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Posts Tagged ‘Gewohnheiten’

Der Schatten glitt zwischen den Bäumen hindurch.

Endlich! Seit Stunden hockte ich in meinem Versteck und wartete, meine Beine und mein Rücken taten weh und so waren meine Bemühungen nicht umsonst. Ich versuchte so lautlos wie möglich aufzustehen und den Schatten nicht aus den Augen zu verlieren. Die dünnen Äste knackten unter meinen Füßen, aber dies Wesen war auf der Jagd und seine Sinne auf andere Beute ausgerichtet. Sie waren äußerst selten und ich war noch nie einem begegnet, kannte seine Gestalt und Gewohnheiten nur aus alten Büchern. Ich hatte mich gut ausgerüstet, musste mich aber auf wage Informationen verlassen, denn die Bücher waren über dreihundert Jahre alt. Was damals als neuste Erkenntnis galt, konnte sich heute völlig anders darstellen.

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Ich ging, bevor er mich dazu aufforderte. Ich hatte sie zusammen gesehen und wusste, es ist aus, nicht sicher ob ich erleichtert oder traurig sein sollte.

Ich trat auf die Straße. Ein milder Regen fiel. Ich hatte meinen Schirm vergessen. Es störte mich nicht, ich genoss die sanften Tröpfchen auf meiner Haut und meinen Lippen. Es schmeckte süß.

Mit jedem Schritt wurde es leichter. Ich war frei! Die Fäden gelöst, dem täglichen Theater entkommen, mit den einengenden Gewohnheiten gebrochen. Mit einem beschwingten Hopser sprang ich in eine Pfütze und lachte.

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Bis dahin hatte ich mein ganzes Leben lang nur nach Mustern gelebt, die nicht meine Muster waren. Doch nun erwachte ich aus meinem Dornröschenschlaf. Dass es einen kompletten Bruch mit den alten Gewohnheiten gab, war wohl dem Umstand geschuldet, dass mir die Zeit davonlief. Wie sagt man im Volksmund so schön: die biologische Uhr tickt.

Meine Familie ist entsetzt. Aus ihrem Blickwinkel bin ich die Mutter in der Midlife Krise. Ich höre sie lamentieren: Muss du gleich alles hinschmeißen? Du hast doch deine Freiheit, was willst du noch?

Wie viel Zeit bleibt, wenn man in die zweite Hälfte des Jahrhunderts eintritt? Die Knochen werden nicht gelenkiger, die Haut nicht glatter, der Kopf nicht agiler. Auch die Chance von einem Bus überfahren zu werden wird größer, wenn man nicht mehr so schnell laufen kann.

Ich bin einfach zu alt für mich. In meinem Herzen, meinen Gedanken und Fantasien beginnt mein Leben erst jetzt. Ich habe genauso viele Träume, vielleicht noch mehr, als in meiner Jugend, doch mein Spiegelbild macht mir keine Illusionen. Ich habe mich gut gehalten, aber das ist auch alles. Die Zeit läuft und zwar nicht mit mir, sondern gegen mich.

Eine Frau muss tun, was eine Frau tun muss – alte Zöpfe abschneiden, ihren eigenen Rhythmus finden und sich nicht mehr verbiegen. Für niemand.

Der Satz stammt aus „Er oder ich“ von Fee Zschocke.

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