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Posts Tagged ‘Grinsen’

„Es fing ganz harmlos an.“

Er sah sie mit einem schiefen Grinsen an. Ihr Gesichtsausdruck blieb ausdruckslos.

„Fängt es so nicht immer an?“, ihre Stimme klang monoton.

„Außerdem ist nichts weiter passiert. Nur ein Kuss.“ Er zuckte entschuldigend mit den Schultern. „Wirklich nur ein Kuss.“

Sie öffnete den Mund, schloss ihn aber gleich wieder. Jedes Wort wäre zu viel gewesen. Erst machte sie ihm Vorwürfe, dann redete er und redete, bis sie so müde war, dass sie aufgab wütend auf ihn zu sein. Bis zum nächsten Mal. Irgendwann musste das ein Ende haben, sie wusste nur noch nicht wann.

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Er zog eine weiße Kreidelinie um ihren Körper.

„Hey, das kitzelt“, flüsterte sie und zuckte.

Er grinste breit.

„Das ist ja auch der Sinn.“

„Schnitt!“, brüllte eine tiefe Stimme, „Milner! Was machen sie da?! Sie sollen den Umriss einer Leiche aufzeichnen und kein Techtelmechtel anfangen.“

Der Regisseur hatte sich von seinem Stuhl erhoben und quälte seinen Alabasterkörper zu den beiden Schauspielern. Fred Milner erhob sich und sah seinen Chef provozierend an.

„Es ist schon eine Zumutung in diesem zweitklassigen Streifen mitzuspielen, da könnte es wenigstens etwas authentisch zu gehen.“ Er steckte die Hände demonstrativ in die Manteltaschen. „Sonst mach ich hier gar nichts mehr.“

„Sie haben einen wasserdichten Vertrag unterschrieben. Sie können sich die Regressansprüche nicht leisten, die bei einer Arbeitsverweigerung auf sie zu kommen, Milner“, knurrte der Regisseur, „und was sie denken ist mir scheißegal!“ Er wendete sich an die Crew, „weiter machen!“

Fred sah dem Koloss nach. Wir werden sehen, wer am längeren Hebel sitzt, dachte er und grinste boshaft.

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Das letzte was Helen brauchen konnte, war ein kreischender kleiner Bruder. Sie kramte in ihrer Handtasche und drückte ihm einen Schokoriegel in die Hand. Dass ich immer auf Max aufpassen muss, wenn es hart auf hart kommt, dachte sie, dabei könnte Andrew sich auch mal herablassen.

Helen sah auf Max herunter, der den Schokoriegel aus seiner Verpackung geschält hatte und genüsslich abbiss. Triumphierend sah er zu ihr auf. Helen verkniff sich ein Grinsen, sie konnte ihm nie lange böse sein. Max war wirklich süß, mit den strohblonden Haaren und den Strahleaugen, aber er wusste genau, wie er seine große Schwester dazu bringen konnte, ihm seinen Willen zu lassen, meistens jedenfalls.

„Bist du jetzt still?“, fragte Helen und warf ihm einen warnenden Blick zu.

Max nickte und nuschelte:

„Ehrenwort!“

Helen nickte. Wenn er sein Ehrenwort gab, konnte sie sich auf ihn verlassen, dass war eine unausgesprochene Abmachung zwischen ihnen. Für einen Sechsjährigen ist er oft viel zu verständig, dachte Helen und seufzte, andere Kinder in seinem Alter gehen völlig unbedarft durchs Leben.

Sie streckte ihm die Hand hin und Max legte seine kleine, weiche Kinderhand hinein. Helen drückte den Kloss in ihrem Hals hinunter. Sentimentalität war gerade nicht angebracht. Sie musste alle Sinne beisammen haben.

Langsam schlenderten die Beiden zwischen den gutbesuchten Straßencafes entlang. Es sah völlig harmlos aus. Eine junge Frau und ein kleiner Junge, der einen Schokoriegel aß.

