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Posts Tagged ‘Hemingway’

Meine Zeitreise würde in die 20er Jahre nach Paris gehen. In eines dieser Cafés, in denen sie sich alle Treffen – die literarische Boheme. Besonders Hemingway und Fitzgerald. Mich würde interessieren, wie Zelda wirklich war – hat sie so viel getrunken, wie man sagt und war sie eifersüchtig auf seinen Erfolg?

Die zweite Zeitreise würde in das England Jane Austens gehen. Ich würde sie gerne kennenlernen. Wie war sie? Warum hat sie nicht geheiratet? Waren die englischen Gentlemen wie in den Büchern und die meisten Mädchen nur darauf aus eine gute Partie zu machen? Ich würde gerne auf einen Ball gehen und mir die Gesellschaft anschauen.

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Zerstreutes Licht fällt durch die Buntglasfenster. Ich sitze in dem rotgepolsterten Ohrensessel unter dem Fenster und beobachte wie winzigen Staubteilchen in den Sonnenstrahlen tanzen. Das Gurgeln des Kaffeeautomaten reißt mich aus meinen Gedanken. Ich blicke auf. Der Mann, der sich einen Kaffee zieht, schaut zu mir herüber. Er nickt mir zu und lächelt. Jetzt kommt er auf mich zu.

„Ist der Platz noch frei?“, fragt er mit dunkler, samtiger Stimme und deutet auf den zweiten Ohrensessel.

„Ja“, ich erwidere sein Lächeln und mein Herz klopft schneller, „bitte setzen sie sich.“

Er stellt seine Tasse auf das Tischchen, neben meine, und zwei Bücher. Hemingway und Greg Iles, genau mein Stil.

„Ich sehe ihr Kaffee ist leer. Darf ich ihnen einen ausgeben?“

„Das wäre nett“, bringe ich mit zitternder Stimme heraus. „Kaffee mit Milch?“, fragt er.

„Erraten.“

Ich sehe ihm hinterher, als er mir den Kaffee holt. Ich glaube, ich träume. 🙂

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Sonntag, 12.07.2015

Ein herrlicher Morgen, den ich eigentlich in meinem Lieblingscafé verbringen wollte – mich mal wieder ein bisschen wie Hemingway fühlen. Stattdessen sitze ich auf dem Balkon, was gewiss seinen Reiz hat, bei diesem fantastischen Wetter, mit Kaffee, Büchern und Laptop und pflege meine Erkältung. Eingemummelt, mit laufender Nase und einem Kopf voll Watte.

Dabei hatte ich viel vor. Zwei Texte für Ausschreibungen „erledigen“, eine Charakterstudie erstellen – von einem zugegeben sehr skurrilen Herrn, dem ich bei einer bekannten Supermarktkette begegnete. Solche Gelegenheiten darf sich ein Autor nicht entgehen lassen.

Außerdem wollte ich einen eloquenten, vor Witz sprühenden Text über „das liederliche Leben eines Schriftstellers“ verfassen – im Café wäre das ein Leichtes gewesen – aber mit triefender Nase, gläsernen Augen und im Schlabberlook stellt dies eine schier nicht zu bewältigenden Aufgabe dar.

Dafür singt Marvin Gay „Hey, what`s going on“ – das wüsste ich auch zu gerne.

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„Es ist noch nicht einmal die Demütigung, Geschichten schreiben zu müssen, die unter meiner Würde sind. Das ist mir egal,  aber nicht an meinen Sachen arbeiten zu können, obwohl es das Einzige ist, das ich je gewollt habe. Ich habe das Gefühl, dass das ganze Material in mir drin schlecht wird. Wenn ich es nicht bald niederschreiben kann, werde ich es für immer verlieren.“

„Ich kann nicht. Ich bin zu müde, um nachzudenken. Morgens überkommt es mich manchmal, aber bevor ich irgendwas aufschreiben kann, schreit das Baby oder ich muss zur Arbeit aufbrechen. Und am Ende des Tages sind dann keine Worte mehr übrig. Außerdem sind wir hier so weit von allem entfernt. Ich habe keine Ahnung, wer gerade was schreibt und was wichtig ist.“

Aus Madame Hemingway, Paula McLain

Zurzeit lese ich gerade Madame Hemingway (siehe Zitate). Das Buch ist gut und flüssig geschrieben, und beschreibt die Beziehung zwischen Hemingway und seiner ersten Frau, während der Jahre in Paris. Teils wahr, teils fiktiv. Davor habe ich Hemingways Buch „Paris – ein Fest fürs Leben“ gelesen. (Inspiriert durch Woody Allens Film: Midnight in Paris, den ich übrigens genial finde und wegen seiner Atmosphäre liebe.)

Ich liebte „Paris – ein Fest fürs Leben“ von der ersten Zeile. Das Leben der Boheme der 20er Jahre springt einen an. Schreiben in Cafés, Schriftstellerzirkel, gemeinsame Verlage und Projekte, Dispute, gemeinsame Reisen, Feste, Familien, Affären. Und neben all dem schrieben sie sich die Seele aus dem Leib. Ein kreatives Knäul aus Schriftstellern, Verlegern und Förderern.

Kunst war Kunst, um der Kunst willen (bis es plötzlich chic war Künstler zu sein oder einen zu kennen). Man trieb sich gegenseitig an und entwickelte sich weiter. Das Schreiben stand an erster Stelle.

Das ewige Ringen nach dem Wort. Eine Qual, ohne die ein Schriftsteller nicht leben kann, denn nichts kommt dem Gefühl gleich, einen guten Text zu schreiben. Wir haben nichts, nur unser Talent und unsere Motivation, auch das erkämpfen wir uns schwer. Wer kann einen Schriftsteller verstehen? Ein anderer Schriftsteller, wenn man Glück hat.

Hemingway war ein Genie, man mag ihn mögen oder nicht, Ansichtsache. Er hatte ein Kriegstrauma, kein Geld, aber eine Familie, die er ernähren musste, diverse Rückschläge usw. Eine Kerze, die an zwei Enden angezündet wird, verbrennt schneller. Ich weiß, wie anstrengend es ist alles im Gleichgewicht zu halten. Familie, Arbeit, der Alltag mit allem was an Sorgen dazu gehört, und das Schreiben, dass ich tun muss, auch wenn ich kein Schriftstellergenie bin.

Ich ringe nach Worten, zweifele, schreibe, versuche herauszufinden was einen guten Text ausmacht und mir trotz Schreibregeln, mit dem uns Ratgeber und Gurus zuschütten, nicht den Spaß und die Intuition verderben zu lassen. (Also nicht, dass manche Ratschläge sinnvoll sein mögen – aber zu viel des Guten hemmt den Fluss.) Auf der Suche nach dem wahren Satz, wie Hemingway es nannte. Leider sind auch bei mir nach einem langen Tag, oft keine Worte mehr übrig(siehe Zitat). Mein Kopf ist voll, aber ich kann den Sturm nicht bändigen.

Dazu ein schönes Zitat von Marie von Ebner Eschenbach: „Es schreibt keiner wie ein Gott, der nicht gelitten hat, wie ein Hund.“ Ich will mich nicht beschweren, wenn Leid mich läutern und Musen inspirieren sollen, um ein guter Schriftsteller zu sein, dann bitte, muss ich damit leben. Zumindest bin ich in guter Gesellschaft.

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„Er zog in ein Loft in New York, um zu leben, wie die großen Schriftsteller gelebt haben ….“ (Der Dieb der Worte)

Haben die großen Schriftsteller so gelebt? In einem Loft in New York? Nein. Ich denke nicht. Hemingway lebte in seiner Anfangszeit einer kleinen Wohnung in Paris und schrieb nebenbei für Zeitschriften oder als Kriegsberichterstatter. Er ist nicht der Einzige, der lange Jahre brauchte, um die Anerkennung zu bekommen, die er verdiente.

Ich bin Schriftstellerin. Eine kleine, zugegeben, aber ich bin eine. In einem Loft in New York lebe ich nicht, noch nicht einmal in einem Loft in Frankfurt. Allein mir fehlt das Geld. Ich gehe arbeiten. Ich schiebe unser Geld von rechts nach links, um über den Monat zu kommen. Ähnlich wie die alten Meister. Ich erlaube mir den Luxus des Poeten. „Wenig“ zu arbeiten, um schreiben zu können. Ich bin froh, einen Mann an meiner Seite zu haben, der meine Passion akzeptiert und anerkennt.

Obwohl wenig Arbeiten nicht wenig ist. Ich bin Angestellte, Hausfrau, Mutter, Freundin, Ehefrau, Schreibkursleiterin und Schriftstellerin. Vermutlich die falsche Reihenfolgen und im Grunde eine unnötige Rechtfertigung. Aber, wie das so ist, der größte Teil meiner Zeit vergeht im Alltag. Sollte ich es nicht tun? Wer tut dann meine Arbeit? Könnte ich dann so gut oder besser schreiben, dass ich einen Verlag finde?

