Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Foto’

Auf der Seite in meinem Arbeitsjournal, die ich aufschlug, fielen mir das Stichwort: Inselgäste (ein Romantitel) und ein weißes Holzhaus (das an einer Strandpromenade steht) ins Auge. Hier ist mein Text dazu:

Die Ankunft

Sandrine stand am Bug des kleinen Fährschiffes und hielt ihren Blick fest auf das nahende Ufer gerichtet. In wenigen Minuten würde sie wieder festen Boden unter den Füßen spüren. Sie war erleichtert. Sandrine konnte schwimmen und liebte das Meer. Niemals wäre sie im Urlaub in die Berge gefahren und doch war ihr der Ozean unheimlich. Innerhalb kürzester Zeit konnte aus einem spiegelglatten, südlichen Meer ein brodelndes, zischendes, lebensgefährliches Ungeheuer werden. Ihre Granny sagte immer: Pass auf mein Mädchen, Wasser hat keine Balken.

Die Fähre legte an. Sandrine und die wenigen Mitreisenden gingen von Bord. Jeder schien zu wissen, wohin er gehen musste. Nur Sandrine blickte sich unsicher um. In der SMS stand: „Erwarte sie an der Anlegestelle.“ Doch keiner, der noch anwesenden Personen, interessierte sich für sie. Es waren Fischer und Fährenmitarbeiter, die einen kurzen Landgang machten.

Sandrine kontrollierte ihr Handy. Es war keine SMS eingegangen. Nachdem sie eine Weile gewartet hatte, ging sie gemächlich zu einem schönen, weißen Holzhaus in der Nähe der Anlegestelle. Immer wieder sah sie sich suchend um, doch als sie das Haus erreichte, war niemand erschienen, der sie abholen wollte. Über der Tür hing ein großes Schild: Post Office – Café. – Sicher kann man mir hier weiterhelfen, dachte Sandrine, Mister Hodgsen ist auf einer Insel mit kaum 30.000 Menschen bestimmt kein Unbekannter und außerdem gibt es Kaffee. –

Sandrine betrat den Gastraum, der von dunkel, glänzend polierten Holzmöbeln dominiert wurde. Hinter einem langen Tresen unterhielten sich ein älterer Mann und eine Frau ihres Alters. Sie verstummten und betrachteten Sandrine aufmerksam.

„Hallo, mein Name ist Sandrine Connor.“

Ehe sie weiter sprechen konnte, wurde sie von der Frau unterbrochen.

„Und sie suchen sicher Mister Hodgsen“, sie lächelte, „es tut ihm sehr leid, aber er ist verhindert. Sie möchten bitte hier warten. Er holt sie ab, sobald er fertig ist.“

„Na, so schön hat er das nicht gesagt“, brummelte der Mann in seinen weißen Vollbart.

– Ihm fehlt nur noch eine blaue Mütze und eine Pfeife, dachte Sandrine, fertig ist der Seemann. –

„Ach Pa, mach Miss Connor keine Angst“, die Frau wandte sich an Sandrine, „ich bin Annie Lincoln und das ist mein Vater Carl. Setzen sie sich. Ich mache ihnen eine Portion unserer leckeren Pancakes und Pa brüht einen frischen Kaffee“, bei diesen Worten sah sie Carl scharf an.

„Danke, und bitte sagen sie Sandrine. Miss Connor hört sich so streng an.“

„Gerne. Setzen sie sich.“

Annie nickte ihr freundlich zu und verschwand in der Küche, während ihr Vater die stahlglänzende Kaffeemaschine dazu brachte, ihr einen schmackhaften Kaffee zu brühen.

Sandrine schob ihr Gepäck in eine Ecke und setzte sich auf einen Barhocker in der Nähe des Fensters. Sollte Mister Hodgsen auftauchen, konnte sie gleich einen Blick auf ihn werfen. Er hatte sich schon ein erstes Bild von ihr machen können. Ihren Bewerbungsunterlagen lag ein neues Foto bei und durch den Lebenslauf konnte er immerhin einen kleinen Eindruck von ihr gewinnen. Sandrine dagegen kannte nur seine Stimme. Sie war angenehm tief, aber bestimmt.

