knien, zog sich den Bauch hoch, über Brust und Arme, bis in den Kopf.

Ich muss etwas essen. Sofort! Schokolade, Brötchen. Irgendwas!

Die Brotdose war leer, die Supermärkte zu weit weg. Ihr Blick fiel auf eine Schüssel Birnen. Lang, grünbäuchig, rauhäutig.

Ich will Birnen. Ob ich eine haben kann?

„Hallo“, rief sie der Servicekraft zu, „ich wollte fragen, ob ich mir eine Birne nehmen darf. Ich bin total klapprig, irgendwie unterzuckert.“

„Klar! Nehmen sie sich ruhig noch eine.“

Die Frau lächelt vertraulich und steckt ihr eine zweite Birne in die Tasche.

„Danke! Einen schönen Tag noch.“

Sie lächelte der Frau zu und rannte los.

Bloß raus hier. Endlich essen!

Die Birnen wogen schwer und fleischig in ihrer Tasche. Draußen öffnete sie hastig ihr Fahrradschloss und schob es über die Straße. Sie konnte sich nicht mehr zurück halten. Griff sich eine Birne und biss hinein. Fest, aber nicht hart. Süße Bissen, saftig aber nicht matschig. Ihre Zunge tastete das Aroma, aber ihre Zähne rissen gierig weitere Stück aus der Frucht. Sie konnte nicht innehalten, verschlang die ganze Frucht, nur die winzig kleine Blüte blieb zurück. Achtlos flog sie in das nächste Gebüsch. Die zweite Birne verlor ihr Dasein auf die gleiche barbarische Weise. Zerfetzt von weißen Zähnen, wollüstig verzehrt.

Langsam ließ das Zittern nach und sie beruhigte sich wieder.

 

 

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Es war ein sehr warmer Augusttag und die Menschen hatten das Wetter in den Straßencafes genossen. Die Sonne war hinter den Häusern untergegangen und ich hatte endlich die Aufgaben aus Julias Buch abgeschrieben. Als Fee aus der Stadt zurück kam, erinnerte ich mich daran, dass ich noch das Fahrradschloss von Kaufland besorgen musste. Ich hätte sonst bis zum anderen Morgen gewartet, aber ohne Schloss… zwei Räder sind schon mit Schloss abhanden gekommen, also blieb mir nichts anderes übrig. So konnte ich wenigstens noch zu meiner Bionade kommen. Immer nur Wasser ohne Geschmack ist auch nicht das Wahre.

Ich bummelte durch Kaufland. Es waren nur wenige Leute unterwegs. Wie immer, wenn man nur mal drei Sachen holen will, hatte ich bald mehr im Einkaufswagen, als auf meinem Zettel stand. Ich kam an der Wursttheke vorbei und bekam Appetit auf Würstchen. Aber nirgendwo eine Verkäuferin. Dabei wollte ich nur ein Würstchen, zum Sofortessen. Also nahm ich gleich ein ganzes Packet mit, weil Isa ja auch gerne Würstchen isst.

An der Kasse stand ein merkwürdiger Typ vor mir. Er fiel mir auf, weil seine langen Haare nass waren, als hätte ihm jemand einen Eimer Wasser über den Kopf gegossen, ohne das Shampoo heraus zu waschen. Es ließ sich nicht erkennen, ob die Feuchtigkeit von Wasser oder einer anderen Flüssigkeit herrührte. Der Mann hatte einen drei, wenn nicht sogar vier Tagebart und eine merkwürdige Mimik, wie jemand der Ticks hat oder als hätte er zu viel getrunken und müsste sich beherrschen, damit es nicht auffällt.

Ich war mir nicht sicher, ob ich ihn für hässlich halten sollte, aber gutaussehend war er nicht, nicht mal markant, dazu waren seine Züge zu rund und schwammig. Er hatte ein rosa Oberhemd an, das er über schwarzen Anzughosen trug und schwarze Schuhe, die im Gegensatz zu der sauberen Oberbekleidung abgetragen und stumpf aussahen.

Er kaufte einen Kasten Wasser, Milch und noch zwei Kleinigkeiten. Misstrauischer Weise hatte ich Alkohol bei ihm erwartet, aber das war nicht der Fall. Für seinen Minieinkauf brauchte er eine Plastiktüte, was ich bei so ein paar Sachen echt überflüssig finde. Der Mann bewegte sich so ungelenk, wie seine Gesichtsmuskulatur. Alles an ihm war ungleichmäßig. Sein Gesicht, der Körper und die Kleidung. Er hielt Geld und Zettel zusammen geknüllt in der Hand. Als er bezahlte, sah ich, dass es große Scheine waren. Mindestens ein Hunderter war dabei, außer Zwanzigern und Fünfzigern. Den grünen Hunderter erkenne ich schneller, weil ich so selten eine sehe.

Dann kam ich durch die Kasse. Es ging alles recht flott und ich war schnell draußen. Ich ging gerade zum Auto, als der Mann mit einem älteren silberfarbenen Mercedescombi an mir vorbei fuhr. Man könnte das Auto auch als Rostlaube bezeichnen. Ich wunderte mich nicht, dass auch seine Fahrweise ungleichmäßig war.

Ich packte ein Würstchen aus und biss hinein. Lecker! Dann stieg ich ins Auto und startete den Motor. Ab nach Hause.

Ich wundere mich immer wieder, was es für groteske, kauzige, merkwürdige, denkwürdige, interessante, schrullige, kuriose Leute gibt. Ich muss nur mit offenen Augen durch die Welt gehen, da laufen sie mir zu, die Figuren für meine Geschichten. Solange wird es auch immer etwas zu erzählen geben.

 

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