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Posts Tagged ‘Flasche’

Reisetasche, Henkel, Flasche, Verabredung, schwarz, Wanderung

In der letzten zwei Wochen passierten so viele kleine und große Katastrophen, dass ich das Gefühl habe unter einer großen schwarzen Wolke zu leben. Darum wehrte ich mich mit Händen und Füßen gegen die Wanderung durch den Green Forrest. Ich hätte auf mein Bauchgefühl hören und die Verabredung absagen sollen.

Das erste Missgeschick geschah bevor ich das Haus verließ. Der Henkel meiner neuen Reisetasche riss ab, sie rutschte mir aus der Hand und fiel zu Boden. Auf der Fahrt zum Hotel, dass die Basis unseres Ausflug bildete, platzte mir eine bei einer Pause auf dem Rastplatz eine Mineralwasserflasche. Ich stand in nasser Hose und Shirt da.

Sandy schüttelte nur den Kopf.

„Wie viel Pech kann ein Mensch eigentlich haben“, sagte sie und sah mich mitleidig an.

„Die Frage habe ich mir auch schon gestellt. Danke, dass du mich noch mal darauf hinweist“, antwortete ich gereizt.

„Du bist aber schlecht drauf“, maulte sie mich an.

„Bin ich auch! Und du musst nicht noch in meiner Wunde bohren.“

„Ich bohre nicht! Ich bekunde Mitgefühl!“

„Darauf kann ich verzichten. Ich sollte gar nicht hier sein, sondern in meiner gemütlichen Stube auf dem Sofa.“

„Dann hau doch ab!“, schrie sie, ließ den Motor an und fuhr los.

So stehe ich plötzlich irgendwo in der Pampa, kein anderes Auto weit und breit, und mein Handy in meiner Tasche in Sandys Auto. Super!

Gut, ich gebe zu, man soll die Hand, die einen füttert nicht beißen, aber das nächste Mal fahre ich mit meinem Auto. Wenn einer wegfährt, dann bin ich das.

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Der alte Mann lehnte sich über den Tisch, packte John am Kragen seiner Jacke. Der verzog angewidert das Gesicht, als er den schlechten Atem des Alten roch. In dessen eben noch ausdruckslos vor sich hin starrenden Augen glomm jetzt ein wildes Feuer.

„Und es ist doch wahr! Ihr mögt über mich spotten, mich für irre halten! Ich war da und habe es gesehen! Fahrt nur hin und seht selbst! Euch wird es so gehen, wie all den anderen, die mit mir dort waren! Ihr werde elendig zu Grunde gehen.“

Seine krächzende Stimme versagte und jäh sank der Greis auf die Holzbank zurück, schloss die Augen. Ich hielt ihn für Tod. Kein Anzeichen von Leben war an ihm zu erkennen.

„Du hast ihn umgebracht“, flüsterte ich John ärgerlich ins Ohr.

„Blödsinn“, knurrte er.

Ich beugte mich vor und musterte den Mann aufmerksam. In dem Moment riss der Alte die Augen auf. Erschrocken zuckte ich zurück und warf beinahe mein Glas um. Er zischte:

„Gebt mir eine Flasche Roten aus und ich erzähle euch die ganze elende Geschichte.“

John gab der Wirtin einen Wink und rief:

„Zwei Flaschen vom besten Roten den eure Spelunke zu bieten hat! Außerdem drei Portionen Braten und Kartoffeln!“

So spendabel hatte ich John noch nie erlebt. Er schien eine wirklich außergewöhnliche Information zu erwarten, sonst hätte er seine sorgsam gehütteten Goldstücke niemals für ein Stück Seemannsgarn hergeben.

 

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Schweißgebadet schreckt sie hoch. Sie hat ein Geräusch gehört. – Vielleicht eine SMS? – Es ist Dunkel. Nur der Bildschirm ihres Computers spendet etwas Licht. Sie hat jedes Zeitgefühl verloren. Ihr Kopf tut weh. Es pocht, als schlüge jemand mit dem Hammer gegen die Schädeldecke. Sie hat einen schalen Geschmack im Mund und unterschwellige Übelkeit kriecht ihre Kehle hinauf. Neben dem PC stehen zwei leere Flaschen Rotwein. Sie hört sein leises Summen. Da wieder dieses unverkennbare Geräusch. – Oh mein Gott, er ist endlich im ICQ und ich hab es verschlafen. –

Wie von Furien gehetzt springt sie aus dem Bett, stolpert und stößt ihr Weinglas vom Tisch, das in tausend Stücke zerspringt. – So ein Scheiß. – Seit zwei Wochen hat er sich nicht gemeldet. Ihr Körper ist ausgezehrt von dieser zerstörenden Sehnsucht. Ihrer ganz persönlichen Obsession. Ein Mann, der sie nur mit Worten stimuliert, sie rasend vor Verlangen auf die Knie sinken lässt, bis sie darum bettele, dass er endlich kommt und sie fickt.  – Fast Tag und Nacht hab ich vor dieser blöden Kiste ausgehalten und ausgerechnet heute Nacht verschlafe ich ihn. –

