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Posts Tagged ‘Hotel’

„Was war das Schrecklichste, das du je getan hast?“

Sander sah mich aufmerksam und mit einem lüsternen Funkeln im Blick an.

„Das ist eine merkwürdige Frage, besonders da wir uns kaum kennen“, wehrte ich ab.

Ich stand auf und ging zum Fenster. Ich wollte nicht, dass er mein Gesicht sehen konnte. Denn trotzdem wir uns erst vor ein paar Tagen in diesem Hotel kennengelernt hatten, war ich von ihm fasziniert. In verschiedener Hinsicht. Erstens war ein ausgesprochen gutaussehender Mann. Tatsächlich war er geradezu schön. Und zweitens schien er in den Menschen lesen zu können. Ihre Wünsche, ihre Neigungen – gute wie schlechte – und mehr als einmal erlebte ich, dass er ihnen ihre Geheimnisse entlockte. Wie er es machte war mir unbegreiflich. Eins war mir allerdings aufgefallen. Sander sah der betreffenden Person tief in die Augen oder er berührte sie.

Ich musste mich vor ihm in Acht nehmen. Mein Geheimnis durfte nie bekannt werden, auch wenn es bedeutete, dass ich mich von Sander fernhalten musste.

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Ich komme nun zu der vielleicht merkwürdigsten Episode meiner ganzen langen Karriere in Indien.

Obwohl manche Leute meinen mögen, dass allein die Karriere einer jungen Frau, als Hotelbesitzerin in Indien, das Prädikat skurril verdient hat. Ich würde gerne widersprechen, doch tatsächlich bin ich auf eine ungewöhnliche Weise dazu gezwungen worden, diesen Weg einzuschlagen.

Der Bruder meiner Mutter holte mich nach dem Tod meiner Eltern nach Indien. Er führte in Bombay das erste Hotel am Platz. Ich war kaum zehn Jahre alt und fand mich innerhalb weniger Wochen aus meinem kalt-feuchten Lebensraum in England versetzt in eine Welt aus „Tausend und einer Nacht“. Die farbenfroh gekleideten Menschen, die mich wegen meiner hellblonden Haare anstarrten und versuchten sie zu berühren, die labyrinthischen Basare mit den verschiedensten Düften, überbordenden Warenlagern aller Art, Paläste mit Wasserspielen und fantastischen Gärten, daneben die Armenviertel, die undurchdringlichen Urwälder und heißen Steppen.

Ich war wissbegierig, lernte die Sprache schnell und genoss die Freiheiten, die sich reichlich boten und die ich in England niemals gehabt hätte. Als mein Onkel nach einem Malariaanfall starb, war ich gerade 19 Jahre alt, auf mich allein gestellt und durch Erbschaft in den Besitz des Hotels gelangt.

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Reisetasche, Henkel, Flasche, Verabredung, schwarz, Wanderung

In der letzten zwei Wochen passierten so viele kleine und große Katastrophen, dass ich das Gefühl habe unter einer großen schwarzen Wolke zu leben. Darum wehrte ich mich mit Händen und Füßen gegen die Wanderung durch den Green Forrest. Ich hätte auf mein Bauchgefühl hören und die Verabredung absagen sollen.

Das erste Missgeschick geschah bevor ich das Haus verließ. Der Henkel meiner neuen Reisetasche riss ab, sie rutschte mir aus der Hand und fiel zu Boden. Auf der Fahrt zum Hotel, dass die Basis unseres Ausflug bildete, platzte mir eine bei einer Pause auf dem Rastplatz eine Mineralwasserflasche. Ich stand in nasser Hose und Shirt da.

Sandy schüttelte nur den Kopf.

„Wie viel Pech kann ein Mensch eigentlich haben“, sagte sie und sah mich mitleidig an.

„Die Frage habe ich mir auch schon gestellt. Danke, dass du mich noch mal darauf hinweist“, antwortete ich gereizt.

„Du bist aber schlecht drauf“, maulte sie mich an.

„Bin ich auch! Und du musst nicht noch in meiner Wunde bohren.“

„Ich bohre nicht! Ich bekunde Mitgefühl!“

„Darauf kann ich verzichten. Ich sollte gar nicht hier sein, sondern in meiner gemütlichen Stube auf dem Sofa.“

„Dann hau doch ab!“, schrie sie, ließ den Motor an und fuhr los.

So stehe ich plötzlich irgendwo in der Pampa, kein anderes Auto weit und breit, und mein Handy in meiner Tasche in Sandys Auto. Super!

Gut, ich gebe zu, man soll die Hand, die einen füttert nicht beißen, aber das nächste Mal fahre ich mit meinem Auto. Wenn einer wegfährt, dann bin ich das.

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Ein Lagerfeuer, ein Schrei und eine Lüge, die immer größer wird

Sandra sprang auf und schrie:

„Ich glaube dir nicht, Scheißkerl! Du hast mit der kleinen Schlampe von Rezeptionistin gebumst!“

Ihre schrille Stimme hallte weit in die Stille der Nacht hinein. Die anderen Mitglieder der Gruppe sahen schweigend in die Flammen des Lagerfeuers. Seit sie das Hotel zu der Wanderung durch den Nationalpark verlassen hatten, steigerte sich Sandra immer weiter in ihre Vermutungen hinein.

Andy zuckte mit den Schultern.

„Glaub, was du willst. Warum bist du überhaupt mitgekommen, wenn du denkst, ich bespringe jede Frau, die nicht bei drei auf dem Baum ist?“, er lachte hämisch und der Sarkasmus troff aus seiner Stimme, „aber du hattest schon immer einen Hang zum Masochismus.“

Das Maß war voll. Sandra stürzte sich wie eine Furie auf Andy. Er kippte vom Baumstamm nach hinten, sie legte ihre Hände um seinen Hals und drückte zu. Martin und Klaus sprangen auf. Sie mussten alle Kräfte aufbieten, die strampelnde, um sich schlagende Sandra von ihrem Mann herunterzuziehen.

 

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