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Posts Tagged ‘Garten’

Juninacht
Kurz vor Mittsommer
Aus unruhigem Traum erwacht
Regen trommelt auf das Vordach
Die Vögel schweigen
Noch einmal schlafen
Deine Hand auf meinem Rücken

Zwitschern weckt mich
Aus dem Urwald meines Gartens
Aufstehen, duschen,
Frisch für den Tag
Kaffeeduft erfüllt die Küche
Schnell noch etwas schreiben

Bücherflohmarkt im Kirchturm
Ich suche nichts
Die Bücher finden mich
Mein rotes Buch von gestern
Manchmal schreibt die Kunst das Leben
Manchmal auch das Leben die Kunst

Schätze liegen auf dem Tisch
Aufgestapelt warten sie auf die Besichtigung
Schnell noch einen Kuchen backen
Morgen kommt Besuch
Musik dringt aus den Boxen
„I wanna know“
Ich will wissen …

Wer du bist?

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Dunkel, dicht und stark verwoben,
mit der Zeit immer enger verflochten,
Steine, die niemals Menschen schoben
Und Blumen, die immer schon rochen.

Hinter Hecken und Gebüschen,
unter Brücken aus verziertem Stein,
Versteckt in den Gerüchen
muss der Orchideen-Code sein.

Drei Schwestern, sie sangen,
das Lied ihrer Sehnsucht,
übertragen und gefangen,
In Orchideen in der Feen-Bucht.

Der Wind trägt das Geheimnis,
über das Grün des Garten,
Denn solange es geheim ist,
kann es keiner erraten.

Seit hunderten Jahren,
Seit Generationen,
Seit Anfang der Zeit,
… seit Äonen.

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Hört ihr Leut und lasst euch sagen
Was sich einst hat zu getragen:

In Nachbars Garten sah ein junger Edelmann
Was dann und wann geschehen kann
Ein wunderschönes Kind erblühn
Ihre Wangen zart wie Rosenblätter glühn
Er war arm ohne Gut und Geld
Wollte sein ein gerühmter Held
Ihr Vater war ein vermögend Mann
Der Junge einen tückisch Plan ersann
Der ihm trüge ein des Vaters Reich
Und das schöne Mädchen auch sogleich

In heller Mond beschienener Nacht
Wurd sein Plan zur Tat gemacht
Vor ihrem Altan dort kniet er nieder
Die Nacht wohlriecht nach lila Flieder
Glühenden Eifers freit er um ihre zierlich Hand
Das Fräulein schaut ihn an ganz unverwandt
Ihr unerfahren Herz seine Schönheit rührt
Seine Schmeichelei ihr den Verstand verführt

Im Mondenschein glänzt ihr kostbar Geschmeide
Der schöne Jüngling schwört viel tausend Eide
Dass er sie so glühend innig liebe
Und für sie auch tausend harte Hiebe
Jederzeit und willig könnt ertragen
Würd sie ihm nur einmal sagen
Die berühmten drei Worte
An der glänzenden Pforte

Morgen Nacht zur selben Stund bei Lunas Schein
Beizeiten wiederkehrend wollt er bei ihr sein
Von seiner lauteren Liebe ihr zu singen
Seiner Angebeteten ein Kleinod zu erbringen
Das die reine Wahrheit seiner Worte beweise
Und so schlich der listige Jüngling leise
Hinfort aus ihrem paradiesischen Garten
Das holde Mägdlein wollt geduldig warten
Bis der blendend Herzgeliebte wiederkehrt
Doch es wurde ihm unerbittlich verwehrt

Denn der schlangengleiche junge Mann
Wendet eine böse arglistige Täuschung an
Der Knabe buhlt nicht allein um sie
Auch vor der Schwester fiel er auf die Knie
Als den Vater erreicht die schlimme Kunde
Macht er sich gar zornig auf zur selben Stunde
Den Jüngling mit dem Schwerte zu erstechen
Und sich für die üble Schmach zu rächen
Doch der Missetäter hörts und eilends floh
Das schmachtende Mägdelein wurd nimmer froh
Siechte dahin an gebrochenem Herzen
Bis es starb in Liebesschmerzen

Und die Moral von der Geschicht:

„Liebe tötet“ – immer nicht
Doch des öfteren kommt’s vor
Das Eifer, Neid und Gier
Verschließen uns der Liebe Tür
Drum ihr Jungfern seid bedacht
Wer euch einen Antrag macht
Damit ihr nicht erleidet bittre Schmerzen
An verliebtem Mädchenherzen

Bitte seht mir nach, wenn es hakt 🙂 – es hat einfach Spaß gemacht.