„Originelle Story, interessante Figuren.“ Was braucht man mehr für ein Buch? Einen guten Stil. Sicher. Meiner ist wahrscheinlich(er ist!) verbesserungswürdig. Ist das ein Verbrechen? Nein. Warum auch? Daran arbeiten ist immer möglich, ich müsste nur wissen wie, warum.

Es ist frustrierend, wenn du gelobt wirst, von Freunden, Bekannten, sogar von Fremden und dann kriegst du von den Verlagen diese Sprüche (siehe oben). Was soll ich davon halten? Was soll ich tun, um besser zu werden?

„Er (der Schriftsteller) hätte jemand sein müssen, den man kennt.“ – „Was ist passiert?“ – „Das Leben.“ (Der Dieb der Worte.)

Ich sollte jemand sein, den man kennt. Nicht weil ich im Rampenlicht stehen will. Ich lege nicht so viel Wert darauf, gesehen zu werden – aber ich würde Wert drauf legen, gelesen zu werden. Ich wünsche mir, dass Menschen lesen können, was ich schreibe, wenn sie wollen. Das es zumindest die Möglichkeit gibt. Wenigstens das.

Hätte ich früher wissen müssen, was ich sein will? Schriftstellerin. Bin ich zu lange dem Leben hinterher gelaufen, mit dem Leben mitgelaufen? Ich weiß es nicht. Man kann nie wissen, was geworden wäre. Vorbei ist vorbei. Zeit kommt, Zeit geht und ich „segele an den wolkengesäumten Küsten meiner Träume“ – um es mit Truman Capote zu sagen. Was für ein wunderbarer Schriftsteller. Einer von vielen wunderbaren Schriftstellern. Manchmal wünschte ich mir nur zu lesen. Ein Buch nach dem anderen, niemals aufzuhören. Wort an Wort, Satz an Satz, bis ich sterbe.

Aber dann höre ich, wie die Geschichten in meinem Kopf entstehen. Sie quälen mich und ich muss mich hinsetzen und schreiben. Bis der Zweifel kommt. Kann ich jemals eine gute Schriftstellerin sein? Wenn ich es wäre, müsste nicht irgendein Lektor sehen, dass ich den Keim in mir trage und mir sagen – „wenn sie daran arbeiten und dies verbessern, dann kann es gut werden“!?

Dann kann es endlich gut werden. Kann es gut werden? Ich bin nicht Hemingway, nicht Capote. Ich liebe Worte, Sätze, Geschichten. Vielleicht bin ich gut, vielleicht nicht. Es gibt Tage, da ich befürchte, ich werde es nie erfahren und es gibt Tage, da ist es mir egal. Aber es gibt etwas, dass mir niemals egal, niemals zu viel ist: das Schreiben – meine Geschichten – meine Figuren, Teil meiner Selbst und doch nie ich selbst. Ich kann brav sein, weil sie es nicht sind. Ich kann ohne Urlaub auskommen, weil sie auf der Reise sind. Ich weine, sie lachen. Ich bin unauffällig, weil sie auffallen. Ich lebe viele Leben. Lebe an allen Orten dieser Welt und unendlichen anderen Welten. Ich habe tausend Zeiten, tausend Zeitalter, tausend Gesichter, tausend Tausende.

Ich lebe in einem Loft in New York. Hoch über den Dächern der Stadt. Nahe dem Himmel, nahe den Sternen – was macht es, dass es nur eine Geschichte ist? Nichts. Es ist mein Leben. Meine Geschichte. Vielleicht liest sie ein einziger Mensch und findet sich darin wieder – dafür hat es sich gelohnt. Die Stunden am Schreibtisch, auf der Suche nach den richtigen, den besten Worten.

Ich segele an den wolkengesäumten Küsten meiner Träume – dafür nehme ich alles andere in Kauf und das ist es am Ende, was die großen Schriftsteller taten. Alles für ihre Kunst zu geben.

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Die 49 Depeschen sind ausgewählte Reportagen und Zeitungsartikel, die Hemingway in den Jahren von 1920 bis 1956 geschrieben hat. Dabei bleibt er seinen Motto treu: Man muss einen einfachen, eindeutigen Satz schreiben lernen. Das tut jedem gut.

Das erste Buch, das ich von Hemingway las war „Paris, ein Fest fürs Leben“. Der Anstoß dafür war der Film von Woody Allen, Midnight in Paris. Dort kommt Hemingway als Figur vor und ich wollte wissen, ob der Schauspieler tatsächlich Ähnlichkeit mit dem echten Hemingway hat. Und wo könnte man das besser feststellen, als in seinen Büchern, besonders dem Buch, auf das sich auch die Filmzeit bezieht. Das Paris der 20er Jahre.