Im ICQ-Fenster stehen nur ein paar Worte: „Hi, bist du da? Lust auf einen Quickie …“ und „Schade, schläfst wohl schon. Ok, dann mach ich es mir selber … stell mir vor, wie wir es zusammentreiben …“

In ihrem Kopf hört sie seine spöttische Stimme. Er weiß, dass sie nun Amok läuft. Sie will schreien! Aber ihre Kehle ist wie zugeschnürt. Sie schluchzt, immer stärker schüttelt es sie. Ihr Körper krampft sich zusammen. Sie geht zu Boden, zusammengekauert wie ein geprügelter Hund. Der Schmerz krallt sich an ihr Herz, den quetscht ihren Magen zusammen und rast durch ihren Kopf. Sie heult und lacht, versucht ihren hysterischen Körper zu kontrollieren. – Wenn er nicht bald herkommt und mich fickt, werde ich sterben. – Sterben an ihrer kranken Liebe, an der Achterbahn ihrer Gefühle, sterben am Alkohol, der sie noch aufrecht hält. Aber es ist ihr egal. Sie braucht ihn, wie die Luft zum Atmen, auch wenn es Momente gibt, in denen sie ihn umbringen möchte. Dann könnte ihn keine andere haben. Sie rappelt sich auf. Mit zitternden Fingern zündet sie sich eine Zigarette an und geht auf die Suche nach dem Stoff, aus dem die Träume sind. Sie finde noch eine Flasche Sekt. Trinkt aus der Flasche. Ihr ausgemergelter Körper ist nur noch eine Hülle ihrer fiebrigen Hirngespinste.

– Er ist meine Droge, der Stoff meiner ertränkten Träume. Aber er ist nicht hier, um mich zu ficken. Dabei ist das alles, was ich will. Endlich das tun, was wir die ganze Zeit am PC treiben. Sex haben, jeden Tag Sex. Ich will diesen verdammten Sex. Ich will, dass er mich solange fickt, bis ich tot umfalle. Sterben werde ich sowieso, also warum nicht bei einem guten Fick? Was für ein Tod! Danach nie mehr aufwachen. Nie mehr Spielchen, die mich in den Wahnsinn treiben und ohne die ich nicht mehr leben kann. Nie mehr vergeblich hoffen, dass er kommt, um es mit mir zu treiben. Nie mehr die leeren Versprechungen, dass er kommt, und dann im letzen Augenblick absagt. Nie mehr die Ungewissheit, ob er mich will oder nur sein Ding durchzieht. Los komm und fick mich bis mein Herz versagt, damit ich nie mehr aufwachen muss. – Der ICQ-Ton versetzt ihrem quälenden Gedankenkarussell einen durchdringend Impuls. Sie stürzt an den Schreibtisch. Stößt sich das Schienbein am Couchtisch. Sie fühlt es nicht. – Er ist da! –

„Hey, Prinzessin, wollte mich nur kurz melden. Bin die nächsten Wochen geschäftlich viel unterwegs … denk an dich“, liest sie. „Vielleicht sehen wir uns danach.“

Mit zitternden Fingern gibt sie eine Antwort ein. Drückt auf Senden. Sie sieht, dass er den Messenger schon verlassen hat. Sie stiert auf den Bildschirm. Immer wieder liest sie seine Nachricht, als könnte sie ihnen dadurch eine andere Bedeutung verleihen, oder ihn zur Rückkehr an den PC bewegen. – Er denkt an mich. Er meldet sich, wenn er kann. Wahrscheinlich sehen wir uns, wenn er zurück ist. – Irgendwann füllen sich ihre Augen mit Tränen. Sie setzt die Flasche an, trinkt. – Ich muss nur durchhalten, dann wird alles gut. Ganz bestimmt! –

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Diese beiden Textskizzen sind sechs Jahre alt. Beim Durchsehen „alter“ Ordner sind sie mir in die Hände gefallen, nebst Anfang einer „Frankfurter Geschichte“ in der es um: Bücher, Schreibkurse, Schreiben usw geht. Ich finde die Fragmente witzig und hoffe, sie bringen euch auch zum Schmunzeln.

