Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Feen’

Tagebuch von Rowenna Anderson

09.09.2015

Warum gibt es nur jedes Mal Streit mit Paps, wenn es um seine Nachforschungen geht? Ich will mich nicht streiten, aber er ist so bockig, wie ein kleines Kind. Dabei bitte ich ihn nur darum vorsichtig und nicht so vertrauensselig zu sein.

Wenn ich daran denke, dass er bei seinem letzten Einsatz beinahe gestorben wäre, läuft es mir immer noch eiskalt den Rücken herunter.

Dabei will ich doch nur, dass er nicht unbewaffnet loszieht. Nicht nur wegen der obskuren Gestalten, die bei Nacht lauern, sondern auch wegen seiner mehr als mysteriösen Auftraggeber.

Heute habe ich ihm vorgeschlagen einen Bodyguard einzustellen. Hätte ich gewusst, was dabei herauskommt, ich hätte es gelassen.
Jetzt muss ich ihn austricksen, damit er sicher ist. Ich habe ein schlechtes Gewissen, ich habe Paps noch nie angelogen, gut das eine Mal, aber das war nur eine Kleinigkeit im Gegensatz dazu. Eine winzige Notlüge – oder eine kleines Vorenthalten der Wahrheit.

Ich versuche mir einzureden, dass in dem Fall der Zweck die Mittel heiligt, aber ich hoffe, er bekommt es niemals heraus. Das würde er mir nicht verzeihen.

Er sagt immer: du kannst Mist bauen so viel du willst, aber bitte sag mir die Wahrheit. Ja, Paps ist ein Ehrenmann, aber ein leichtsinniger. Er lebt einfach in seiner eigenen Welt, die von Feen, Elfen und allerlei ungewöhnlichem Volk bewohnt wird, nur dass diese Wesen nicht so nett sind, wie er es gerne sehen würde.

Das letzte Mal konnte ich die Gefahr gerade noch abwenden, aber was ist, wenn ich mal nicht stark genug bin? Dieses Risiko kann ich nicht eingehen. Wenn ich Paps auch noch verliere, bin ich ganz allein. Ich brauche dringend Unterstützung.

Read Full Post »

236 Seiten, die mich mehr als beeindruckt haben. Ich war schon von der „Unerträglichen Leichtigkeit des Seins“ begeistert, aber Milan Kundera hat die Geschichte in meinen Augen noch getoppt. Die Feinheit der Figuren, die Umgebung, die sich der Stimmung des Abschieds so harmonisch anpasst. Ein Buch, bei dem alles stimmt. Charaktere, Sprache, Set, das Warum und die Verquickung der Schicksale völlig fremder Menschen miteinander.

Ich muss sagen, dass ich vielleicht nicht ganz objektiv in dieser Beurteilung bin. Bevor ich „Abschiedswalzer“ las, kämpfte ich mich durch den ersten Band von „Shades of Grey“.(Soviel quer gelesen, wie bei diesem Buch, habe ich noch nie.) Dagegen kam mir „Abschiedswalzer“ wie ein Diamant unter einem Haufen Kohle vor. Ein Unterschied wie Tag und Nacht. Unüberbrückbar.

Milan Kundera ist ein wunderbarer Autor, der es meisterhaft versteht durch Handlung und Dialog seine Personen „erscheinen“ zu lassen. Sie sind real. Man kann verstehen, warum sie so handeln, wie sie es tun. Nichts ist überflüssig. Alles hat seinen Sinn. Es gibt keine sinnlosen Handlungsfetzen, die nirgendwo hinführen und nur als Seitenfüller dienen. Er ist ganz dem Fortgang seiner Geschichte verpflichtet. Dabei hält er das Interesse an den Figuren und die Spannung, bis zum Schluss aufrecht. Er jongliert so geschickt, dass man den Atem anhält. Am liebsten möchte man immer weiter lesen, gleichzeitig das Nahen der letzten Seite hinaus zögern. Aber das würde bedeuten, sich Zeit mit dem Lesen zu lassen und das ist unmöglich, denn man muss wissen, wie alles endet.

Milan Kundera schrieb seinen Roman 1972, also vor vierzig Jahren. Vielleicht entspricht seine Sprache nicht mehr ganz dem heutigen Slang, aber das ist gut so. Seine Wortwahl, seine Beobachtungsgabe ist fantastisch und ich kann seine Bücher wirklich jedem ans Herz legen.

