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Posts Tagged ‘Gehirn’

Der Doktor erwachte und hatte Angst.

Sein Herz raste, kalter Schweiß lief ihm den Rücken herunter, seine Kehle war trocken, die Zunge klebte am Gaumen. Er konnte kaum atmen. Ein Gefühl von Starre hatte von seinem Körper Besitz ergriffen, obwohl er einen unwiderstehlichen Drang verspürte wegzulaufen.

Das war es, was er den anderen sagte, wenn sie vor Gefahren oder dem, was sie dafür hielten, in helle Aufgregung gerieten und kopflos umherirrten. – Lauft, lauft, lauft.

In solchen Momenten amüsierte er sich köstlich. Die verzerrten Gesichter, die hohen verfremdeten Stimmen, ihr uneffektives Herumgestolpere befriedigten seine Sensationsgier. Manchmal führter er katastrophale Situationen absichtlich herbei, um sich an den Reaktionen zu ergötzen.

Nun fühlte er es selbst, dieses – lauf weg, lauf weg. – Es war eine innere Stimme, der er nicht zuhören wollte. Trotzdem er sie ignorierte, verschaffte sie sich aufdringlich Gehör, infiltrierte seine Gedanken und erschuff ein Gefühl, das größer war, als sein messerscharfer Verstand und sich durch jede Zelle seines Körpers und Windung seines Gehirns fraß.

Der Doktor hatte Angst. Es war das erste Mal. Doch es sollte nicht das letzte Mal sein.

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… wie wahr! Meiner steckt in meinem Kopf. Auf den ersten Blick mag er nicht sehr furchteinflößend sein. Aber wenn man anfängt, ihm zuzuhören, dann wird schnell klar, dass er einer der schlimmsten Dämonen ist. Er ist immer da und wenn ich die kleinste Schwäche zeige oder er einen Anflug von Angst/Zweifel spüre, legt er los. Er redet auffällig viel, aber dann kann ich ihn nicht mehr stoppen oder ihn überhören. Wenn es halbwegs gut läuft, kriege ich es hin, den Tag ohne größere Unsicherheitsattacken zu überstehen und mich nicht dauernd nach dem warum oder meinem möglichen/eingebildeten Versagen zu fragen. Aber wenn es Komplikationen gibt, Missverständnisse, unerwartete Rechnungen, problematische Vorhaben usw., dann tut er alles Dämonen mögliche, um mich immer weiter in meine Panik zu treiben und mich zum Aufgeben zu zwingen. Er zerrt alle meine früheren schlechten Erfahrungen und alle negativen Kommentare heraus, die ich je gehört habe. Macht sich einen Spaß aus meiner Traurigkeit und meiner Angst.

„Der Text? Das ist doch Mist, wer will denn den lesen?“

„Sieh mal zu, wie du die Rechnung bezahlst! An Urlaub brauchst du nicht mehr zu denken!“

„Termin verschlafen – wieder mal nicht aufgepasst, was?!“

„Durchhalten konntest du noch nie. Hab ich dir ja schon immer gesagt!“

„Unfähig Druck auszuhalten, wundert mich nicht. Versagerin.“

„Hast du wieder nichts Sinnvolles getan? Zeit verschwendet.“

Wenn er merkt, dass er Erfolg mit der Masche hat, dann kommt er richtig in Fahrt. Schlag auf Schlag, bis ich mich so schnell im Kreis drehe, dass ich keinen klaren Gedanken mehr fassen kann und ich mich frage, wie lange es wohl dauert, bis mein Gehirn von selbst abschaltet:

„Achtung, Achtung! Halten sie Abstand. Dieses Gehirn zerstört sich in wenigen Sekunden selbst.“

Es hat lange gedauert, diesen „Zustand“ als meinen Dämon zu identifizieren. Inzwischen arrangiere ich mich mit ihm. Er ist meine Herausforderung, nicht alles wörtlich zu nehmen und ihn als einen Geist meiner Vergangenheit zu sehen. Nur weil Dinge gesagt wurden oder passierten, müssen sie nicht wieder passieren. Ich habe mein Schicksal in der Hand und muss mich nicht von meinem Dämon in die Enge treiben lassen. Ich werde in wohl nie ganz los werden, aber ich kann ihn schrumpfen. Manchmal reicht schon ein Einfaches: Stop! Es reicht! Manchmal dauert es etwas länger, um meinen inneren Frieden wieder herzustellen.

Ich analysiere die Situation und frage mich, ob sie lebensbedrohlich ist oder meine Welt untergehen wird. Da dies zu 99 Prozent nicht der Fall ist, kann ich den Tatsachen ruhiger ins Auge sehen und eine Lösung finden. Das hört sich jetzt so einfach an, aber das ist es nicht, war es nie. Allerdings wird es Stück für Stück leichter. Ich bin schon stolz auf mich, wenn ich den Sturm kommen sehe, und mir das Dilemma nicht erst auffällt, wenn ich schon drin stecke.

„Hör mal zu du kleiner Dämon! Ich kenn dich und weiß, wie du arbeitest! Mich kriegst du nicht klein!“  

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