„Die Pancakes und ihr Kaffee“, Annie stellte das Essen vor ihr auf den Tresen. „Darf ich sie etwas fragen?“

„Gerne“, Sandrine nahm einen Schluck Kaffee und zerteilte einen Pancake.

„Wie hat es sie auf unsere Insel verschlagen? Die meisten Leute wollen von hier fort aufs Festland, in die Großstadt.“

Fortsetzung …. 🙂

Read Full Post »

„Warum hast du es zerbrochen?“

Marc sah Sara fragend an. Auf dem Boden neben dem Schreibtisch lag das Bild mit seiner Clique von früher, in Scherben. Immer wenn er es ansah, fielen ihm die ganzen Dummheiten wieder ein, die sie damals getrieben hatten. Eine schöne unbeschwerte Zeit.

Sie zuckte nur provokativ mit den Schultern.

„Ich hab`s nicht gesehen, sorry.“

Marc sah Sara skeptisch an. Er wusste, dass sie keinen seiner Freunde mochte.

„Ich glaube dir nicht. Du weißt, was mir das Bild bedeutet“, Marc unterdrückte seinen Ärger.

„Ein altes Foto, mehr nicht. Keiner von denen meldet sich noch bei dir“, es klang schadenfroh.

Seit er mit Sara zusammen war, hatte sie es immer wieder geschafft, ihn von den Jungs fern zu halten und von Jenny. Jenny war das einzige Mädchen in der Gang. Sie hatte etwas Wildes, Ursprüngliches an sich. Sie war mutig und witzig. Jeder der Jungs himmelte sie an und war mehr oder weniger in sie verliebt. Erhört hatte sie keinen.

Und doch fragte sich Marc oft, ob da nicht etwas hätte sein können, zwischen ihm und ihr. Einmal hatte sie ihn geküsst. Es war am Abend des Abschlussballs. Danach war nichts mehr wie vorher und nach dem Sommer, hatten sich ihre Wege getrennt. Jenny war auf eine Uni gegangen, weit weg von zu Hause.

„Ich hätte es dir nicht erzählen sollen“, sagte er.

Sara zog eine Augenbraue hoch, als wollte sie sagen, ach merkst du es auch endlich. Aber sie verkniff es sich, ließ ihn einfach trotzig im Regen stehen – was erwartete sie, dass er sich rechtfertigte für eine Sache, die solange zurücklag?

Viel zu lange dachte Marc und sah Jennys lachendes Gesicht vor sich: „No risk, no fun“ – hörte er sie sagen. Ihr Lieblingsspruch.

„No risk no fun“, sagte Marc nachdenklich, „ich denke, es ist besser wenn ich gehe. Das hätte ich längst tun sollen.“

Er fischte das Foto aus den Scherben, nahm seine Jacke vom Haken und ging.

Read Full Post »

Der Pub befand sich in einem schäbigen Viertel, in einer engen Seitenstraße. Ihr Kopfsteinpflaster glänzte vom Regen. Das Neonschild über dem Eingang mit der Aufschrift „Green Shamrock“ hatte seine besten Jahre gesehen, ebenso wie der Pub selbst. Zu der eisenbeschlagenen Eingangstür führten drei Stufen hinab und man befand sich im Souterrain eines alten verlassenen Fabrikgebäudes, dass eine Weberei beherbergt hatte. In seinen guten Jahren verschaffte sie hunderten Menschen Nahrung und Brot. Das war lange her und nur der Pub, ehemaliger Treffpunkt der Arbeiter, war übrig geblieben.