Hemingway stellt sich nach außen eher machohaft dar. Aber tatsächlich ändert sich die Meinung sofort, wenn man seine Bücher liest. Trotz seiner Leidenschaft für die Jagd, war er ein feinfühliger, gefühlvoller Mann, der die Menschen durchschaute und gut beobachtete. Er war interessiert an allen möglichen Themen und seine Art zu schreiben, war direkt und schnörkellos, aber trotzdem detailiert.

An seinen Texten kann man gut erkennen, dass seine Arbeitsbedingungen das Leben war. Das ist es, was einen guten Schriftsteller ausmacht, denke ich. Das Leben. Aus dem schöpfen, was uns im Leben begegnet. Es mag traurig, lustig, dramatisch sein, aber das macht uns aus und unsere Texte lebendig. Es gehört Mut dazu, ehrliche Texte zu schreiben, aber wenn wir anfangen eindeutige Sätze zu schreiben, dann wird es uns gelingen.

 

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„Fang an. Dadurch allein wird das Unmögliche möglich werden.“
Thomas Carlyle

Ein tolles Sprichwort und eine gute Motivation. Letzte Woche saß ich mit meiner Freundin am Tisch, beim Kaffee, und wir stellten (mal wieder) entsetzt fest, wie erschöpft und ausgelaugt wir sind – und das Jahr hat erst angefangen!

Unsere zweite Feststellung galt der Tatsache, dass DAS nicht so weiter gehen kann! Job, Haushalt und dann noch: endlich das Buch zu ende schreiben, dass wir eigentlich schon letztes Jahr fertig haben wollten und das in unserem persönlichen Alltagschaos untergegangen ist.

Aber wie führt man eine Veränderung herbei? Egal wie blöd der Chef sein mag, wie wenig Stundenlohn wir bekommen, oder wie sehr uns die Arbeit unterfordert oder schlaucht, wir wissen, was wir haben. Suchen wir uns einen neuen Job, nicht. Ähnlich ist es mit dem Haushalt. Du weißt, wie es geht, die anderen murren und haben keine Lust, also machen wir es wie immer selbst. Geht auch schneller.

Andererseits hemmen die Angst vor dem Neuen und die Routine unsere Veränderung. Es hindert uns einen neuen Weg auszuprobieren. Und eins steht leider fest: Stillstand ist Rückschritt. Die Zeit vergeht, die Chancen verstreichen. Wenn nicht jetzt, wann dann? Leben mit Angst ist nur halb gelebt. Solange wir leben können wir neu anfangen und man muss es auch, das hat mich das letzte Jahr gelehrt! Ich möchte mir am Ende meines Lebens nicht sagen: „hättest du nur, aber du hast nicht… (dies oder jenes getan). Ich möchte nicht erst totkrank oder altersschwach sein, um dann zu merken, dass ich die guten Gelegenheiten zur Veränderung verpasst habe.

In den letzten Tagen hat sich eine Art Urknall angekündigt. Ich muss meinen beruflichen Werdegang überdenken, und zwar zügig. Eigentlich halte ich nicht so viel von Schnellschüssen, nachdem ich damit schon auf die Nase gefallen bin. Allerdings muss ich zugeben, dass ich kaum so schnell über eine Veränderung nachgedacht hätte, wenn mir dass von außen nicht aufgezwungen worden wäre. Also muss ich in die Strümpfe kommen, was bleibt mir übrig? Geld mag nicht glücklich machen, aber ohne bleibt die Küche kalt. Das ist auch nicht das Wahre.

Ich versuche diesen Zustand nicht als negativ zu sehen, sondern als Chance. Wer weiß, was sich für Türen öffnen?

„Nie entmutigt sein. Geheimnis meines Erfolgs“, sagte Hemingway. Ich gebe zu, das schaffe ich nicht, nie entmutigt zu sein, aber ich versuche mich daran zu erinnern, was ich alles kann, dass ich meine Mitmenschen mag und das es immer einen Ausweg gibt, egal wie utopisch sich dies in dem Moment anhört. Veränderungen kommen nicht von heute auf morgen, aber wir müssen den ersten Schritt tun, damit wir weiterkommen. Also dann, auf die Plätze, fertig, go!

