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Posts Tagged ‘Käfig’

Ratten im Paradies. Der Gedanke ist schon ziemlich lustig, aber, wie im Buch beschrieben, einleuchtend. Die „armen“ Ratten in den versiften engen Käfigen brachten sich in einen Dauerrausch, in dem sie von Drogen versetztem Wasser tranken. Kein Wunder, um das zu ertragen, muss man dauerhigh sein. Als dann die Ratten, die vorher „süchtig“ waren, in einen paradiesähnlichen Käfig kamen, hörten sie auf von dem mit Rauschgift versetzten Wasser zu trinken.

Was sagt das über uns aus? Paul sagt, dass wir uns durch Beziehungen, Jobs und unserer Leben „in den Käfig sperren“ lassen. Die Betonung liegt auf: Wir sperren uns ein. Kein anderer. Ab einem bestimmten Zeitpunkt sind wir verantwortlich für unser Leben und das, was wir tun. Eigenverantwortung. Erkenne und handele. Das bedeutet nicht darüber nachzudenken, wie schrecklich unsere Kindheit doch war … auch wenn sie es war und uns eine gewisse Prägung mit gibt. Es würde bedeuten sich aus dem Staub der Vergangenheit zu erheben und sich zu sagen: Wie sieht es in meinem Leben aus? Was kann oder will ich ändern? Und vor allem, warum?

Ich stelle bei mir immer wieder eine gewisse „Neidtendenz“ fest. Aber statt auf die anderen zu schielen und meine Energie mit Grübeleien zuverschwenden, sollte ich mich fragen, warum mir das so gut gefällt und was ich tun kann, um diese oder jene Seite von mir stärker hervor zu bringen. Allerdings sollte ich dabei bedenken, dass ich eine gewisse Trägheit mitbringe, die mich öfter hemmt, als antreibt. Andererseits habe ich mir dieses Leben ausgesucht und ich fühle mich in „meiner kleinen Welt“ ganz wohl. Ich mag es, in Ruhe auf meinem Sofa zu sitzen und zu lesen oder etwas anderes zu tun. Das, was ich in meiner Kindheit nie konnte, weil ich dauernd raus geworfen wurde. Stubenhocker!

Frage: Warum sollte ich nicht das tun, was meiner Natur am nächsten kommt? Es gibt keinen Grund. Wenn ich drin sein will, dann darf ich das. Ich bin erwachsen und erlaube mir das. Und wenn es draußen schön ist, darf ich trotzdem auf dem Sofa sitzen und muss nicht „das schöne Wetter ausnutzen“. Ich kann, aber niemand kann mich zwingen. Zu den meisten Dingen zwinge ich mich selber, weil ich denke, ich müsste es tun. Aber Fakt ist: Ich muss gar nichts. Ich will. Das würde meinem kleinen Schweinehund im Übrigen sehr entgegen kommen.

Und ehrlich: Thai Chi ist ja nett, aber was ich eigentlich will wäre: Tanzen. Was mach ich bloß? Ich müsste das mit meinem Mann besprechen, aber für ihn ist das natürlich nicht das Gelbe vom Ei. Ihn zu etwas zwingen, was ihm keinen Spaß macht? Dann wäre er in dem Fall die Ratte, die stoned werden will, weil sie nicht in diesem Käfig sein will und ich kann schließlich nichts von ihm verlangen, was ich nicht geben will.

Das Schreiben habe ich damals angefangen, weil ich mir mein Leben schön schreiben wollte. Eine Art des Rauschs. Wenn man in den Flow kommt, dann ist man high. Aber schreiben ist nicht nur Flow. Schreiben ist Handwerk und Disziplin, weil man sonst nie ein Buch fertig kriegt. Schreiben tut es sich nicht von alleine. Man muss schon dran bleiben und Geduld haben, die Gedanken und Ideen auszuarbeiten.

Und beim Essen mag es ja so sein, dass man sich in dem Moment glücklich fühlt (und keiner sagt, dass man nicht etwas Schönes essen dürfte), aber am Ende ist doch die Frage, ob es sich lohnt leere Kalorien zu futtern, die sich so unendlich schwer wieder los werden lassen.

Ich will die Sucht los lassen und mein Leben annehmen, weil ich mich mit meinem Leben und meiner Familie gut fühle. Ich möchte schreiben, weil ich mich gut dabei fühle und weil es mir Spaß macht, aber nicht, weil ich mich selbst unter Druck setze und es ein Zwang wird. Alles, was unter Zwang geschieht, ist zum Scheitern verurteilt. Dinge, die man will, machen Spaß. Dinge, die man muss, sind eine Last. Und ich will nicht mehr essen müssen. Ich will mir das Essen nicht rein zwingen. Ich will essen, weil ich Hunger und Lust habe auf das, was ich esse. Und heute habe ich mir ein Stück Pflaumenkuchen gegönnt, ganz für mich allein.

Mir fällt das Schreiben im Kurs wahrscheinlich leichter, weil es da ein Spiel ist und egal ist, was dabei raus kommt. Es muss keine Form haben, Fehler und Wiederholungen sind wurscht. Das sollte ich mir für meine Projekte auch wieder zu gestehen. Denn ich will „perfekt“ schreiben, das ist wohl meine Natur. Statt es Perfektionismus zu nennen, sollte ich es Gewissenhaftigkeit nennen, das Wort gefällt mir entschieden besser.

Fazit:

  1. Ich bestimme mein Leben selber und nicht mein Leben mich.
  2. Ich darf sein, wie ich bin. Und wenn ich ein Stubenhocker bin, dann bin ich es.
  3. Ich bin gewissenhaft und das ist gut so.
  4. Ich nehme mein Leben an, weil ich es mir ausgesucht habe und weil ich mich darin sicher fühle.
  5. Ich will schreiben, weil es mir Spaß macht und weil ich mich dabei gut fühle.

 

Ich genieße es auf der Couch zu sitzen, zu lesen, Kaffee zu trinken, der Katze zu zusehen, den Wattewolken zuzusehen, die gemächlich grasend über den Septemberhimmel ziehen und Musik zu hören. So laut es mir gefällt! Alles ist gut, so wie es ist. Ich muss es nur sehen und mich in meinem Leben ausbreiten.

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