Im Schankraum war die Zeit stehen geblieben. Schwere rohe Eichentische und Stühle bildeten das Mobiliar auf ausgetretenem Ziegelboden. Die antiquarischen Hängelampen an den niedrigen Decken spendeten gelblich dumpfes Licht und gaben den schäbigen Tapeten und abgestoßenen Möbel einen gnädigen Anschein. In einer Ecke befand sich ein Podium mit einem schwarz lackierten Klavier und ein paar Stühlen für die Band.

Das Prachtstück im „Green Shamrock“ war der fünf Meter lange Tresen aus poliertem Nussbaumholz. Gedrechselte Säulen hielten einen Überbau, auf dem Malcolm der Wirt seine Schätze hortete. Elegante Flaschen mit honiggelbem Whiskey aller Altersklassen und Qualitäten, standen neben dickbauchigen Flaschen mit erdfarbenem Rum, gereift in Fässern, und schlanke konische Flaschen mit glasklarem Wodka. Daneben füllten andere Flaschen mit bunten Inhalten und großen Gläsern die Regale hinter der Bar, um neumodische Cocktails zu mixen. 

„Hallo Malcolm wie geht`s?“

Der hagere Mann im abgetragenen schwarzen Anzug tippte lässig an sein Hütchen.

„Danke Danny und selbst.“

„So lala. Habe gerade einen Hunderte beim Hunderennen verloren.

Malcolm grinste.

„Du solltest inzwischen schlauer sein mein Alter. Mach heute Abend ein gutes Spiel, dann gibt´s vielleicht ein ordentliches Trinkgeld von den Ladys.“

Er deutete mit dem Kopf auf einen Nischentisch, an dem vier luxuriös gekleidete Frauen mittleren Alters vor ihren Cocktails saßen. Nicht die Klientel, die sonst im „Green Shamrock“ verkehrte. Danny grinste anzüglich.

„Die mit den langen blonden Haaren ist ein heißes Geschoss. Erinnert mich an meine Ex.“

Malcolm wiegte den Kopf hin und her. Er kannte Dannys Ex, wildes Huhn. Hatte Dannys Klamotten aus dem vierten Stock geworfen, als sie erfuhr, dass er sie betrog. Na, ich hab ihn gewarnt, dachte Malcolm, Danny hätte vorsichtiger sein sollen.

„Was willst du trinken?“, fragte er Danny.

„Einen Doppelten zum Aufwärmen.“

Danny stieg auf das Podium. Bevor er den Deckel des Klaviers aufklappte, strich er zärtlich über das glatt lackierte Holz. Danny liebte es zu spielen. Es war das Einzige, dass er wirklich gut konnte. Er besaß echtes Talent, hatte aber nie gelernt es zu nutzen. So verbrachte er seine Wochenenden schon viele Jahre im „Green Shamrock“. Malcolm zahlte gut für den Abend. Drinks und Essen gab`s gratis und die Leute waren spendabel. Danny rückte sich den Klavierhocker zurecht und setzte sich.

„Hier Danny“, Malcolm stellte Danny den Whiskey aufs Klavier, „Slainte!“

Danny hob sein Glas, prostete Malcolm zu. „Slainte!“ dann nahm er einen kräftigen Schluck. Der goldene Alkohol floss mit einem leichten Brennen seine Kehle hinab. Danny legte die Finger sacht auf die Tasten, schloss die Augen, behutsam schlug er die ersten Tasten an, traumwandlerisch sicher. Dannys  verkniffenen Züge entspannten sich und die Wärme, die sich in seinem Körper ausbreitete tat ihm gut.

Die leise Klaviermusik nahm dem „Green Shamrock“ die nervöse Stille. Die vier Frauen, die zuvor nur wenige kurze Sätze gewechselt hatten, wurden langsam redseliger. Dazu trug mit Sicherheit auch ein extra Schuss Alkohol in den Cocktails bei. Malcolm hatte es sich zur Gewohnheit gemacht den ersten Cocktail des Abends mit mehr Destillat aufzupeppen. Das lockerte die Stimmung und führte zum nächsten Drink usw.