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Er griff nach dem Messer. Fest hielt er das Heft in der Hand und stieß die lange glänzende Klinge tief in den fleischigen Körper hinein. Die Schneide glitt durch die äußere Hülle wie durch Papier. Er riss sie mit einem diabolischen Grinsen von oben nach unten und hinterließ einen elementaren Schnitt. Das Geräusch wahr unangenehm und verursachte eine Gänsehaut. Säfte traten aus dem versehrten Balg. Angestachelt von seinem Erfolg stieß er wieder zu, setzte den nächsten Schnitt.  Wieder und wieder bohrte er die Klinge in den Leib. Löste ganze Stücke Fleisch aus und warf sie achtlos in den Mülleimer. Endlich war er zufrieden, blickte auf und fragte:

„Und wie findest du den Kürbis? Sieht gruselig aus, oder?“

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Szene aus der Kindheit von Rowenna (Tag 87/88)

Rowenna und Laurence sitzen auf der niedrigen Natursteinmauer, die das Haus von Laurence Großeltern von der Straße trennt. Zu ihren Füßen liegt ein Bernersennenhund und blinzelt ab und zu in die Sonne. Zwischen den beiden Kindern steht eine Papiertüte mit Kirschen. Rowenna spukt einen abgenagten Kirschkern auf die Straße. Er klackt einmal auf und springt auf den Rasenstreifen auf der anderen Seite.

„Einmal über die Straße!“, ruft sie triumphierend, „das musst du mir erst mal nachmachen.“

„Das gilt nicht. Der Kern ist einmal aufgeditscht!“, widerspricht Laurence.

Er schürzt die Lippen, ruckt mit dem Kopf zurück, dann vor und spukt. Der Kern landet wenige Zentimeter vor dem Randstreifen der gegenüberliegenden Seite.

„Das musst du mir nachmachen!“

Laurence sieht Rowenna mit einem siegessicheren Grinsen an. Sie spukt den nächsten Stein. In einem hohen Bogen fliegt er diesmal direkt auf den Randstreifen.

„Bitte! Ich kann es!“

Laurence will etwas erwidern, als ein Stein durch die Luft saust und ihn an der Schulter trifft.

„Hey, wer war das?!“

Laurence reibt sich die schmerzende Stelle und rutscht von der Mauer. Suchend sieht er sich um. Ein weiterer Stein trifft den schlafenden Hund. Er springt auf und jault.

„Da!“, schreit Rowenna, „in der Hecke!“

Noch ehe Laurence den Attentäter entdeckt hat, ist Rowenna über die Straße gerannt und kriecht durch die Hecke.

„Andy, du blöder Mistkerl“, hört Laurence sie auf der anderen Seite der Hecke schreien. „Feigling!“

Er kriecht ebenfalls hindurch und sieht gerade noch, wie Rowenna dem Rowdy der Klasse mit voller Wucht die Faust auf die Nase schlägt. Sofort quillt Blut heraus und Andy heult auf.

„Du dumme Kuh!“, Andy hält sich die Hände vor die Nase, „das sage ich meinem Vater!“

„Mach doch! Dann kannst du ihm gleich sagen, dass du uns aus dem Hinterhalt angegriffen hast. Bin gespannt was er dazu sagt!“

Die letzten Worte hört Andy schon nicht mehr, so schnell hat er das Weite gesucht. Rowenna lacht und grinst Laurence an.

„Dem hab ich es gegeben! Ein hilfloses Tier mit Steinen zu bewerfen, was für ein Blödmann. Soll sein Vater nur kommen.“

„Darauf kannst du wetten. Das lässt der sich nicht entgehen.“ Auf Laurence kindlich glatter Stirn erschienen ein paar zarte Denkerfalten. „Erinnerst du dich an den Krach den er bei uns geschlagen hat, als mein Bruder und Andy sich geprügelt haben?“

Rowenna lachte.

„Und wie ich mich erinnere! Das war Dorfgespräch.“

Die beiden Kinder kriechen durch die Hecke, zurück auf die Straßenseite. Rowenna kniet sich vor den Hund und krault ihn hinter den Ohren.

„Du lieber Artur, alles gut? Das macht der so schnell nicht wieder. Ich pass auf dich auf“, sie blickt zu Laurence hoch, „und auf dich auch.“

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