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Posts Tagged ‘Herzen’

Nichts ist wirklich
Nur die Nacht
Wo wir sind ist das Licht
Die Zeit bleibt stehen
Uns keine neue Wunden zuzufügen

Stumme Lippen wiegen
Laute Herzen in Sicherheit
Wir sehen uns an
Augen-Blicke sagen mehr

Zärtlichkeit liegt in der Luft
Süßer Wein und Poesie
Wirbeln Fantasien auf
Was wäre wenn…

Du wagst dich vor
Hauchst einen Kuss
Du und ich als Illusion
Der Zufall eines Augenblicks

Spür die Wärme deiner Seele
Lässt einen Funken überspringen
Schau nicht zurück
Schau nicht nach vorn

Es gibt nur diese Stunde
Wenn der Morgen kommt
Löst sich die Nacht in Träumen auf
Ich muss gehen
Nehm dich mit
Als Glanzlicht meiner Erinnerung

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Seine Gedanken geordnet auf Papier zu bringen und die Magie der sich entfaltenden Wörter zu sehen versetzt uns in Verzückung. Doch der Weg dorthin kann sehr schmerzhaft sein. Der Schreibende schöpft aus seinem Leben, seinen Emotionen, den schönen und den schrecklichen. Schreiben ist verarbeiten.

Wie erklärt man einem Menschen das Gefühl, ein Loch in seinem Herzen zu haben? Ein schwarzes Loch aus Einsamkeit, Angst, quälender Sehnsucht, der Gier nach Liebe, Anerkennung. Gar nicht. Man könnte es einfach aussprechen. Man könnte, aber der Gedanke an den verständnislosen Blick, das Erspüren, wie sich der andere abwendet, der einem gerade noch sagte: „Du kannst mir alles sagen. Ich würde dich nie verurteilen.“

Ich habe es erlebt. Mehr als einmal. Ich möchte einfach zu gerne glauben es könnte wahr sein und mein Gegenüber versteht meinen Schmerz. Leider ist es nicht so. Also behalte ich es für mich, das schwarze Loch. Ich decke es mit Lachen und einem unkomplizierten Gemüt zu. „Immer nur Lächeln immer vergnügt, wie es da drin aussieht, geht niemand was an“, heißt eine Liedzeile aus einer Operette. Diese Lehre habe ich verinnerlicht. Es gibt Dinge, die ich erzähle – Alltägliches, Dinge, die anderen auch passieren können. Die dunkle Seite, die blutenden Wunden, offenbare ich nur in absoluten Ausnahmefällen. Ich bin ein Meister der Täuschung. Ich könnte Undercover-Spion sein. Gefühlsspion.

Meine Geburt war schwierig. Mein Leben stand tatsächlich auf der Kippe. Es wäre gut möglich gewesen, dass mich niemand von den Menschen um mich herum, jemals kennengelernt hätte. Der Zufall hat anders entschieden.

Der Zufall hat entschieden, dass ich schreiben sollte. Das Leben erkennen durch das Schreiben. Geboren werden durch Schreiben. In jedem Satz, jedem Wort steckt mein Blut, vermischt mit Tinte oder Druckerschwärze. Ich lebe meine Ängste, meine Zweifel, meine Liebe, meinen Glauben, meine Lust im Schreiben. Das habe ich schon immer getan. Als ich noch nicht schreiben konnte, dachte ich mir Geschichten aus und erzählte oder träumte sie. Heute schreibe ich sie auf.
Es hat lange gedauert, bis ich es erkannte, aber in einer Zeit, als ich dachte, ich könnte nie wieder Glück empfinden, hat mir das Schreiben das Leben gerettet. „Ich schrieb mir das Leben schön.“ Ich habe mir mein Gedanken-Gefängnis bunt geschrieben. In meinen Texten kann und darf ich alles sagen und tun. Ich muss nichts verheimlichen und nichts bereuen. Das Privileg des Künstlers.

Ich darf so viel Angst empfinden, wie ich sie nie zeigen würde. So viel Tränen vergießen, wie ich nie weinen würde. So viel Liebe erleben, wie ich sie nie hatte. So viel Wut raus lassen, wie ich nie zu lassen würde. So viel Lust und Begehren erfahren, wie ich nie erleben werde. In einer Welt leben, die immer heil und ganz sein wird, egal was draußen vor sich geht. Mit dem Tod ein Tänzchen wagen, auch wenn mir der Gedanke an das Ende, die Luft abschnürt.

Das schwarze Loch in meinem Herzen lässt sich nicht flicken. Ich lebe damit, obwohl ich mir wünsche es wäre anders. Was geschehen ist, ist geschehen. Nichts wird daran etwas ändern. Das Schreiben hilft mir den Schmerz im Zaum zu halten. Meinen Blick auf das Helle gerichtet, auch wenn die die Schatten mich auffressen wollen. Worte sind die Pflaster auf meiner Seele, die die Narben bedecken und mir einen Ort sichern, an den ich immer gehen kann. Meine Fantasie.

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Diese Texte entstanden aus einer launigen Idee heraus, einen kleinen Schreibmarathon mit mir selbst zu veranstalten. Die Anfangssätze der Texte habe ich auf meiner „Schreiberlebentipps“ Seite unter „Kleiner Schreibmarathon“ gepostet. Also für alle die Spaß haben: lasst euch Inspirieren. 🙂

1. Eines Tages beschloss ich ..

Eines Tages beschloss ich von zu Hause fortzugehen. Ich hatte es nicht geplant oder von langer Hand vorbereitet. Es geschah einfach so. Wie bei einem Schuh, bei dem man die Schnürsenkel zu bindet. Eine ganz alltägliche Handlung. Der Grund, der mich zu diesem Entschluss führte, war alles andere als gewöhnlich.

