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Posts Tagged ‘Henry Miller’

Ich bin platt! Echt! Richtig platt! Ich habe einen Band aus erotischen Gedichten und Kurzgeschichten (und schönen Zeichnungen) zusammengestellt – „In den Tiefen meiner Lust“ – und wollte ihn bei einem bekannten Selfpublishing-Verlag veröffentlichen lassen. Gestern kam die E-Mail: Aufgrund des Inhalts werden sie das Buch nicht verlegen. Also habe ich, brav, wie ich bin, angerufen, um zu erfragen, weswegen. Sind es die Bilder oder der Text? Antwort der genervten, unfreundlichen Frau am anderen Ende: alles. Aha!

Wenn es nicht so dämlich wäre, würde ich darüber lachen. Erstens: vermutlich hat niemand überhaupt hinein geschaut (Stichwort: Schlagwortsuche). Zweitens: ich habe einen erotischen Roman geschrieben, der ganz öffentlich über einen „normalen“ Verlag zu haben ist. Drittens: ich habe noch nicht einmal richtig hingelangt *ggg* und das ist jetzt tatsächlich zweideutig zu verstehen! Also nicht, dass die Texte und Gedichte nicht erotisch wären, aber gegen den Roman … ! Ich lass das mal so stehen.

Ich weiß nicht ob ich mich ärgern oder geschmeichtelt fühlen soll?! Schließlich bin ich nicht Henry Miller(ich habe seine Bücher gelesen, da kann „Shades of Grey“ einpacken). Andererseits – und das hat doch was – ich bin ein verbotener Schriftsteller. Und das in Zeiten, in denen dir nackte Brüste, Hintern und Penise, direkt ins Gesicht springen. Eine skurrile Geschichte. Ach, übrigens: ich lache darüber!

Dann muss es eben anders gehen. Ich will die Texte und die Gedichte. Ich will sie in einem Buch! Fallen ja, liegen bleiben nein.

PS.: Ich mag Henry Miller. Soweit dazu!

P.P.S.: Wen die Wörter: Penise, Brüste und Hintern entsetzen, möge sie bitte diskret überlesen. *ggg*

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Egal was ich tue, ich kriege die Gedanken an das Sterben im Besonderen und im Allgemeinen nicht aus meinem Kopf. Ist vielleicht auch ein bisschen viel verlangt, wenn ich bedenke, dass mein Bruder um sein Leben kämpft oder gegen den Tod. Ich fühle mich wie festgenagelt auf diese Gedanken. Wenn ich lese, dann komme ich zeitweise davon weg, aber wenn ich schreiben will und nach Worten suche, komme ich am Ende wieder an diese Kreuzung. Ich bin müde. Mein Kopf ist erschöpft.

Ich möchte den NaNo zu Ende schreiben, oder sagen wir mal weiter schreiben. In diesem Monat werde ich das nicht mehr schaffen. Es sei denn, ich könnte 20.000 Worte schreiben in der nächsten Woche (könnten ja auch weniger sein, wenn die Geschichte zu einem Abschluss käme … ja wenn!). Die Geschichte mit den zwei „künstlichen“ Kreaturen gefällt mir. Jetzt wieder hängen zu bleiben, macht mich bestimmt nicht fröhlich, wenn ich bedenke, dass ich noch einen Roman in der Warteschleife habe. Das frustriert mich nicht nur. Nein! Das deprimiert mich definitiv und macht mich wütend. Am liebsten würde ich mich einfach irgendwo hinlegen, Decke über den Kopf und schlafen, bis alles vorbei ist.

Was ist dieses Alles? Keine Ahnung und davon habe ich zurzeit viel zu viel. Ich mit meiner großen Klappe habe zu allem was zu sagen und eine Meinung und jetzt sitz ich da und krieg keinen graden Satz raus?! Habe ich wirklich was zu sagen? Sind nicht alles nur Nichtigkeiten, Kleinkram? Meine „Probleme“ sind ein Witz, wenn ich an meinen Bruder denke, an dritte Weltländer, Krieg im Nahen Osten usw. Die Liste ist lang. Ich fühle mich elend, weil ich so ein Jammerlappen bin und doch nicht in der Lage mich aus meinem Tief aufzurappeln.

