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Posts Tagged ‘Haare’

Ein Vogelschwarm schwebte auf dem Wind, wie hunderte Papierschiffchen auf einem See.

Lange folgte ihnen mein Blick. Wie gerne wäre ich mit ihnen geflogen, hätte dieses bedrückende dunkle Leben hinter mir gelassen. Ich schloss meine Augen, breitete die Arme aus und stellte mir vor sie wären besetzt mit langen Schwungfedern. Eine starke Brise umspülte mich, die Haare wehten im Wind, meine Kleidung schlackerte um meinen Körper. Jetzt mit den Flügeln schlagen, dachte ich und imitierte die Bewegung. Erst langsam, sacht, dann mit immer raumgreifenderen Schwingungen. Der Wind nahm zu.

Ich riss die Augen auf, rannte gegen ihn los, meine Arme kräftig schlagend. Dann vor mir der Abhang. Es gab nur den Bruchteil einer Sekunde zu entscheiden: springen oder anhalten. Ich sah die Vögel nur noch als winzige dunkle Punkte über dem Horizont. Spring! Schrie die Stimme in meinem Kopf. Ich gehorchte.

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„Ich verliere überhaupt keine Haare!“

„Doch! Am Hinterkopf sieht man die Kopfhaut.“

„Unmöglich! Gib mir einen Spiegel.“

„Da. Fast so groß, wie ein zwei Eurostück.“

„Oh, Gott. Tatsächlich. Wie ist das möglich?“

„Das ist der bestimmt der Fluch.“

„Was redest du für einen Quatsch!“

„Du hättest die Wahrsagerin nicht beleidigen sollen.“

„Von Beleidigung würde ich nicht gerade sprechen.“

„Ach echt? Jedenfalls war sie mordssauer. Ich erinnere mich an den genauen Wortlaut. Du sollst verlieren, was dir am Wichtigsten ist.“

„Ich dachte, dass wärst du.“

„Ich auch. Aber die Wahrsagerin hat mich gewarnt, dass ich mich einer Illusion hingebe und wie es aussieht, sind dir deine Haare wichtiger als ich.“

„Was tust du?“

„Ich gehe. Mach`s gut.“

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„Ich habe Angst“, flüstert Lea.

„Wieso?“

Declans steht so nah bei ihr, dass seinen warmer Atem über ihren bloßen Nacken streicht.

„Sie werden merken, dass ich nicht hier her gehöre.“

„Niemand wird es heraus finden“, erwidert Declan mit Nachdruck. „Lass dich von mir führen und alles wird gut.“

Er nimmt ihren Arm und ehe Lea groß nachdenken kann, steht sie auf dem Teppich, der von den ankommenden Autos zur Villa führt, damit sich die Damen ihre teuren Schuhe und Roben nicht beschmutzen. Lea strafft den Rücken, hebt ihren Kopf und schreitet langsam neben Declan her. Sie bemerkt seinen aufmerksamen Blick und errötet, als sie feststellt, dass er an ihrem üppigen Dekolleté hängen geblieben ist.

„Wundervoll“, raunt er ihr zu und lächelt, „ich weiß, dass du es kannst.“

„Klar, mit diesem Kleid, sehe ich geradezu wie eine Einladung zum Essen aus.“

„Oh, dein Sarkasmus kehrt zurück. Jetzt wird alles gut“, neckt Declan sie.

Die beiden betreten die festlich geschmückte Eingangshalle. Lea spürt, wie sie die Aufmerksamkeit anderer Gäste auf sich zieht. Nicht verwunderlich. Sie trägt als einzige Rot! Auffälliger kann ihr Abendkleid nicht sein. Dazu eng anliegend und mit kleiner Schleppe. Lea muss zierliche Schritte machen, um nicht zu stolpern.

„Ist es nicht zu offensichtlich, dass du mich auf dem Silbertablett servierst?“

Declan grinst und seine grünen Augen glitzern erregt. Wenn er auf der Jagd ist, gibt es kein Halten.

„Mag sein, aber du bist so verführerisch, dass dir keiner widerstehen kann“, seine Stimme klingt rau und Lea blickt zu ihm auf, „ – und dann komme ich ins Spiel.“

Lea denkt an das Waffenarsenal, das Declan unter seinem perfekt sitzenden Anzug versteckt hat. Nichts zeichnet sich unter dem teuren Stoff ab. Obwohl er mindestens zwei silberne „Pfähle“ unter dem Jacket trägt, ganz zu schweigen von silbernen Wurfsternen, und zwei Pistolen mit Silberkugeln.