Wütend sprang sie auf. Das sollte wohl ein Witz sein! Aber ein ganz schlechter! Was nützte die ganze Schreiberei, das Korrigieren, Kopieren und Einschicken, wenn die Manuskripte immer wieder zurückkamen. Und jetzt der ultimative Schlag! Arnes Text war bei einem Verlag angenommen worden. Dieses unausgegorene Geschreibsel ohne Anfang, Ende und jeglichem tieferen Sinn. Am liebsten hätte sie den Laptop aus dem Fenster gekickt, dem Idioten direkt auf den Kopf.

Er rief sie brühwarm an und brüstete sich damit, dass er mal eben schnell was zusammen geschustert hätte und der Verlag sofort darauf angesprungen wäre.

Na, toll! Sie griff sich die Flasche Weißwein, die ihr Herr Winter geschenkt hatte, und entfernte den Korken. Es war an der Zeit sich die Kante zu geben. Das erste Glas trank sie auf Ex und spürte sofort die belebende Wirkung. Sie musste Kichern und goss sich das Glas wieder voll.

„Nicht wahr Romeo, das ist wenigstens mal ein echter Anlass sich zu betrinken“, nuschelte Julie ihrem Kater zu und kicherte wieder. „Wenn nicht jetzt, wann dann? Oder weißt du einen besseren Grund? Man reißt sich ein Bein aus, um was Anständiges zustande zu bringen und dann das!“

Sie trank.

„Verdammt, verdammt, verdammt!“

Julie begann zu weinen, das durfte alles nicht wahr sein. Vielleicht träumt sie nur und wenn sie sich genug anstrengte wachte sie auf und alles war wie vorher. Leider war sie nicht so betrunken, dass ihr diese Möglichkeit als wahr erschien. Es klingelte. Marc stand vor der Tür und sah sie erschrocken an.

„Julie was ist los?“

„Der blöde Arne wird einen Text bei einem Verlag veröffentlichen“, schluchzte sie und wollte sich das Glas erneut füllen.

„Halt mehr gibt’s nicht!“ Marc nahm ihr die Flasche aus der Hand. „Ich glaube dir, dass dich das frustriert, aber deswegen musst du dich nicht gleich besaufen.“

Trotzig sah sie Marc an.

„Ich besauf mich so oft ich will.“

Dann fing sie wieder an zu heulen und warf sich in seine starken Arme.

„Ich bin ein Niete.“

„Nein bist du nicht.“

„Bin ich doch!“

„Nein. Du bist zu. Voll wie eine Haubitze.“

Marc bugsierte sie ins Schlafzimmer.

„Aber Marc, was willst du denn im Schlafzimmer.“

Julie kicherte und weinte gleichzeitig.

„Ich nichts, leider. Aber du gehst jetzt ins Bett.“

Marc hievte sie aufs Bett.

„Warum bist du eigentlich vorbei gekommen?“

„Das hat Zeit bis morgen. Schlaf erst deinen Rausch aus.“

„Küsst du mich?“

Julie schlang die Arme um seinen Hals und spitzte die Lippen.

„Nur wenn du nüchtern bist.“

„Spielverderber“, schmollte Julie.

„So bin ich eben.“

Marc deckte sie zu. Julie schlief sofort ein. Er lächelte. Sie sah so ernsthaft aus, aber in ihr steckte auch eine kleine Chaosqueen. Marc beugte sich zu ihr herunter, küsste sie auf die Stirn und dachte, dass es sich sicher lohnen würde die Chaosqueen aus ihr heraus zu kitzeln.

*

„Hallo meine Liebe“, säuselte Arne ölig.

Julie verdrehte die Augen. Was wollte der blöde Schleimer von ihr? Reichte es nicht, dass er jedem erzählte, ob er es hören wollte oder nicht, dass er jetzt einen Verlag gefunden hatte.

„Ich habe mit dem Verleger über dich gesprochen.“

Es klang so gönnerhaft, dass Julie übel wurde.

„Und wer hat dir das erlaubt?“, knurrte sie und hätte ihm am liebsten auf der Stelle den Hals umgedreht. Aber vielleicht sollte ich ihm in einer einsamen Gasse bei Nacht auflauern, schoss es ihr durch den Kopf, auf Mord gibt’s Lebenslänglich, auch wenn ich der Menschheit bestimmt einen Dienst erweise.

„Ich habe es mir selbst erlaubt.“ Arne blähte die Nüstern auf. Es fehlte nur das Wiehern. Blöder Gaul. „Ich als Jungautor habe mir gedacht, ich sollte den weniger Begünstigten unter die Arme greifen. Deine Texte sind ja nicht schlecht. Ich hab ihm eine deiner Kurzgeschichten gemailt.“

„Was?!“, schrie Julie und ballte die Fäuste. Sollte sie zu erst auf seine Nase oder auf sein Auge schlagen? Bevor sie ihrer Wut freien Lauf lassen konnte, hatte ihre Freundin Anna sie weggezogen und redete beruhigend auf sie ein.

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