Ich hasse es, wenn die Dinge ihren Sinn verlieren. Muss denn alles einen Sinn haben? Ich fürchte, ich bin tatsächlich so gestrickt. Was ich tue, soll „gut“ sein, auch wenn in diversen Schreibratgebern immer wieder gesagt wird: „Schreiben sie schlecht, um ihren inneren Zensor zu überwinden.“ Mein innerer Zensor hat genug mit meinen allgemeinen Texten zu tun, was alles erst, wenn ich auch noch absichtlich „schlecht“ schreiben soll. Wobei „er“ mir sofort die Frage stellt (und ich sehe sein hämisches Grinsen): „Schreibst du nicht schon „schlecht“? Da musst du es doch nicht absichtlich machen und mir den Tag versauen.“

Gibt es irgendein Gift, das diesen Mistkerl langsam und qualvoll um die Ecke bringt?!

Gedankenkarusselle sind übel. Wohin du sie auch drehst, es kommt nichts dabei heraus. Du landest immer an derselben Stelle. Du weißt meistens, dass deine Gedanken völlig absurd sind und du doch endlich (verdammt noch mal) aufhören solltest sie lang und breit zu treten. Aber du kannst es nicht. Aussteigen! Jetzt sofort! Wenn es jemand gibt, der einen guten Vorschlag hat: Du wirst ein Vermögen damit machen, wenn das funktioniert!

Könnte auch sein, ich bin nicht überzeugt genug von mir. Henry Miller schrieb dauernd, verweigerte sich einer „anständigen“ Arbeit. Pumpte Freunde und Fremde an, schrieb Bittbriefe und machte Zeitungsaufrufe ihn zu unterstützen. Und egal wie viel Erfolg er mit seinen Büchern hatte, er war zwar wütend darüber, nicht genug gewürdigt zu werden, aber er hielt sich für einen guten (sehr guten) Schriftsteller. Das gab ihm sicher auch das Selbstverständnis dafür, dass er ohne Gewissensbisse dazu in der Lage war, die Spenden anzunehmen. Henry war ein entschiedener Mann. In allem, was er tat. Er verabscheute den Krieg und die Atombombe. Hielt Amerika für ein kulturloses Land. Liebte schöne Frauen (besonders wenn sie jung und hübsch waren), schrieb wie ein Besessener und muss trotz aller Widrigkeiten ein charmanter Mann gewesen sein. Er hatte viele Bewunderer, die ihn unterstützten und Himmel und Hölle in Bewegung setzten, um sein Werk drucken zu lassen und zu verbreiten.

Ich lese gerne Biografien von Schriftstellern. Es gibt mir Auftrieb, wenn ich lese, dass sie ebenso kämpfen mussten und es ihnen nicht leicht fiel immer dabei zu bleiben und am Ende Meisterwerke dabei heraus kamen (bei machen erst post mortem). Anderseits macht es mir Bauchschmerzen, weil ich die Befürchtung habe, dass ich nicht so bin. Nicht so enthusiastisch und willensstark. Besonders an diesen Tagen, in denen ich mich so ungelenkig und sprachlos fühle. Rainald Goetz sagte: „Don`t cry work.“ Ja, ja, ich weiß, dass du recht hast. Ich mach ja schon! Aber vorher brauch ich noch einen Kaffee und ein paar Seiten Henry Miller.

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11.November. Tag elf des National-Novelle-Writing-Month. 18699 Worte. Alles läuft. Jeden Tag schreiben. Es geht mir super. Was ist zwischen dem 31.Oktober und dem 1.November passiert?

Ich kann mich kaum erinnern, wann ich den letzten Text geschrieben habe, mit dem ich zufrieden war und der mir leicht von der Hand ging.

Max Frisch schrieb in seinem Buch „Entwürfe zu einem dritten Tagebuch“: Ein fast unüberwindlicher Ekel vor der Schreibmaschine, Versuche mit Handschrift, einmal auch mit dem Tonband, aber das hilft nicht – Muss ich was zu sagen haben? … Ich weiß nicht, was los ist.

Es war eine Erleichterung, als ich es las. Auch die Besten haben Schreibhemmungen. Und der Gedanke: Muss ich was zu sagen haben … den stelle ich mir bei jedem Text, jeder Zeile. Gab es nicht jemand vor mir, der es besser geschrieben hat? Ich gebe mich keinen Illusionen hin. Bestimmt.

Meine Freundin rief mich an. „Du ich habe ein ganz tolles Buch gelesen. Es war so komisch, der Konflikt zwischen den Figuren so gut geschrieben. So ein Buch würde ich auch gerne schreiben. Ich bin auf der Suche nach der ultimativen Geschichte.“ – Genau mein Gedanke, wenn ich zum Beispiel Frankenstein von Shelley lese. Wo finde ich die ultimative Geschichte?

