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Posts Tagged ‘Geheimnisse’

„Was war das Schrecklichste, das du je getan hast?“

Sander sah mich aufmerksam und mit einem lüsternen Funkeln im Blick an.

„Das ist eine merkwürdige Frage, besonders da wir uns kaum kennen“, wehrte ich ab.

Ich stand auf und ging zum Fenster. Ich wollte nicht, dass er mein Gesicht sehen konnte. Denn trotzdem wir uns erst vor ein paar Tagen in diesem Hotel kennengelernt hatten, war ich von ihm fasziniert. In verschiedener Hinsicht. Erstens war ein ausgesprochen gutaussehender Mann. Tatsächlich war er geradezu schön. Und zweitens schien er in den Menschen lesen zu können. Ihre Wünsche, ihre Neigungen – gute wie schlechte – und mehr als einmal erlebte ich, dass er ihnen ihre Geheimnisse entlockte. Wie er es machte war mir unbegreiflich. Eins war mir allerdings aufgefallen. Sander sah der betreffenden Person tief in die Augen oder er berührte sie.

Ich musste mich vor ihm in Acht nehmen. Mein Geheimnis durfte nie bekannt werden, auch wenn es bedeutete, dass ich mich von Sander fernhalten musste.

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Auszug aus Natalie Goldbergs Buch: Wild Mind

„Als ich den Stift weglegte, fing mein menschliches Ich an zu wimmern. „Oh, nein, Nat, das können wir unmöglich veröffentlichen.“

Mein schreibendes Ich wandte sich ihm ungläubig zu „Und ob – was denkst denn du? Und was hast du überhaupt für Probleme? Es ist uns eingefallen, also sagen wir es auch.“

Ich wusste es! Anderen geht es auch so. Sie machen sich Gedanken über ihre Sicht die Welt zu sehen, über die Wahrheiten, die sie für sich erkennen und fürchten sich davor sie preiszugeben.

Während wir schreiben kommt Licht an die dunkelsten Geheimnisse unserer Seelen. Wir gelangen an Orte, von denen wir nicht wussten, dass sie in uns existieren und wir schreiben davon. Solange ist alles gut. Das Problem beginnt in dem Moment, in dem wir es öffentlich machen und ich meine damit noch keine offizielle Öffentlichkeit, sondern Freunde und Familie.

Was werden sie sagen? Was denken sie über uns?  Halten sie uns für unmoralisch, verrückt und unnormal. (Was ist normal? Moralisch ?)

Als ich meinen erotischen Roman veröffentlichte, ahnte ich was auf mich zu kommt. Bei Fremden ist das kein Problem. Sie kaufen das Buch und haben Spaß, aber wenn ich jemandem davon erzähle der mich kennt? Ein Kollege las meine Leseprobe und sagte später: …das hätte er nicht von mir gedacht, er sähe mich mit anderen Augen. Ich lachte und dachte, es ist doch interessant, was so ein Text ausmacht und wie aus meiner unauffälligen Erscheinung plötzlich eine spannende Person wird.

Es macht mir nichts aus zu sagen, dass ich einen erotischen Roman veröffentlicht habe. Ich mag meine Geschichte und ich freue mich sehr, dass es einen Verlag gab, der es gedruckt hat, aber es nervt wenn die Leute zu wissen meinen, was von meinen Texten Fiktion und Realität ist (die wir manchmal selbst nicht ganz erkennen)und dann auch noch bohren: Na, was ist denn echt davon? Hast du das schon getan, erlebt…?

Ich muss für meine Texte keine Abbitte leisten oder offenlegen was echt und was ausgedacht ist. Ich bin Schriftstellerin und darf über das schreiben was ich will. Ich will mir keine Tabus zu legen, oder mich zügeln wenn ich schreibe.

„Fantasie muss grenzenlos sein. Denn gezähmt wäre sie keine Fantasie.“  A.Everding

Natalie Goldberg schreibt:

„In unserer Gesellschaft Schriftsteller zu sein, bedeutet auch, eine Entscheidung für ein Leben außerhalb der Norm zu treffen.

Die Schreibpraxis führt uns zurück zur Einzigartigkeit unseres Geistes. Wir alle haben wilde Träume, Fantasien und ganz gewöhnliche Alltagsgedanken. Spüren sie ihre Beschaffenheit und fürchten Sie sich nicht davor. Schreiben ist immer noch die aufwühlendste Erfahrung, die ich kenne.

Ich kann verstehen, warum viele Schriftsteller trinken und Drogen nehmen. Wenn man schreibt, dringt man ins Herz der eigenen Wildheit vor, muss sie akzeptieren und leben lassen und darf sie nicht zerstören.

…Schreiben ist eine fantastische Reise, ein Weg, der uns in die Freiheit führen kann. Und das besondere an diesem Weg ist, dass sie ihn beschreiten können, während sie gemütlich am Tisch sitzen, die Hand über die Seite führen und auf Ihre Mitmenschen ganz normal, vielleicht sogar ein bisschen langweilig wirken. Diese Menschen haben ja keine Ahnung, was sich in Ihrem Inneren abspielt.“

Und das ist es, was mir am Schreiben gefällt und mich unheimlich reizt: niemand hat eine Ahnung davon, was sich in meinem Inneren abspielt… es sei denn, ich erzähle es.

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