Ich stand morgens früh auf, wie jeden Tag. Wusch mich, zog mich an, schnürte mir die Schuhe und nahm meinen Rucksack für die Uni. Englische Literatur, Kunstgeschichte, Soziologie. Auf dem Weg in die Küche, um mir meine Brote und die Thermoskanne mit Kaffee zu holen, hörte ich auffallende Laute aus dem Wohnzimmer. Wachsam näherte ich mich der Tür. Durch die Milchglastür sah ich bunte Lichter aufleuchten. Sacht drückte ich die Tür auf und warf einen Blick hinein. Ich traute meinen Augen nicht. In der Mitte unseres Wohnzimmers tanzte eine Art Windhose aus Lichtern.

Bis zu diesem Zeitpunkt glaubte ich nicht an paranormale Phänomene. Dieser Wirbelsturm aus Leuchten und glitzerndem Staub ändere meine Meinung schlagartig. Mein erster Gedanke war Nimmerland. Peter Pan und Tinkerbells Feenstaub. Dann fiel mir Dr. Who ein. Aber das war natürlich Unsinn. Ein Kindermärchen und eine TV-Serie. Wo gibt`s denn so was? Zumindest DR. Who konnte es auf keinen Fall sein, der war mit einer blauen Telefonzelle unterwegs.

Bedächtig näherte ich mich der Erscheinung. Ich streckte meine Hand aus. Sofort bewegte sich der Wirbel von mir weg. Ich machte einen Schritt darauf zu. Er wich weiter zurück. Ich blieb stehen und wartete. Nach einer Weile rückte er wieder näher. Ich wartet, atmete ruhig ein und aus. Der Wirbel begann mich zu umkreisen, als nähme er Maß.

Plötzlich wurde er an einer Stelle durchsichtig, als ginge ein Fenster auf. Gebannt starrte ich auf die Öffnung.
Ohne nachzudenken, machte ich einen Schritt nach vorn und verließ mein Zuhause.

2. Ihre Handtasche schien mit … gefüllt zu sein.

Sandras Handtasche schien mit einem Trödelladen gefüllt zu sein. Es gab nichts, dass sie nicht dabei hatte. Zumindest schien es ihren Freundinnen so. Tatsächlich war die Fülle ein Schrei nach Hilfe. Eine Art Schutzpanzer aus Dingen, statt aus Fett. Tatsächlich brachte sie mit ihrer Handtasche im letzten Jahr einen Räuber zur Strecke. Ironie des Schicksals – einen Handtaschendieb.

Sandra verfügte über Dinge für jede Not, in jeder Lebenslage. Taschenmesser, Pflaster, Löffel, Thermobecher, Notizzettel, Stifte, Strumpfhosen, Tampons, Binde, Kondome, Sonnenbrille, Brillenputztuch, Cremes, Busfahrkarten, Fahrpläne, Handy, Zeitung, Schlüssel, Geldbörse, Bürste, Einmal-Handschuhe, Bonbons, Zahnbürste, Fotoapparat, Briefmarken, Postkarten, usw. usw.

Allerdings war nichts von den Dingen in ihrer Tasche geordnet. Bevor Sandra eins ihrer Notfallgadgets finden konnte, war der Grund für die Nutzung oft schon wieder behoben. Das Chaos ihrer Handtasche setzte sich in ihrer Wohnung, in ihrem Leben, in ihrem Herzen fort.

Sandra füllte Terminkalender und kam trotzdem meistens zu spät. Listen mit Wünschen und Zielen zierten ihre Kühlschranktür, ohne dass sie diese jemals erreichte. Sandra träumte und fantasierte, aber das hinderte sie daran, sich tatkräftig für das echtes Leben einzusetzen und ihre Sehnsüchte wahr zu machen.

Doch wie in allen guten Märchen kommt irgendwann der Punkt, an dem das Schicksal ein Einsehen hat und der Prinzessin einen Retter schickt. Sandra wurde von einem unaufmerksamen Raucher gerettet, der seinen glimmenden Stängel mit einem Schnipsen in Sandras Tasche versenkte. Sie fing Feuer, und ehe Sandra sich versah, verwandelte sich ihr Notfallkoffer in Asche und Rauch. Der Brodem verzog sich.

„Entschuldigen sie, darf ich sie zu einem Kaffee einladen?“, fragte der Verursacher des Brandes.

„Das ist das Mindeste“, sagte Sandra und lächelte.

3.Die Party war ein Desaster …

Die Party war ein einziges Desaster. Es fing damit an, dass Molly mich auf die Laufmasche aufmerksam machte, die sich an meiner linken Wade hinaufschlängelte. Da standen wir allerdings längst auf dem roten Teppich und ich hatte keine Gelegenheit sie gegen eine intakte einzutauschen. Was kein großes Manko war, denn die Reporter beachteten mich nicht. Wie auch? Ich habe schließlich nur das Drehbuch geschrieben. Bevor jemand Notiz von mir nimmt, müsste ich erst den Oskar gewinnen. Die Aussicht darauf ist wie ein Sechser im Lotto plus Zusatzzahl.

Ich durfte froh sein, überhaupt an dieser Party teilzunehmen. Der Regisseur meines Drehbuches hatte aus einem, mir rätselhaften, Grund einen Narren an mir gefressen und mir zwei Einladungen zu kommen lassen.

Also huschten Molly und ich an den posenden Stars und Sternchen vorbei in den Veranstaltungssaal. Dabei stieß ich äußerst unglücklich mit dem Schauspieler T.W. zusammen. Bei unserem Crash verschüttete er den Inhalt seines Sektglases über ein spindeldürres It-Girl. Sie trug eine handbreit Stoff, der ihre Knochen mit dem Silikon getunten Busen zusammenhielt. Die Promibrause darauf ließ sie wie eines von diesen Wet-T-Shirt-Girlies aussehen. T.W. nahm das Spektakel recht humorvoll. Ich konnte mir das Lachen nicht verkneifen.

Girlie bekam meinen Ausbruch von Heiterkeit in den falschen Hals und stürzte sich wie eine Furie auf mich. Ich habe es T.W. zu verdanken, dass sie mir keinen physischen Schaden zu fügte. Er schaffte es, mich aus ihren magersüchtigen Krallen zu befreien und in Sicherheit zu bringen. Bei dieser Hop-oder-Top-Aktion verlor ich Molly.

Es dauerte drei Tage, bis ich sie wieder fand. Es erwies sich als Vorteil für mich, das T.W. mich auf meiner Suche tatkräftig unterstützte. Ohne diese Katastrophe hätte ich ihn nie so gut kennengelernt.(Von mir erfahren sie nichts. Ich bin diskret in Liebesdingen.)

Der Stoff, aus dem Hollywoodträume sind. Und ehrlich, es gibt Geschichten, die sind so unglaublich, dass man sie nicht erfinden kann. Wenn ich für das Drehbuch keinen Oskar kriege, dann weiß ich es auch nicht.

4.Das Auto raste …

Das Auto raste mit überhöhter Geschwindigkeit über die regennasse Landstraße. Die Musik im Innenraum übertönte die dröhnenden Motorengeräusche. Adrenalin rauschte durch Sams Adern. Sein Herzschlag dröhnte in seinen Ohren. Er hatte das Gefühl nicht atmen zu können. Gierig sog er die Luft ein, seine Finger krampften sich um das Lenkrad.

Elena betrog ihn. Mit seinem besten Freund. Es war beinahe direkt unter seinen Augen geschehen. Ben war nicht nur sein Freund, sondern auch sein Partner. Sam kannte Ben seit Kindertagen. Nie hatte es einen Streit zwischen ihnen geben, sogar bei Meinungsverschiedenheiten war es ihnen möglich einen Konsens zu finden.

Und jetzt das! Ben hatte Sam das Kostbarste genommen, dass er besaß: Elena und das Vertrauen in den Menschen, den er so gut kannte wie sich selbst. Jedenfalls hatte er das gedacht, bis zu diesem Tag.

Sam besuchte ein Seminar. Vom Ausfall der Veranstaltung erfuhr er erst, als er vor Ort eintraf. Der Seminarleiter hatte einen Herzinfarkt erlitten. Nach einem Kaffe trat Sam den Heimweg an. Er freute sich über das freie Wochenende. So konnte er Zeit mit Elena verbringen. Das war in den letzetn Wochen zu kurz gekommen. Sam kaufte Konfekt und Blumen. Elena liebte rosa Rosen.

Als er vor dem Haus parkte, wunderte er sich, dass Bens Auto vor der Tür stand. Erst vermutete Sam, dass Elena etwas zugestoßen sei, aber als er die Haustür öffnete, sah er Kleidungstücke eines Mannes und seiner Frau im Flur liegen. Musik drang aus dem Schlafzimmer zu ihm herunter. Das war ihre Musik. Elena empfing ihn manchmal damit und in Spitzendessous. Wie von einem Magneten gezogen, stieg er die Treppe hinauf und stieß die Schlafzimmertür auf. Da waren sie. Ben und Elena. Ineinander verschlungen. Elena mit geschlossenen Augen bog sich Ben entgegen, so wie sie es tat, wenn Sam sie liebte. Sie stöhnte leise, während Ben ihren Hals küsste.

Reglos stand Sam da. In seinem Kopf schrie eine Stimme, wie ein Orkan, ohne das ein Laut über seine Lippen kam. Der Schmerz war so elementar, dass sein Inneres erstarrte. Sam drehte sich um und ging. Stieg in seinen Wagen und fuhr los.

5.Ich kann es kaum erwarten nach Hause zu gehen und …

Ich kann es kaum erwarten nach Hause zu gehen und die Welt draußen auszuschließen. In meiner Tasche trage ich ein neues Buch mit mir. Heute war ich im Buchantiquariat von Herrn Meister, stöbern. Er hatte gerade einige neue Kisten randvoll mit alten Büchern bekommen und ließ mir die erste Wahl. Stundenlang kann ich mich durch die alten Wälzer wühlen, ohne Müde zu werden.

Ich wurde fündig. Eigentlich werde ich das jedes Mal. Ich gehe nie ohne Buch nach Hause. Herr Meister weiß, welche Bücher ich bevorzuge und legt mir oft Exemplare zurück, von denen er ahnt, dass sie mir gefallen.

Heute habe ich ein Buch gefunden, von dem ich nicht dachte, dass es überhaupt existierte. Ich las einige Mal in anderen alten Schriften davon, hielt es aber für einen Mythos. Auch Herr Meister hielt die Existenz dieses Buches für unwahrscheinlich, als ich ihm von meinen Forschungen berichtete. Er selbst hat sein ganzes Leben danach gesucht und es nicht ausfindig machen können.

Nun war es mir in die Hände gefallen. Zwischen alten Klassikern aller Couleur lag ein Band aus schwarzem Leder. Vorsichtig nahm ich es aus der Kiste. Als ich die goldenen Lettern auf dem Umschlag las, wusste ich sofort: Das ist es!

Mein Herz schlug bis zum Hals, als ich es heimlich in meine Tasche gleiten ließ. Den Anflug von schlechtem Gewissen, Herrn Meister gegenüber, unterdrückte ich mit dem Gedanken, dass ich das Buch nur leihen wollte. Wenn ich es gelesen habe, werde ich es Herrn Meister zurückgeben.

Das Verlangen es zu lesen ist so übermächtig, dass nichts anderes eine Rolle spielt. Da ist nur der ein obsessive Gedanke: Wissen zu erlangen. Eine Euphorie, die ich noch nie verspürt habe. Ich bin auserwählt! Das Schicksal hat mir das Buch in die Hände gelegt. Ich bin diejenige, die in die Mysterien der nichtsstofflichen Welt eintaucht und unschätzbare Erkenntnisse erlangen wird, die seit Tausenden Jahren verborgen sind.

Teil 2 folgt Freitag 🙂 . Donnerstag ist wieder „Nachtarbeit“ angesagt.

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Für alle die gerne etwas Herz-Schmerz mögen, hier eine meiner heißgeliebten historischen Stückchen :-).

                                 Anno 1856

Die Sonne versank hinter den hohen Bäumen von Staverley Court. Der Himmel war in die verschiedensten orange Töne getaucht. Besonders im September, wenn sich die Blätter der Bäume zu färben begannen, war das Farbenspiel unbeschreiblich schön. Ich ließ den Pinsel sinken und setzte mich auf die breite Fensterbank unseres alten Kinderzimmers. Mit den Jahren hatte ich diese Szene viele Male gesehen, trotzdem hatte sie nichts von ihrer Fazsination verloren. Während ich die Farbenpracht in mir aufsaugte, fragte ich mich, wie oft ich dieses Schauspiel noch verfolgen könnte. Ich seufzte. Was würde  nächstes Jahr um diese Zeit sein? Wo wäre ich und wo meine Schwester Anna? Seit meine Mutter vor zwei Wochen beerdigt wurde, warteten wir auf Lord Justin Stanford, den neuen Besitzer von Staverley Court.

Lord Staverley, Mamas Mann, war nicht mein richtiger Vater, allerdings ließ er mich dass nie spüren und ich hatte ihn sehr gerne. Er heiratete meine Mutter, kurz nachdem mein Vater bei einem Reitunfall ums Leben kam. Sie liebten sich sehr und als meine kleine Schwester Anna geboren wurde, war das Glück perfekt. Anna und ich genossen eine vorzügliche Ausbildung und waren unzertrennlich.

 Vor drei Jahren war Annas Vater an einer starken Grippe erkrankt, hatte sich eine Lungenentzündung zugezogen und starb. Seit dieser Zeit, war Mutter nicht mehr dieselbe. Sie litt unter Depressionen, war anfällig für alle möglichen Krankheiten und nun hatte sie uns auch verlassen. Ich war der Meinung, sie starb an gebrochenem Herzen. Anna weinte sich die Augen aus dem Kopf. Ich war wie erstarrt. Die Menschen, die ich am meisten liebte waren fort. Nur Anna war mir geblieben, sie durfte ich nicht auch verlieren. Ich befand mich in einem schwarzen Loch. In meinem Kopf ging alles drunter und drüber. Wenn Lord Stanford, der letzte männliche Verwandte Lord Staverleys eintraf, erwartete er vermutlich nur eine junge Frau. Was würde er sagen wenn er zwei vorfinden würde, mit denen er sich befassen musste. Besonders, da ich nicht direkt mit seiner Familie verwandt war, was würde mit mir passieren? Unvermittelt überlief mich ein kalter Schauer, trotz der lauen Brise, die durch das offene Fenster herein wehte. Könnten wir zusammen bleiben oder würde er uns trennen? Ich wusste, dass ich das nicht ertragen könnte und auch Anna hatte Angst davor.

Allerdings war das  kein Wunder, wir hatten die Stanfords nie kennen gelernt. Lord Staverley pflegte keinen Kontakt zu der Familie seiner älteren Schwester. Er behauptete immer, seine Schwester schlüge völlig aus der Art. Sie neigte dem Glücksspiel zu und man munkelte, dass sie ihren älteren Ehemann betrog, als er noch unter den Lebenden weilte. Inzwischen war Lord Arthur verstorben und sein Sohn das Oberhaupt der Stanfords. Das erfuhren wir aus der Zeitung. Da wir auf dem Land keine große Beschäftigung hatten, nahmen wir jede Nachricht begierig auf und studierten die Zeitungen solange, bis wir sie auswendig kannten. Besonders seit Mutter krank war, hatten wir kaum noch Umgang mit anderen Menschen, da wir völlig in ihrer Pflege aufgingen und so waren die Gazetten unsere einzige Brücke zur Außenwelt. In der wenigen Freizeit ritten wir aus, lasen uns durch aufregende Reiseberichte aus Vaters Bibliothek und stellten uns vor, fremde Länder zu bereisen. Manchmal richteten wir uns in unserem alten Kinderzimmer ein und malten. Anna war besonders begabt.

 Ich hatte mich zum Malen zurückgezogen, um mich von den kommenden Ereignissen abzulenken. Anna verbrachte die meiste Zeit in ihrem Zimmer und ließ sich nicht bewegen, mit mir zu kommen. Ich sah schon eine ganze Weile aus dem Fenster, als ein Reiter, der die Allee herauf geprescht kam, meine Aufmerksamkeit auf sich zu zog. Wer wollte uns so spät seine Aufwartung machen? Rasch schloss ich das Fenster, zog meinen alten Kittel aus und rannte die Wendeltreppe hinunter in Annas Zimmer.

„Anna!“

Ich stieß die Tür auf und Anna zuckte erschrocken zusammen.

„Anna, tut mir leid, dass ich dich erschreckt habe! Wir bekommen Besuch. Ich glaube, es ist Lord Stanford.“

Ihre Augen weiteten sich ängstlich. Bevor wir noch ein Wort wechseln konnten, klopfte es.

„Herein!“

James, unser Butler, erschien in der Tür.

„Lord Stanford ist eingetroffen und wünscht Miss Staverley zu sehen. Ich habe ihn in die Bibliothek geführt.“

„Danke, James! Sagen sie ihm, wir kommen gleich.“

James zog sich leise zurück.

„Nein, bitte, Eliana, ich will ihn nicht sehen. Bitte, rede du mit ihm!“, Anna sah mich beschwörend an.

„Aber Anna, er will dich sehen!“

Ich fasste nach ihren Händen, sie waren eiskalt.

„Ich kann das nicht! Ich befürchte, ich falle in Ohnmacht, wenn ich ihm gegenüber treten muss. Sag ihm, ich liege im Bett und fühle mich nicht wohl!“ Anna begann zu schluchzen. „Bitte!“

 „Na, gut!“ Ich atmete tief durch.

„Viel Glück!“

Anna drückte dankbar meine Hände.

„Danke, dass kann ich gebrauchen!“

Ich richtete mich kerzengerade auf, und mit aller Würde, die ich aufbringen konnte, ging ich hinunter. So musste es sich anfühlen, zu seiner eigenen Hinrichtung zu gehen. Ich dachte an all die Gerüchte, die wir über Lord Justin gehört hatten. Er war ein überragender Reiter, dem die Frauen zu Füßen lagen. Seine neuste Errungenschaft war die schöne Lady Isabell. Lord Stanford war als gefühlskalt und zynisch bekannt, ein Mann ohne Nerven, der keine Gefahr scheute. Das war der Grund für Annas Abneigung. In ihrer Trauer konnte sie keine harten Worte vertragen und fing bei jeder Kleinigkeit an zu weinen.

Vor der Bibliothek blieb ich stehen, straffte meine Schultern und klopfte.

„Herein!“

Vorsichtig öffnete ich die Tür und trat ein. Das Feuer im Kamin verbreitet ein warmes Licht. Lord Stanford sah in die prasselnden Flammen, mit dem Rücken zu mir. Eine letzte gute Gelegenheit die Flucht zu ergreifen.

„Guten Abend, Mylord“, meine Stimme zitterte.

Lord Stanford richtete sich zu voller Größe auf und drehte sich zu mir um. Ein leicht erstaunter Ausdruck trat in seine Augen, als er mit fester, kühler Stimme sagte:

„Guten Abend, Miss Staverley. Ich hielt sie für jünger!“

Ich hatte es geahnt.

„Miss Staverley ist jünger. Sie lässt sich entschuldigen. Seit dem Tod unserer Mutter befindet sie sich nicht gut“, versuchte ich mich souverän zu geben.

„Anna hat eine Schwester?“

Er kam aufreizend langsam näher. Interessiert musterte er mich ich. Trotzdem ich nicht klein war, überragte Lord Stanfort mich mindestens um einen Kopf. Er sah mich durchdringend an und ich fühlte mich nicht wohl in meiner Haut. Wie ein Kaninchen in der Falle.

 „Wie heißen sie?“

Er fixierte mich mit seinen kühlen blauen Augen und ich antwortete mit zitternder Stimme.

„Eliana Lefay.“

Justin zog eine Augenbraue hoch.

„Sie sind Französin?“

„Ja, zur Hälfte. Mein Vater war ein französischer Edelmann. Anna ist meine Halbschwester.“

„So, so!“

Er ging einmal um mich herum und begutachtete mich. Wie ein Pferd auf einer Auktion. Ich rührte mich nicht und sah auf meine Schuhspitzen.

„Nun, ich denke, dass wird die Sache nicht unnötig erschweren.“

Ich wandte den Kopf.

„Welche Sache?“

Was meinte er?

„Sie und ihre Schwester gut zu verheiraten.“

„Heiraten?“

Ich war sprachlos.

„Natürlich! Was sollte ich sonst mit ihnen tun? Mir obliegt die Verantwortung für sie und ihre Schwester. Für zwei junge Damen ihres Alters, ist es das Beste, zu heiraten und versorgt zu sein. Schließlich habe ich auch noch andere Verpflichtungen, als auf sie aufzupassen.“

„Andere Verpflichtungen? Sie meinen wohl Lady Isabell?“, rutschte es mir ausversehen heraus.

Sofort traf mich ein strafender Blick seinen stahlblauen Augen. Ich zuckte unter dieser Kälte  zusammen und entsetzt sah ich ihn an, als er weiter redete.

„Ihre Schwester wird eine Mitgift von 80.000 Pfund erhalten. Und was ist für sie vorgesehen?“

„Im Fall einer Heirat wird ein Trust frei, der etwa 50.000 Pfund wert ist“, antwortete ich tonlos.

„Das erleichtert meine Pläne um einiges.“

Lord Stanford klang völlig gleichgültig. Er wollte uns loswerden, verkaufen. Und bei dem Geld, das uns bei unserer Hochzeit zustehen würde, hätte er sicherlich keine Probleme einen Abnehmer für uns zu finden. Meistbietend ersteigert. Das konnte nicht sein ernst sein. Der Gedanke daran, welche zwielichtigen Heiratskandidaten sich für uns interessieren würden, machte mir Angst. Männer, die es nur auf unsere Mitgift abgesehen hatten, ein widerlicher Gedanke!

In Lord Stanfords Gesicht erkannte ich keine Gefühlsregung. Sollten die Gerüchte wahr sein? Konnte er uns, ohne unsere Wünsche in Betracht zu ziehen, einfach verschachern?

„Ich möchte nicht von meiner Schwester getrennt werden“, wagte ich einen Versucht ihn umzustimmen.

„Ich kann ihnen nichts versprechen. Vorläufig werden sie noch zusammen sein, also sollten sie es genießen. Sie werden die nächsten Wochen auf unserem Familienbesitz verbringen. Meine Mutter wird sie in die Gesellschaft einführen. Alles Weitere wird sich finden.“

Das er damit auf heiratswillige Männer anspielte, war mir klar.

„Von hier fort gehen?“

Meine Beherrschung ließ mich langsam aber sicher im Stich und meine Augen füllten sich mit Tränen. Das war ein einziger großer Alptraum, und ich hoffte daraus aufzuwachen.

„Ich kann sie ja schlecht hier lassen. Zwei junge Damen der Gesellschaft ohne Anstandsdame. Oder wie hatten sie sich das vorgestellt?“

Justin setzte sich hinter den großen Schreibtisch seines Vaters und ließ mich nicht aus den Augen.

„Bis jetzt sind wir sehr gut alleine zu Recht gekommen.“

Alles in mir sträubte sich gegen seine Pläne. Ich senkte den Blick, damit er die Tränen nicht sah, die mir über die Wangen rollten. Als Justin nicht antwortete, fragte ich leise:

„Dürfen wir unsere Pferde und unsere Hunde mitnehmen?“

„Natürlich!“

Seine Stimme klang weicher. Ich sah ihn an und unsere Blicke trafen sich. Mein Herz schlug plötzlich schneller.

„Alles was sie möchten, können sie mitnehmen, ich werde das Nötige veranlassen.“  

„Danke, Mylord“,  ich neigte den Kopf. „Darf ich mich jetzt entschuldigen? Ich bin müde!“

„Sicher. Ich würde morgen gerne mit ihrem Verwalter sprechen, um die finanziellen Dinge zu regeln.“

Auch das noch. Ich gab mir einen Ruck, sah ihn direkt an und sagte:

„Nun, da werden sie wohl mit mir vorlieb nehmen müssen.“

„Mit ihnen?“

Das schien zur Abwechslung ihm die Sprache zu verschlagen.

„Ja, in den letzten drei Jahren habe ich die Bücher geführt und den Besitz verwaltet.“

„Höchst ungewöhnliche Methoden“, er hob irritiert die Augenbrauen.

„Ja, Mylord. Gute Nacht!“

Ich wollte die Bibliothek verlassen, als Justin mich zurückhielt.

„Eliana!“

Er erhob sich und kam zu mir herüber. Seine Nähe machte mich nervös und ich verschränkte die Finger ineinander.

„Sehen sie mich an!“, es klang wie ein Befehl und ich gehorchte. „Sträuben sie sich nicht gegen ihre Zukunft, dann wird es für uns alle leichter sein. Jeder muss seine Pflicht erfüllen.“

Justin legte eine Hand unter mein Kinn und sagte mit rauer Stimme:

 „Wenn ihre Schwester nur halb so reizvoll ist, wie sie, werden sich sicher respektable Ehemänner finden.“

Das konnte alles nicht wahr sein. Mein Kampfgeist erwachte.

„Ich werde niemals einen Mann heiraten, den ich nicht liebe, eher sterbe ich!“

Ich warf meinen Kopf zurück und verließ schnurstracks die Bibliothek.

 

Das konnte heiter werden. Justin sah Eliane kopfschüttelnd hinterher. Er hatte gehofft, wie ein Retter empfangen zu werden, aber das Gegenteil war der Fall. Nicht nur das. Plötzlich wurde mit zwei Mädchen konfrontiert. Eliana schien ziemlich widerspenstig zu sein. Trotzdem die Leute behaupteten, er sei kühl und unnahbar, besaß er genug Menschenkenntnis um erkennen, dass ihre schönen blauen Augen sehr traurig blickten. Die letzten drei Jahre, in denen sie den ganzen Haushalt geführt, ihre kleine Schwester erzogen und ihre Mutter pflegte, hatten ihr sicher große Kräfte abverlangt. Und auch jetzt gestattete sie sich keine großen Gefühlsregungen, weil sie für ihre Schwester stark sein musste. Es tat ihm leid, aber darauf konnte er wenig Rücksicht nehmen. Probleme hatte er auch so genug. Es würde nicht einfach werden, einen Mann zu finden, der Eliana gewachsen war. Allerdings war ihr Aussehen ein großer Pluspunkt. Sie war ein schönes schlankes Mädchen, die langen blonden Haare fielen in weichen Wellen über ihre Schultern, bis zu ihrer Taille und in ihrem fein geschnittenen Gesicht, mit dem schön geschwungenen Mund, standen Augen von einem Blau, wie er es noch nie gesehen hatte. Ob Anna auch so hübsch war und so schwierig? Nun, er würde es morgen wissen.

 

Ich schlug die Tür der Bibliothek hinter mir zu. So eine Frechheit! Wie konnte Justin so gefühllos sein? Ich lief durch die Küche hinaus zu den Ställen. Als ich die Stalltür öffnete schnaubte Brego, mein schwarzer Hengst. Ich betrat seine Box und schlang meine Arme um seinen Hals.

 „Ach, Brego!“

Das erste Mal, seit der Beerdigung unserer Mutter, weint ich. Ich weinte um mich, um Anna und ich hatte Angst vor dem was kommen würde.

„Brego, was soll aus uns werden? Anna und ich werden verkauft. Verkauft an irgendwelche Männer, die wir nicht kennen und nicht lieben. Wenn ich doch auf der Stelle tot umfallen könnte? Aber was würde aus Anna? Ich kann sie doch nicht allein lassen?“

Brego schnaubte leise und stupste mich mit seinem weichen Maul an.

 „Ja, wenn du ein Mann wärst, du würdest mich retten und weit, weit weg bringen. Stimmt`s?!“

Ein leises Geräusch schreckte mich auf.

„Hallo, ist da jemand?“  

„Ja! Ich bin hier!“

Oh, nein! Justin! Wie lange war er schon hier? Hatte er gehört was ich Brego  erzählt hatte? Ich wischte mir verstohlen die Tränen aus dem Gesicht. Justin betrat die Box. Er ließ sich zumindest nichts anmerken, als er fragte:

„Ist das ihr Pferd?“  

„Ja, er heißt Brego!“

„Sehr ungewöhnlich. –  Wie sehr viele Sachen in diesem Haus. Woher kommt der Name Brego?“

Im Halbdunkel konnte ich sein Gesicht nicht erkennen und fragte mich, ob seine Augen wieder so kühl blickten, wie vorhin.

„Es ist ein alter nordischer Name und bedeutet „königlich“.“

Justin trat näher und streckte seine Hand vor, damit Brego seinen Geruch aufnehmen konnte, danach streichelte er ihm sanft über Hals und Nüstern und Brego ließ es sich gefallen. Wenn er mit Menschen so sanft umgehen würde, wie mit Tieren! 

„Und was bedeutet ihr Name, Eliana?“

Er stand ganz dicht neben mir und seine Stimme war plötzlich sehr sanft und eindringlich.

„Mein Name kommt aus dem Griechischen, ein Steckenpferd meines Vaters. Er kommt von Helios – Sonne“, antwortete ich verlegen.

„Eine schöne Bedeutung. Gehen sie jetzt zu Bett und schlafen sie sich aus. Wenn morgen die Sonne aufgeht, sieht alles schon ganz anders aus.“

„Ja, Mylord.“

„Schlafen sie gut, Eliana.“

Ich verließ den Stall. Seine sanfte Stimme brachte mich mehr aus der Ruhe, als seine Distance von vorhin.

Justin hatte alles gehört. Er hatte sich vorgenommen, seine Gefühle außen vor zu lassen,  aber Eliana rührte irgendwie an sein Ehrgefühl. Er würde einen Ehemann aussuchen, den sie akzeptieren konnte.

„Tja, Brego, ich hoffe, sie hasst mich nicht zu sehr, dass würde es uns allen leichter machen.“

Justin tätschelte Bregos Hals und der schnaubte leise.

Ich huschte die Treppe hinauf, mein Herz schlug mir bis zum Hals. Ich hatte kaum Erfahrung mit Männern und Justin war ein außergewöhnliches Exemplar von Mann. Mit seiner anziehenden und gleichzeitig distanzierten Art hatte er sicherlich schon vielen Frauen das Herz gebrochen, aber nicht mit mir! Ich öffnete leise die Tür zu Annas Zimmer. Sie schlief tief und fest, daher ging ich in mein Zimmer und begab mich in mein Bett. Ich war so erschöpft, dass ich schnell einschlief. Entgegen meinen Befürchtungen war mein Schlaf tief und traumlos.

 

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Ich erinnere mich

An Gutes

An Schlechtes

Dinge

Die im Nebel verschwimmen

Erinnerungen

Die im Strom der Zeit

Herauf gespült werden

 

Erinnerungen

Die ich vergessen will

Erinnerungen

Die ich suche und nicht finde

Eine Erinnerung

Will ich immer in meinem Herzen behalten

Das bist du

 

Ich erinnere mich an dich

Sah dein Gesicht

In vielen Träumen

Sah deine lächelnden Augen

In meinen früheren Leben

Suchte dich

Bis ich dich endlich fand

 

Hatte gehofft dass es dich gibt

Ich erinnere mich an dich

Fühlte endlich was Liebe ist

Erinnere mich an ein verschüttetes Gefühl

Das du aufweckst

Endlich kann ich wieder atmen

Ich erinnere mich an dich

Ich liebe dich

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Zungen reißen Seelen aus dem Leib

Blicke schneiden Herzen in Stücke

Lassen die Liebe mit Beilen zur Ader

Malträtiert mit Verachtung und Sarkasmus

 

Zuneigung wird mit Gold aufgewogen

Bist du dein Gewicht wert

Zu leicht befunden und entsorgt

Heimatlos

 

Gefühle bedeuten nichts

Gezahlt mit harter Münze

Liebe geht Konkurs

 

Die Gier frisst

Was die Geier übrig lassen

Nur noch Asche auf den Knochen

Ausgezehrt bis an den Grund

 

Selbst deine Haut hat man genommen

Vergessen deinen Namen

Der auf dem Grabstein steht

Warum tust du dir das an?

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Der Prinz war recht glücklich mit seiner rechten Braut. Sie war bildschön und anschmiegsam, außerdem recht brav.

Und doch war da ein Stachel in seinem Herzen. Die falsche Braut hatte ihm, wenn er ehrlich war, besser gefallen. Dunkles langes Haar, glutvolle Augen und ein Mund, der sich zu küssen lohnte. Ein echtes Rasseweib. Jeden Abend, wenn seine Frau sich zur Ruhe gebettet hatte, stand er auf und sah aus dem Fenster.

Mehr als ein Mal kam ihm der verwegene Gedanke, er könnte die falsche Braut zurückholen und gegen die Echte tauschen, die alles andere als leidenschaftlich war. Aber es gab kein Zurück. Sein Vater hatte die falsche Braut in ein Nagelfass gesperrt und einen Abhang hinunter gestürzt.

Der Prinz seufzte. Seine Braut hatte sich als Gänseliesel im Grunde genommen viel besser gemacht und außerdem hatte sie den Peter im Griff gehabt, den frechen Lümmel. Jetzt faulenzte er wieder den ganzen Tag und spielte den Dienern Streiche.

„Ach, wenn ich nur nicht so vorschnell gehandelt hätte“, murmelte er, „aber jetzt muss ich es so nehmen wie es ist.“

„Wieso?“, fragte eine kecke Stimme hinter ihm.

Der Prinz fuhr herum und sah ein merkwürdig gekleidetes Männlein mit krummen Beinen und einem Buckel.

„Wer bist du?“

„Ich bin Rumpelstilzchen und mache gerne Geschäfte mit verzweifelten Hoheiten“, kicherte das Männlein, das sich insgeheim die Hände rieb. Diesen Dienst würde es sich etwas kosten lassen.

„Je schwieriger der Wunsch, um so teurer“, sagte es daher, als der Prinz fragte, was es denn für den Gefallen verlangen würde, die Bräute zurückzutauschen.

„Ich möchte 1000 Gulden und den Peter“, verlangte es.

„Wozu das?“, fragte der Prinz erstaunt, „1000 Gulden kannst du haben. Aber was willst du denn mit Peter?“

„Weil die falsche Braut beim Teufel Dienst tut und der gibt sie nicht so einfach her. Der will einen Ersatz“, sagte Rumpelstilzchen.

„Aber da nimm doch lieber gleich meine Braut mir“, schlug der Prinz vor und dachte, dass er sehr schlau sei.

„Nein“, widersprach das Rumpelstilzchen energisch, „der Teufel mag keine netten Prinzessinnen. Der will was Freches, das er zähmen kann.“

„Na gut“, lenkte der Prinz ein, „hier hast du das Geld. Wo der Peter schläft weißt du sicher.“

So war der Handel perfekt und der Prinz musste sich überlegen, wie er die echte Braut ohne Aufsehen los wurde. Dafür gab es ja genug böse Feen. 100 Jahre Schönheitsschlaf ließen sich bestimmt irgendwie arrangieren…es kam nur auf den richtigen Preis an.

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… erklang aus dem CD-Player. Ich las gerade Jane Eyre zu Ende. Ich weiß nicht, was es war, diese große alle Hindernisse beseitigende Liebe, das Lied und die Erinnerung an damals. Oder vielleicht einfach meine, durch die drückende Hitze, angespannten Nerven (um gute Ausreden bin ich nie verlegen). Als das nächste Lied anfing, es waren nur die ersten Noten, ich wusste sofort, welches Lied kam, stiegen mir Tränen in die Augen und nichts konnte sie aufhalten. Es heißt: Wenn der Himmel und wird von Bintia gesungen:

Wenn der Himmel sich zu mir runterbeugt
mir ein Lächeln schenkt
hat es sich gelohnt
alle Sorgen kann ich überstehen
denn jeder Tag könnte mein letzter sein
Wenn der Himmel sich für mich öffnen tut
meine Wange küsst
dann kann auch ich hinter den Horizont sehen

Aller Anfang ist schwer
so viele Schmerzen
ich bleib zurück
mit dieser Leere in meinem Herzen
du fehlst mir so
doch ich schau nach vorn
ich lieb dich so, Baby
deshalb lass ich los

Mein Kopf ist zu
voller Gedanken
warum bist du nur
von mir gegangen
ich kann nicht essen,nicht schlafen,

nicht lachen ohne dich
doch ich weiß auch
es ändert sich, alles ändert sich

Keine Angst vor Gefühlen
was auch kommt
nach dem Regen lacht die Sonne
und die Blumen gehen auf

Wenn der Himmel sich für mich öffnet und
meine Wange küsst
dann kann auch ich hinter den Horizont sehen

Ich weinte, als hätten sich alle Schleusen geöffnet und konnte nicht aufhören. Ich mochte dieses Lied schon 2005. Es drückte genau das aus, was ich damals fühlte und heute spülte es alles wieder hoch. Damals: unsere Lieder, die durchwachten durchliebten Nächte, die langen Gespräche, Liebesschwüre, das Hochgefühl des Begehrtseins. Die Sehnsucht, die mein Herz schneller schlagen ließ, wenn ich auf ihn wartete und die mit jeder Sekunde wuchs, wenn er ging. Die zärtlichen Gesten, die süßen Küsse, die Erregung und die Tausende Schmetterlinge, das Gefühl jemandem alles zu bedeuten.

Wo ist es hin? Im Alltag zerronnen, dahin geschwunden im Stress der Arbeit, der verzehrenden Selbstverständlichkeit oder einfach untergetaucht im Nebel sich wiederholender Tage aus ständiger Nähe und Eintönigkeit.

„Ich bin nun seit zehn Jahren verheiratet. Ich weiß, wie es ist, ganz für und mit dem Menschen zu leben, den ich auf Erden am meisten liebe. Ich schätze mich zutiefst glücklich – glücklicher, als Worte es auszudrücken vermögen, denn ich bedeute meinem Gatten alles im Leben und er mir. … Und Zusammensein bedeutet für uns, dass wir uns in Gegenwart des anderen so frei fühlen, als wären wir allein, und dabei so fröhlich und unbeschwert sind, wie in Gesellschaft. Ich glaube, wir sprechen den ganzen Tag miteinander, denn miteinander sprechen ist ja nichts anderes als angeregtes, lautes Denken. Mein ganzes Vertrauen gehört ihm und auch er hat mir sein ganzes Vertrauen geschenkt.“

Jane Eyre, Charlotte Bronte

Aus Realitätsgründen sehe ich davon ab, die Zeilen zu zitieren, in denen Charlotte schreibt, „sie waren stets zusammen und harmonierten in jeder Hinsicht, vollkommene Eintracht und Übereinstimmung seien die Folge.“ Nobody is perfect, das ist selbst mir klar. Auch wenn manche Menschen mir einen Hang dazu bescheinigen, dass ich meinen Kopf in den Wolken trage. Jane Eyre ist Literatur und oft ist Literatur das Ideal, das wir in uns tragen. Erwarte ich zu viel? Soll ich nichts erwarten? Ist es zu viel zu erhoffen, dass man das Interesse für den anderen behält, seiner Gesellschaft nicht überdrüssig wird, ebenso wenig wie dem Pochen des anderen Herzens?

Einverständnis und Frieden sind toll. Aber wo ist damals? Unser Lied? Bintia singt: Alles ändert sich. Ich weiß das. Sehr gut sogar. Ich bemerke es jeden Tag. Ich muss nur in den Spiegel schauen oder meine Kinder ansehen. Alles ändert sich. Die Zeit läuft und egal ob es mir nun passt oder nicht, damals ist vorbei. Ich will nicht im Damals feststecken. Doch ich bedauere, dass wir so oft in unserer Alltäglichkeit gefangen sind, dabei kostet es so wenig uns ein bisschen Damals zurückzuholen. Nur ein Lied. Eine laue Nacht im Wald, wenn die Glühwürmchen ausschwärmen und alles märchenhaft verzaubert vor uns liegt. Der Geschmack von Schokoladeneis, der uns den Sommer ins Gedächtnis ruft, in dem wir uns so sehr liebten, dass wir es ohne das Pochen des anderen Herzens keine Sekunde auszuhalten glaubten.

Könnte ich doch die Jahre zurückhalten, meine Tränen verbergen in meinem sehnsuchtsgeplagten Herzen, gestern gestern sein lassen. Leider habe ich das Gefühl, dass ich dem Horizont zu nahe bin, um mich nur mit vergangenen Träumen zufrieden zu geben.

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