Wenn man Georges Polti glauben darf, gibt es nur eine begrenzte Anzahl von Plots. Er zählt 36 Master Plots auf. Mit Fantasie mixt man aus den 36 noch ein paar weitere zusammen. Heißt, danach ist Schluss. Hat man die geschrieben, fängt man wieder von vorne an, ganz pragmatisch gesehen. Also woher kommt die ultimative Geschichte? Bei über 95.000 Neuerscheinungen im Jahr ist die Möglichkeit, dass sich die Plotmuster wiederholen nicht gerade gering.

Vor drei Tagen habe ich meine Texte durchforstet. Ich wollte wissen aus wie vielen Anfängen ich Romane schreiben könnte. Nach einigen Stunden hatte ich siebzig Anfänge und dabei sind das nur die Anfänge, die ich schon weitergedacht habe (Teilrecherchen, Notizen, Charakter). Doppelt so viele, wie Plotmöglichkeiten und natürlich wiederholen sich die Plots.

Na super! Was sagt mir das? Ich sollte meine Plotideen etwas weiter streuen? Eine gute Idee. Aber ich gebe zu, es gibt Geschichten, die ich nicht unbedingt schreiben möchte. Zum Beispiel lese ich ganz gerne Thriller und Krimis, aber sie zu schreiben, ist nicht so meins. Im Grunde ist die einzige Option, die ich habe, wenn ich auf der Suche nach der ultimativen Geschichte bin, dass ich meine Ideen so gut umsetze wie möglich. Dass ich mein Herzblut und meine ganze Fantasie in die Geschichte stecke, egal wie oft ich diesen Plot schon benutzt habe.

Was bleit mir übrig? Es gibt nur schreiben oder nicht schreiben. Und Letzteres kommt in meinem Universum nicht vor. Ich habe ab und an diese Sinnkrisen. Klar, welcher Schriftsteller nicht?! Aber am Ende zählt einfach nur das Durchhaltevermögen und an sich zu glauben, egal ob es andere tun oder nicht. Über Henry Miller wurde geschrieben: er schrieb überall. Dauernd hörte man seine Schreibmaschine klappern.

Der NaNo ist für mich jedes Jahr die Möglichkeit ein Buch zu schreiben. Ich weiß nicht, was es ist? Ich glaube, es ist die Freiheit einfach drauflos zu schreiben. Ich denke nicht an Plots, Charaktere, Sinn oder Unsinn der Geschichte, nur an das Ziel. 50000 Worte in 30 Tagen. Und siehe da, im Laufe des Schreibens entwickelt sich die Handlung, die Figuren, die Sets, wie von Zauberhand. Während des Jahres schreibe ich mir manchmal auf, über was ich während des NaNo schreiben könnte. Aber bis jetzt waren das nie die Geschichten, die ich letzten Endes geschrieben habe. Es waren immer spontane Einfälle.

Wenn ich meine siebzig Anfänge alle zu Geschichten verarbeiten will, muss ich entweder noch siebzig Jahre NaNo schreiben. Das wird selbst bei guter Gesundheit schwierig für mich, schließlich bin ich nicht mehr zwanzig. Oder ich nehme mir persönlich mehrere NaNo – Monate im Jahr vor. Also bei jedem Monat NaNo wäre ich in fünf Jahren mit den 70 Anfängen durch. Andererseits sind sich einige der Anfänge sehr ähnlich. Ich habe eine, wie soll ich sagen, Favoritenliste gemacht und bin auf die magische 36 gestoßen. 36 Anfänge, die ich noch der „Wichtigkeit“ nach einteilen müsste. Jeden zweiten Monat ein NaNo, sechs Romane in einem Jahr, fertig in sechs Jahren.

Guter Plan. Mathematisch gut gedacht. Aber ich kenne meine Zweifel, meinen Schweinehund, außerdem produziere ich zwischendurch noch neue Ideen, von den zurückgestellten Texten ganz zu schweigen. Ab und an muss ich auch mal arbeiten und echtes Geld verdienen (ohne Kaffee und Käsebrot kann auch der genialste Schriftsteller nicht überleben), den Haushalt schmeißen und soziale Kontakte pflegen.

Was also tun? Ich klemme mich jetzt wieder hinter meinen NaNo 2012. Wenn ich dann voller Euphorie meinen Schweinehund und meine Zweifel besiegt, das Ziel der Worte erreicht habe, kann ich mich an die Lösung des anderen Problems setzen: Welcher meiner Anfänge lässt sich zu der ultimativen Geschichte verarbeiten?!

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