„Und du bist sicher, dass wir keine Verstärkung brauchen?“

„Ich bin nicht das erste Mal auf so einer Mission“, er senkt seine Stimme, als ein eindrucksvoller Mann auf sie zu kommt, „Showtime!“

„Guten Abend, es freut mich, sie in meinem Haus begrüßen zu dürfen“, der Gentleman lächelt und seine dunklen Augen bleiben an Leas Gesicht haften, „mit wem habe ich das Vergnügen.“

„Declan Galbraith“, antwortet Declan und schiebt Lea etwas nach vorne, „darf ich ihnen meine Schwester Lea vorstellen, Mylord.“

Die Lüge geht im leicht von den Lippen. Eine gute Tarnung ist lebenswichtig.

„Mylord.“

Lea macht einen vollendeten Knicks und neigt anmutig den Kopf. Aus ihrer Hochsteckfrisur lösen sich ein paar vorwitzige Löckchen, dadurch kommt ihr schlanker Hals noch auffälliger zur Geltung. Lord Vulcan streckt ihr die Hand entgegen. Lea legt ihre Hand in seine. Erstaunt registriert sie, dass sie nicht kalt ist, wie sie es erwartet hat.

„Nicht so förmlich bitte. Nennen sie mich Marcus“, Lea nickt und Marcus wendet sich an Declan“, darf ich ihre Schwester zum Tanz entführen?“

„Wenn sie es wünscht“, erwidert Declan höflich.

Lea weiß, dass er sich innerlich die Hände reibt, weil sein Plan aufgeht. Marcus wirft Lea einen fragenden Blick zu.

„Sehr gerne eure Lordschaft“, ein feine Röte überzieht ihr Gesicht, „entschuldigen sie, Marcus.“

„Eine schöne Frau muss sich niemals entschuldigen“, sagt Marcus galant und blickt auf sie herunter.

Lea ist feingliedrig, ohne dürr zu sein, ihre helle Haut lässt das Blau ihrer Augen und den glänzenden Kupferton ihrer Haare deutlich hervor stechen. Marcus reicht ihr den Arm und Lea folgt ihm in den Ballsaal. Seine Bewegungen sind geschmeidig, wie sie es nur von Declan kennt und unter dem weichen Stoff seiner Jacke fühlt Lea einen muskulösen Arm.

„Darf ich ihnen ein Kompliment machen, Lea“, fragt Marcus.

Als sie seinen dunklen forschenden Augen begegnet, senkt sie verlegen den Blick.

„Wenn es sein muss, Mylord – Marcus. Ich bin nicht daran gewöhnt Komplimente zu bekommen.“

Dafür muss sich Lea nicht einmal verstellen, weil es stimmt. Seit Kindertagen ist sie für die meisten die kleine rote Hexe und auch wenn es meistens lustig sein soll.

„Dann lasst mich sagen, wie aufsehenerregend schön ihr seid. Noch nie in meinem ganzen Leben“, und Marcus weilt schon lange unter den Lebenden, „habe ich so eine Schönheit gesehen.“

„Danke, Marcus. Das ist sehr freundlich von ihnen.“

„Ist es nicht“, Marcus Stimme hat plötzlich einen melancholischen Ton angenommen. „Im Grund ist es sehr egoistisch.“

„Wie meinen sie das?“

Marcus bleibt Lea die Antwort schuldig, da sie inzwischen den Ballsaal erreicht haben. Er gibt den Musikern ein Handzeichen. Der Dirigent nickt und die ersten Takte der Musik erklingen. Marcus legt Lea zart den Arm um die Taille und zieht sie sacht auf die Tanzfläche. Declan hatte darauf bestanden ihr das Tanzen beizubringen, aber seine Ungeduld führte mehr als einmal zu unschönen Szenen. Er wollte alles und zwar am liebsten sofort. Marcus behutsame Führung dagegen, macht es Lea leicht ihm zu folgen. Sie schaut zu ihm auf und bemerkt seinen sehnsüchtigen Blick.

„Was macht sie traurig, Mylord?“

Ein flüchtiges Lächeln huscht über seine sinnlichen Lippen. Marcus zieht Lea dichter an sich heran, beugt sich zu ihr herunter und flüstert:

„Es macht mich traurig, dass ich deine Schönheit nicht jeden Tag sehen kann.“

Irritiert dreht Lea etwas den Kopf. Seine seidigen dunklen Locken kitzeln ihre Wange. Sein Mund ist ihrem ganz nah. Sie fühlt seinen Hauch über ihre Lippen fliegen. Ein Schauer läuft ihren Rücken herunter.

