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Posts Tagged ‘Fremder’

Ein gestohlener Ring, Angst vor Spinnen, ein unheimlicher Fremder

Ich drückte mich in die enge Nische zwischen Schrank und Wand. Die schweren Schritte auf dem Flur entfernten sich. Meine Angst vor dem Eindringling war größer, als die panische Angst, die ich vor Spinnen hatte. Unter normalen Umständen hätte ich mich niemals, never ever, in diese Nische gequetscht. Ich lauschte angespannt. Die Haustür fiel krachend ins Schloss. Eine Dreistigkeit, dachte ich, es scheint ihm überhaupt nichts auszumachen, gesehen zu werden. Ich verließ mein Versteck und rief die Polizei.

***

„Fehlt etwas?“

Kommissar Harris sah mich aufmerksam an. Ich nickte und wischte mir ein paar Tränen von den Wangen.

„Ja, der Ring meines Vaters. Ein Erbstück, seit Generationen im Besitz unserer Familie.“

„Sonst nichts?“

Ich schüttelte den Kopf. Ich musste den Ring zurückbekommen. Unbedingt!

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Ich glaub ich träume!

Warum denken die Leute eigentlich, dass der Vollmond unseren Schlaf beeinträchtigt, denke ich und drehe mich von rechts nach links und wieder zurück.

„Weil es wohl so ist“, seufze ich und schlage die Bettdecke zurück. Eddy, mein Kater, schaut kurz auf und ich sage zu ihm, „aber vermutlich ist es der Kaffee. Ich hätte so spät keinen mehr trinken sollen.“

Eddy schließt die Augen wieder. Nicht zu ändern. Es ist zu spät. Ich bin hellwach. Silberne Lichtstraßen erhellen mein Schlafzimmer. Ein riesiger Mond hängt über meiner kleinen Stadt. Wenn er jetzt herunterfallen würde, wären alle Häuser platt. Oder vielleicht könnte ich ihn auch berühren, wenn ich keine Höhenangst hätte und auf`s Hausdach steigen würde?

„Blödsinn“, murmele ich vor mich hin. Eddy rührt sich nicht. „Ich mit meinen komischen Gedanken!“

Ich gehe in die Küche und hole mir ein Glas Wasser. Statt wieder ins Bett zu gehen, biege ich in mein Schreibzimmer ab. Mein Gedankenkarussell hat längst Fahrt aufgenommen. Wenn ich die Ideen gleich in den PC schreibe, kann ich sie morgens wenigstens noch lesen, anstelle der Hieroglyphen in meinem Notizbuch.

Auch in mein Schreibzimmer fällt das Licht des Frühlingsvollmondes. Ich kann alles klar erkennen. Die Bücherregale, meinen Schreibtisch und den PC, die Orchideen und die Figur auf der Fensterbank und – ich traue meinen Augen nicht – den Drachen. Er ist ziemlich klein. Etwa von der Größe eines Meerschweinchens. Aber geschuppt, mit Schwanz, Flügeln und Reptilienkopf, so wie ich mir einen Drachen vorstelle.

Was für ein Quatsch! Ich träume. Ich zwicke mich in die Wange. Aua, das tut weh. Ich kneife die Augen für einen Moment fest zusammen. Als ich sie wieder öffne, ist der Drache weg. Erleichtert atme ich auf. Nur Vollmond-Schriftsteller-Fantasien. Aber die Idee mit dem Drachen gefällt mir. Ich schalte meine Schreibtischlampe an und fahre den PC hoch. Ich öffne eine Datei, speichere sie unter „Notizen“ und schreibe:

„Haben sie zufällig meinen Drachen gesehen?“

Hm, habe ich das gerade jemand sagen hören? Nicht umdrehen, sagt die innere Stimme zu mir, alles nur Einbildung oder lieber doch umdrehen und der Gefahr ins Auge sehen? Langsam drehe ich mich um. Vor mir steht ein Mann in Klamotten, die an Steampunk erinnern, und schaut mich interessiert an.

„Was ist das für eine Maschine?“ Er deutet auf meinen PC.

„Ein Computer“, stottere ich.

„Aha“, sagt er, als wüsste er, was ich damit meine, „haben sie meinen Drachen gesehen?“

„Etwa so groß?“

Ich deute die Größe mit den Händen an, ohne meinen Blick von dem Fremden abzuwenden. Was ist hier los? Rotiert die Frage in einer endlos Schleife durch meinen Kopf.

„Da ist er ja“, der Mann kommt auf mich zu.

Ich rühre mich nicht von der Stelle, nehme aber aus den Augenwinkeln eine Bewegung wahr. Ehe ich etwas tun kann, sitzt der Mini-Drache auf meinem Schoss und gibt wohlige Töne von sich, die an Eddys Schnurren erinnern. Instinktiv will ich ihn kraulen.

„Halt“, warnt mich der Mann, „er beißt Fremde.“

Ich sehe auf den Drachen herunter. Er dreht mir den Hals zu, und mit zwei Fingern streiche ich über die weiche Innenseite des Halses. Der Drache gibt leise wohlige Quiecklaute von sich.

„Scheint ihm zu gefallen“, stelle ich fest.

„Interessant“, sagt er und betrachte mich prüfend.

Interessant finde ich diese Situation auch, bin mir aber nicht sicher in welcher Richtung. Die gute oder die schlechte.

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ein Gedicht von Erika Beltle

Wer bist du, Fremder, da dein Blick
sich in den meinen brennt,
und meiner Seele zitternd Glück
mit einem Mal das deine kennt

und jäh bei deiner Stimme Klang,
als ob ein Zauber mich berührte,
ein Tor in meinem Innern sprang,
das seltsam in Vergangenes führt?

Der du meine Schicksalsspur
So tiefe Furchen querst,
und doch für Augenblicke nur
dein Antlitz zu mir kehrst:

Wer bist du, dass mein Blick und Wort
Dich bis zum Grund erschüttert,
und meine Seele fort und fort
erschauernd mit erzittert?

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