Emily, Beth, Sara und Paula kannten sich seit Kindertagen. Sie wohnten in einer spießigen Kleinstadt, besuchten dieselben Schulen und schrieben sich an derselben Uni ein. Jede kannte die Geheimnisse der anderen und auch als sie durch Jobs, Heirat und die Unwägbarkeiten des Lebens getrennt wurden, hielten sie ihre Verbindung aufrecht. Alle drei Monate trafen sie sich zum Plausch. Das Treffen im „Green Shamrock“ hatte nichts mit einem Schwätzchen unter Freunden zu tun. Es ging um eine ernste heikele Angelegenheit. Erpressung.

„Zeig mal deinen Brief.“

Beth nestelte nervös an ihrer langen Goldkette herum.

„Nein, bitte Sara! Das Ganze ist so peinlich, dafür gibt`s keine Worte. Du weißt doch was drin steht.“

Sara lachte gekünstelt.

„Schon. Aber ich will sicher sein, dass es wirklich derselbe Mann ist.“

Emily zog einen braunen Umschlag aus ihrer Coco Chanel Tasche.

„Er ist es!“, unwirsch zerrte sie das Foto aus dem Umschlag, „Hier! Das Tattoo. Meinst du es gibt viele Kerle mit einem chinesischen Drachen quer über den Rücken?“

Sara schüttelte den Kopf. Gebannt betrachtete sie das Foto, dass Emily und Jack, falls das sein richtiger Name war, in einer mehr als eindeutigen Pose zeigte. Ihr Foto sah beinahe identisch aus. Selber Mann, andere Frau. Sie dachte an die Nacht mit ihm und ein Schauer lief ihr über den Rücken, zog sich bis hinauf in ihren Nacken. Sara fühlte wieder die kühle Seide auf ihrer Haut, den Duft von Moschus und Liebessäften, das Prickeln des Champagners in ihrer Kehle. Jack war ein Gauner, ein Betrüger, ein Verbrecher – Abschaum. Es gab keine Bezeichnung die schlimm genug für ihn war, und doch hatte Sara mit diesem Kerl die beste aller Nächte verbracht. Sein muskulöser Körper wurde höchstens von Michelangelos David übertroffen und nicht nur das. Er war ein Liebhaber, wie sie vorher keinen gekannt hatte. Sie zweifelte ernsthaft daran, dass sie jemals wieder solchen Wahnsinnssex haben würde. Möglicherweise lag es an dem Reiz verruchten Reiz des Verbotenen, ein One-Night-Stand während einer Geschäftsreise. Aber Sara wusste, dass dies allein nicht gereichte, um sie zu beeindrucken. Tatsächlich beherrschte der Mistkerl das Spiel, als hätte er es erfunden. Jack kannte alle Tricks. Seine Finger waren Zauberstäbe, von seinem makellosen Schwanz ganz zu schweigen. Und was er mit seiner Zunge machte! Sara errötete bis unter die Haarspitzen, dankbar für das schummrige Licht, dass solche Peinlichkeiten kaschierte. Der Haken an der Sache war, Jack wollte sich für das Erlebnis der Extraklasse bezahlen lassen. Vierfach. Wie sich herausstellte trieb Jack in vielen Betten sein Unwesen. Saras Vermutung nach, waren sie nur die Spitze des Eisberges.

„Scheiße! Wir müssen was tun und zwar bevor er die Fotos an unsere Männer schickte. Tom schmeißt mich hochkant raus wenn er mitkriegt, dass ich ihn betrogen habe.“

Die Freundinnen sahen Paula irritiert an. Noch nie hatten sie Paula fluchen gehört.

Ich überlege noch, was ich mit Jack anstelle *g*, aber es sollte ihm schon etwas wehtun 😉 .

Read Full Post »

%d Bloggern gefällt das: