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Posts Tagged ‘Haken’

Da ist es wieder! Dieses Lächeln, ein Zwinkern und schon fühle ich mich besser. Ach, was heißt besser? Ich fühle mich super, auch wenn es insgeheim nicht so ist. Die Klamotten sind vom vorletzten Jahr, die Haare widerspenstig und ich bin blass von den kurzen sonnenlosen Wintertagen und hey, wie hübsch fühlt man sich morgens um sieben? Ich sehe ihn an und tatsächlich, er sieht mich(!)an, seine Augen strahlen und ich weiß, was auch passiert, an diesem Tag werde ich keine schlechte Laune haben. Ich werde daran denken, dass mir ein netter Mann seine Aufmerksamkeit geschenkt hat und das vertreibt jeden jämmerlichen Gedanken.

Das Wort „flirten“ gefällt mir, denn es hat etwas von flirren, flimmern oder flittern. Im Englischen heißt Flirt: flirtation, was vermuten lässt, dass wir das Wort nur eingedeutscht haben. Es wird mit Liebesspiel und Tändelei übersetzt, und sicher ist es unter bestimmten Voraussetzungen der Beginn einer Liebelei (aber dann ist es schon kein Flirt mehr). Allerdings empfinde ich das für mich selbst nicht so. Ich genieße einfach diesen kleinen prickelnden, flüchtigen Moment, füttere mein Selbstwertgefühl und hoffe, dass mein Lächeln dasselbe bewirkt. Das sich jemand gut fühlt, weil ich ihm Aufmerksamkeit schenke.

Vielleicht ist dies das ganze Geheimnis an der Sache? Aufmerksamkeit. Wer bekommt wirklich die Aufmerksamkeit, die er sich erhofft? Kinder erreichen das entweder durch absolutes Wohlverhalten oder durch ein stark aggressives Verhalten. Aber wir Erwachsenen? – Wann lobt uns unser Chef? Wie viel Interesse verspüren wir von unserem Partner? Wer erkennt unsere Bemühungen an oder macht uns ein Kompliment? Oft sind wir auf uns allein zurückgeworfen, müssen uns selber die Anerkennung geben, die uns andere verweigern oder unwissentlich vorenthalten. Wer von uns sagt zu seinem Chef/Freund/Partner/Eltern: bitte, sag mir etwas Nettes. Lob mich doch, bitte. Und wenn wir es sagen, sind wir oft schon so frustriert, dass es seinen Wert verliert, wenn sich der Angesprochene zu einer Anerkennung herablässt. Wir möchten freiwillig bestätigt werden und nicht weil wir darum bitten.

Ich würde gerne noch mehr loben oder anerkennen, als ich es tue. Meistens suche ich gezielt nach Dingen, die ich positiv hervorheben kann. Allerdings gibt es Bereiche in denen es mir schwer fällt, weil ich Bedenken habe, dass mir mein Kommentar falsch ausgelegt wird. Zum Beispiel habe ich total nette Arbeitskollegen. Ohne sie hätte ich manchmal schon das Handtuch geworfen, aber der Gedanke morgens mit einem Lächeln von Menschen empfangen zu werden, die ich als sehr hilfsbereit und freundlich empfinde (und die ich sehr mag und schätze), lässt mich mit Spaß zur Arbeit gehen. Ich würde gerne jedem sagen, weißt du, es ist toll, dass du da bist und wenn du gehen würdest, würde ich dich vermissen. Allerdings sind die Mehrzahl meiner Kollegen Männer und ich weiß nicht, ob sich das „gehört“ oder ob ich das als Frau sagen kann, ohne dass ich unangebrachter Gefühle verdächtigt werde.

Wie man sieht bin ich ebenfalls ein Opfer der Konventionen, wie alle anderen. Mein Herz sagt, wieso kannst du das nicht sagen? Und mein Kopf sagt, sei nicht albern und halt die Klappe. Ich bin gerade vom Hundertsten ins Tausendste gerutscht, nur um festzustellen wie schwierig die menschlichen Beziehungen sind und wie viel Angst ich habe, etwas falsch zu machen.