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You can never be ready – Sunrise Avenue Aus diesem Lied habe ich die fünfte Zeile adaptiert und als Aufhänger für meine Geschichte benutzt. (Eine der Aufgaben aus meinem Blog „Schreiberlebentipps“)

Warum jetzt?

„Lass alles raus, Kleine. Du kannst dich auf mich verlassen. Keine Sorge.“

Chris schloss die Tür und stellte sich mit übereinandergeschlagenen Armen davor. Ich sah ihn an, als sähe ich einen Geist. Chris trug einen schwarzen teuren Anzug, glänzend geputzte Schuhe und eine weiße Orchidee im Knopfloch, passend zum Blumenbouquet seiner zukünftigen Ehefrau, während ich im Pyjama auf meinem Bett saß.

„Was ist los? Du kannst mir alles sagen. Ich kann die Wahrheit vertragen.“

Das hätte er lieber nicht sagen sollen, dachte ich wütend.

„Darf ich dir eine Frage stellen, Herr Christian Berger?“, es sollte süffisanter klingen, als es tatsächlich herauskam.

„Leg los!“

„Wie kommst du darauf, dass ich dir jetzt, nach so vielen Jahren, in denen du nichts von meinen Gefühlen bemerkt hast, sage, was mit mir los ist?!“

Ich stand auf und ging zum Fenster. Hätte ich ihn länger angesehen, wären mir die Tränen gekommen.

„Hey, Kleines, was redest du da?! Heute ist meine Hochzeit. Ich will, dass du dabei bist und dich mit mir freust.“

Der Tropfen brachte meine Fassung endgültig zum überlaufen. Ich drehte mich um und sah ihn mit funkelnden Augen an.

„Davon, dass ich dich liebe!“, meine Stimme kippte und die ersten Tränen kullerten.

„Aber du hast nie was gesagt!“ Chris Blick war reine Verwunderung. „Ich war doch fast jeden Tag bei euch. Warum hast du …?“

Ich unterbrach ihn abrupt.

„Himmel, wie viele Beweise brauchtest du, um zu merken, dass ich dich liebe?“ Ich schüttelte unwillig den Kopf und dachte an die vielen kleinen Annäherungsversuche. Chris kam näher. Ich wich ihm aus. „Lass das! Geh! Deine Braut wartet vor dem Standesamt.“

Er wandte sich um und ging zur Tür. Bevor er sie öffnete, dreht er sich wieder um und kam zurück.

„Erklär mir das!“, seine Stimme vibrierte und jeder Muskel seines Körpers war angespannt, „warum jetzt?“

Das hysterische Lachen steckte mir schon im Hals.

„Was kümmert es dich? Du hast meine Hinweise nie bemerkt. Also was ist so wichtig daran? Ich komme nicht zu deiner Hochzeit oder denkst du ich möchte mir ansehen, wie du sie küsst? Reicht doch das Toby dabei ist. Basta!“

„Warum hat er mir nichts davon erzählt?!“

Oh, oh, dachte ich, das gibt Ärger.

„Ich habe ihm nie etwas darüber gesagt. Meinst du, ich wollte das Gespött meines Bruders und seiner Freunde sein? Oder hast du vergessen, dass ihr mich oft genug am Wickel hattet?“

„Und trotzdem liebst du mich?“

Könnte ich ihm doch nur sagen, wie sehr. Dazu war es nun zu spät. Ich ging auf ihn zu und schubste ihn Richtung Tür.

„Wenn du etwas für mich empfunden hättest, wären wir nicht in der Situation. Ich werde nicht mit dir darüber diskutieren. Verschwinde!“

Chris hatte die Hand auf der Klinke, als er sich umdrehte und mich am Arm packte. Unerbittlich zog er mich näher. Ich wehrte mich, aber gegen Chris kam ich nicht an. Er presste mich an sich. Sein Duft flutete mein Hirn. Mit einer Hand zwang er mein Kinn nach oben. Seine sonst so sanften blauen Augen waren dunkel vor Zorn. Er beugte sich herunter und küsste mich so lange, bis mein Widerstand brach und ich seinen Kuss erwiderte. Es fühlte sich unglaublich gut an. Besser als alles, was ich mir in den Jahren vorgestellt hatte. Und es fühlte sich richtig an.