„Mylord“, Lea ringt nach Worten.

Sein Mund streift ihre Wange, ihren Mundwinkel.

„Ich wünschte, du könntest mich lieben“, Marcus drückt Lea fest an sich. „Aber ein Monster kann man nicht lieben, nicht wahr?“

Seine Lippen finden ihre. Weich und warm. Die Berührung erschüttert Lea zu tiefst. Marcus ist so sanft und doch, Lea spürt, wie sehr er sie will. Aber am meisten erschüttert sie die Erkenntnis, dass auch sie ihn will. Die letzten Takte der Musik erklingen. Marcus löst sich von Lea.

„Es ist Zeit gehen. Ich möchte nur ungern, dass Mister Galbraith ein Blutbad vor meinen Gästen anrichtet. Lebt wohl, Lea.“

Er hebt ihr Gesicht zu sich empor und küsst sie erneut. Er schmeckt ihre Tränen auf seiner Zunge. Mit ungläubigem Blick sieht Marcus Lea an. Er hört Declans schnelle Schritte, kann seinen rasenden Herzschlag unter den Anwesenden ausmachen. Marcus kann nicht länger bleiben.

„Nein, bitte nicht.“

Lea streckt ihre Hand nach seiner aus. Aber Marcus ist in der Menschenmenge verschwunden.

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Er ist scheußlich, dachte ich, das schmuddelige Hemd, der furchtbare Geruch und dann diese Haare. Die hatten seit Urzeiten kein Shampoo mehr gesehen. Ein Schauer des Ekels lief mir über den Rücken. Nach der Beschreibung meines Chefs, blieb kein Zweifel, das war unser Mann.

Ich sollte den Lockvogel spielen und mich an ihn heran machen. Am liebsten hätte ich auf dem Absatz kehrt gemacht, aber Auftrag war Auftrag. Ich atmete durch und stöckelte auf meinen High Heels auf ihn zu. Verflixt diese blöden Schuhe. Eigentlich sollte Jenny hier sein, um diesen Mafiosi anzubaggern, aber die lag mit Grippe im Bett, gerade rechtzeitig. Ich versuchte so locker wie möglich zu sein, und lächelte den Don aufreizend an, als ich umknickte, den Halt verlor und stürzte. Kurz bevor ich zu Boden ging hielten mich zwei kräftige Händen fest und zogen mich zurück.

„Na kleine Lady, nicht so hastig“, sagte eine angenehme Stimme.

„Danke“, stammelte ich und verfluchte meinen Fauxpas. Ich hoffte, dass niemand das Messer an meinem Oberschenkel bemerkt hatte. Es war riskant bei sowenig Kleidung ein Waffenarsenal mit sich herum zu schleppen, aber dieser hässliche Mafiosi war für seine Brutalität bekannt. Ich wollte abgesichert sein.

„Ich sollte mir ihr Bein mal ansehen, dass sah eben gar nicht gut aus?“

Mein Retter sah mich lächelnd an.

„Nein danke, es geht schon“, lehnte ich ab.

„Sind sie ganz sicher?“

Er hielt meine Hand fest und zog einen Stuhl heran.

„Setzen sie sich. Es dauert nicht lange, ich kenn mich aus.“

Er drückte mich auf die Sitzfläche, kniete sich hin und zog mir den Pumps aus. Vorsichtig tastete er den Knöchel ab.

„Mein Name ist übrigens David, wie heißen sie?“

„Maja. – Ich glaube, dass ist nicht mein Fuß.“

Seine Hand war bis zu meinem Knie hoch gerutscht.

„Erwischt“, er lachte, „aber man kann es versuchen.“

„Aber nicht bei mir“, ich zog meinen kurzen Rock etwas höher und zeigte ihm das Messer, „ich kann damit umgehen.“

Statt verwundert oder erschrocken zu sein, sah er mich nur spöttisch an.

„Ich würde ihnen gerne meine Waffe zeigen“, sagte er eindeutig zweideutig, „aber ich will nicht, dass meine Tarnung auffliegt. – FBI“, raunte er.

„CIA“, ich beugte mich etwas vor, „was machen sie hier?“

„Das gleiche könnte ich sie fragen?“

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