Auf diese ganze „Sache“ bin ich durch einen Artikel in der neuen „NEON“ (Ausgabe April 2012) gekommen. In dem Artikel ging es darum, dass man „jemand am Haken hat“. Heißt: es gibt einen (oder mehrere Personen) die Mann/Frau sich als Freundin/Freund hält, mit der er niemals eine Liebesbeziehung hätte, während ihn die andere Person aber als Liebespartner betrachte (wenn seine derzeitige Beziehung doch endlich in die Brüche gehen würde, dann…). Es handelt sich hierbei nicht um andersgeschlechtliche Freunde, sonder um eine dieser schrecklichen, unerfüllten, einseitigen Lieben. Und unter uns, davon kann ich ein Lied singen. Nur dass ich die am Haken war und nicht die, die die Angel hielt. Dafür kenne ich einige Freundinnen, die eine ganze Wand voller Trophäen ihr Eigen nennen. Gestandene Männer, die glaubten, wenn sie es nur lange genug aushielten, dann würde sie erkennen, dass er der Richtige wäre. Sorry Jungs, ich kann euch da keine Hoffnung machen, das wird nichts. Ich habe es am eigenen Leib erfahren und muss leider eingestehen, dass der schöne Spruch: Sie/er steht nicht auf dich, zutrifft. Auch wenn wir es nicht wahrhaben wollen.

Das Leidenspotential eines Liebenden am Haken ist groß, sehr groß. Wir weinen uns in den Schlaf (wohl eher so ein Frauending) und lachen dem Angehimmelten am nächsten Tag wieder unbeschwert ins zuckersüße Antlitz, aber der Mistkerl/Miststück (oh, entschuldigt die Entgleisung, der/die Herzallerliebste muss es natürlich heißen) merkt nichts davon und wenn doch, dann fühlt er/sie sich geschmeichelt wie Bolle, nur vom Haken lassen sie uns nicht. Ich weiß, ich rede schlau daher, sagen die armen Hakenhänger jetzt, aber ich weiß, wie das ist. Dieses unselige Gefühl: wenn er/sie doch nur genau hinschauen würde, dann würde er/sie erkennen, dass ich die richtige Person bin.

Das Einzige, das wirklich hilft, ist ein Herzbruch und wenn es noch so verdammt wehtut. Das ist die Chance unsere Wunden zu lecken, unser Herz zu kitten und uns die Person zu suchen oder zu finden, die es wert ist. Und jeder, der einen anderen am Haken hat, sollte darüber nachdenken, ob dies nicht ein sehr unfaires, egoistisches Verhalten diesem Menschen gegenüber ist. Denn ihr haltet ihn davon ab, echte wahre Liebe zu finden. So schließt sich der Kreis und ich komme auf die Flirterei zurück.

Der Mann im Cafe sah mich an. Schon das zweite Mal. Sogar meine Tochter bemerkte es. Sie grinste uns sagte: „der Typ vom Nachbartisch schaut dich die ganze Zeit an“, und ich dachte, toll, ausgerechtet heute. Mit Schrecken dachte ich an meine schlabbrige Hose und mein Gewicht von heute morgen. Trotzdem warf ich ihm ein strahlendes Lächeln zu, als ich mich nach ihm umdrehte. Er hatte graue Schläfen und sah ein bisschen nach Sean Connery aus, Typ kerniger Mittfünfziger. Ich fühlte mich geschmeichelt und obwohl diese Begegnung schon mindestens drei Monate her ist, habe ich sie nicht vergessen. Sie streichelt mein Ego immer noch. Darum mag ich flirten viel lieber, als am Haken hängen. Beide wissen, dass sie gerade flirten. Ein kurzer, glitzernder Augenblick und mehr nicht (darüber sollte man sich im Klaren sein, wenn man kein Single ist).

Also Jungs, wenn euch das nächste Mal eine nette Frau zu lächelt, könnte es sein, dass ich es bin.

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