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Ich liebe diesen Film von Woody Allen „Midnight in Paris“. Gil Pender, ein Drehbuchschreiber, der gerne „richtiger“ Schriftsteller werden möchte, trifft im Paris der wilden 20er Jahre die Elite der Schriftsteller und Maler. Hemingway (mit dem er das unten zitierte Gespräch führt), Scott Fitzgerald, T.S. Eliot, Dalì, Picasso, Cole Porter (Musiker) usw. Gil steigt um Mitternacht in ein antikes Taxi, das ihn durch die Zeit in seine bevorzugte Vergangenheit bringt. (Warum ist mir die Geschichte nicht eingefallen *g*?)

Gil: „Und? Hatten sie Angst?“

Hem: „Wovor?“

Gil: „Davor getötet zu werden?“

Hem: „Du wirst nie gut schreiben, wenn du den Tod

Fürchtest. – Fürchtest du dich?“

Gil: „Ja, tu ich. Ich würde sagen, dass ich mich davor

am meisten fürchte.“

Hem: „Das haben andere Männer vor dir auch schon getan

und andere Männern nach dir werden das tun.“

Gil: „Ich weiß.“

Hem: „Hast du dich jemals mit einer grandiosen Frau

geliebt?“

Gil: „Ehrlich gesagt, ist meine Verlobte ziemlich

sexy.“

Hem: „Und wenn ihr euch liebt, verspürst du eine wahre

und wunderschöne Leidenschaft und zumindest für

diesen Augenblick verlierst du die Furcht vor dem

Tod?“

Gil: „Nein, das kommt nicht vor.“

Hem: „Ich glaube, dass eine Liebe, die wahr und rein

ist, einem eine Atempause vom Tod verschafft. Alle

Feigheit rührt vom nicht lieben oder vom nicht gut

lieben, was auf dasselbe hinaus läuft. Und wenn

der Mann furchtlos und treu ist und dem Tod tapfer

ins Auge blickt, wie einige Nashornjäger, die ich

kenne, oder Belmonte (Torero), der wahrhaft Mut

besitzt, liegt es daran, weil er mit genug

Leidenschaft liebt, um den Tod aus seinen Gedanken

zu verdrängen. Solange bis er zurückkehrt, wie zu

allen Männern. Und dann muss man wieder richtig

gut lieben. Denk drüber nach.“

Ich habe darüber nachgedacht. Ernsthaft! Auch auf die Gefahr hin, dass Schriftsteller im Allgemeinen und vielleicht Hemingway im Besonderen ziemlich skurrile Typen mit nicht ganz massenkompatiblen Meinungen und Ideen sind. (Aber es gefällt mir, denn wer will schon wie die Masse sein?) Auf jeden Fall bin ich zu dem Schluss gekommen, dass Hemingway (in dem Film) recht hat. Wer weiß, wer dem Filmschriftsteller Hemingway, die Worte in den Mund legte, oder ob er es wirklich sagte?

Ein original Zitat: „Ich wünschte, ich wäre gestorben, bevor ich jemand anders als sie liebte.“  (Er sprach von seiner ersten Frau)

Ein Gedanke, den ich gut nachvollziehen kann. Doch in diesem Fall ist es unerheblich, ob es der echte oder der Film-Hemingway gesagt hat, weil ich denke, dass es stimmt. Wenn man mit Leidenschaft liebt, dann kann man sich eine Atempause vom Tod verschaffen. Fallen lassen. An nichts mehr denken. Nichts davor und nichts später. – Für diverse Gedanken über Alltagskram und Todesangst ist danach genug Zeit. Lieben wir zu wenig? – Ja, gut – rein rhetorisch.

Ich habe meine Entscheidung getroffen. (Ich glaube: wir lieben zu wenig.) Heute morgen im Auto. Musik dröhnte aus den Boxen. Die Sonne ging über Raureif bestäubten Feldern auf. Der Himmel im zartesten Rosa. Die A 45 frei und ich allein im Auto, auf dem Weg zu Freunden. Automeditation. Es ist wie beim Laufen. Ich kann beim Fahren (vorzugsweise beim Schnellfahren) viel besser denken. Mit der Geschwindigkeit fließen die Gedanken dahin. Wenn es doch nicht so teuer und umweltschädlich wäre … so ist das mit den Leidenschaften.

Leidenschaftlich lieben kann man immer. Jeden Tag, jede Stunde. Ohne Umweltschäden oder Geld. Dazu gehört nur ein offenes Herz. Sollte das so schwierig sein, wenn man sich überlegt was man dafür bekommt? Einen Blick auf die Ewigkeit. Und wenn es nur dieser eine kurze, wahnsinnig ekstatische Moment ist. Am Ende bleibt nur die Liebe, wenn schon alles andere vergangen sein wird. Und in gewisser Weise beruhigt mich das.

 

 

 

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