Neben all den trivialen Romanen, die ihre Berechtigung haben (ich lese schließlich auch welche und ich fürchte, ich schreibe sie auch), sollte man unbedingt versuchen sich auf die Klassiker einzulassen. Liest man ihre Bücher mit offenem Herzen und Verstand, kann man für sich als Schriftsteller unheimlich viel lernen. Besonders die Liebe zu den Figuren und die Frage nach der Motivation für ihr Handeln.

Ich gebe zu, Romane wie „Shades of Grey“ spornen mich mächtig an, meine Texte besser zu schreiben. Mir wirklich Gedanken zu machen, ob ich den Leser nicht an der Nase herumführe und ihm etwas verspreche, dass ich am Ende nicht halten kann oder will. Immer wieder klar vor Augen zu haben, wohin die Geschichte führen soll. Trivial ist toll, wenn es gut geschrieben ist, aber wirklich, wirklich ziemlich blöd, wenn es schlecht geschrieben ist.

„Abschiedswalzer“ hingegen ist nicht nur ein Buch mit einer tollen Geschichte, sondern auch ein Lehrbuch. Es gibt so viele Bücher über kreatives Schreiben, meine Regale sind voll davon, auch gute(!), aber im Endeffekt kann man nur lernen in dem man selbst schreibt und viel liest. Dabei sollte man bei seinem Lesestoff gute Literatur wählen. Milan Kundera gehört eindeutig dazu. Wer also lernen möchte, wie man gut und spannend schreibt, sollte Milan Kundera (und andere Klassiker) lesen. Ich werde den „Abschiedswalzer“ jedenfalls nicht sehr weit weglegen. Er schreit danach noch ein zweites Mal und drittes Mal gelesen zu werden. Mein größter Wunsch wäre es, so gut zu schreiben, wie Milan Kundera. Ich bin mir nicht sicher, ob es gute Feen gibt, die einem diese Wünsche erfüllen können, aber auf jeden Fall arbeite ich daran, mich immer weiter zu verbessern.

Lieber Milan Kundera, ich danke ihnen für so wunderbare Literatur und die Begeisterung, die diese immer wieder in mir weckt. Und auch wenn ich fast in Ehrfurcht erstarre, motiviert es mich doch, nicht aufzugeben und mich im Schreiben zu üben und mein bestes zu geben. Danke!

Read Full Post »

…der Junge, der nie erwachsen werden wollte. Ich wollte auch nicht erwachsen werden, aber ich wurde ohne mein Zutun aus Nimmerland verbannt und musste fortan wachsen und vernünftig werden. Meine spontane Handlungsweise und mein loses Mundwerk will ich nicht damit entschuldigen, dass ich eigentlich immer noch ein Kind bin, das ausversehen in dem Körper eines Erwachsenen feststeckt, aber ich war so lange erwachsen und vernünftig, dass ich manchmal einfach überhaupt keine Lust habe, ernsthaft zu sein. Ich will Spaß. Einfach  nur Lust und unbändigen Spaß. Tun was ich will. Fantasieren so viel und verrückt ich will – nur nicht vernünftig sein.

Die Schatten der Nacht bringen mich viel zu oft auf den schweren Pfad zurück. Einen, den ich nicht gehen will und doch gehe seit ich denken kann. Die frühsten Nächte, an die ich mich erinnere, waren voller Nachmahre vor denen ich mich durch Zauberei schützen musste. Die weiße Fantasiemagie, die den Kindern Macht verleiht, die Ängste zu besiegen und der Albträume Herr zu werden.

Nein, erwachsen werden wollte ich nie. Aber das Leben hat mir immer mehr Lasten auferlegt, die mich am Ende  erdrückt haben. Meine Fantasie unter Geröll verschüttete und die mich immer mehr verstrickte. Dabei wollte ich frei und ungebunden sein.

Ach, Peter Pan, komm an mein Fenster und gib mir etwas Feenstaub, damit ich mit dir im Licht des Mondes fliegen kann. Frei sein, wieder die Wunder von Nimmerland sehen. Man sagt, wenn Kinder erwachsen werden, dann vergessen sie, dass es Feen, Elfen, Zwerg, Kobolde, Riesen und Zauberer gibt. Aber ich, ich hab sie nicht vergessen. Habe so oft am Fenster gesessen und auf dich gewartet. Wo bist du hin Peter Pan? Du bist doch nicht der Versuchung erlegen, erwachsen zu werden? Dann müsste ich Tränenströme weinen, bis ans Ende der Zeit.

 

Read Full Post »

%d Bloggern gefällt das: