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Posts Tagged ‘Höhe’

Tintenfass, Bleistift, Duftkerze, Schere, Kaffeetasse, Federhalter, Lesezeichen, Kalender, Brille, Orchidee, Hexensteine, Tagebuch, Schal, Briefe, Notizbuch …

 

In meiner linken Hand fühlte ich die Hitze des Hexensteins. Ein Duft aus Sandelholz und Weihrauch hüllte mich ein. Ich konzentrierte mich völlig auf mein Vorhaben. Behutsam tauchte ich die silberne Feder in die nachtschwarze Tinte. Vorsichtig setzte ich die getränkte Spitze auf das feine Papier meines Notizbuches. Zaghaft schrieb ich das erste Wort. Scharf hoben sich die dunklen Buchstaben auf dem cremefarbenen Papier ab. Nichts ist für immer und doch kam es mir vor, als könnten meine Worte die Ewigkeit überstehen. Das zweite Wort wurde sichtbar, dass Dritte und so fort. Immer schneller glitt die Feder über das Papier. Füllte Seite um Seite.

Ich befand mich in einem Rausch und vermochte nicht aufzuwachen. Ich ging durch die Räume meiner Fantasie, während die Feder meine Geschichten aufschrieb. An nichts anderes konnte ich denken, weder Hunger noch Durst verspüren. Tage vergingen ungesehen, Nächte huschten an mir vorbei. Allein die Feder bannte Worte auf Papier. Anfangs nährte mich die Euphorie, aber je länger es dauerte, umso mehr zehrte sie mich aus. Gleichwohl vermochte ich mich nicht zu lösen. Nur noch ein Schatten meiner selbst verhallte irgendwo auf den gefüllten Seiten mein Leben, in dem Wunsch etwas Großes zu hinterlassen.

Ich erkannte, dass ich sterben würde. Mit der Feder in der Hand. Die Folge des unbedachten Wunsches, mich aus der Masse herauszuheben. Besonders zu sein. Mich auf den Blättern, die meinen Kosmos bedeuten, verewigt zu sein. Nicht zufrieden mit dem langweiligen, seichten Leben, dass die Welt mir bot. Nein, ich wollte hinaufsteigen in die höchste Höhe und hinab in die tiefste Tiefe. Wollte alles. Dass ich dafür alles geben musste, hatte ich nicht bedacht.

Es war zu spät. Die Tinte neigte sich dem Ende und die Feder war bereit den Schlusspunkt zu setzen. Ich spürte den Hexenstein in meiner Hand erkalten. Er brannte aus, so wie ich meine Lebenskraft verbrannt hatte, in dem Bestreben nie vergessen zu werden und damit unsterblich zu sein. Die Kunst ist eine fordernde Gebieterin. Es gibt nur Alles oder Nichts. Ich hatte meine Wahl getroffen und bezahlte den Preis. Ein Leben für Worte.

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Band, faul, Spiegel, Spitze

„Sei nicht so faul, Eliza! Gib mir das Spitzenband da. Das weiße mit den goldenen Röschen.“

Kitty stampfte mit dem Fuß auf und sah Eliza mit zusammengezogenen Augenbrauen und herunterhängenden Mundwinkeln an. Eliza hatte die Arme untergeschlagen und machte keine Anstalten sich zu bewegen.

„Ich muss auf dem Ball wunderschön sein! Austin muss sehen, dass er keine bessere haben kann!“, jammerte sie.

„Wie heißt das Zauberwort?“

Eliza verkniff sich ein Grinsen. Kitty war eitel, launisch, hager und verbissen, aber ihre Mitgift war so hoch, dass die Freier Schlange standen. Nur Austin nicht. Obwohl keine Aussicht bestand, dass er in nächster Zeit zu Vermögen kommen würde. Er hatte nur den Titel und seine Ehre.

„Bitte!“, Kitty versuchte ein Lächeln. Es verunglückte. „Siehst du nicht, dass ich hier nicht weg kann?“
Kitty stand auf einem Podest, die Arme in die Höhe gestreckt und wedelte mit den Händen in Elizas Richtung. Eine Schneiderin steckte ihr gerade die Seiten über der Taille ab.

„Bitte Miss Kitty, stehen sie still. Ich übernehme keine Verantwortung dafür, wenn sie von einer Nadel gestochen werden“, tadelte die Schneiderin Kitty.

Kitty presste die Lippen zusammen und versuchte still zu halten. Mit den Augen gab sie Eliza ein Zeichen. Aufreizend langsam setzte sie sich in Bewegung und brachte Kitty das geforderte Band. Der Ball wird spannend, dacht sie, Kitty beißt sich an Austin die Zähne aus.

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Für Sivvy

Elegie für Sivvy (Für Silvia Plath)

 

Sie ist fort

Einfach gegangen

Warum

Sie, die Einzige, die mich verstand

Die Tiefe, die Höhe, die Fülle

Meines Schmerzes, meiner Sehnsucht begriff

Ich bleibe zurück

Verzweifelt, allein

Mit so vielen Tränen

Meine Gedanken laufen ins Leere

Was soll ich tun

Ohne sie

Sie gab meinen Träumen einen Namen

Zeigte mir neue Wege

Und stahl sich einfach davon

Was werde ich tun

Wenn das Dunkel weicht

Die Dämmerung beginnt

Ich zünde ein Feuer für sie an

Das ich mit meinen Tränen nähre

Wort für Wort füg ich hinzu

Damit sie mir von einem fernen Ort

Ein Lächeln schenkt

Ihr jähes Ende nicht vergeblich war

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