Als Chris mich losließ, hatte ich das Gefühl in einen bodenlosen Abgrund zu stürzen. Er ging ohne ein weiteres Wort. Die Tür fiel ins Schloss und ich heulte wie ein Schlosshund.

„Verdammt, verdammt! Warum musste ich es ihm sagen? Welcher Teufel hat mich geritten!“, brüllte ich meine Zimmerwände an. „Ich bin total irre! Total!“

Ich warf meine Lieblingskaffeetasse gegen die Tür. Sie zerfiel in viele kleine Scherben. Es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich absichtlich etwas zerstörte. Ich fühlte mich nicht besser. Eher schlimmer. Die Tasse konnte nichts dafür, dass ich so masochistisch und sadistisch war und Chris gerade heute, die Wahrheit sagen musste.

Warum hatte ich keine Krankheit vorgetäuscht, sondern es auf die Konfrontation ankommen lassen? Ich kannte die Antwort. Ich wollte, dass Chris wenigstens ein bisschen litt. Dass er ein schlechtes Gewissen hatte. Vielleicht auch die wahnwitzige Idee, er könnte noch in der letzten Sekunde erkennen, dass er mich liebte und nicht diese ewig grinsende affektierte Tussi. Sogar mein Bruder fragte sich, wo er die aufgetan hatte und was zur Hölle ihn dazu bewegte, sie so schnell zu heiraten. Allerdings war er schlauer gewesen und behielt seine Zweifel nicht für sich.

„Scheiß Hollywoodfilme! Scheiß Liebe!“, schrie ich. „So was wie wahre Liebe gibt es gar nicht!“

Es half nichts. Der Schmerz saß tief und bohrte sich noch weiter in meine Eingeweide. Ich duschte, zog mich an und verließ das Haus durch den Garten.

Hinter unserem Grundstück zog sie ein kleiner Weg durch die sommerlichen Wiesen bis zum Waldrand. Ich wanderte immer weiter, bis ich an den Aussichtsturm der alten Burgruine kam. Trotz meiner Höhenangst stieg ich hinauf. Von dort oben hatte ich einen unglaublichen Blick über die sanften Täler und Hügel meiner Heimatstadt. Die Luft war noch frisch, Bussarde schraubten sich über den goldenen Feldern in die Höhe und zarte weiße Wolken zogen gemächlich unter einem stahlblauen Himmel dahin.

Ich wusste nicht, wie lange ich dort oben stand, als ich Schritte auf der eisernen Turmtreppe hörte. Ich drehte mich nicht um.

„Hallo Schwesterchen“, hörte ich die vertraute Stimme meines Bruders.

„Nanu, was machst du denn hier?“

Toby trug zwar noch die dunkle Anzughose, aber er hatte die Hemdsärmel hochgekrempelt und die oberen Knöpfe des weißen Hemdes standen offen.

„Die Hochzeit findet nicht statt“, sagte er leichthin und grinste.

„Echt?“, überrascht war ich doch.

„Echt. Chris kam sehr aufgelöst zum Standesamt. Er zog mich beiseite und fragte mich, wieso ich daran zweifelte, dass er die richtige Entscheidung treffe. Ich sagte ihm, was ich schon einmal gesagt hatte. Danach sagte er die Hochzeit ab“, Toby lachte, „das war eine Aufregung sag ich dir. Das Geheule der Braut und ihrer Mutter, dass ihnen der Goldfisch doch noch von der Angel gegangen ist, war groß.“

„Hat er sonst noch etwas zu dir gesagt?“

Toby schüttelte den Kopf.

„Nein, nur dass ich nach dir sehen soll“, mein großer Bruder maß mich mit aufmerksamen Blicken, „ich dachte mir, dass ich dich hier finde. Und – alles OK?“

Ich nickte. Erleichtert, dass Chris frei war. Toby legte den Arm um meine Schulter. Schweigend standen wir da, sahen auf das Land unter uns und hingen unseren Gedanken nach.

„Wollen wir gehen?“, fragte Toby nach einer Weile.

„Ich bleibe noch ein bisschen.“

„OK“, er lächelte auf mich herunter, „weißt du eigentlich, dass ich immer dachte, du und Chris würdet gut zusammenpassen?“

Erstaunt sah ich meinen Bruder an. Er zwinkerte mir verschwörerisch zu, so wie er es in Kindertagen immer gemacht hatte, wenn wir etwas ausheckten.

„Soll ich ihm sagen, wo du steckst?“

Bevor ich antworten konnte, war er schon in dem dunklen, engen Treppenhaus des Aussichtsturms verschwunden.

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